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Wenn wir Feinde wären
Verfasser: Svea Lundberg (27)
Verlag: Traumtänzer (9)
VÖ: 3. August 2021
Genre: Romantische Literatur (24854)
Seiten: 302 (Taschenbuch-Version), 177 (Kindle-Version)
Themen: Erster Weltkrieg (202), Frankreich (814), Fünfziger Jahre (224), Homosexualität (2829), München (386), Pianisten (62), Soldaten (581)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Deutschland, München, 1955:

In einem Jazzkeller trifft der junge Pianist Maxim auf den Kriegsveteranen Rudolf. Die Liebe zur Musik verbindet die beiden ungleichen Männer. Schließlich vertraut Rudolf Maxim eine Geschichte an, die er bislang niemandem erzählt hat und die auch Maxim dazu bringt, seine eigene verbotene Liebe in neuem Licht zu betrachten.

Frankreich, Verdun, 1916:

Gefangen zwischen den Fronten, inmitten des Trommelfeuers, trifft Rudolf auf einen französischen Soldaten. Endlich bekommt das Grauen ein Gesicht. Doch in diesem spiegelt sich keinerlei Hass, sondern etwas zutiefst Menschliches. Etwas, das Rudolf erschreckend vertraut erscheint.

In den wenigen gemeinsamen Stunden in einem zerschossenen Graben sind Rudolf und Jacques sich mit einem Mal näher, als sie es sein dürften. Bis sich ein Gedanke nicht mehr beiseiteschieben lässt: Könnten sie jemals Feinde sein?
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Svea Lundberg für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Svea Lundberg gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

Der Weiher lag verlassen da. Still und beinahe reglos, umrahmt von winterlich kahlen Bäumen. Obwohl diese kahl waren, umfingen sie ihn in einem schützenden Mantel aus friedlicher Ruhe.
     Friedlich ...
     Wenn Emil und ich gemeinsam im Schützengraben hockten, uns in einem der Unterstände unter unsere zerschlissene Decke schmiegten, fantasierten wir manchmal davon, wie es sein könnte, wenn irgendwann Frieden herrschte. Unsere Vorstellungen waren fahle Utopien. Schwammig gezeichnete Bilder im Kopf, die an Strahlkraft verloren, sobald man sie in Worte zu fassen versuchte.
     In diesem Moment am Waldsee wünschte ich mir, zeichnen zu können oder – noch besser – einen Fotoapparat zur Hand zu haben. Ich hätte Emil diesen Ort der Ruhe zeigen können und dann ...
     Noch ehe ich den Gedanken zu Ende ersonnen hatte, verwarf ich ihn. Was würde es Emil helfen, eine Ahnung von dem zu bekommen, was sein könnte, wenn es doch nicht unsere Zukunft sein würde? Es reichte schon, dass hier zu stehen und auf den See hinaus zu blicken, mir selbst auf erschreckend reale Weise aufzeigte, was sein könnte.
     Wenn ich überlebte.
     Wenn ich nicht als seelisches Wrack zurückkehrte.
     Wenn ich noch fähig sein würde, mich in die friedvolle Stille dieses Anblicks sinken zu lassen.
     Ich fiel nicht einmal jetzt. Wie also hätte ich loslassen sollen, was hinter mir lag, wenn ich ein weiteres Mal hierhin zurückkehren sollte? Wenn ...
     Meine Bewegungen waren äußerlich ruhig, bewusst und beherrscht, als ich mich in den Schnee niederkniete. Von oben herab traf mich der seltsam fragende Blick meiner Ponystute, unter ihrem dichten Stirnschopf hinweg. Sie sah so anders aus als die Pferde, die mir an der Front begegnet waren. Étoile war kleiner, runder. Ihr Fell und ihr Langhaar trotz ihres Alters dichter, wenn auch mittlerweile an einigen Stellen grau. Sie wirkte unbeschwert, wie sie da neben mir stand, den Kopf senkte und in den Schnee prustete. Mit der Oberlippe durch das pudrige Weiß fuhr, sodass sich winzige Flocken auf ihren Nüstern niederließen.
     Mit einem Mal war ich froh, sie in Sicherheit zu wissen.
     Ich lehnte mich seitlich gegen ihr Bein, leicht nur, weil sie jederzeit einen Schritt zur Seite tun konnte, und schloss die Augen. Während meine rechte Hand den Führstrick umschlossen hielt, wühlten die Finger meiner linken im Schnee. Fanden darunter letzte Grashalme, kalt und ein wenig rau. Ich versuchte, mich zu erinnern, wie sich warmes Sommergras auf meiner Haut angefühlt hatte, schob die Gedanken jedoch sofort wieder beiseite, als sich mit ihnen Karls Abbild in mein Bewusstsein drängte. Ich wollte nicht an ihn denken – und auch nicht an Gras in der Sonne. Durfte es nicht, wenn ich nicht Gefahr laufen wollte, mühsam errichtete Wälle einzureißen.
     Stattdessen dachte ich an raue, fahrige Küsse und noch rauere Berührungen. An vage Zartheit unter all dem Rohen. An einen Streifen Himmelblau im rauchigen Grau der zurückliegenden Schlacht. An den Geruch von Erde und daran, für wenige Augenblicke weit fort zu sein und doch mittendrin. Verloren in diesem Mann, der mein Feind hätte sein sollen und mir doch näher gewesen war, als jeder Freund es jemals gewesen war.
     Mit Ausnahme vielleicht von Emil. Auf eine andere Art.
     So saß ich an meinem Weiher im Schnee, die Augen geschlossen und reglos. Neben mir meine Ponystute, ihr leises Brummeln und Schnauben in meinen Ohren. Ich hockte an diesem Ort meiner Jugend und war doch in Gedanken weit fort. Sehnte mich zurück in die Gräben und in den Dreck und in Jacques’ Arme. Wollte nicht auftauchen aus diesem Krieg, der meine Heimat geworden war, und in all dem Grauen diese Momente des bittersüßen Schmerzes hervorgebracht hatte, nach denen ich mich nun sehnte.
     Ich sehnte mich nach diesem Streifen Himmelblau.
     Doch als ich die Augen aufschlug, waren die Farbnuancen so weit von diesem Glanz in seinen Augen entfernt, wie ich selbst innerlich entfernt von der Heimat meiner Jugend war.
     Ich fürchtete mich, zurückzukehren an die Front und von ihrem Grauen vollends verschluckt zu werden, aber mehr noch fürchtete ich mich davor, hier an diesem Weiher verloren zu gehen. Im Schützengraben konnte ich wenigstens meinen Instinkten nachgeben. Doch hier, am See, fand ich nichts, woran ich mich klammern konnte. Also griff ich nach dem, was mir am Vertrautesten erschien: nach meinen Erinnerungen an Jacques.
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