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KINDLE
 
Die Spuren der Kriegskinder - Sei tapfer im Leben!
Verfasser: Karin Lassen (1)
Verlag: Pinguletta (13)
VÖ: 1. Dezember 2021
Genre: Historischer Roman (5786)
Seiten: 408 (Broschierte Version), 454 (Kindle-Version)
Themen: Anerkennung (20), Frauen (1045), Freiheit (570), Ludwigshafen (3), Mannheim (19), Nachkriegszeit (264), Selbstbestimmung (60), Zweiter Weltkrieg (630)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Schauplatz Ludwigshafen/Rhein. Im Mai 1939 kommt Ilse Oehler zur Welt. Ihre ersten Lebensjahre: geprägt von Bombenangriffen, Fliegeralarm und Nächten im Bunker. Ihr Elternhaus: pflichtbeflissen und schweigsam. Und so beginnt für die lebenslustige junge Frau ein verzweifelter Kampf um Liebe, Anerkennung, Selbstbestimmung und ein bisschen Freiheit. Bis Ilse um sich herum eine Mauer aus Schweigen baut und die Katastrophe unausweichlich scheint.

Ein beeindruckender historischer Roman, hervorragend recherchiert, mit vielen Originalbelegen, Zeitungsberichten und Protokollen aus Ludwigshafen und Mannheim. Ein Schicksal, das exemplarisch ist für viele Kriegskinder und ihren herausfordernden Lebensweg. Und immer offen bleibt die Frage nach der Verantwortung...
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Frau Hauck vom pinguletta Verlag für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Karin Lassen gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Gedankenverloren schöpfte Hedwig Gemüse, Fleisch und Kartoffeln auf ihre beiden Teller, von denen sofort duftendheiße Dampfwölkchen aufstiegen. Das Fleisch hatte sie in einem Sud gegart, dem sie eine Zwiebel sowie etwas Sellerie und Lauch beigefügt hatte. Ein Teil davon verlieh den Möhren zusätzlichen Pfiff, die sie außerdem mit etwas Mehlschwitze gebunden und mit Petersilie bestreut hatte. Der Rest der Brühe würde morgen als Basis für die Erbsensuppe dienen. Für Ilse hatte sie Gemüsebrei aus einer kleinen Portion der Möhren, die sie separat in salzarmer Brühe weich gekocht hatte, vorbereitet. Morgen wollte sie das Gemüse dann abgießen, durch ein Sieb streichen, eine Einbrenne aus Mehl und etwas Margarine zubereiten, mit dem Gemüsewasser ablöschen und den durchgetriebenen Möhrenbrei darin nochmals kurz aufkochen.
     Genussvoll schweigend nahmen sie ihre Mahlzeit ein. »Ah, das tat gut. Ich hatte einen Bärenhunger und war völlig durchgefroren.« Wilhelm bedachte seine Frau mit liebevollem Blick, als die ihm eine kleine Flasche Bier öffnete und über den Tisch reichte, bevor sie sich um den Abwasch kümmerte. »Wie war denn dein Tag?«
     »Es war schon wieder eine Abordnung der NS Frauenschaft da. Die wollen unbedingt, dass ich an einer dieser Mütterschulungen teilnehme.« Sie stöhnte. »Als ob ich nichts Besseres zu tun hätte.«
     »Was wollen die dir denn beibringen, was du nicht längst weißt?«
     »Nicht wahr? Es geht um Haushalts- und Gesundheitsführung, Erziehungslehre, Volkstums- und Brauchtumspflege, also irgendwelche Volkslieder, Sagen und Märchen. Ich habe ihnen zum wiederholten Male erklärt, dass ich all das bereits in meinem Elternhaus gelernt habe. Und natürlich in der Pfarrgemeinde. Was sie anscheinend nicht interessiert. Sie sind der Meinung, dass jede deutsche Hausfrau und Mutter an diesem Unterricht teilnehmen sollte. Außerdem könnte man dann sogar ein Ehestandsdarlehen bekommen. Was sollen wir denn damit anfangen? Unseren Hausrat haben wir längst zusammen.«
     »Und dann?«
     »Nichts dann«, sagte sie unwirsch und klapperte energisch mit dem Geschirr. »Ich habe den Damen gesagt, dass ich dafür keine Zeit habe, weil ich mich um dich, um Ilse und meinen Haushalt kümmern muss, außerdem Flickarbeiten übernehme und so weiter.«
