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Herbstfrühling
Verfasser: Angelika Godau (11) und Luise Klein (1)
Verlag: Eigenverlag (20786) und MVB (5)
VÖ: 3. September 2021
Genre: Humoristisches Buch (1393)
Seiten: 290 (Taschenbuch-Version), 298 (Kindle-Version)
Themen: Alter (138), Coronavirus (130), Familien (1401), Pflegeheim (144), Witwen und Witwer (281)
Voting: Dieses Buch für die Abstimmung zum Buch des Monats September 2021 nominieren
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Wenn die Oma sich verliebt, der Tochter das überhaupt nicht passt, muss das Pubertier die Situation verschlimmern.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Angelika Godau für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Angelika Godau gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Twitter, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

Inge Berger ist müde. Dabei hat sie kaum etwas getan, nur dagesessen, gefrühstückt und sich gelangweilt. Früher ist sie morgens fröhlich und unternehmungslustig aufgestanden, neugierig auf das, was der neue Tag ihr bringen wird. Heute ist sie nur noch neugierig auf das Ende, das endgültige, wenn die Zeit, die ein jeder zum Leben bekommt, abgelaufen ist. Ihr Herz scheint bereits zu wissen, dass dieser Moment nicht mehr fern ist, denn die Pausen zwischen zwei Schlägen werden immer länger. Sie fühlt das unangenehme Stolpern, wenn es seinen Dienst wieder aufnimmt. Sie hat zu viel Zeit. Daher lauscht sie ständig in sich hinein und hofft, ihre Pumpe möge begreifen, dass es die Anstrengung nicht lohnt. Dann wird sie dieses letzte Abenteuer er - aber nicht überleben. Diesen einen Augenblick zwischen Leben und Tod, bevor es vorbei ist. Sie stellt ihn sich interessant, zumindest aber tröstlich vor, schließlich hat sie Glück gehabt. Sie ist alt geworden. 77 Jahre, und das allein ist ein Wunder. Schließlich ist sie 1944 in Dresden zur Welt gekommen und hätte diese gleich nach ihrer Geburt wieder verlassen, wäre da nicht die Oma gewesen. Die hatte nicht gezögert, war in den Keller des in Flammen stehenden Hauses gerannt, um sie zu retten. Dafür musste sie ihr ein Leben lang dankbar sein, das war klar, aber sie hatte diese Geschichte zu oft gehört. Gefühlte tausend Mal und mehr und irgendwann nur noch gähnende Langeweile empfunden. Warum sie heute ihre Enkel ebenfalls mit alten Geschichten nervt, versteht sie selbst nicht. Besonders die 14-jährige Lara, die sie mit ihren altklugen Fragen und respektlosen Bemerkungen immer wieder aus der Fassung bringt. Sie scheinen nicht dieselbe Sprache zu sprechen. Chill mal, voll krass, strange und in jedem zweiten Satz dieses schreckliche Wort. Hätte sie früher jemals »geil« gesagt, ah Gott, die Mutter hätte ihr den Mund mit Kernseife ausgewaschen. Als sie das einmal Lara erzählt hat, zuckte die nur mit den Schultern und verzog verächtlich den Mund. Und, obwohl sie verstand, dass sich ein junges Mädchen nicht für das Geschwätz einer alten Frau interessierte, erzählte sie ihr oft solche Geschichten von früher.
     Sie lächelt wehmütig, als sie daran denkt. Lara ist schon lange nicht mehr hier gewesen. Sie darf nicht, weil eine Pandemie die Welt in Atem hält. Corona hier, Corona da, es scheint kein anderes Thema mehr zu geben. Natürlich versteht sie, dass alle Maßnahmen zu ihrer Sicherheit sind, aber die Einsamkeit ist trotzdem schwer zu ertragen. Seit sich zwei Bewohner infiziert haben, dürfen sie ihre Zimmer nicht mehr verlassen, keinen Besuch bekommen und das Personal trägt Handschuhe und Masken. Besuch kam auch vorher schon selten genug, alle haben viel zu tun und wohnen auch nicht um die Ecke. Alter macht nicht weise, nur einsam, hat sie mal irgendwo gelesen. Jetzt weiß sie, dass das stimmt, und fragt sich, ob ihre Großmutter das am Ende ihres Lebens auch so empfunden hat? Sie schüttelt den Kopf, verwundert darüber, was für komische Gedanken sie in letzter Zeit bewegen. Gedanken an die Flucht, die sie selbst nur aus Erzählungen kennt und doch hat sie auch damit Lara gelangweilt.
