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Stille im Zimmer nebenan
Verfasser: Janina Hoffmann (5)
Verlag: Eigenverlag (19226)
VÖ: 21. Februar 2021
Genre: Gegenwartsliteratur (3245)
Seiten: 304
Themen: Eltern (504), Hotel (811), Verschwinden (2063)
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Es beginnt wie ein schöner Traum, als die Eltern von Susi Stack ein florierendes Motel kaufen. Jahre später ist aus dem Traum ein Alptraum geworden, das Motel heruntergewirtschaftet und Susi mit ihrem psychisch labilen Vater allein. Beunruhigend ist, dass nacheinander zwei Motelgäste aus Zimmer eins auf ebenso mysteriöse Weise verschwinden wie einst Susis Mutter. Doch noch beunruhigender ist das seltsame Pärchen aus Zimmer zwei, das anscheinend nur ein einziges Ziel verfolgt: das düstere Geheimnis von Susis Eltern endlich zu lüften.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Janina Hoffmann für die Einsendung dieser Leseprobe!
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1. Das Luftschloss


Meine Mutter hielt sich immer für etwas Besseres. Nie war sie zufrieden mit dem, was sie hatte. Dadurch brachte sie meinen Vater und mich in die missliche Lage, in der wir uns noch heute befinden. Obwohl das eine harmlose Umschreibung für unsere Situation ist. Es ist ein tiefer Sumpf, in dem wir feststecken und aus dem wir uns nie wieder werden befreien können. Schuld daran ist allerdings auch mein Vater. Er hätte alles für meine Mutter getan. Zu was er ihr zuliebe bereit gewesen war, erfuhr ich erst Jahre später. Anschließend bereute ich, es herausgefunden zu haben. Ich wünschte, ich wüsste bis heute nicht, zu was meine eigenen Eltern fähig gewesen waren.
     Dieses Motel zu kaufen, das sich als völlige Fehlinvestition entpuppte, war die Idee meiner Mutter gewesen. Als sie es sich einmal in den Kopf gesetzt hatte, war sie nicht mehr davon abzubringen. Mein Vater versuchte es auch nur anfangs mit wenig Nachdruck - natürlich ohne Erfolg. Dann bemühte er sich, meiner Mutter ihren großen Traum zu erfüllen. Sicher trug mein Vater eine ständige Angst in sich, meine Mutter könnte ihn verlassen, wenn er ihren hohen Ansprüchen nicht genügte. Sie tat es dennoch, nur etwas mehr als zwei Jahre nach dem Kauf des Motels, in der Nacht vor meinem fünfzehnten Geburtstag. Ohne ein Wort des Abschieds.
     Einen Teil der Verantwortung für die vergangenen Ereignisse trage ich selbst. Schließlich ahnte ich gleich, als dieses Pärchen vor einigen Monaten an der Rezeption auftauchte, dass mit den beiden etwas nicht stimmte. Ich hätte vorgeben sollen, wir seien ausgebucht, obwohl das Schild „Zimmer frei“ an der Landstraße vor dem Motel das Gegenteil behauptete. Ich hätte die beiden Fremden einfach fortschicken sollen, ganz egal, wie unhöflich das gewirkt hätte. Stattdessen gab ich dem Mann und der Frau eines der zehn Doppelzimmer, damit endlich wieder ein paar Mark in die Kasse kamen. Und obwohl es gar nicht ihre Absicht war, lüfteten die beiden Gäste schließlich das Geheimnis, das mein Vater all die Jahre mit sich herumgetragen hatte.
     Ich denke viel über diesen Moment nach, in dem ich dem Paar den Zimmerschlüssel gab. Doch wie ich es auch drehe und wende: Ich werde das, was ich nun weiß, nie wieder aus meinem Gedächtnis löschen können.
