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Inspektor Fonseca 3 - Die Mauern von Porto
Verfasser: Mario Lima (3)
Verlag: Heyne (2943)
VÖ: 8. Februar 2021
Genre: Kriminalroman (7973)
Seiten: 368 (Broschierte Version), 369 (Kindle-Version)
Themen: Brand (190), Inspektor (235), Mordkommission (188), Porto (4), Portugal (67), Schuld (681), Skelette (110)
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Reihe: Inspektor Fonseca (3)
Voting: Dieses Buch für die Abstimmung zum Buch des Monats Februar 2021 nominieren
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Erklärung der Bewertungssysteme
Inspektor Fonseca ermittelt wieder im schönen Porto, diesmal im ältesten Teil der Stadt, wo ein Verbrechen aus der Vergangenheit ans Licht kommt. In einem leer stehenden Haus werden zwei eingemauerte Skelette entdeckt – ein Fund, der für Aufruhr sorgt und ungeahnte Folgen hat. Für Fonseca und sein Team wird es wieder ein Fall, der ihnen alles abverlangt. Denn auch ein Cold Case hat in Portugal seine ganz speziellen Tücken.
Lesermeinungen (2)     Leseprobe     Blogger (1)
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Mario Lima für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Mario Lima gibt es auf seiner Autorenseite und bei Facebook.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

An diesem Sonntag Ende Februar lag schon der Frühling in der Luft. In der Sonne war es angenehm warm, und dass das Blau des Himmels noch etwas winterlich blass war, sah man erst hinterher auf den Fotos. In ganz Porto hielt es niemanden in seinen vier Wänden. Ob als Paar oder allein, ob als ganze Familie, ob mit Hund oder ohne – alles flanierte in der Mittagssonne dahin, und wo immer auf den Café- und Restaurantterrassen ein Tisch frei wurde, war er im Nu wieder besetzt. Auf den Strandpromenaden in Foz do Douro genoss man den Blick übers Meer und das Schauspiel der rauschenden Brandung, zwischen den Säulen der Pergola hielten sich die ersten verliebten Paare umschlungen. Andere bummelten unter den hohen Palmen des Passeio Alegre und die Uferwege am Rio Douro entlang, manche fuhren auch mit dem Fahrrad oder kurvten auf Skateboards zwischen den Spaziergängern hindurch.
     Auch an der Ribeira, der Uferzone der Altstadt, war alles entschlossen, diesen geschenkten Frühlingstag zu genießen, schlenderte entspannt an den Kaimauern dahin, hörte den Straßenmusikern zu, fuhr mit Ausflugsbarkassen auf dem Douro hin und her oder saß beim Mittagessen unter den weißen Sonnenschirmen und Markisen.
     An einem der Tische saß auch Carlos Brandão, ein Mann von Mitte dreißig, Ingenieur beim Städtischen Bauamt, mit seiner Frau und ihren beiden Kindern. Alle vier aßen eine Francesinha, wie sie es sonntags gerne taten. Sie alle liebten diese Sandwich-Ungetüme, die mit Käse überbacken und dann heiß in tiefen Tellern mit Spezialsoße serviert wurden. Auf die Soße kam es ganz besonders an, und sie bewerteten sie jedes Mal nach einem familieneigenen Punktesystem.
     Carlos’ Francesinha war schon halb verspeist, und er reckte ab und zu den Hals, ob sich nicht irgendwo ein Kellner blicken ließ. Es war eine Frage des Timings. Wenn er es jetzt nicht schaffte, sein zweites Bier zu bestellen, dann kam es nicht mehr rechtzeitig, bevor er fertig war.
     Da! Ein Kellner – der sich allerdings hartnäckig weigerte, in seine Richtung zu sehen. Carlos hatte schon die Hand zum Fingerschnippen erhoben, als sein Telefon auf dem Tisch zu vibrieren begann.
     Er sah auf das Display. Nein, dachte er, nein, ehrlich nicht! Nicht heute!
