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Licht des Schattens
Verfasser: Edgar Bernardi (2)
Verlag: ab edition (2) und Eigenverlag (19544)
VÖ: 28. Juni 2020
Genre: Gegenwartsliteratur (3279)
Seiten: 368 (Taschenbuch-Version), 370 (Kindle-Version)
Themen: Bestimmung (186), Erwachsenwerden (226), Herkunft (141), Physik (58), Trennung (1028), Väter (803)
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Nach der Trennung seiner Eltern taumelt Erich durch sein Leben, stets auf der Suche nach seinem Vater und sich selbst. Von Geburt an vermisst er die väterliche Geborgenheit und wird davon getrieben, seine Entbehrung zu überwinden. Unterdessen entdeckt er, wie auch seine Eltern und Großeltern damit haderten, ihre eigene vertuschte und unterdrückte elterliche Trennungssituation zu verarbeiten und die eigene Herkunft zu ergründen. Selbst schon Mann und Vater, wird Erich als stets die Welt hinterfragender Physiker im Wechselspiel zwischen Gefühlen und Rationalität, zwischen Enttäuschung und Vertrauen, zwischen Schuld und Buße, zwischen Dasein und Wesen hin und her gerissen, bis er am Schluss einen Ausweg darin findet, indem er seinen Vater nach über drei Jahrzehnten aufsucht.

Licht des Schattens erzählt vom Erwachsenwerden, von der immerwährenden Suche nach den Wurzeln und der Sehnsucht – und von der Frage nach Zufall oder Bestimmung im Leben.

Die Motivation
Ich wollte den Vätern eine Stimme geben, die besonders nach der Trennung der Eltern im Leben von Kindern wichtig sind, jedoch häufig von Müttern und Richter*innen ins Abseits gedrängt werden. Ich wollte gleichzeitig die Antwort auf die ewige Frage finden, ob Zufall oder Bestimmung unser Leben bestimmen, so wie in der Natur, besonders der Physik, nicht nur Kausalität, sondern auch Zufall eine Rolle spielt. Ich habe die Antwort nicht gefunden.

