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Abseits der Zeit
Verfasser: Anna Musewald (3)
Verlag: Inkpot (1)
VÖ: 13. Februar 2021
Genre: Fantasy (13511) und Romantische Literatur (23815)
Seiten: 594 (Taschenbuch-Version), 352 (Kindle-Version)
Themen: Bayern (402), Geheimnisse (4672), Neuschwanstein (9), Schlösser (390)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Auf dem bayerischen Schloss Neuschwanstein lebt die junge Küchenhilfe Emma ein arbeitsreiches, von strengen Regeln bestimmtes Leben. Ein Tag scheint wie der andere. Harte Strafen drohen denjenigen, die sich den Regeln widersetzen. Doch Emma hat ein schreckliches Geheimnis.

Dann kam Paul, der eine unglaubliche Wahrheit offenbarte.

Können sie zusammen den Bann brechen?
Können sie alleine über ihr eigenes Schicksal entscheiden? Oder werden sie für immer Gefangene der Zeit bleiben?
Lesermeinungen (0)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Anna Musewald für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Anna Musewald gibt es bei Facebook.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Franz dagegen bestand immer darauf, dass seine eigene Zeit genau wie sein Leben einen Anfang und ein Ende hätte.
     „Die Zeit, die uns gegeben wurde, wird gemessen, Emma“, erklärte er mir einmal, als ich ihn fragte, warum sein Körper sich verändert hatte. Das war, als er seine erste Jugend hinter sich gelassen hatte, aber sein Gesicht lebhaft und voller Energie war und sein Blick scharf wie ein gut geschliffenes Messer, noch bevor der Tod seiner Tochter seinen Blick für immer verdunkelte.
     Ich hatte mich gewundert, während ich ihm zuhörte.
     „Da draußen misst man die Zeit? Wieso? Aus welchem Grund?“
     „Ich denke, unsere biologische Uhr zwingt uns dazu. Wir messen die Zeit unserer Existenz. Die Veränderungen an unserem Körper, während wir von einem Ende unseres Lebens zum anderen gehen, sind der Beweis dafür, dass die Zeit unaufhörlich vergeht“, hatte er damals mit einer ungewöhnlichen Strenge gesagt. „Wir messen die Zeit, die uns zum Ziel führt.“.
     Seine Stimme klang betrübt, sein Blick war voller Traurigkeit.
     „Wie misst man die Zeit?“, flüsterte ich, hingerissen von seinen Worten.
     Franz versuchte geduldig, mir die Tage und Nächte, die Wochen und die Jahreszeiten zu erklären.
     Seine für mich rätselhaften Worte erschreckten mich und ließen mich zittern wie Halme im Sturm. Meine Logik reichte nicht aus, es fiel mir sehr schwer zu verstehen, wann genau das Jetzt aufhört und wann der nächste Moment beginnt.
     Danach, inspiriert von seinen Worten, habe ich versucht die Zeit zu messen. Ich fing an Kartoffeln in eine Tüte zu legen, um die Tage zu zählen, die vergingen, und Zwiebeln für die nacheinander folgenden Jahreszeiten. Aber ich musste aufgeben, als Frau Hofbauer meine Tüten durch den Gestank des faulenden Gemüses entdeckte und meinen Kalender wegwarf.
     Ich habe nie verstehen können, was Zeit für Franz bedeutete, aber es ging mich sowieso nichts an. Trotzdem lernte ich an der Härte seines Gesichts und an der Verkrümmung seines Körpers die brutalen Spuren zu erkennen, welche die Zeit auf seinem Körper hinterließ. Franz wuchs vor meinen Augen heran. Die Spuren seines gesamten Lebens, von seiner frühen Jugend bis später, als sich tiefe Falten in sein Gesicht gruben, prägten mein Leben und meine eigene Seele unauslöschlich.
     Aber was mein Leben komplett durcheinanderbringen sollte, war das Geheimnis, das Franz mir offenbarte.