     Seit dem Kauf des Motels ist mein Vater psychisch labil. Vielleicht war er es vorher auch schon, und es fiel nur niemandem auf. Wiederholt war er wegen seiner paranoiden Schübe, während derer er sich alle möglichen Bedrohungen einbildet, in psychiatrischer Behandlung. Die Therapien blieben stets ohne Erfolg, nicht zuletzt, weil mein Vater die Medikamente, die ihm verschrieben worden waren, nie lange einnahm. Er setzte sie ohne Absprache mit dem jeweiligen Psychiater einfach ab, weil er davon erst recht verrückt im Kopf werde, wie er es ausdrückte. Danach wollte er dann immer für Monate und Jahre nichts mehr von ärztlicher Hilfe wissen, bevor er sich wegen seiner Stimmungsschwankungen und der schlimmen Wahnvorstellungen, die er für real hielt, erneut in eine erfolglose Behandlung begab.
     „Wenn du gehst, hänge ich mich auf“, hat mir mein Vater schon des Öfteren gedroht. „Den passenden Balken auf dem Dachboden habe ich mir schon ausgesucht. Du weißt genau, dass ich es ernst meine.“
     Ja, das weiß ich allerdings. Das sind keine leeren Worte. Er würde das wirklich tun. Daher kann ich meinen Vater nicht verlassen, obwohl ich inzwischen dreißig Jahre alt bin. Ich werde bei ihm bleiben, auch wenn ich ihn für das, was er getan hat, verabscheue. Und mich selbst, weil ich ihn nicht der Polizei ausliefere.

Wie verbringen Besitzer eines Motels, in dem kaum noch ein Gast übernachtet, den Tag? Was bleibt zu tun, wenn das Frühstück in dem Imbiss, der sich ebenfalls auf dem Motelgelände befindet, serviert ist und die wenigen belegten Zimmer gereinigt sind? Wie soll ich die Zeit an der Rezeption totschlagen, während mein Vater in dem kleinen Laden, der Reiseartikel führt, zunächst vergeblich auf Kunden wartet und mir nachmittags im Foyer meist schweigend Gesellschaft leistet? In letzter Zeit setze ich mich gewöhnlich in das hinter der Rezeption befindliche kleine Büro an den Schreibtisch und rauche. Mein Vater will nicht, dass ich mich hier aufhalte. Er hätte das Büro am liebsten wie früher ganz für sich allein. Wenn er wüsste, wie egal mir das ist. Er kann froh sein, dass ich überhaupt noch hier bin. Der Gestank des Zigarettenrauchs ist ihm zuwider. Seltsam, wenn Gäste im Imbiss rauchen, stört ihn das nicht. Doch ich habe keine Lust, mit meinem Vater zu diskutieren. Stattdessen öffne ich stets das Fenster hinter dem Schreibtisch, egal bei welchem Wetter. Es gibt in diesem Raum für mich nichts zu tun. Ich könnte die Buchhaltung machen oder die Rechnungen für die wenigen Gäste schreiben, doch das habe ich noch nie getan. Mein Vater gab mir jahrelang keine Chance, Einblick in die Finanzen des Motels zu erlangen. Inzwischen habe ich herausgefunden, was er dadurch vor mir verbergen wollte. Soll er sich ruhig weiter allein um die Buchhaltung kümmern. Ich habe kein Interesse mehr daran.
     Ich sitze in dem schon etwas ramponierten braunen Lederschreibtischstuhl mit den gepolsterten Armlehnen und der hohen Rückenlehne und sehe dem aufsteigenden Zigarettenrauch zu. Irgendwann schließe ich dann meistens die Augen und denke an alles Mögliche. Wenn meine Mutter noch hier wäre. Wenn mein Ex-Verlobter sich nicht als Vollidiot erwiesen hätte. Wenn meine Eltern nie dieses verdammte Motel gekauft hätten. Dann würden wir heute sicher noch in der Großstadt leben, in der ich den ersten Teil meiner Kindheit verbrachte. Rückblickend betrachtet waren das die besten Jahre meines Lebens, und die damaligen Probleme waren klein im Vergleich zu den jetzigen.
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