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Decoded Love
Verfasser: Lina Jacobs (12)
Verlag: Doderer (7)
VÖ: 21. August 2021
Genre: Romantische Literatur (25145)
Seiten: 276 (Taschenbuch-Version), 191 (Kindle-Version)
Themen: Brüder (1110), Geheimnisse (4922), Jugendliebe (376), Schottland (685), Testament (125), Verschwinden (2261), Wiedersehen (1698)
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Lesermeinungen (1)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Lina Jacobs für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Lina Jacobs gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Aus dem Headset drang ein entsetztes Keuchen. Doch wir mussten nun einen klaren Kopf bewahren. Die Verletzten benötigten dringend unsere Hilfe.
     »Diese verfluchten Bastarde«, hörte ich eine Stimme im Headset.
     »Das ist noch untertrieben«, vernahm ich eine andere. »Sie sollen in der Hölle schmoren.«
     »Schauen wir nach den Verletzten«, sagte ich, während ich mich achtsam in Bewegung setzte.
     Hände griffen plötzlich nach mir. Ich strauchelte, der sandige Boden dämpfte meinen Aufprall. Ich vernahm qualvolles Kreischen, sah in verzweifelte Gesichter, die mir ihre Pein entgegenschrien. Die Klänge konnten unmöglich von den Menschen stammen und doch war es so. Lärmend fraßen sich die Stimmen in mein Hirn, sodass ich laut aufschrie. Gewaltsam drangen sie in mein Innerstes. Hände streckten sich mir flehend entgegen, baten um etwas, das ich ihnen nicht erfüllen konnte. In ihren Augenhöhlen loderte ein Feuer, das alles verzehrte. Ich glaubte, den Schmerz jedes Einzelnen zu fühlen, und ich schrie mit ihnen ...


Kapitel 1

11.35 Uhr, Crieff, Schottland 2014


Mit einem Schrei in der Kehle schreckte ich auf. Für einige Sekunden fehlte mir jegliche Orientierung. Wie ein eingesperrtes Tier sah ich umher und registrierte erst einen Moment später, dass ich in einem Zug saß. Eine Hand legte sich auf meine rechte Schulter und ich zuckte zusammen.
     »Geht es Ihnen gut, Sir? Sie haben im Schlaf geschrien.« Der Schaffner blickte mich besorgt an, während er seine Hand von meiner Schulter nahm.
     Ich nickte, wobei ich über mein Gesicht strich. Verdammt, ich war tatsächlich eingenickt, dabei hatte ich mir fest vorgenommen, nicht zu schlafen. Die lange Reise forderte nun ihren Tribut.
     Ich setzte mich auf. »Danke, mir geht es gut. War nur ein Traum.«
     Sein Gesicht war voller Mitgefühl. »Das Leben als Soldat ist nicht leicht«, sagte er leise. »Ich achte Ihre Arbeit wirklich sehr. Kommen Sie von einem Auslandseinsatz?«
     »Afghanistan.« Mehr wollte ich dazu nicht sagen. Mein verdammtes Leben ging ihn nichts an. Über mein Trauma sprach ich bestimmt nicht mit einem Zugschaffner.
     »In circa zehn Minuten erreichen wir Crieff.«
     »Danke.«
     »Willkommen zurück, Sir«, fügte der Mann hinzu - fehlte nur noch, dass er salutierte.
     Willkommen zurück ... Beinah hätte ich gelacht. Glaubte der Mann ernsthaft, dass ich gerne zurückkam? Der Schaffner ging, und ich sammelte meine wenigen Habseligkeiten zusammen.

Meine schweren Stiefel gaben einen dumpfen Laut von sich, als ich aus dem Waggon stieg. Nach acht Jahren betrat ich wieder schottischen Boden – die Heimat meiner Kindheit, Jugend und meines frühen Mannesalters. Mein letzter Besuch war eine Ewigkeit her – nichts wirkte mehr so, wie ich es in Erinnerung hatte. Der Bahnhof sah von Grund auf saniert aus. Die Gehwegplatten schimmerten schneeweiß. Spätestens nach einem halben Jahr würden sie schmutzig-grau sein, wenn die Obdachlosen in die Ecken pinkelten, da das Bahnhofsklo ständig verschlossen war. Ich sah nach oben. Die Sonne schien durch die neue Glaskuppel und tauchte den Bahnhof in ein freundliches Licht.
     Der Bahnsteig war überfüllt. Pärchen fielen sich freudig in die Arme. Der Anblick entlockte mir ein sarkastisches Grinsen. Auf mich kam kein Mensch freudestrahlend zu. Hier gab es niemanden, der mir etwas bedeutete oder dem ich etwas bedeutete. Alles war fremd und die Stadt widerte mich jetzt schon an. Ich setzte mich in Bewegung, mir der Blicke der Menschen durchaus bewusst, die mich mit einer gewissen Bewunderung musterten. Einen Soldaten im Tarnanzug sahen sie nicht allzu oft. Für mich hingegen waren Personen in ziviler Kleidung etwas, an das ich mich erst wieder gewöhnen musste. Die Jahre in einem Kriegsgebiet zu verbringen, und jeden Morgen aufs Neue zu rätseln, ob man den Tag überhaupt überlebte, forderte seinen Preis. Der Krieg hatte mich härter, kälter und distanzierter für die ›normale Welt‹ werden lassen. Nüchtern betrachtet, ging mir das rege Treiben auf dem Bahnhof am Arsch vorbei.
     In meiner Jackentasche knisterte der Brief meines Bruders Paul. Ich erinnerte mich an seine Zeilen, die mehr als deutlich waren:

Da du dich nie dazu verpflichtet gefühlt hast, Vater nach Mutters Tod beizustehen, verkünde ich dir hiermit kurz und schmerzlos, dass er in einer Woche zu Grabe getragen wird. Nicht mal an seinem Sterbebett hast du dich blicken lassen, obwohl er dich noch einmal sehen wollte. Meine Briefe hast du ja geflissentlich ignoriert. Vielleicht bekommst du deinen Arsch jetzt mal hoch und kommst wenigstens zur Beerdigung. Ehrlich, Luke, ich kann mir keinen egoistischeren Bastard als dich vorstellen.

Paul

Dieser Brief war vier Wochen alt. Mein alter Herr lag bereits unter der Erde. Dass ich die letzten Jahre in Afghanistan verbracht hatte, die Post in einem Kriegsgebiet zur Kategorie lahme Schnecke zählte, und Briefeschreiben ein Luxus war, den ich mir nicht leisten konnte, vergaß mein Bruder gern. Nicht Paul robbte durch den Dreck, nicht er legte sich mit den Taliban an, kämpfte an vorderster Front und sah das Elend, dass unter den Zivilisten herrschte. Er sollte mir ja nicht blöde kommen, sonst würde ich ihm mit meinen Springerstiefeln einen gehörigen Tritt in die Eier verpassen. Mein Antwortbrief war dementsprechend ausgefallen. Versöhnliches Süßholzraspeln hätten jedoch ihre Wirkung verfehlt, denn ich war stinksauer über seine Wortwahl gewesen. Zumindest hatte Paul bei unserem letzten Telefongespräch versprochen, mich vom Bahnhof abzuholen. Es blieb spannend, ob er sein Versprechen einlöste.
     Die Menschen hasteten vorüber. Ich begriff immer noch nicht, was ich überhaupt hier verloren hatte. Wollte mein Unterbewusstsein mich tatsächlich dazu drängen, das Grab meines Vaters zu besuchen? Sollte ich nachträglich Tränchen über seinen Tod vergießen? Völliger Schwachsinn!
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