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Patsy Logan 3 - Boom Town Blues
Verfasser: Ellen Dunne (6)
Verlag: Haymon (84)
VÖ: 1. Februar 2022
Genre: Kriminalroman (9946)
Seiten: 312 (Taschenbuch-Version), 303 (Kindle-Version)
Themen: Dublin (87), Gift (341), Irland (485), Kommissare (2862), Mord (7594), Säure (8)
Reihe: Patsy Logan (3)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Dublin zwischen Boom und Krise: Ein Giftmord in besten Kreisen, eine taumelnde Stadt und eine Ermittlerin, die dringend eine Pause braucht.

Patsy Logan ist raus … und mittendrin
Patsy Logan, Kommissarin des Münchner LKA, nimmt sich Bildungszeit, so heißt es zumindest offiziell. Inoffiziell sucht sie in Dublin Zuflucht vor privaten Sorgen und beruflichem Ärger: Ihre Ehe kriselt, der unerfüllte Kinderwunsch belastet sie schwer und der verdiente Karrieresprung wird ihr zugunsten eines männlichen Kollegen verwehrt. Doch Patsy will in Irland nicht nur Abstand von ihrem Alltag gewinnen. Sie möchte auch Hinweisen von Menschen nachgehen, die ihren Vater lebend in Dublin gesehen haben wollen. Das ist einigermaßen verwirrend, denn: Patsys Vater ist seit vielen Jahren tot. Als in der österreichischen Botschaft eine junge deutsche Praktikantin mit Blausäure vergiftet wird, ist es mit Patsys Auszeit und ihren privaten Nachforschungen schlagartig vorbei und sie muss zurück zu ihrer alten Stärke finden. Zusammen mit dem irischen Team und dem Kollegen Sam Feuerstein nimmt sie die Ermittlungen auf - und blickt mitten in die hässliche Fratze von Ausbeutung und Kapitalismus.

Dublin im Taumel
Die Immobilienpreise explodieren im Wirtschaftsboom, der auf die verheerende Finanz- und Wirtschaftskrise der 2000er folgt. Habgier und Gewinnsucht haben die Stadt wie ein Fieber befallen. Sogenannte Vulture Hunters treiben ihr Unwesen: In der Krise billig erworbene Immobilien und Kredite werden nun mit horrenden Zinsen in kürzester Zeit fällig und treiben die betroffenen Schuldner*innen in die Verzweiflung. Gentrifizierung, zerstörte Lebensträume und zerbrochene Familien prägen den Geist einer pulsierenden Stadt, haben so gar nichts mit der nostalgischen Postkarten-Idylle im Reisekatalog gemein. Hier herrscht das Gesetz der Stärkeren, hier öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter. Hier entscheiden einige wenige aufstrebende Karrierist*innen auf ihrem Weg nach ganz oben über die Leben derer, die strampelnd versuchen sich über Wasser zu halten …

Ein Kriminalroman, der deinen Gerechtigkeitssinn auf eine harte Probe stellen wird.
"Boom Town Blues" ist ein Krimi auf allen Ebenen. Die Mord-Ermittlungen werden von der Öffentlichkeit mit Interesse beobachtet, denn: Der Giftanschlag in der Botschaft war kein persönlich motivierter Mord, es geht um Big Business und um viel Geld.
Ellen Dunne eröffnet dir die skrupellose Welt der Vulture Funds und die immer weiter auseinanderdriftenden Realitäten von jenen "ganz oben", der Mittelschicht und Menschen, die zum Leben zu wenig haben. Du fühlst mit den Verlierer*innen des kapitalistischen Systems, aber auch mit jenen, die privat alles opfern für die nächste Stufe auf der Karriereleiter - und dabei täglich einsamer werden. Und du fieberst mit Patsy, deren private Situation sich zuspitzt, als die Vergangenheit plötzlich beängstigend lebendig wird …
Quelle: Haymon
Lesermeinungen (2)     Blogger (8)
MEINUNGEN UND DISKUSSIONEN UNSERER LESER
Kommentar vom 22. Februar 2022 um 19:22 Uhr (Schulnote 1):
» Eigentlich ist Patsy Logan für eine Auszeit nach Dublin gekommen, um sich dort bei ihrer Cousine zu erholen und nebenbei auch ein wenig in der Familiengeschichte nachzuforschen, denn dass beim Tod ihres Vaters alles so war, wie es die offiziellen Berichte darstellen, glaubt sie nicht wirklich. Doch dann wird bei einem Empfang in der österreichischen Botschaft eine junge Deutsche vergiftet und man bittet sie um Amtshilfe. Gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Botschaft soll sie die irischen Kollegen bei den Ermittlungen unterstützen, was auf wenig Begeisterung stößt. So hatte sie sich ihren Aufenthalt nicht vorgestellt, doch die Kommissarin ist durch und durch Polizistin und überschreitet bald schon ihre Grenzen, um die Spuren zu verfolgen, die die Iren nicht sehen wollen.

