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Einmal kurz die Welt retten
Verfasser: Alex Thomas [Autorenduo] (8), Anne Grießer (1), Barbara Wimmer (1), Beatrix Klamlovsky (1), Claudia Schmid (7), Dieter Aurass (14), Eva Maria Nielsen (1), Fenna Williams (9), Günter Neuwirth (9), Heidi Troi (13), Ingrid Schmitz (15), Janet Zentel (3), Jennifer B. Wind (9), Katja Brandis (43), Mari März (25), Petra K. Gungl (5), Raoul Biltgen (3), Regina Schleheck (15), Regine Kölpin (28), Reinhard Kleindl (9), Ursula Schmid-Spreer (8), Uwe Laub (5) und Veronika A. Grager (13)
Verlag: Gmeiner (570)
VÖ: 9. März 2022
Genre: Kriminalroman (9815) und Kurzgeschichtensammlung (2617)
Seiten: 416 (Taschenbuch-Version), 421 (Kindle-Version)
Themen: Armut (68), Hunger (47), Klimawandel (79), Obdachlosigkeit (147)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Jennifer B. Wind für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Jennifer B. Wind gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

Afrika Mon Amour

Von Jennifer B. Wind

Sahara, Niger, 28. August 2025


Ich bin in der Hölle. Der Geruch von verbrannter Haut liegt in der Luft. Einbildung? Albtraumhafte Illusion? Meine Fußsohlen brennen, als ginge ich über glühende Kohlen. Ich wage nicht, nach unten zu sehen, und blinzle in die Ferne. Nichts. Nur Sand, Sonne, Himmel und wieder Sand. Eine Maske aus Schweiß, Tränen, Staub, Blut und Haar klebt auf meinem Gesicht. Bloß nicht stehen bleiben, obwohl alles in mir schreit. Immer weiterlaufen. Durch meine Eingeweide frisst sich etwas Böses, das mir nicht viel Zeit lässt, Hilfe zu finden. Etwas, das mir mehr Angst macht als alles andere. Etwas, das unter dem Elektronenmikroskop aussieht wie ineinander verknotete Würmer.
     Blut tropft auf den Sand. So eine Scheiße! Aus meinem Shirt reiße ich einen Stoffstreifen, den achten mittlerweile, und stecke die Enden in die Nasenlöcher. Mein freigelegter Bauch ist von blauen Flecken übersät. Aus einem Hämatom in Höhe des Bauchnabels sickert Blut. Viel zu schnell ergreift es von meinem Körper Besitz. Vielleicht, weil ich geschwächt bin, ausgehungert und ausgedörrt. Was gäbe ich für ein Stückchen Taguella oder einen Schluck aus dem Gdah? Doch schon beim Gedanken daran rebelliert mein Magen. Im Gehen würge ich blutige Galle hoch und spucke sie aus.
     Wann habe ich zuletzt etwas gegessen? Das Dörrfleisch an meinem Rucksack stinkt, das verrührte und abgeseihte Kamelblut hängt in einer Isolier-Flasche am Rucksack. Mein Trinknotvorrat. Ich würge abermals. In meiner Wasserflasche kochen vier, vielleicht fünf Schlucke. Bevor sie verdunsten, werde ich sie trinken. Ein letztes Mal das Gefühl von klarer Flüssigkeit in meinem Rachen auskosten. Unbarmherzig scheint die Sonne auf mich herab. Zusammen mit dem Fieber fühlt es sich an, als würde ich in einem Kessel sitzen. In meiner Lunge kratzt es. Beim Husten landen feine Blutspritzer auf dem Verband meiner rechten Hand, die ich vor den Mund gehalten habe. Und dann passiert, wovon ich gehört und wovor ich mich gefürchtet habe. Meine Beine versagen, ich spüre sie nicht mehr, gleichzeitig zucken meine Arme unkontrolliert. Wie ein nasser Sack falle ich auf den Boden, schnappe nach Luft. Die Wüste verschwimmt vor meinen Augen, und ich denke darüber nach, wie etwas, das sich derart richtig angefühlt hat, so unglaublich schief gehen konnte.

