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Der Knochenbaum
Verfasser: Michael Dullau (14)
Verlag: Eigenverlag (19877), epubli (1593) und Stiftungs- und Initiativenverlag (14)
VÖ: 8. Mai 2021
Genre: Sachbuch (2668)
Seiten: 160 (Taschenbuch-Version), 144 (Taschenbuch-Version Nr. 2), 129 (Kindle-Version)
Themen: Bulgarien (15), Flucht (1873), Grenzen (67), Kalter Krieg (80), Tod (1156)
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2 | DER KNOCHENBAUM


»Höher!«, brüllte der bulgarische Unteroffizier. »Noch höher!«
     Der junge Rekrut, der erst seit wenigen Wochen seinen Dienst an der Grenze zu Griechenland verrichtete, hob die beiden blassgrauen Knochen auf Schulterhöhe und sah seinen Vorgesetzten fragend an.
     »Noch höher. Verdammt noch mal!«, schimpfte der Unteroffizier.
     Der junge Soldat trat näher an den Baum und schob die beiden Knochen, die fast die Länge seiner Unterarme besaßen, auf Kopfhöhe. Der Rekrut blickte zum Unteroffizier, der schnaufte genervt und schüttelte den Kopf.
     »Was bist du denn für ein Schwachkopf?!«, brüllte er.
     Wütend stapfte er zu dem Rekruten und riss ihm die Knochen aus der Hand.
     »Geh zur Seite!«, donnerte er und stieß den Soldaten mit dem Ellenbogen weg.
     Dann nahm er selbst Maß und hielt die beiden Knochen mit hochgestreckten Armen an den Baum, ungefähr dreieinhalb Meter hoch.
     »Das ist die richtige Höhe!«, rief er. »Schau genau hin, du Schwachkopf!«
     Der junge Rekrut trat drei Schritte zurück und versuchte, sich die Stelle am Baum zu merken. Es war eine alte Rotbuche, ca. vierzig Meter hoch, die drei Mann nicht zu umfassen vermochten.
     Der Unteroffizier holte einen Hammer und einen neuen, glänzenden Nagel aus der Postentasche.
     »Da!«, rief er und hielt dem Soldaten Hammer und Nägel hin. »Anschlagen!«
     Der junge Soldat sah ihn fragend an.
     »Wie ... wie soll ich da hochkommen?«, fragte er zögernd.
     »Herrgott!«, brüllte der Unteroffizier. »Habt ihr Neuen denn gar nichts in der Birne?! Muss man euch Spritzern alles vorbeten, oder was?! Schnapp dir ein paar Baumstücke im Wald, liegen ja genug rum, und stapele sie als Tritt vor dem Baum. Mann, Mann, Mann! Ihr Idioten kriegt nicht die einfachsten Sachen auf die Reihe.«
     Der Unteroffizier schnaufte wie eine Dampflok.
     Der Rekrut tat, wie ihm befohlen, und sammelte in der Umgebung einige Holzstücke ein. Dabei fiel sein Blick auf die andere Seite der Rotbuche. Der Soldat erstarrte: Der Baum war vom Stammbeginn bis auf ca. vier Meter Höhe mit angenagelten Knochen unterschiedlicher Art und Größe übersät.
     Schnell raffte der Soldat die Holzstücke zusammen und stapelte sie vor die Buche. Dann schlug er die beiden Knochen nach Piratenart über Kreuz an den Baum. Der Nagel glänzte in der Julisonne.
     »Geht doch«, rief der Unteroffizier. »Bist ja doch noch zu was zu gebrauchen.«
     »Sind das echte ... ich meine ... echte ... Knochen?«, fragte der Rekrut seinen Vorgesetzten stockend.
     »Ja, was glaubst du denn?«, rief der Unteroffizier. »Dass wir hier Gummiattrappen an den Baum nageln?«
     »Nein, nein«, beeilte sich der junge Soldat. »Ich meine ... sind das ... sind das ... Knochen von ... von ... Menschen?«
     Der Unteroffizier lachte wieder.
     »Du wirst es herausfinden.« Er lachte dröhnend. »Hast ja noch genug Zeit vor dir.«
     Der Rekrut nickte mechanisch und starrte auf die Knochen.
     »Aber ... warum? Ich meine ... warum macht man ... so was?«, entfuhr es dem jungen Soldaten und er wünschte sich sogleich, er hätte die Frage nicht gestellt.
     »Das fragst du ernsthaft?«, entgegnete der Unteroffizier.
     Der junge Grenzsoldat zögerte mit der Antwort.
     »Kannst du es dir wenigstens denken?«, fragte der Unteroffizier in gefährlichem Unterton.
     Der Rekrut schüttelte stumm den Kopf.
     Der Unteroffizier ging mit großen ausladenden Schritten auf den Rekruten zu und packte seinen Kopf mit beiden Händen. Die riesigen Pranken schlossen sich wie Schraubzwingen um seine Schläfen.
     »Da«, rief er und drehte den Kopf des jungen Soldaten unsanft in Richtung griechischer Grenze. »Was siehst du dort?«
     Der Rekrut wusste noch immer nicht, worauf der Unteroffizier hinauswollte. Verängstigt gab er einfach wieder, was er sah: »Ein Zaun ... Stacheldraht ... Minenfelder ...«
     »Ganz genau. Blind bist du also noch nicht«, rief der Unteroffizier.
     Er drehte den Kopf des Rekruten ebenso unsanft zurück zum Baum mit den Knochen.
     »Das da«, brüllte er, »ist hundert Mal wirkungsvoller als Stacheldraht und Minenfelder. Kapierst du?!«
     Der Rekrut schien nicht zu verstehen, was ihm der Unteroffizier damit sagen wollte; zumindest zeigte das sein Gesichtsausdruck.
     »Der Hellste bist du wirklich nicht!«, rief der Unteroffizier und ließ den Soldaten los.
     »Diese Knochen hier!«, rief er und zeigte auf den Baum, »halten uns mehr Flüchtlinge vom Hals als alle Sperranlagen zusammen. Die sind fast so gut wie unsere alte Dame Kalaschnikow.«
     Er lachte und streichelte über seine Maschinenpistole.
     »Und falls sich doch ein Flüchtling in unseren Abschnitt wagt, dann endet er hier - genau hier! Kapierst du?«
     Der Unteroffizier lachte. Dann zeigte er auf die Rotbuche - den Knochenbaum.

* * *

Eine Woche später, Anfang August 1975,
ein Campingplatz am Fuße des Rila-Gebirges


Klaus zog den Reißverschluss des Zelteingangs von innen hoch und löschte die Campinglampe. Dann kroch er im Dunkeln zu seiner Luftmatratze. Brigitte, seine Verlobte, hatte sich schon in ihren Schlafsack eingemummelt und rutschte näher zu Klaus. Die Nacht würde wieder kalt werden hier am Fuße des mächtigen Rila-Gebirges, in dem auch im Hochsommer einstellige Nachttemperaturen keine Seltenheit waren.
     »Wir schaffen das doch - oder?«, fragte Brigitte und schmiegt sich an ihren Verlobten.
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