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Die Clique der Ehrlosen
Verfasser: Thomas Majhen (1)
Verlag: Eigenverlag (20242) und epubli (1626)
VÖ: 4. März 2021
Genre: Historischer Roman (5050)
Seiten: 664 (Gebundene Version), 639 (Taschenbuch-Version)
Themen: 1938 (15), Augsburg (48), Berlin (1235), Dreißiger Jahre (247), Drittes Reich (92), Hitlerjugend (5), Jugendliche (216), Wehrmacht (19), Zweiter Weltkrieg (560)
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Lesermeinungen (1)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Thomas Majhen für die Einsendung dieser Leseprobe!
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Über sich vernahm der Gefangene wieder das gleichförmige Summen der Lampe. Erstaunlich, dachte er bei sich, wie doch ein einfacher, vollkommen alltäglicher Gegenstand in ein Instrument der Marter verwandelt werden konnte. Er wunderte sich, wer wohl als erster auf die im Grunde banale Idee gekommen sein mochte, ausgerechnet eine Glühbirne zu verwenden, um Menschen zu zermürben. Eine Erfindung, die dazu angedacht war, Licht in eine dunkle, bis dahin lediglich vom fahlen Kerzenschein schwach erhellte Welt zu tragen. Eine großartige technische Errungenschaft, die das Leben der Menschen grundlegend veränderte – fast immer zum Guten. Was wohl der geniale Thomas Edison zu dieser schändlichen Zweckentfremdung seiner Schöpfung gesagt hätte?
     Der Gefangene zwang seine abschweifenden Gedanken in geordnete Bahnen zurück. Er lauschte, horchte nach Schritten, klirrenden Schlüsseln oder dem klickenden Geräusch eines Riegels, der sich aus dem Schloss schob, und versuchte herauszufinden, wie spät es sein mochte. Nach allem, was er wusste, konnte der Morgen noch nicht angebrochen sein, denn immerhin war es ihm noch immer gestattet auf seiner schmutzigen und unbequemen Pritsche zu liegen. Er schüttelte den Kopf und bewirkte damit nichts anderes, als neue Schmerzen hinter seiner Stirn heraufzubeschwören. Wieder hatte er sich völlig unsinnigen und wirren Gedanken hingegeben, die ihn kein Stück weiterbrachten. Die Uhrzeit spielte keine Rolle, der Wochentag ebenso wenig. Einzig entscheidend waren die Zeiteinheiten von Monat und Jahr, die beide möglichst im Fluge vergehen sollten, ohne dass es zu seiner Verurteilung käme.
     Seine Gedanken wehrten sich vehement gegen die verzweifelten Kontrollversuche und schweiften erneut ab, wandten sich einem Detail der täglichen Routine zu, das hier drinnen leicht die gesamte Gedankenwelt vereinnahmen konnte. Mit etwas Glück gäbe es bald Frühstück: zwei Scheiben hartes Brot mit Margarine, die nach absolut gar nichts schmeckte, meist ranzig war und ein pelziges Gefühl im Mund hinterließ, sowie Marmelade, dazu einen Becher lauwarmen Ersatzkaffee. Wenn er Pech hatte, würde man das Frühstück großzügig übergehen, ihn stattdessen abholen und einem weiteren Verhör unterziehen. Gab es auch nur eine einzige Sache, die er in seiner Zeit in diesem Loch gelernt hatte, dann, dass es besser war stets mit dem Schlimmsten zu rechnen.
     Der Gefangene schloss die trockenen Augen und versuchte das Bild fettglänzender Marmeladenbrote aus seinem Geist zu verbannen. Resigniert musste er feststellen, dass die Brote blieben und seine Augen zudem noch stärker brannten, als wenn er sie offenließ. Er versuchte sich zu konzentrieren und bemühte sich, Hunger, Schmerz und Kummer in die tiefsten Winkel seines Ichs zu verbannen. »Der Plan«, murmelte er leise gegen die Zellenwand, »ich muss mich unbedingt an den Plan halten.«
     In Gedanken durchlebte er noch einmal seine letzte Begegnung mit Heinz und dem Admiral. Es mochte erst ein paar Tage her sein, vielleicht waren es Wochen, das war schwer zu sagen. Ebenso gut hätten es aber auch Jahre sein können. Die Zeit, dieses ohnehin trügerische Konstrukt der zivilisierten Welt, verzerrte sich an diesem Ort fernab aller Zivilisation, wurde weich wie in der Sonne schmelzender Camembert, floss zäh dahin und entzog sich demjenigen, der sie zu fassen suchte. Ginge es nicht um Leben und Tod, so hätte man fast sagen mögen, Zeit spiele hier drinnen keine Rolle. Diese letzte Begegnung nun also lag eine nicht genau bestimmbare Anzahl an Tagen oder Wochen zurück. Gefesselt war er von einem Wachmann hinaus auf den Flur gezerrt worden, wo man ihn barfuß auf dem kalten Boden einige Minuten hatte warten lassen. Als man ihn schließlich vorwärts in Richtung des kleinen schäbigen Waschraums am Ende des Ganges getrieben hatte, war ihm aufgefallen, dass sich offenbar noch zwei weitere Häftlinge zu dem seltenen Ereignis der Körperhygiene hinzugesellen sollten ...

***


Schwerfällig watschelnd schleppte sich der Gefangene den Flur entlang. Auf dem eisigen Steinboden, der wie glühende Nadeln in die blanken Sohlen stach, erzeugten seine nackten Füße ein platschendes Geräusch. Erst, als sie zu dritt den Waschraum erreichten, erkannte er, dass es sich bei seinen Waschgenossen um Heinz und den Admiral handelte. Sie beide waren kaum wiederzuerkennen.
     Den harten Haftbedingungen zum Trotz hatte Heinz kaum etwas von seiner kräftigen, stämmigen Statur eingebüßt. Er war schon immer zäh und ausgesprochen hart im Nehmen gewesen, lediglich die rot unterlaufenen Augen und die fahle Gesichtsfarbe verrieten, dass man dem Hauptmann wohl eine ähnliche Behandlung zuteilwerden ließ wie ihm selbst. Beim Anblick des Admirals hingegen erschrak er regelrecht. Der nicht sehr große Mann hatte selbst in seinen besten Jahren nie eine stolze Erscheinung dargeboten, nun jedoch wirkte er grau und eingefallen wie eine frische Mumie. Sein schneeweißes Haar war zerzaust und unordentlich und es schien, als sei sein ohnehin kleiner Körper noch einmal um die Hälfte geschrumpft. Alle drei waren sie fast nackt. Abgesehen von Heinz – warum man hierbei eine Ausnahme machte, wusste er nicht – waren ihnen außerdem die Hände gebunden worden. Als er sich der Blicke der beiden Männer bewusst wurde, die ihn mit einer Mischung aus Trauer, Mitleid und Schreck ansahen, musste er sich eingestehen, dass er selbst wohl keinen besseren Anblick bot. Einen Spiegel gab es in der Kammer nicht, worüber er in diesem Moment sogar froh war.
     Der Wachmann zog sich in den Flur zurück und ließ die drei Männer allein. Über das Wunder, dass man sie hier für einige Minuten versammelte, konnte man nur staunen. Es war zu vermuten, dass der listenreiche Admiral dies irgendwie zu Wege gebracht haben mochte, doch sich darüber auszutauschen war keine Zeit. Zögerlich, beinahe schüchtern wie junge Burschen, die sich zum ersten Mal nackt in der Gemeinschaftsdusche präsentieren, rückten sie näher aneinander und steckten die grauen Köpfe zusammen.
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