     »Recht hast du.«
     »Und dann habe ich ihnen erklärt, dass ich mit meiner Zeit
     gut haushalten muss, damit ich künftig auch noch das Deutsche Frauenwerk unterstützen kann«, schob sie listig hinterher.
     »Was hast du denn mit dem Deutschen Frauenwerk zu tun?«
     »Nichts«, erwiderte Hedwig kurz angebunden. »Die Emrich redet immer davon. Ein gern gesehener Frauenverband. Ich dachte mir, dann lassen sie mich endlich in Ruhe.«
     »Emrich? Die Frau vom Dekan?«
     »Ja, genau die.«
     »Na, du hast ja Ideen. Hat es wenigstens gewirkt?«
     »Ich glaube, ja. Sie haben nicht weiter gedrängt. Ich muss nach dem nächsten Gottesdienst einmal nachfragen, was es damit auf sich hat. Es gibt in unserer Gemeinde eine Gruppe, soweit ich weiß.«
     »Und wann willst du das alles machen? Gehst du nicht schon zu diesen Stricknachmittagen von den evangelischen Frauen?«
     »Ja, stimmt. Da will ich unbedingt weiterhin bleiben. Schon allein wegen der Frau vom Pfarrer Knecht. Wirklich schade, dass der jetzt hier weg ist. Seine Käthe kommt nach wie vor regelmäßig. Das ist immer sehr erbaulich. Neulich sprachen wir lange über den Katechismus. Jetzt mach dir mal keine Gedanken. Bei irgendwelchen Sammelgeschichten, wo man an fremden Türen klingeln und die Leute belästigen muss, mache ich nicht mit. Vielleicht kann ich ja am Abend daheim Socken für Frontsoldaten stricken, das wäre in Ordnung. An so etwas fehlt es schließlich immer. Hauptsache, die liegen mir nicht länger mit ihren Mütterschulungen in den Ohren.«
     Hedwig hatte den Abwasch mittlerweile erledigt, den Wasserkessel aufgestellt und ihr Nähkörbchen hervorgeholt. »Willst du noch einen heißen Tee mit mir trinken und einen Blick in die Zeitung werfen?« Sie blickte zu ihrem Mann.
     Er räkelte sich wohlig in seinem Lehnstuhl und stopfte die Pfeife. »Einen Tee trinke ich mit dir, zum Zeitunglesen habe ich keine Lust. Ich schaue dir lieber ein bisschen zu. Lass uns bald schlafen gehen, morgen wird ein langer Tag. Wir müssen nach Schichtende zu einer Versammlung im Betrieb.«
     Geschickt fädelte Hedwig das Garn in die Nadel. Sie hatte sich ein paar schadhafte Geschirrtücher zum Ausbessern bereitgelegt. »Ich mache das noch fertig, aber geh ruhig schlafen, wenn du willst. Worum geht es denn bei dieser Versammlung?«
     »Der Leiter vom Werkschutz, der Fritz Müller, will wohl, dass alle Arbeiter zusätzlich für den Ernstfall vorbereitet werden.«
     Entsetzt blickte Hedwig auf. »Ernstfall? Was meinst du mit Ernstfall? Du hast doch gesagt, dass euch im Werk nichts passieren kann?!«
     »Ich weiß auch nichts Genaues. Mach dir mal keine Sorgen. Wir sind da absolut sicher. Ich erzähle es dir, wenn ich mehr weiß.« Wilhelm paffte ein paar Züge, löffelte dann einige getrocknete Kräuter in die Teebecher, goss das kochend heiße Wasser darüber und gab so zu verstehen, dass das Thema für ihn vorerst erledigt war.
     Hedwig wusste, weiteres Nachfragen brachte nichts und konzentrierte sich auf ihre Tücher. Kaum ein Straßengeräusch stahl sich in die Stille des Abends. Die Kälte sorgte dafür, dass jedermann in der warmen Wohnung blieb. Lediglich das leise Ticken der Uhr über der Küchentür war zu hören und sog sie in seinen beruhigenden Rhythmus. Tick, tack.

     Als Hedwig eine halbe Stunde später aufblickte, war Wilhelm eingenickt und sein Kopf auf die Brust gesunken, während die erloschene Pfeife in seiner auf den Tisch gestützten Hand neben dem fast unberührten Becher Tee langsam auskühlte.
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