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KINDLE
 
Trauma
Verfasser: Angélique Mundt (5)
Verlag: btb (511)
VÖ: 13. April 2021
Genre: Thriller (7060)
Seiten: 352 (Taschenbuch-Version), 353 (Kindle-Version)
Themen: Erinnerungen (985), Mörder (641), Psychiatrische Klinik (205), Trauma (181)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Angélique Mundt für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Angélique Mundt gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Twitter, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     »Du bist in der geschlossenen Psychiatrie. Sie sagen, du willst Selbstmord begehen.« Kurz bevor sie mich erreicht, dreht sie ab und führt ihre Wanderung durchs Zimmer fort. »Die lassen dich nicht mehr raus, so viel ist sicher.« Sie sieht mich aus ihren braunen Augen mitleidig an, als sie vor der Tür wendet und zurückkommt. Sie schüttelt den Kopf.
     Woher weiß sie das alles? Die Frau nähert sich schlurfend dem Fenster. Direkt davor befindet sich eine Baustelle. Ich kann erkennen, dass das Zimmer im Erdgeschoss liegt. Man kann durch die Scheiben einen Bagger sehen, der Erde aushebt. Die Zähne fahren in die Erde, und quietschend hebt sich die Schaufel an. Das Piepen des Baggers beim Rückwärtsfahren ist durch die geschlossenen Fenster zu hören. Ich hasse Baustellen. Darüber ein wolkig-weißer Himmel. Regen peitscht kahle Äste gegen die Scheibe. Herbstkälte. Die Frau beobachtet mich.
     Wie lange bin ich schon hier? Mein Blick fliegt zum Handgelenk der Frau. Sie trägt keine Uhr.
     »Ich bin Hanne. Ich wohne in diesem Zimmer. Leila.
     Leila, ich mag deinen Namen.«
     Ich muss Maya anrufen. Sie muss mich hier rausholen.
     Ich will nach Hause zu meiner Tochter. Zu Luna.
     »Die anderen sagen, du hättest einen Mann erstochen. War er dein Ehemann? Hat er dir was getan?« Die Alte nickt in Richtung meines Eherings.
     Ich schaue auf meine rechte Hand. Mein Ehering ist breit. Gold. Mit winzigen Diamanten. Nicolai wollte keinen schmalen, bescheidenen Ring. Er bestand darauf, allen zu zeigen: Schaut her, sie ist vergeben, sie gehört mir.
     »Ich bin vielen Mördern begegnet«, fährt sie fort. »Kriegsgeneration. Aber eine Frau war nicht dabei.« Sie schaut mich mit durchdringendem Blick an.
     Ich halte den Atem an. Ich liege in der Psychiatrie, und die fremde Frau hält mich für eine Mörderin. Wie zum Teufel ist mein Leben so aus den Fugen geraten? Ich möchte wieder einschlafen und in meinem eigenen Bett aufwachen. Die Uhr zurückdrehen. Um ein paar Stunden. Um eine ganze Woche. Da war noch alles in Ordnung.
     Klapsmühle. Endstation. Soll ich schreien? Ist das nicht der richtige Ort, um alle Hemmungen fallen zu lassen? Einmal im Leben auf niemanden mehr Rücksicht nehmen. Sich gehen lassen. Nein, ich kann mich nicht noch einmal gehen lassen. Das kann ich Luna nicht antun.
     Ich muss zurück zu ihr. Koste es, was es wolle.
     Warum habe ich gestern nicht an sie gedacht? Im Polizeipräsidium. Warum habe ich da nicht an meine Familie gedacht? Dann wäre ich heute nicht hier, oder?
     Gestern.
     Der schwärzeste Tag meines Lebens.
     Es begann mit dem Alptraum. Dem Alptraum, aus dem ich nicht wieder aufgewacht bin. Es war derselbe wie heute Nacht.
     Damit fing es an.


2.


