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2040 - Tag der Deutschen Einheit
Verfasser: Patrick Baumann (1)
Verlag: Eigenverlag (21124)
VÖ: 28. August 2021
Genre: Dystopie (735) und Thriller (7380)
Seiten: 334 (Taschenbuch-Version), 273 (Kindle-Version)
Themen: 21. Jahrhundert (286), Berlin (1292), Deutschland (794), Überfälle (373), Unschuld (407), Verschwörungen (586), Zukunft (308)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Ein dystopischer Thriller über Deutschland in zwanzig Jahren. Packend und erschreckend leicht vorstellbar!

Berlin im Herbst 2040: Die »Patriotische Alternative Deutschlands« regiert Deutschland. Rechte Schlägertrupps machen die Straßen Neuköllns unsicher. Der Ex-Gangster und Kioskbetreiber Paul Kanter versucht, sich aus allem Ärger heraus- und seinen Spätverkauf über Wasser zu halten. Wenn da nicht nervige Mitarbeiter, aufsässige Jugendliche und vor allem die Al-Farsis wären, die ihm von Woche zu Woche mehr Schutzgeld abknöpfen.

All das wird nebensächlich, als ein Unbekannter Kanters Freundin in ihrer Wohnung überfällt und schwer verletzt. Während sie mit dem Tod ringt, muss Kanter nicht nur seine Unschuld gegenüber den Behörden beweisen, sondern gerät in eine politische Verschwörung, die mehr als eine Nummer zu groß für ihn ist und ihn in die dunkelsten Kapitel seiner Vergangenheit zurückführt.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Patrick Baumann für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Patrick Baumann gibt es auf seiner Autorenseite, bei Twitter, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     »Ich weiß, Ihr Onkel war ein kluger Mann.« Die alte Yilmaz ist eine süße, alte Dame, aber immer, wenn sie ihm mit ihren halbgaren Lebensweisheiten kommt, könnte er die Frau erwürgen. »Soll ich Micha also rausschmeißen? Den Laden dichtmachen, wenn ich draußen was zu erledigen habe? Ich finde doch niemand Neuen. Ich weiß ja echt nicht, wie Sie sich das immer vorstellen.«
     »Oh ja, armer Mann, dann es gibt wohl keine Lösung. Das tut mir sehr leid.« Das »sehr leid« zieht sie theatralisch in die Länge. »Dann musst du dich weiter, wie sagt man, auf Nase tanzen lassen.«
     »Ja, aber vielen Dank für Ihre Hilfe ... Sie sind wegen Ihrer Rente hier, richtig?«
     »Ja, armer Mann, gib mir meine Rente, bitte.« Sie reicht ihm ihre Eurocredit-Karte. Kanter nimmt die Karte, hält sie gegen seine Kasse, tippt ein paarmal auf dem Touchscreen der Kasse herum und gibt Frau Yilmaz die Karte zurück.
     »Ah, bin ich wieder reich.« Sie strahlt.
     »Brauchen Sie sonst noch was?«
     »Nein, heute nicht. Mein Doktor sagt, ich darf nicht mehr Süßigkeiten essen.«
     »Na, dann hören Sie mal auf den Herrn Doktor. Einen schönen Tag noch.« Er schaut auf die alte Dame herunter, noch immer verärgert. Sie zwinkert ihm zu.
     »Auf Wiedersehen, armer Mann. Wird wieder besser, glaub mir.« Mit diesen Worten nimmt sie ihre Handtasche, dreht sich um und wackelt aus dem Laden.
     Kanter räumt weiter den Wagen aus. Seine Gedanken driften wieder zu Olivia ab. Nach dieser ersten Nacht am Kanal hatten sie sich mehrmals die Woche gesehen. Olivia wohnte nur ein paar Minuten die Straße hinunter, war kürzlich erst in eine kleine Wohnung gezogen, nachdem sich ihre WG mit einer ehemaligen Studienfreundin wegen deren familiärer Entfaltung aufgelöst hatte. Oft kam sie kurz vor Ladenschluss, drückte Kanter einen Kuss auf den Mund und ging, nachdem er den Laden geschlossen hatte, gleich zu ihm mit hoch. Kein Umweg mehr über den Kanal und zwei Bier. Olivias lebensfrohe Art, die man auf den ersten Blick gar nicht erwarten würde, wickelte sich um den reservierten und vorsichtigen Kanter wie eine schnurrende Katze um ein Tischbein. Olivia war geduldig mit ihm. Bohrte nicht zu sehr nach, was genau er hinter seiner wortkargen Fassade verbarg. Fragte nicht, woran er dachte, wenn sie schwitzig nebeneinanderlagen und er schweigend an die Decke starrte und Olivias Zigaretten rauchte. Erkundete nicht neugierig seine Wohnung und fragte nicht sofort nach der Geschichte hinter den Büchern oder den Schallplatten oder einem Foto von Onkel Toni an der Wand.
