Diese Website nutzt technisch notwendige Cookies, nähere Infos finden Sie hier
46.649 REGISTRIERTE BUCHBEWERTER
Wir grüßen unseren neuesten User »Marie984«!
  START   NEWS   BÜCHER   AUTOREN   THEMEN   VERLAGE   BLOGGER   CHARTS   BUCH FEHLT SUCHE:  
 
LESERKANONE
Benutzername:

Passwort:
Passwort?
Account anlegen
Gewinnspiel
 
Werbung:
KINDLE
 
Die Spuren der Kriegskinder - Sei tapfer im Leben!
Verfasser: Karin Lassen (1)
Verlag: Pinguletta (11)
VÖ: 1. Dezember 2021
Genre: Historischer Roman (5457)
Seiten: 408 (Broschierte Version), 454 (Kindle-Version)
Themen: Anerkennung (20), Frauen (991), Freiheit (554), Ludwigshafen (3), Mannheim (19), Nachkriegszeit (236), Selbstbestimmung (57), Zweiter Weltkrieg (599)
BLOGGERNOTE DES BUCHS
1,00 (100%)
auf Basis von zwei Bloggern
1
100%
2
0%
3
0%
4
0%
5
0%
6
0%
BENUTZER-SCHULNOTE
1
0%
2
0%
3
0%
4
0%
5
0%
6
0%
Deine Note: 1 2 3 4 5 6
Erklärung der Bewertungssysteme
Schauplatz Ludwigshafen/Rhein. Im Mai 1939 kommt Ilse Oehler zur Welt. Ihre ersten Lebensjahre: geprägt von Bombenangriffen, Fliegeralarm und Nächten im Bunker. Ihr Elternhaus: pflichtbeflissen und schweigsam. Und so beginnt für die lebenslustige junge Frau ein verzweifelter Kampf um Liebe, Anerkennung, Selbstbestimmung und ein bisschen Freiheit. Bis Ilse um sich herum eine Mauer aus Schweigen baut und die Katastrophe unausweichlich scheint.

