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Die Clique der Ehrlosen
Verfasser: Thomas Majhen (1)
Verlag: Eigenverlag (20827) und epubli (1680)
VÖ: 4. März 2021
Genre: Historischer Roman (5193)
Seiten: 664 (Gebundene Version), 639 (Taschenbuch-Version)
Themen: 1938 (15), Augsburg (48), Berlin (1282), Dreißiger Jahre (255), Drittes Reich (94), Hitlerjugend (5), Jugendliche (221), Wehrmacht (21), Zweiter Weltkrieg (575)
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Lesermeinungen (1)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Thomas Majhen für die Einsendung dieser Leseprobe!
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

August 1944


Es war nur schwer zu sagen, was schlimmer war: der Umstand, dass die in ein Drahtgitter eingefasste Lampe an der Decke Tag und Nacht brannte, oder die damit verbundene Begleiterscheinung, die sich durch ein fortwährendes elektrisches Summen äußerte. Hätte das Summen zur Schlafenszeit aufgehört, wäre diese Frage leicht zu beantworten gewesen, doch war es untrennbar mit dem eingeschalteten Licht verbunden. Sie waren wie zwei unermüdliche Quälgeister, die Köpfe eines gemeinen siamesischen Zwillings, die sich gegenseitig in ihrer nervtötenden Bosheit zu übertrumpfen suchten.
     Rücklinks auf der schmalen Pritsche liegend, die mit Scharnieren an der Wand befestigt war und tagsüber hochgeklappt wurde, starrte der Häftling die Deckenleuchte an und versuchte zu ignorieren, wie die Metallstreben durch die dünne, durchgelegene Matratze in seinen Rücken schnitten. Schon nach wenigen Minuten begannen seine müden Augen zu schmerzen, dennoch zwang er sich, weiter in das Licht zu sehen. Nach einer Weile begannen seltsame Farben vor ihm zu tanzen, gelbe Kreise schwollen zu einem Meer aus Magma an, das von roten Flammen durchdrungen wurde. Die Ströme aus Feuer und flüssigem Gestein wirbelten durcheinander, verschmolzen miteinander, trennten sich wieder und wichen schließlich einem grellen Weiß, das bald das gesamte Zentrum der Erscheinung ausfüllte.
     »Die Sonne«, dachte der Gefangene, »ich blicke in die Sonne. Ach, wenn es doch nur die Sonne wäre.« Eine stumme, eine leise Sonne, die abends hinter dem Horizont verschwindet und niemals auch nur das kleinste Geräusch von sich gibt.
     Bald schien es dem Gefangenen, als nähme auch das Summen an Intensität zu. Zunächst war es, als befände sich eine einzelne verirrte und vergeblich nach einem Ausgang suchende Fliege mit ihm in der Zelle. Schon waren es zwei Fliegen, irgendwann zehn, schließlich handelte es sich um einen ganzen Schwarm, der nicht mehr nur Wände und Decke nach einem Schlupfloch ins Freie abtastete, sondern stattdessen Zuflucht in seinem Kopf zu suchen schien. Wirre Gedanken wogten durch sein Hirn wie Wein, den man allzu schwungvoll in einen Dekanter goss. Hier und da tauchten ein Name oder ein Wort auf: Gertrud, Harald, dann der Admiral, Heinz, die Dokumente ... alles verwirrte sich scheinbar zusammenhanglos im unauflösbaren Knoten, der seinen Verstand gefesselt hielt. Die gleißende Sonne, der unsichtbare Fliegenschwarm, die Namen von Menschen, die er vermutlich niemals wiedersehen würde – es war zuviel für seinen erschöpften Geist. Der Gefangene spürte, wie sein Kopf immer schwerer wurde, sich mit flüssigem Blei füllte und tiefer in das Kissen sank, während sich sein Körper aufzulösen schien, bis er nicht einmal mehr das harte Metallgestell der Pritsche unter sich spürte. Endlich wurde er von einem sternenlosen schwarzen Weltall verschluckt und fiel in einen schweren Schlaf, der dem Tode näher war als dem Leben.
