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TASCHENBUCH
 
Vom Taumeln zwischen den Kulturen
Verfasser: Peter Biro (5)
Verlag: Weber (2)
VÖ: 25. Oktober 2021
Genre: Biografie (1904)
Seiten: 284
Themen: Kindheit (163), Nachkriegszeit (268), Transsilvanien (11)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Peter Biro für die Einsendung dieser Leseprobe! Hierbei handelt es sich um eine noch nicht veröffentlichte Kurzgeschichte.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

Ausführungen einer startbereiten Frikadelle


Ich weiß, für den nichtswürdigen Gegenstand einer Fleischmahlzeit geziemt es sich nicht, kritische Äußerungen über Gott und die Welt anzustellen, insbesondere dann nicht, wenn man – wie ich erst vor kurzem – etwas zu heiß im Frittieröl gebadet wurde. Aber sei’s drum, ich muss mir jetzt angesichts einiger vorherrschender Ansichten Luft machen, und deshalb sage ich kategorisch: Der vielgerühmte Haftungsausschluss von Teflonpfannen wird total überbewertet. Wenn man sie inwendig betrachtet, kann man klar erkennen, das doch vieles an ihnen kleben bleibt, vor allem, wenn man sie vorher nicht einfettet. Und das hartnäckige Gerücht, dass diese Beschichtung das Ergebnis von Weltraumtechnologie sei, stimmt auch nicht. Das ist eine gerne kolportierte urbane «kitchen legend», wie wir, humanistisch gebildete Fleischmahlzeiten, unter uns zu sagen pflegen.
     Wenn dieses Raketenmärchen wahr sein soll, dann wäre ich sowas wie ein auf Bratgeschirr lizenzierter Astronaut für hohe Gartemperaturen in vorwiegend niedrigen Umlaufbahnen. Aber ich will mich nicht mit unverdienten Auszeichnungen schmücken. Jawohl, auch wir Frikadellen aus naturnah erzeugtem Rinderhack haben einen Ehrenkodex. Dieser besagt, dass wir nicht vorgeben etwas anderes zu sein, als was wir unserem fleischlichen Wesen nach wirklich sind: nämlich die zentrale Sättigungskomponente einer Hauptmahlzeit. Wenn man mich schon mit einer besonderen Auszeichnung bedenken will, dann kann man mir meinetwegen den Ehrentitel Gastronaut vergeben. Das ließe ich mir gefallen. Was ich allerdings nicht leiden kann, ist es, wenn man mich als «Bulette» bezeichnet. Oder noch abwertender als «Fleischklops». Also bitteschön, ich bin eine Frikadelle! Fri-ka-del-le mit zwei «l». Der Begriff kommt aus dem Französischen, der Sprache jener Kulturnation, welche unter anderem die Haute Cuisine und den zart dahinfließenden Schmelzkäse hervorgebracht hat. Auch ich entstamme dieser ehrenwerten Kochtradition, und repräsentiere vor aller Welt eine aus besten Rohmaterialien handgeformte, rundlich gestaltete Fleischspeise, die zugleich wohlschmeckend und sättigend ist. Ich und meinesgleichen stürzen uns im Rahmen von couragierten Ernährungsmissionen in Schlund und Speiseröhre. Dort erkunden wir, in Begleitung unserer erfahrenen Mannschaften bestehend aus Bratkartoffeln und gedünstetem Beilagengemüse, die noch unerforschten Weiten des Verdauungstrakts.