In dem Roman erzähle ich einerseits Gegebenheiten, die fiktiv sind und andererseits solche, die sich wirklich zugetragen haben. Die Episoden, die dem Leser wahrscheinlich vorkommen, sind meist fiktiv, die am unwahrscheinlichsten klingen, haben sich wirklich zugetragen. Daher der Titel, ich habe bewusst die Kausalität umgekehrt: nicht der Schatten des Lichtes, sondern das Licht des Schattens.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Edgar Bernardi für die Einsendung dieser Leseprobe!
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Da saß er, sein Vater, in seinem kleinen Zimmer, in dem er wohl seine letzten Lebensjahre verbringen sollte. Enorm gealtert, natürlich, ein Drittel seiner Lebenszeit hatten sie sich nicht mehr gesehen, eine aufgeschwemmte Statur, nur an ein paar markanten Gesichtszügen wieder erkennbar, so saß er nun vor ihm, nach Jahrzehnten der Trennung.
     Es roch nach einer Mischung von Altenheim und altem Mann, und es dauerte eine Weile, bis Erichs Nase sich daran gewöhnt hatte. Der alte Mann begrüßte seine Schwester und seinen Schwager, übersah aber Erich, oder ignorierte ihn, da er offensichtlich nicht wusste, wen er da vor sich hatte. Ohne sein Vorwissen und das Vertrauen auf seine Tante und seinen Onkel, dass sie ihn wirklich zu seinem Vater führen würden, hätte auch Erich ihn weder erkannt noch beachtet, wenn er ihm zufällig begegnet wäre.
     Dieser kleine Raum war also sein Schicksal, war nunmehr sein Leben: warten, abwarten, seine Zeit läuft, nur in die eine Richtung, auf sein Ende zu, nicht umgekehrt, um vielleicht einiges von dem, was geschehen war, ungeschehen zu machen. Ob er so etwas wirklich dachte?
     Erich schossen blitzartig ein paar Bilder von früher in den Kopf, er sah sich zusammen mit seinem Vater, ja, hörte sogar seine Stimme. Sein Vater und er in der Werkstatt, beim Bau des Kasperletheaters. Das Kaninchenschlachten als nächste Szene. Dann die Wutausbrüche am Sonntag. Im schnellen Bildwechsel kam die Erinnerung. Und nun legten sich diese Bilder mit einem großen Zeitsprung über das, was er jetzt gerade sah. Dazwischen: Leere.
     Jetzt saß er neben ihm, der aufgeregte Sohn neben dem nichtsahnenden und stoisch vor sich hin blickenden Vater. Endlich, nach 34 Jahren, auf dem Sofa, auf dem sein Vater wohl bisher immer alleine hockte. Erich lauschte der Stimme seines Vaters im Gespräch mit seiner Tante, die ihm nicht fremd klang, das Wenige, das unverändert bleibt und an das man sich als markantes Wiedererkennungsmerkmal klammert, wenn man einen Menschen nach so langer Zeit wiedertrifft. So viele unterschiedliche Eigenheiten, die das Individuelle eines Menschen kennzeichnen, und so wenige, aber markante, die ihn unverwechselbar machen und trotz der Verdunstung der vergangenen Zeit noch erhalten bleiben.
     Ein alter, grauer Mann – so betrachtete Erich ihn von der Seite. Woran er wohl jetzt denkt, in seinen letzten Lebensjahren? An seine Jugend, seine Ehe, seine Söhne, dass er sie verloren hat, ob sie je wieder zu ihm finden würden – vor seinem Tod? Während Erich sich gedanklich in seinen Vater hineinversetzte, begann er gleichzeitig ganz langsam seine Nähe zu spüren; wieder so eine unerklärbare Wechselwirkung, irgendetwas Vertrautes, irgendetwas Fremdes, schwankend, ein Auf und Ab, eine Zu- und Abneigung, ein Gefühl der Liebe und des Hasses, ein Wechsel zwischen Wärme und Kälte.
     Wo warst du all die Jahre, Vater, drängte sich Erichs innere Stimme sogleich auf. Wo warst du in den Stunden, in denen ich dich so sehr gebraucht hätte, wo ich deinen Rat suchte, deine Stärke spüren wollte, deine Wärme hätte fühlen müssen?
     Warum musste ich alles allein ergründen in meinem Erwachsenwerden? Warum musste ich mir Knie und Nase aufschlagen, um alleine den richtigen Weg zu finden, wo es doch deine Aufgabe gewesen wäre, ihn mir zu zeigen?
     Die Stärke und die Wärme seines Vaters verdrängten allmählich seine brennenden Fragen. Noch immer hatte sein Vater ihn noch nicht als seinen Sohn erkannt, wusste und spürte wohl nicht, wer neben ihm saß.
     Erich ließ ihn weiter im Unklaren, saß still neben ihm, sagte nichts, hörte nur halb dem laufenden Gespräch zu. Er schwankte zwischen Umarmung und Vorwürfen, zwischen Aufdecken seiner Anonymität und dem Abwarten, ob er ihn erkennen würde. Erich bildete sich ein: Wenn er doch mein Vater ist, wenn er überhaupt Vatergefühle hat, dann muss er mich doch als seinen Sohn erkennen?
     Noch hatte Erich kein Wort gesagt, nichts von seinem markanten Wiedererkennungsmerkmal offenbart, das vielleicht in seinem Vater sofort die Erinnerung an seinen Sohn hätte wachrufen müssen. Er wollte die Stimme erheben, etwas sagen, irgendwas, jedoch: Es ging nicht. Er war blockiert und wartete ab. Als wäre er hier erstmals einem Menschen begegnet, dem er langsam beginnt zu vertrauen. Und dem er eigentlich wie keinem anderen vertrauen sollte, denn er saß neben keinem geringeren als neben seinem Vater.
     Wo warst du all die Jahre, Vater? Seine inneren Fragen quälten ihn weiter. Warum hast du mich nicht begleitet in all der Zeit, in meinem Erwachsenwerden, in meiner Beziehung zu Mädchen, Frauen, Müttern? Warum hast du mir nur Gewalt, aber nicht Liebe gezeigt, vorgemacht, und gelehrt, sie weiterzugeben? Warum hast du mich nicht gelehrt, beziehungsfähig zu sein? Vielleicht, weil du es selbst nicht warst?
     Seine Fragen kippten zu Vorwürfen um, zu Verurteilungen, zu Schuldzuweisungen an ihn, seinen Vater, der noch immer nicht wusste, dass er nach so langer Zeit wieder neben seinem jüngsten Sohn saß.
     Erich wünschte sich, dass er es doch fühlen müsste, dass diese mysteriöse humane Wechselwirkung ihm doch die Botschaft übertragen müsste: DEIN Sohn, Vater, ist zurückgekommen, DEIN Sohn, Vater, sitzt endlich wieder neben DIR! Jedoch: nichts passierte. Nichts, wie Erich es aus der Physik kannte: In dem Moment, wo der Betrachter hinschaut, ändert der Beobachtete seine Bahn.
     Stattdessen wühlte es in Erich weiter: Warum hast du meine Mutter, deine Frau, so behandelt, dass sie von dir gehen musste – und mit ihr alle deine Kinder?
     Wer war an all dem schuld? Du, der du geschlagen hast? Deine Frau, die dich betrogen hat? Deine Eltern, die in dir keine Liebe gepflanzt haben?
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