     »In Kleiderschränken, unter alten Decken verborgen; in einer Scheune, den schreienden Mund von ängstlichen Händen bedeckt, ständig vom Russen bedroht, der mit allen ›kurzen Prozess‹ machte. In der Erinnerung meiner Mutter waren auch die Jahre danach nicht viel besser. Zwangseinquartiert bei Pfälzer Bauern, die uns Fremde nicht wollten und schon gar nicht mochten. ›Wir waren die Pollacken, die von drieben, das Flüchtlingspack, keine richtigen Menschen.‹ Man hat sich nicht verstanden, mochte sich nicht, und das lag nur zum Teil an den unterschiedlichen Dialekten. Mein Vater war offiziell in Kriegsgefangenschaft, aber ob er überhaupt am Leben war, das wusste niemand zu sagen. Meine Mutter, gerade mal 21 Jahre alt, einsam und verzweifelt.« Lara hatte wissen wollen, was ›zwangseinquartiert‹ zu bedeuten hatte und ihrer Erklärung mit offenem Mund zugehört.
     »Voll krass, kein Plan, aber ich wollte echt auch keine fremden Leute im Haus. Auf jeden Fall nicht in meinem Zimmer. Außerdem wären die locker mega uncool ...«
     Uncool. Ja, das waren sie wohl gewesen, in dieser schweren Zeit, unter der die Mutter lange gelitten hat, auch als die Zeiten besser wurden, das Wirtschaftswunder Schwung aufnahm. Auch über die Bedeutung des Wortes Wirtschaftswunder musste sie Lara erst einmal aufklären. Das Mädchen hatte keine Vorstellung davon, wie das Leben der Menschen nach Kriegsende aussah. Wie wenig zum Essen, zum Anziehen, zum Heizen es gab.
     »Du meinst, ihr hattet nur Kartoffeln, ohne alles? Ohne Fleisch oder Gemüse oder so was? Ne, das würde ich nicht essen, hätte meine Mutter auf jeden Fall allein essen können, echt.«
     »Ach Lara, wir hatten Hunger. Hast du schon einmal wirklich Hunger gehabt? Nicht nur eine Stunde bis zur nächsten Mahlzeit, sondern richtig lange. Weil es zum Abendessen nichts gegeben hat, nichts zum Frühstück, weil nichts da war?«
     »Klar, als ich Magen/Darm hatte letztens. Da habe ich drei Tage nichts gegessen oder nur bissi Zwieback und Cola.«
     »Hattest du denn da Hunger? So, dass dein Magen, deine Gedärme Krämpfe bekamen und du dich wie ein Igel im Bett zusammengerollt hast, um es zu ertragen?«
     »Na ja, eigentlich ja nicht, aber ...«
     »Nun, ich glaube, dann weißt du nicht, wie das war, wie sich das anfühlt und ich wünsche mir für dich, dass du das auch nie erleben musst. 1950 wurde ich eingeschult, da kam der Vater unerwartet aus der Gefangenschaft zurück. Ich kannte ihn nicht, er war ein fremder Mann, der mir den Platz im Bett der Mutter wegnahm und mir mit seinen harten Händen über den Kopf strich.«
     »Das hätte ich nicht mit mir machen lassen. Der hätte mich nicht antouchen dürfen. Und wieso durfte der dich aus dem Bett rausholen, hat das deine Mutter nicht gejuckt?«
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