     Irgendwann fragte sie aber doch. »Hast du immer schon in Neukölln gelebt? Was ist mit deinen Eltern?«
     »Das ist eine lange Geschichte. Erzähl ich dir ein andermal.«
     »Warum nicht jetzt?« Sie setzte sich auf. Mit ihren großen blauen Augen schaute sie erwartungsvoll auf ihn herab. »Ich will wissen, wer du bist, Paul.«
     »Meine Eltern sind schon lange tot.«
     Damit hatte sie nicht gerechnet. »Das ... das tut mir leid.«
     »Sie starben, als ich elf Jahre alt war. Damals bin ich nach Neukölln gekommen, zu meinem Onkel Toni. In diese Wohnung hier.« Er sah in ihre weit aufgerissenen Augen und wusste nicht, ob sie mehr über den Tod seiner Eltern erschrocken war oder darüber, wie er es ihr gesagt hatte.
     Nach einem Moment fing sie sich wieder. »Was ist passiert?«
     Und er erzählte es ihr. Erzählte von den fast verblassten Erinnerungen an seine Kindheit in Prenzlauer Berg. Dem Unfall seiner Eltern und der Nacht, als Onkel Toni ihn zu sich nach Neukölln holte. Den schrecklichen zwei Jahren danach, als ihn die ganze Härte der Neuköllner Schulwelt traf, völlig unvorbereitet. Er erzählte von Stefan, der ihn rettete, ihm das Kämpfen beibrachte, und mit dem er gemeinsam seine Karriere als schlimmer Junge begann, bevor sie mit neunzehn als vollwertige Mitglieder zu den Al-Farsis stießen.
     Er erzählte von den verzweifelten Bemühungen Onkel Tonis, ihn aus dieser Welt fernzuhalten, einem Kampf gegen Windmühlen im Neukölln der Zehnerjahre. Onkel Toni hatte geahnt, dass Kanter verloren war, als dieser zu seinem achtzehnten Geburtstag mit einer nagelneuen Breitling am schmalen Handgelenk ankam, so wertvoll wie ein Kleinwagen. »Ein kleines Geschenk von Mahmud«, hatte er seinem Onkel erklärt. Die Citizen, die Kanter zwei Jahre zuvor von Onkel Toni bekommen hatte, landete in einem Schuhkarton mit altem Kram.
     »Hast du die Uhr noch?«, fragte Olivia.
     »Die Breitling? Ja, aber die trage ich seit Jahren nicht mehr.«
     Olivia tippte auf die Uhr an seinem Handgelenk. »Aber die von deinem Onkel trägst du wieder.«
     »Ja.«
     »Was ist aus deinem Freund geworden? Stefan? Triffst du ihn noch?«
     »Nein, hab seit Jahren nichts von ihm gehört. Das letzte Mal haben wir miteinander gesprochen, nachdem er zum IS gegangen ist.«
     »Dein Freund war beim IS?«
     »Ja. Das muss etwa 2017 gewesen sein. Erst ist er nur in die Moschee gegangen. Dann hat er kein Schweinefleisch mehr gegessen, keinen Alkohol getrunken. Der Glaube hat ihm Halt gegeben, ich fand das gut. Doch dann wurde er immer radikaler, ging nicht mehr feiern, nannte mich ›Heide‹. Eines Tages war er einfach weg. Ein paar Wochen später kontaktiert er mich auf Skype, mit einem unbekannten Account. Erzählt mir vom Kalifat, dass sie eine neue Welt erschaffen, und dass ich auch mitmachen soll. Das ist jetzt mehr als zwanzig Jahre her.«
     »Wow. Und du hast nie wieder von ihm gehört?«
     »Nein. Wahrscheinlich ist er tot.«
     »Aber sicher weißt du das nicht?«
     »Nein.«
     »Hast du nie versucht, ihn wiederzufinden?«
     »Nein, ich ... ich will nicht darüber reden.« Er drehte sich um und schaute an die Wand.
     Kanter wuchtet die letzte Kiste Beck’s THC auf den Stapel, der mitten im Verkaufsraum des Spätis steht. Dann geht er in die Küche, macht sich seinen dritten Espresso des Tages und setzt sich, um auf seinem Tablet Basketball zu schauen. Hongqi-Benz München gegen Samsung Berlin. Doch er kann sich nicht konzentrieren, denkt weiter an Olivia.
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