Ein beeindruckender historischer Roman, hervorragend recherchiert, mit vielen Originalbelegen, Zeitungsberichten und Protokollen aus Ludwigshafen und Mannheim. Ein Schicksal, das exemplarisch ist für viele Kriegskinder und ihren herausfordernden Lebensweg. Und immer offen bleibt die Frage nach der Verantwortung...
Lesermeinungen (0)     Leseprobe     Blogger (3)
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Frau Hauck vom pinguletta Verlag für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Karin Lassen gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     »Na, was wohl?«, seufzte Hedwig und nahm Wilhelm den Mantel ab. »Ilse muss schlafen, hat aber keine Lust dazu. Was hast du da in der Hand?«
     Wilhelm berichtete von der Sonderzuteilung und reichte ihr das Päckchen.
     »Suppenfleisch! Prima, das passt zum Möhrengemüse, das es heute ohnehin gibt. Dazu Salzkartoffeln.« Während Hedwig den Tisch freiräumte, um Platz fürs Abendessen zu schaffen und sich geschäftig an dessen Vorbereitungen machte, entledigte sich Wilhelm seiner Straßenschuhe, schlüpfte in die Pantoffeln, wusch sich die Hände und ging leise zur Stube hinüber, aus der die jammervollen Geräusche drangen. Die acht Monate alte Ilse lugte mit tränennassem Gesicht unter ihrer Federdecke hervor, kaum hatte sie seine Schritte vernommen. Strahlend streckte sie ihm die kleinen Arme entgegen und wurde nicht enttäuscht. Wilhelm hob sie behutsam aus dem Bettchen, wickelte eine warme Wolldecke um sie beide und setzte sich mit ihr in den Sessel. Sanft wiegte er sie hin und her, erzählte ihr flüsternd von vereinzelt tanzenden Schneeflocken auf seinem Heimweg und zeigte ihr die Eisblumen am Fenster, die die Kleine mit großen Augen bestaunte.
     »Das habe ich mir gedacht.« Hedwigs leise tadelnde Stimme riss ihn aus dem Schlaf. »So begreift sie es nie, Wilhelm. Du kannst das Kind nicht bei jedem Weinen aus dem Bett holen. Sie muss lernen, sich zu fügen. Komm jetzt, das Essen ist fertig.« Zärtlich legte Hedwig die auf Wilhelms Brustkorb friedlich schlafende Ilse wieder in ihr Bettchen. Leise verließen die beiden die Stube, in der nun einzig das Knistern des Kohleofens sowie das gleichmäßige Atmen des Kindes und seine gelegentlichen wohligen Seufzer zu hören waren.
     »Sie ist doch noch so klein. Und was kann es schaden, wenn man sie ein bisschen tröstet. Nun schläft sie ja«, brummte Wilhelm.
     Hedwig warf ihm einen zwar strengen Blick zu, beließ es aber dabei. Sie verstand ihn ja. Sechs Jahre hatten sie gewartet, bevor Ilse ihr Familienleben vervollständigte. Wilhelm hatte sich schon viel früher ein Kind gewünscht. Aber als einfacher Arbeiter ohne feste Anstellung, mal hier, mal da für Tage oder Wochen, konnte er keine Familie ernähren. Für sie beide hatte es stets gereicht, nicht zuletzt, weil Hedwig mit ihren geschickten, flinken Händen durch Näharbeiten etwas beisteuerte. Mit Kind wäre das in diesen wirtschaftlich so schwierigen Jahren jedoch schlicht unmöglich gewesen. Gut, dass er das eingesehen hatte. Im April 1937 erhielt er endlich die Festanstellung bei der I.G. Farben, der Anilin. Und 1938 durften sie dann sogar die Werkswohnung in dem gerade fertiggestellten, schmucken Block im Ludwigshafener Hemshof beziehen. Küche und Stube konnten mit einem Kohleofen beheizt werden. Lediglich im Schlafzimmer musste man auf diesen Komfort verzichten. Sie schafften es sogar, ein bisschen zu sparen. Wenn Wilhelm sich weiterhin so gut anstellte, ernannte man ihn sicherlich bald zum Vorarbeiter. Es hatte also keinen Grund gegeben, länger zu warten, schließlich wurde Hedwig nicht jünger. Einen Monat vor ihrem 29. Geburtstag brachte sie überglücklich die kleine Ilse zur Welt und machte Wilhelm zum stolzen Vater. Sein Herzenswunsch nach einer eigenen, richtigen Familie war in Erfüllung gegangen. Dass kurz darauf Krieg ausbrechen würde, hatten sie beide nicht für möglich gehalten. Für Hedwig war klar, dass es bei dem einen Kind bleiben musste. Wer wusste denn, wann der Krieg endete und ob Wilhelm nicht auch noch eingezogen würde. Wäre sie jünger, dann sähe die Familienplanung vielleicht anders aus. Aber als streng gläubige Protestantin betrachtete sie ihr Leben so, wie es war, als Gottes Wille, und nahm es entsprechend an. Sie würde als Mutter ihr Bestes geben, so wie sie es stets als Ehefrau tat. Sie hielt Wilhelm den Rücken frei, wirtschaftete sparsam, kümmerte sich um den Haushalt und nun auch um die kleine Ilse, die ja die meiste Zeit in ihrer alleinigen Obhut verbrachte und für deren Erziehung sie verantwortlich war. Sie liebte die Kleine von ganzem Herzen, selbst wenn sie sie nicht ständig verhätschelte. Dafür sorgte Wilhelm, wie sie gelegentlich innerlich stirnrunzelnd feststellte. Er war ein stiller, sensibler, zu Schwermut neigender Mann, der es nie leicht gehabt hatte. Schmal, großgewachsen, mit hoher Stirn, braunem, feinem Haar und wässrig-grauen Augen ähnelte er seinem Vater, an den er sich jedoch kaum erinnerte. Er hatte im letzten Krieg sein Leben gelassen, als Wilhelm gerade neun Jahre alt war. Seine Mutter heiratete später wieder und gebar weitere Kinder, doch Wilhelm blieb für sich, fühlte sich nicht mehr zugehörig. Einzig zu seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Georg hielt er einen losen Kontakt. Ansonsten ersetzten lange Zeit seine Fußballkameraden, denen er nach wie vor die Treue hielt, das fehlende Familienleben, dem er sich zwar entzogen hatte, das er aber dennoch schmerzlich vermisste.
     Hedwig, lebhaft, mit ihrem widerspenstigen vollen Haar hingegen war geradezu froh gewesen, durch die Ehe mit ihrem Wilhelm dem Elternhaus zu entkommen. Sie war mit vier älteren Brüdern aufgewachsen, gegen die sie sich früh behaupten musste. Erfolgreich dank ihrer Unbeugsamkeit und ihres Temperaments - es hieß, in ihren Adern fließe ungarisches Zigeunerblut, das sie, samt dem roten Haar, von den Ahnen ihrer Großmutter geerbt hatte. Wilhelms Mangel an Durchsetzungskraft und Willensstärke konnte sie daher gut ausgleichen. Den familiären Trubel, die häufigen geschwisterlichen Auseinandersetzungen und die viele Arbeit, die ein solch großer Haushalt inklusive umfangreichem Gemüsegarten mit sich brachte, vermisste sie hingegen nicht. Sie hatte früh die Kunst der Haushaltsführung erlernt, war eine begabte Näherin und überhaupt geschickt in jeglicher Handarbeit, konnte ausgezeichnet kochen und wirtschaften - und war glücklich, diese Fähigkeiten nun ausschließlich ihrer eigenen kleinen Familie zugutekommen lassen zu können. Gemeinsam würden sie Ilse zu einem rechtschaffenen Menschen erziehen, sie schützen und behüten, ihr Liebe und Geborgenheit schenken. Hedwig würde zudem darauf achten, dass sie sich zu einem folgsamen und ordentlichen Mädchen entwickelte, das sich später im Leben als Frau gut zurechtfand.
Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8
MEINUNG ZUM BUCH ABGEBEN
Benutzername: Passwort:   
 
Leserkanone.de © by LK-Team (2011-2022)  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz