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Decoded Love
Verfasser: Lina Jacobs (12)
Verlag: Doderer (7)
VÖ: 21. August 2021
Genre: Romantische Literatur (25194)
Seiten: 276 (Taschenbuch-Version), 191 (Kindle-Version)
Themen: Brüder (1112), Geheimnisse (4928), Jugendliebe (377), Schottland (687), Testament (125), Verschwinden (2265), Wiedersehen (1702)
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Lesermeinungen (1)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Lina Jacobs für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Lina Jacobs gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Ich folgte mehr einem Gefühl, meine Heimatstadt nach so langer Zeit noch einmal zu besuchen. Das war paradox, ich hasste Crieff abgrundtief, denn schöne Erinnerungen an diesem Ort waren rar gesät. Mein Vater hatte mich ständig als Tunichtgut bezeichnet, während meine Mutter versucht hatte, die Wogen zu glätten. Als Teenager war mir oft die Frage in den Sinn gekommen, warum Vater nichts von mir hielt. Was hätte ich also an seinem Sterbebett oder seinem Grab verloren? Überhaupt nichts. Was wäre so wichtig gewesen? Außer die nächste Gemeinheit, die er mir sogar kurz vor dem Tod noch an den Kopf geworfen hätte.
     Ich trat aus dem Bahnhofsgebäude und suchte visuell die Umgebung nach einem blonden Haarschopf ab. Verändert hatte sich Paul bestimmt nicht. Mein großer Bruder war im Leben geradlinig, ich fuhr gern neben der Spur. Veränderungen waren ihm eher verhasst und kosteten ihm zu viel Arbeit. Mir war bisher kein Mensch begegnet, der so stumpfsinnig durchs Leben ging wie Paul. Ein nagelneuer Aston Martin hielt am Straßenrand. Mein Bruder stieg aus, adrett im dunkelblauen Anzug gekleidet. Ich stutzte verwirrt, glaubte, einem Trugbild zu unterliegen. Mir schoss die Frage durch den Kopf, wie er sich so einen Wagen leisten konnte.
     »Hättest du dir nicht anständige Zivilkleidung anziehen können?« Paul klang abfällig. »Man sollte meinen, dass du mit deinen zweiunddreißig Jahren endlich mal Grips entwickelt hast. Offenbar lag ich falsch.«
     Mit der weniger herzlichen Begrüßung war zu rechnen gewesen. Unser brüderliches Verhältnis passte von jeher in die Schublade ›angespannt‹. Als Kinder waren wir uns schon nicht grün und bis heute hielt diese Aversion an. Paul war der Bilderbuchsohn, ich der Raufbold. Gegensätzlicher konnten zwei Brüder nicht sein. Ich groß und dunkelhaarig, eher der südländische Typ, mein Bruder blond, mittelgroß und hellhäutig wie eine frisch geschlüpfte Made. Meinem Bruder schien immer die verfluchte Sonne aus dem Arsch, während ich darum kämpfen musste, ein paar Sonnenstrahlen zu erhaschen. Mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt, dass Paul ein Glückskind war. Um die Sache auf den Punkt zu bringen: Innige Bruderliebe empfand ich nicht für ihn.
     Ich grinste und sah an mir hinunter. Dass ich meine Militärkleidung trug, war Absicht. Paul zu verärgern bereitete mir riesigen Spaß. Lange würde ich sowieso nicht bleiben, obwohl mein General mich auf unbestimmte Zeit vom Dienst freigestellt hatte. Der Heimaturlaub täte mir gut, so seine Worte. Noch mehr Schwachsinn! Als Colonel der britischen Armee trug ich Verantwortung für meine Männer – die waren mir wichtig, alles andere war mir schnuppe.
     »Freut mich auch, dich zu sehen, Bruderherz.« Ich hievte den Rucksack von meinem Rücken und stellte ihn mit Absicht auf den Kofferraumdeckel.
     Paul zu reizen fiel mir leicht. An seiner linken Schläfe zuckte ein nervöser Muskel, da er meine Provokation verstand.
     »Wie kannst du dir als kleiner Versicherungsvertreter so einen Wagen leisten? Hast du es mit deinen siebenunddreißig Jahren tatsächlich mal geschafft, etwas allein auf die Beine zu stellen? Oder hast du dich bis zur Chefetage hochgevögelt?«
     Mein Bruder presste kurz die Lippen aufeinander und sah mich feinselig an. »Lass deine Sticheleien. Es war eine Geste des guten Willens, dich von Vaters Tod zu unterrichten. Nach Mutters Tod hast du dich ja fix zur Armee verpisst und mich mit dem ganzen Scheiß allein gelassen. Glaubst du ernsthaft, ich könnte es nicht zu etwas bringen?« Da war er wieder, der Ich-bin-der-Beste-Paul.
     »Nicht mir wurde alles in den Arsch geschoben, Paulchen.« Ihn so zu betitelten war mir ein Vergnügen.
     »Nenn mich nicht so«, zischte er, als er an den Kofferraum herantrat.
     Ich zog den Rucksack zu mir heran. Ich meinte, ein verräterisches Kratzen der Nieten auf dem Autolack zu vernehmen. Pauls Kiefer mahlte, er stand kurz davor, die Fassung zu verlieren. Doch er würde sich hüten, mir eine reinzuhauen, da ich in dem Fall als Sieger vom Platz gehen würde. Mein Bruder wählte immer den Weg des geringsten Widerstands, während ich mich stets mitten ins Getümmel stürzte. Paul hatte seine Feigheit niemals abgelegt, diese Eigenart zählte zu seinen besten Charakterzügen – ironisch betrachtet.
     »Ich hoffe, du hast wenigstens etwas Passendes zur Testamentseröffnung dabei«, murmelte er und öffnete den Kofferraum.
     Verwundert hielt ich inne. Diese Neuigkeit hörte ich zum ersten Mal. »Testamentseröffnung? Davon hast du am Telefon nichts gesagt. Was sollte Vater mir vererben wollen? Seine Socken?«
     Er zuckte die Schultern. »Das weiß ich nicht. Die Notarin hat gesagt, dass du auch erscheinen musst. Offensichtlich stehst du als Erbe von irgendetwas im Testament.«
     »Wahrscheinlich kriege ich seine olle Briefmarkensammlung.« Ich hievte den Rucksack in das Heck des Wagens.
     »Du vergisst, dass da noch unser Elternhaus ist, Luke.«
     Ernst sah ich ihn an. »Das ich garantiert nicht haben will.«
     Paul knallte den Kofferraumdeckel zu. Ein Zeichen, dass er innerlich kochte. »Das Erbe kommt auch für mich überraschend.« Er ging zur Fahrerseite und riss die Autotür ungestüm auf. »Du solltest dich möglicherweise an den Gedanken gewöhnen, in der zivilen Welt ein Stück weit Verantwortung zu übernehmen.«
     Dass ich dazu nicht bereit war, würde ich Paul in einer stillen Stunde beibringen. Die zivile Welt konnte mir gepflegt den Hintern küssen. Sobald ich die Socken meines Vaters geerbt hatte, machte ich umgehend die Biege.
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