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KINDLE
 
Sie war meine Königin
Verfasser: Janina Hoffmann (8)
Verlag: Eigenverlag (24117)
VÖ: 4. März 2022
Genre: Gegenwartsliteratur (3772)
Seiten: 506
Themen: Doppelleben (200), Krankheiten (762)
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Constantin Hart liebt Angelina Angelo, die Mutter eines Schulkameraden, die seine Gefühle erwidert. Doch führt Angelina ein Doppelleben, das sie geschickt vor Constantin verbirgt. Jahrelang tut Constantin alles, um Angelina nahe zu sein, nimmt dafür sogar das Zerwürfnis mit seiner Familie in Kauf. Dabei ahnt er nicht, dass die psychische Erkrankung, die er in sich trägt, eine Katastrophe heraufbeschwören wird.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Janina Hoffmann für die Einsendung dieser Leseprobe!
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Während ich mit meiner Tochter im Koffergeschäft in der Fußgängerzone eine Schultasche mit extra viel Glitzer aussuche, die ihren hohen Ansprüchen genügt, am Flughafen auf dem unkomfortablen Kunststoffstuhl weiter in der Zeitschrift blättere oder am Kantinentisch im inzwischen kalt gewordenen Essen herumstochere, versuche ich nicht zum ersten Mal zu verstehen, wann alles anfing und wieso es so enden musste. Wenn dies nicht geschehen wäre, wäre das nicht passiert, und wenn sich das nicht ereignet hätte, hätte es jenes nicht zur Folge gehabt. Es ist eine Endlosschleife, die sich dann in meinem Kopf zu drehen beginnt. Diese Gedanken sind zermürbend, und doch kann ich sie nicht stoppen. Oft halten sie mich nachts wach. Es ist mit den Jahren schlimmer geworden. Ich schlafe zu wenig. Man sieht mir mittlerweile an, dass mich etwas quält. Es fällt mir zunehmend schwer, es vor anderen zu verbergen, insbesondere vor meiner Frau, der ich so viel bedeute. Meine Frau macht sich meinetwegen Sorgen. Sie glaubt, ich stünde kurz vor einem Burnout, weil ich im Büro überlastet sei. Sie redet von Rationalisierung und Arbeitsverdichtung, ist der festen Überzeugung, dass dies noch alle verrückt machen werde. Ich solle mir psychologische Hilfe holen, notfalls den Job wechseln. Es müsse doch noch einen Ort mit erträglichen Arbeitsbedingungen geben. Ich beschwichtige sie. Alles in Ordnung, Schatz. Mach dir keine Sorgen. Mir geht es gut. Ich kann ihr die Wahrheit nicht sagen. Sie würde es nicht verstehen. Und sie würde sich seit Jahren, um nicht zu sagen von Anfang an, hintergangen fühlen, mich sofort verlassen und unsere Tochter mitnehmen. Unsere Tochter, von der ich nicht wollte, dass sie auf die Welt kommt. Ich wollte nie Vater werden. Schon lange hatte ich Bedenken, was ich meinen Kindern vererben könnte. Spätestens, seit du tot bist, weiß ich, dass es das Beste wäre, kinderlos zu bleiben. Meine Frau ist da anderer Ansicht. Sie ist mit vier Geschwistern aufgewachsen, hätte am liebsten selbst eine Großfamilie. Es hat mich viel Mühe gekostet, ihr das auszureden. Lahme Argumente habe ich vorgebracht: Weißt du, was Kinder heutzutage kosten? In diese verrückte Welt willst du Kinder setzen? Ist dir überhaupt bewusst, was für eine Verantwortung wir mit Kindern auf uns nehmen? Meine Frau hat das genauso wenig überzeugt wie mich selbst. Sie spricht ihren Wunsch, mindestens noch ein zweites Kind zu bekommen, weiterhin von Zeit zu Zeit an, doch ich bleibe bei meiner ablehnenden Haltung, die meine Frau nicht nachvollziehen kann. Das würde sich schnell ändern, wenn sie erführe, was ich in mir trage.
     Es kommt vor, dass ich meine Tochter heimlich beobachte, während sie draußen im Garten mit ihren Freundinnen spielt oder am Küchentisch ihre Hausaufgaben macht. Ich versuche, erste Anzeichen zu erkennen, erste Hinweise darauf, dass meine Tochter so wird wie ich. Sie macht auf mich einen ganz normalen Eindruck. Eindeutig zu verwöhnt. Das wäre vermutlich anders, wenn sie kein Einzelkind wäre. Schnell beleidigt, wenn sie nicht ihren Willen bekommt. Und launisch. Von einem Moment zum anderen kann sie aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen in Tränen ausbrechen, um Minuten später, nachdem meine Frau beschwichtigend auf sie eingeredet hat, wieder ausgelassen zu lachen. Mädchen seien nun einmal so, meint meine Frau schmunzelnd, wenn ich andeute, dass unsere Tochter alles andere als ein ausgeglichenes Kind ist. Und ich solle einmal abwarten, was erst in ein paar Jahren noch auf uns zukommen werde. Ich sollte mit meiner Frau offen über meine Befürchtungen sprechen. Ich sollte mit ihr über das reden, was einigen aus meiner Familie, darunter meiner Mutter, widerfahren ist. Ich sollte ihr sagen, was mit mir selbst los ist. Doch es ist einfacher, sich einzureden, dass ich mir völlig unnötig Gedanken mache, dass alles in Ordnung ist, dass wir eine ganz normale Familie sind. In jeder Familie gibt es unschöne Geheimnisse. Auch Geheimnisse, die ein Familienmitglied vor den anderen verbirgt. Um die Familie nicht zu zerstören.
     Wenn dies nicht geschehen wäre, wäre das nicht passiert, und wenn sich das nicht ereignet hätte, hätte es jenes nicht zur Folge gehabt. Im Grunde genommen ist es unwichtig, den Auslöser zu kennen, denn ändern kann ich den Lauf der Ereignisse sowieso nicht mehr. Aber wenn ich die vergangenen Geschehnisse schon nicht ändern kann, will ich sie wenigstens verstehen. Und so dreht sich die Gedankenspirale endlos weiter. Wenn dies nicht geschehen wäre, wäre das nicht passiert, und wenn sich das nicht ereignet hätte, hätte es jenes nicht zur Folge gehabt ...
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