     Mit dem heutigen Raumflug sind wir allerdings noch nicht so weit. Die anvisierten menschlichen Darmabschnitte im Sternbild des Solarplexus müssen noch etwas zuwarten. Die Startvorbereitungen zur demnächst anstehenden Mission D1n-N/ER 0730 (das ist Abendessen um halb acht) sind noch lange nicht abgeschlossen. Noch steht die Leiterin dieses Raumflugs am Herd und schmorrt einen wichtigen Teil der Nutzlast, namentlich Auberginen- und Zucchettischeiben in Salbeibutter. Das dauert sicher noch mehrere Minuten. Mindestens. Danach will sie noch einen Vanillepudding zubereiten, der in den lebernahen Orbit um den Zwölffingerdarm ausgesetzt werden soll – eine sehr undankbare Aufgabe wohlgemerkt, die nur durch den Nachschuss von einem hochprozentigen Digestivum erfolgreich zu Ende geführt werden kann. Die mitgeführten Nährstoffe werden gemäß Flugplan unterwegs absorbiert, während die faserigen Anteile mitsamt dem unverdaulichen Rest am Ende abgekoppelt werden – wahrscheinlich «irgendwo am Arsch der Welt», wie es so schön heißt. Währenddessen sitzt die als Missionsziel ausgesuchte Welt mit ihrem speisungsbereiten Gastralleib vor dem Fernseher und bohrt gedankenverloren in seiner NASA.
     Ganz schön kompliziert so ein kulinarischer Raumflug, nicht wahr? Zumal abgehend aus dem sorgfältig vorbereiteten Speisezimmer mit allem was dazugehört. Auf der festlich geschmückten Tafel sind ein halbes Dutzend runder Startrampen aufgestellt, alle von je einem Satz Trinkgläser, Besteck und einer aerodynamisch gefalteten Serviette flankiert. In der Tischmitte erheben sich, zwei Kontrolltürmen gleich, ein Salz- und ein Pfefferstreuer, um dem bevorstehenden Raumabenteuer die nötige Würze zu verleihen. Meine Abschussrampe, die dritte von links, glänzt im gleißenden Licht des Kandelabers und wartet auf die Ankunft unseres Raumgleiters namens «Yummy XII» mit der mehrköpfigen Mannschaft unter meinem Kommando, um uns endlich auf die ersehnte Erkundungsmission loszuschicken. Eine Flasche erlesenen Rotweins und gleich daneben eine Karaffe mit sprudelndem Kühlwasser sind für die anstehenden Löschaufgaben bis zum Rand aufgefüllt worden, und stehen nun für jede Eventualität während des heiklen Startvorgangs parat.
     Derweil chille ich ein wenig in der Kasserolle und unterhalte mich mit Selina, der sorgfältig blanchierten Sellerie vom Tellerrand. Sie ist unsere Funkspezialistin und gleichzeitig für die Bordunterhaltung zuständig. Mit leicht einwärts gebogenen Stangen klagt sie, sie habe ein wenig Angst vor der korrosiven Kraft der Magensäure, die ihrem empfindlichen Teint zusetzen könnte. Jetzt muss ich die Ärmste in den wenigen verbleibenden Minuten bis zum Start beruhigen und sachte trösten. Vor allem werde ich die sensible Selina mit einer kleinen lustigen Geschichte über die Begegnung eines draufgängerischen Hackbratens mit einer schamhaft errötenden Kirschtomate ablenken. Damit werde ich hoffentlich einige der tiefen Sorgenfalten auf Selinas Knollenoberseite glätten können.
     Bitte glauben Sie mir, ich nehme die psychologischen Belastungen der nahrungsgekoppelten Raumfahrt sehr ernst, denn als Kommandant trage ich die Verantwortung für das Wohlergehen der ganzen Mannschaft. Gut, dass ich versiert bin im Umgang mit verunsicherten und verstörten Beilagen, deren Zaudern vor dem Start den Erfolg der Mission gefährden könnte. Neulich konnte ich beim Morgenappell der kalten Vorspeisen ein von Depressionen übermanntes armes Würstchen damit aufrichten, dass ich ihm ein selbstbewusstes Schweinekotelett zur Seite stellte. Dieses hatte das erforderliche Rückgrat, um dem mit Mayo verschmierten Wankenden in seinen schwersten Stunden beizustehen.
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