     Tot aber war er nicht. Ob das nun gut oder schlecht war, das konnte er selbst nicht mit Sicherheit sagen. Als er erwachte, wusste er für einen kurzen Augenblick nicht, wo er sich befand, auch vermochte er nicht zu sagen, ob er eine Stunde oder einen Tag geschlafen hatte; das eine wäre ebenso gut möglich gewesen wie das andere. Schwach, widerwillig fast, entzündete sich der Funke seines Bewusstseins. Gleichzeitig verdeutlichten ihm die Schmerzen in seinem Rücken, dass er noch unter den Lebenden weilte. Erschrocken – ob durch die Schmerzen oder den Umstand, dass er lebte, war schwer zu sagen – riss er die Augen auf. Sofort war ihm, als schütte jemand einen Eimer gleißenden Lichts direkt in das Gesicht. Ein stechender Blitz drang in sein Gehirn, mit der Hand versuchte er seine Augen gegen die Glühbirne abzuschirmen und zu schützen. Er drehte sich zur Wand und versuchte dadurch, dem unbarmherzigen Gleißen zu entkommen. Angestrengt bemühte er sich, seine Gedanken zu ordnen. Seine Augen suchten die graue Zellenwand ab, schweiften über kleine Kratzer und tiefe Risse, über einen gewaltigen Krater, wo der feuchte Putz abgeblättert war und die darunterliegende Ziegelmauer freilegte.
     Vom Gang hinter der Zellentür war ein kurzer Schrei zu hören, der sofort von einem dumpfen Geräusch erstickt wurde.
     »Sonderegger«, dachte der Gefangene, »oder irgendein anderes sadistisches Schwein.« Von der Sorte gab es hier genug.
     Oh ja, er wusste wo er war. Und er hatte Angst, das gestand er sich unumwunden ein. Trotzdem durfte er nicht zulassen, dass ihn sein Verstand im Stich ließ und ihn die Angst übermannte. Wenn er seinen Kopf jemals wieder in einen freien Himmel emporrecken wollte, wenn er seine Frau und seine Kinder jemals wiedersehen wollte, durfte er keine Schwäche zeigen, musste er gegenüber sich selbst die gleiche Härte walten lassen wie seine Peiniger. Sein Verstand, seine Unermüdlichkeit und seine Unnachgiebigkeit waren die einzigen wirklichen Waffen, über die er jemals verfügt hatte, und er konnte es sich gerade jetzt nicht leisten, dass diese Waffen stumpf wurden. Er musste ihre Schärfe erhalten, sie mussten schärfer werden als sie es jemals waren. Dann würde er auf eine Gelegenheit lauern, da sich seine Feinde eine Blöße gaben, und zuschlagen – genauso wie er es schon einmal getan hatte.
     An irgendeinem Punkt jedoch musste er die falsche Richtung eingeschlagen haben, er hatte seine Deckung sinken lassen oder war schlichtweg nicht stark genug gewesen. Natürlich, letztlich war sein Verhängnis einer dummen Nachlässigkeit zu verdanken, einem winzigen Augenblick der Unaufmerksamkeit: Bei einem geradezu närrischen Versuch, noch bei der Verhaftung eines Freundes vor den Augen der Gestapo Unterlagen verschwinden zu lassen – ein Missverständnis eigentlich um zudem vollkommen unwichtige Dokumente, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte –, hatte er sich verdächtig gemacht und war unter Hausarrest gestellt worden. Monatelang hatte man ihn danach überwacht und war ihm auf Schritt und Tritt gefolgt. Damals konnte ihm die Geheime Staatspolizei nichts anhaben, da sein Fall innerhalb der Jurisdiktion der Wehrmacht lag und vor dem Reichskriegsgericht verhandelt werden sollte. Doch dann, noch bevor es zur Hauptverhandlung kommen konnte und nur einen Tag nach diesem schicksalhaften 20. Juli, vor wenigen Wochen erst, war man wohl des Spieles überdrüssig geworden. Man hatte ihn aus der Wehrmacht ausgestoßen, die Ermittlung an die Gestapo abgegeben und ihn festgenommen. Tatsächlich aber hatte das Schicksal schon wesentlich früher seinen Lauf genommen, Jahre bevor er herausfinden musste, wie die Kellerräume dieses berüchtigten Gebäudes in der Prinz-Albrecht-Straße von innen aussahen. Nicht zum ersten Mal fragte er sich, wo er vom Weg abgekommen war, was er hätte tun können, ja ob er überhaupt jemals eine echte Chance gehabt hatte, sein Schicksal abzuwenden. Diese Frage ließ sich unmöglich beantworten, das wusste er, dennoch spukte sie unentwegt durch seinen Geist, quälte und folterte ihn, was fast noch schlimmer war als alles, was ihm seine Widersacher antun konnten.
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