Ellen Dunnes dritter Auftritt für die toughe Münchner Ermittlerin führt wieder die beiden Länder zusammen, die den Hintergrund der Protagonistin bilden. Auch wenn Patsy von privaten Sorgen geplagt wird, steht in „Boom Town Blues“ der Mord im Zentrum. Schnell schon zeigt sich, dass die Motive jedoch nicht in dem Opfer zu suchen sind, sondern in dem, was Irland in den letzten Jahren immer wieder in die Schlagzeilen gespült hat: der rasante Aufstieg vom einstigen europäischen Armenhaus zum boomenden Finanz- und Immobilienzentrum, das mit der Krise 2008 einen einzigartigen Absturz erlebt hat.

Das ungleiche Duo Patsy und Sam bringt die Untersuchungen recht flott voran, von den Unverschämtheiten ihrer Dubliner Kollegen lassen sie sich weder einschüchtern noch aufhalten und haben so bald schon richtigen Ansatz gefunden. Patsys Ausfälle aufgrund der Trennung von ihrem Mann motivieren ihr Verhalten und auch die Anwesenheit in der irischen Hauptstadt glaubwürdig. Sie ist als Figur interessant gezeichnet, ohne jedoch den Krimi zu sehr damit zu überlagern.

Sehr gut gelungen ist für mich die Verschmelzung von Mordfall und der gesellschaftlich wie politisch brisanten Finanzkrise. Immer wieder wird der zentrale Handlungsstrang durch Einschübe unterbrochen, die einfache Menschen zeigen und Einblick in das geben, wie es vielen Hausbesitzern ergangen ist. Es war keine Krise, die nur Banken betroffen hat, im Gegenteil, die kleinen Eigentümer, die während der Jahre des wirtschaftlichen Aufstiegs zu größeren Krediten verführt und gedrängt wurden, als sie bedienen konnten, sind diejenigen, die es wirklich schlimm getroffen hat und die die Folgen der Spekulationen zu tragen haben. Tragische Schicksale, die so manchen verzweifeln und zu grausamen Handlungen verleiten lassen.

Ein unterhaltsamer Krimi, dessen Ermittlungen zügig und stringent verfolgt werden, wobei der Fall überzeugend in die gegenwärtige Situation Irlands eingebettet ist und geschickt auch die Folgen der Krise verdeutlicht.«
  10      0        – geschrieben von miss.mesmerized
 
Kommentar vom 20. Februar 2022 um 12:03 Uhr (Schulnote 1):
» Hier geht es um die Münchner Kriminalhauptkommissarin Patsy Logan, die eigentlich aus Irland stammt, sie möchte sich mal eine Auszeit gönnen, da sie einfach Zuviel um die Ohren hat, mit Probleme am Arbeitsplatz und um Ihre Ehe mit Stefan Fuchs dem Psychotherapeuten steht es auch nicht gerade zum besten, deshalb ist es mehr eine Flucht nach Irland. Eine Auszeit eben um etwas Abstand zu gewinnen. Da Patsy irische Wurzeln hat, durch ihren Vater Arthur der sich leider vor 23 Jahren das das Leben genommen hatte, dessen Leiche aber nie gefunden wurde. Aber ihre selbst ernannte Auszeit ist leider von kurzer Dauer,. Eine deutsche Praktikantin Laura wurde leider in der Österreichischen Botschaft vergiftet, und Laura soll die irische Polizei etwas unterstützen zusammen mit dem Österreicher Sam Feuerstein. Doch die irische Polizei lässt Patsy nicht in die Karten schauen und gibt ihr niedrige Arbeiten und lässt sie auf keinen Fall alleine ermitteln. So was ist schon frustrierend. Als dann auch noch der Rechtsanwalt Aiden Kelleher erschossen wird, der für eine dubiose Zwielichte Firma gearbeitet hatte, sieht Patsy irgendwie Zusammenhänge, die mit dem Crash von 2008 und den Boom von Irland zu tun hatten, eben eine skrupellose Welt aus Habgier und Gewinnsucht, aber warum sieht das nur Patsy und all die anderen nicht, stecken die mit drin, man weiß es nicht. Das war mein erster Roman von Ellen Dunne und wer weiß vielleicht folgen noch mehr, der Krimi war sehr interessant zu lesen.«
  8      0        – geschrieben von Schlafmurmel
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