     Ich sehe nach oben, versuche in den Schatten an der Wand seine Silhouette zu entdecken, will mich genau an diese Nacht erinnern. Franz hatte sich lange Zeit gelassen, bevor er mir das schreckliche Geheimnis offenbarte. Ein Geheimnis von jener Sorte, die schwer in Worte zu fassen und deren Logik noch schwerer zu verstehen ist.
     Wir saßen gemeinsam auf einer Holzbank im hinteren Teil der Küche, abseits von indiskreten Blicken, halb versteckt hinter dem großen Ofen. Mit einer fast krankhaften Blässe im Gesicht vertraute er mir das schreckliche Geheimnis an, das meine Welt bestimmt. Er redete ununterbrochen, und ich hörte ihm entgeistert und sprachlos zu, ohne ein Wort von dem zu verstehen, was er mir erzählte.
     Seine Hände zitterten, als er versuchte mir das Unerklärliche zu erklären. Ich streckte meine Hand aus, um seine kalten Finger zu fassen, aber Franz zog seine abrupt zurück. Ich fühlte mich, als würde ich in einen dunklen Brunnen fallen. Erst später machte alles, was ich in dieser Nacht hörte, Sinn für mich.
     Doch gerade, als es mir gelang, Ordnung in das Unbegreifliche zu bringen, hörte Franz auf mich zu besuchen. Ich erinnere mich an die ersten Male seiner Abwesenheit, als ich leise in meinem Zimmer weinte, um Frau Hofbauer nicht zu wecken, die in ihrem Bett neben meinem, ins Glück ihrer Unwissenheit getaucht, selig schlief. Auf meinem von heißen Tränen durchnässten Kissen versuchte ich einzuschlafen, um von ihm zu träumen. Der Gedanke, dass ich ihn nie wiedersehen würde, ließ meinen Körper erstarren, so als würde mich die Kälte des Winterlandes erreichen. Wütend wegen seiner unbegreiflichen Abwesenheit versuchte ich ihn zu hassen, mich selbst davon zu überzeugen, dass er mich mit seinen Offenbarungen erst in tiefes, dunkles Wasser geworfen und dann gegangen und mich allein und hilflos zurück gelassen hatte. Doch ich schaffte es nicht.
     Die unzähligen Tage, die folgten, waren erfüllt von abscheulichen Albträumen. Die einsamen Nächte, gefüllt mit den Gerüchen der Abfälle, die ich jeden Morgen in der Erde begraben musste, zwangen mich die Realität zu akzeptieren. Franz würde nicht zurückkehren.
     Doch tief in mir steckte eine Art Glaube, eine verrückte Hoffnung, die mich nicht einschlafen ließ. Deshalb musste ich geduldig im Dunkeln warten, bis die Menschenstimmen und die hastigen Schritte der Besucher vor der geschlossenen Tür des Zimmers zu hören waren. Ich wusste, dass Leute kommen würden. Jeden Tag kommen sie. Ich spitzte die Ohren und hoffte, dass ich in dem Trubel ihrer Gespräche und ihrer schrillen Stimmen die von Franz heraushören würde. Und dann würde alles wieder so werden, wie es einmal war.
     Mit der Zeit habe ich die Kraft gefunden, mich zu beruhigen. Seine lange Abwesenheit zwang mich zu akzeptieren, dass keine Hilfe mehr von ihm kommen würde. Sein Bild verblasste und verschwand fast aus meinem Kopf. Allerdings versteckte sich die Hoffnung immer noch in einer Ecke meiner Seele.
     Ich habe aufgehört ihm die Schuld zu geben, wie in der ersten Zeit. Die Vorstellung, dass Franz nicht zurückkehren wird, hat mich nicht mehr schaudern lassen. Um so lange nicht zu erscheinen, muss ihm etwas Schlimmes passiert sein. Etwas unwiderruflich Hässliches zwang ihn, sich von uns fernzuhalten. Wer weiß? Vielleicht war es Zeit für ihn zu verschwinden. Vielleicht war seine Zeit vorbei.
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