Alles, woran ich mich erinnere, verschwindet immer wieder im Nebel, nur einzelne Bruchstücke tauchen auf, nicht zu fassen, keinen Sinn ergebend. Wie ich gestern abrupt aufgeschreckt bin, mir die Bettdecke vom Körper reiße, die mich zu ersticken drohte. Nach Luft giere. Nicht weiß, was passiert ist.
     Wie überrascht ich bin, in meinem Schlafzimmer zu sein. Der Radiowecker auf meinem Nachttisch piepst und zeigt sechs Uhr dreißig an. Zeit zum Aufstehen, ich komme zu mir und drücke ihn aus, endlich ist Ruhe. Mein Atem beruhigt sich langsam, meine Kehle ist trocken, als ich versuche zu schlucken.
     Mein Mund brennt. Und ich schmecke Blut, ich habe mir auf die Zunge gebissen. Kein Wunder, bei diesem fürchterlichen Alptraum. So einen Traum hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht. Ich möchte den Schlaf abschütteln, den Horror, der mich umklammert hält.
     Und da ist Luna. Mein Augenstern, meine Tochter, die sich an mir festkrallt. Ich mache mich vorsichtig von ihr los und schleiche barfuß ins Bad. Mein Nachthemd ist nass geschwitzt. Was für ein Traum, ich erinnere mich fast gar nicht, aber zittere noch immer vor Angst, die durch meinen Körper wabert.
     Es war nur ein Traum, flüstere ich und muss fast lächeln über meinen Zustand.
     Die Badezimmertür lässt sich lautlos ins Schloss drücken. Für einen Moment lehne ich mich von innen dagegen. Ich muss mich beruhigen und schließe die Augen. Sofort sehe ich den blutenden Bauch des Mannes und reiße die Augen wieder auf. Mit einem Satz bin ich bei der Toilette, ich würge gelbgrünlichen Gallensaft.
     Ich atme tief in den Bauch. Ein und aus. Vorsichtshalber lasse ich die Augen auf und fixiere die blau-grünen Glas-Mosaikfliesen der Wand. Die Handtuchheizung. Den weißen hohen Badezimmerschrank, das Regal mit den blauen und grünen Handtüchern, den Bastkorb für die Schmutzwäsche. Die Dusch- und Shampooflaschen auf dem Badewannenrand. Ich stehe auf, öffne das Fenster, um die kühle Herbstluft hereinzulassen und stütze mich mit beiden Armen auf das Waschbecken. Der Blick in den Spiegel lässt mich erschauern. Ich habe es befürchtet. Mein Gesicht ist kalkweiß und bildet einen verstörenden Kontrast zu meinem schwarzen Haar. Krank sehe ich aus. Fahl und ungesund. Meine Augen glanzlos, und wenn ich den tiefen Augenringen glaube, bin ich über Nacht zehn Jahre gealtert.
     Ich brauche Energie.
     An diesem wichtigen Tag in meinem Leben. Niemand weiß davon.
     Es ist mein Geheimnis.
     Jeder normale Mensch würde vor Freude zerspringen und auf der Straße wildfremden Menschen das Glück ins Gesicht rufen. Und was tue ich? Ich schweige, aus Sorge ausgelacht zu werden, schäme mich beinahe und lasse stattdessen Horrorfilme meine Nacht bestimmen. Ich wende meinen Blick vom Spiegel ab, lasse mir Wasser über die
     Hände laufen und klatsche mir eine ordentliche Ladung ins Gesicht.
     Nachdem ich ein paar Schlucke davon getrunken habe, wage ich einen zweiten Blick in den Spiegel. Nicht viel besser. Ich ziehe mir eine bequeme Jogginghose, ein T-Shirt und meine warme Strickjacke über, die noch von gestern Abend über dem Badewannenrand hängen. Heiß duschen kann ich auch später noch, jetzt mache ich erst mal Frühstück für die Familie und plane den Tag, eins nach dem anderen. Heute werde ich mir etwas wirklich Schickes anziehen, ich werde mein Vorhaben in die Tat umsetzen, und danach ... danach werde ich einkaufen, Luna von der Kita abholen und mit ihr auf den Spielplatz gehen und anschließend ... mal sehen, worauf die kleine Maus Lust hat. Nicolai wird sicher lange arbeiten, und wenn Luna im Bett ist, habe ich Zeit, mich ans Klavier zu setzen. Und wenn er heimkommt, erzähle ich ihm, dass ich unterschrieben habe. Ja, das klingt nach einem Plan. Ich muss nur den heutigen Tag überstehen.
     In dem gleichen Augenblick, in dem ich mir einzureden versuche, ein Ziel zu haben, schäme ich mich. Ich versuche, mich abzulenken. Durchschaubar und hilflos, das bin ich, ich mache mir etwas vor. Heute ist kein normaler Tag. Nach heute gibt es kein normales Leben mehr. Sosehr ich auch versuche, es mir einzureden. Wenn ich dieses Badezimmer verlasse, muss ich mich der Realität stellen. Ich muss mich entscheiden.
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