Die Kinder waren in der Pubertät, mein Mann und ich hatten uns nichts mehr zu sagen. Zum Glück hatte ich eine Leidenschaft. Schon Jahre vor dem Abitur meiner Jüngsten habe ich heimlich begonnen zu schreiben, im Keller, in der Waschküche. Den Roman wollte ich verschweigen und publizierte in einem Verlag, der ausschließlich E-Books vertrieb, selbstverständlich unter Pseudonym: Jeff Hicks Debüt war eine Dystopie der etwas anderen Art, in einer außergewöhnlichen Erzählweise und ziemlich brutal. Obwohl ich den Roman mit Freude und Herzblut geschrieben hatte, rechnete ich nicht mit viel Aufmerksamkeit. Das Buch schlug jedoch ein, die Presse war ganz wild nach Interviews, die ich nicht geben konnte.
     Bald meldete sich ein großer Verlagskonzern, der mich unter Vertrag nahm, denn Dystopien standen Ende des 20. Jahrhunderts hoch im Kurs, schließlich wartete jedermann darauf, dass die Maya-Prophezeiungen sich erfüllten. Und dazwischen stand ich: zu kurz für mein Gewicht, flachbrüstig, cellulitegeplagt, mit tiefen Augenringen, Hängebauch, abgekauten Fingernägeln und einem Haar, das nie aussehen würde wie Heidi Klums, obwohl ich erst Ende 20 war.
     Mein Selbstwertgefühl war durch den Erfolg weiter geschrumpft. Was würden die Leser sagen, wenn sie mich bei einem Auftritt sahen? In der Folgezeit mauerte ich mich noch mehr zu Hause ein, bis sich ein Agent meldete. Alles änderte sich. Und wieder bemerkte es niemand.
     Am allerwenigsten Lars, der nach wie vor an meinem rechten Ohr vorbei sah, wenn er mit mir sprach. Nach meiner Rundumerneuerung, seelisch und äußerlich, absolvierte ich mein erstes Interview, gleich im Fernsehen. Lars hatte die Sendung nicht gesehen, aber alle Nachbarn, Freunde und Familie oder was sich dafür hielt. Danach gab es kein Zurück mehr. Drei weitere Romane waren schnell erdacht und zu Papier gebracht. Lars wurde immer unleidlicher. In mir schwoll eine Sehnsucht an, die ich lange Zeit nicht richtig zu deuten wusste und über die ich nur mit meinem Agenten sprach, der auch dafür eine Lösung aus dem Hut zauberte: ein Selbstfindungsseminar auf Madeira. Grüne Smoothies, Yoga, Qigong und vegane Kost waren drei Wochen lang meine Wegbegleiter, und in dieser Zeit reifte der Wunsch, etwas Neues zu wagen. Am besten ganz weit weg von allem, was ich kannte. Raus aus der Box.
     Ich teilte meinem Agenten den Entschluss mit, ein Buch über die Tuareg zu schreiben.
     „Was wissen Sie über dieses Volk?“, fragte er mich.
     Ich blieb stumm. Ratlos. In dieser Nacht schlief ich nicht. Meine Beine wollten nicht stillhalten, mein Geist nicht abschalten. Mein Unwissen ließ mich erzittern und erstaunen.
     Im Internet buchte ich eine Rundreise durch Afrika, die im Süden ihren Anfang nehmen sollte. In Namibia angekommen umfing mich die Hitze wie ein zu schwerer Mantel. Das Brennen in meiner Kehle wurde zu einem steten Begleiter. Und ich fragte mich zum ersten Mal, wie man diese Temperaturen aushalten konnte, ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser.
     Afrika nahm mich sofort in Besitz: die Kargheit der Landschaft, die lächelnden Menschen mit ihren sanften Augen, die wilden Tiere, die ich viel seltener zu Gesicht bekam, als ich gedacht hatte. Und auch das Klima tat mir gut. Zum ersten Mal war von meinen Allergieanfällen keine Spur. Es war wunderschön. Aber frei fühlte ich mich da noch nicht.
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