     Einfach nicht rangehen? Er seufzte innerlich, bat seine Frau mit einem Blick um Verzeihung und hob das Telefon ans Ohr. »Ja?«
     »Carlos? Ich weiß, dass heute Sonntag ist. Tut mir leid. Aber sonst kann ich niemanden erreichen.
     Was machst du gerade?«
     »Wir sitzen hier friedlich in der Sonne und essen Francesinhas.«
     Das sollte heißen: »Dies ist mein einziger Tag mit der Familie. Da könntet ihr mich wirklich mal in Ruhe lassen. «
     »Das ist schön. Ich will auch gar nicht lange stören. Wo seid ihr denn?«
     »An der Ribeira.«
     »An der Ribeira? Das trifft sich ja günstig! Dann kannst du mal eben zu Fuß hingehen. Dauert nicht lange, versprochen!«
     Der Kellner blickte zufällig in seine Richtung, Carlos hob auffordernd sein leeres Bierglas. Der
     Kellner nickte ihm zu und verschwand. »Was gibt’s denn so Dringendes?«
     »Es geht noch mal um diesen Brand von gestern Nacht, im Bairro da Sé. Die Feuerwehr hat angerufen. Die haben da ein Problem.«
     »Ich dachte, das war nicht so schlimm?«
     »War es auch nicht. Aber das Feuer hat aufs Nachbarhaus übergegriffen, und da ist auch ein Teil vom Dach eingestürzt.«
     »Ja, und?«
     »Das Nachbarhaus steht schon ewig leer und ist baufällig. Sie sagen, das Dach kann man nicht mehr betreten, und von innen kommen sie auch nicht ran. Da ist so eine merkwürdige Wand.«
     »Was für eine Wand?«
     »Eine gemauerte Wand, ohne Tür. Anscheinend nachträglich eingezogen. Und sie trauen sich jetzt nicht, da ein Loch reinzuhauen. Nicht dass dann der ganze Dachstuhl runterkommt. Sie meinen, das müsste sich erst jemand ansehen.«
     »Hat das nicht Zeit bis morgen?«
     »Nein. Sie sagen, sie müssen das Gebäude sichern. Bei den engen Gassen da ... wenn da Trümmer runterfallen ...«
     »Ja, schon gut. Kann ich wenigstens noch zu Ende essen?«
     »Natürlich, klar. Das heißt, du übernimmst das, ja?«
     Carlos seufzte. »Wie ist die Adresse?«

Seine Tochter nahm das nicht so einfach hin. »Papa! Du hast gesagt, dass wir noch mit dem Schiff fahren!«
     »Ja, das macht ihr ja auch. Zusammen mit eurer Mama. Die ganze Sechs-Brücken-Tour, wie versprochen!« Zu seiner Frau sagte er: »Ich ruf an, ja?«
     Zu Fuß ging er zur Praça da Ribeira. Der halbe Platz war ebenfalls voller Cafétischchen und Sonnenschirme. Carlos ging an den Lokalen vorbei, ließ mehreren Kellnern den Vortritt und betrat dann am Ende des Platzes die schmale und schattige Rua dos Mercadores, in der es gleich deutlich kühler war. Nach einer Weile war er so gut wie allein. Auf dem Kopfsteinpflaster ging er die leicht ansteigende Straße hinauf, wie ungezählte andere vor ihm seit dem Mittelalter.
     Es war tatsächlich nicht sehr weit. Nach wenigen Minuten bog er in die Rua da Bainharia.
     Einige Feuerwehrmänner und zwei Schutzpolizisten standen vor dem Haus beisammen. »Bom dia«, sagte er. »Carlos Brandão. Ich bin der Ingenieur vom Bauamt.«
     »Ah, sehr gut. Dann kommen Sie mal mit.«
     Ein Feuerwehrmann ging vorweg, einer der Polizisten folgte ihnen. Durch das enge, düstere
     Treppenhaus stiegen sie hinauf bis zur Mansarde. Je höher sie kamen, desto stärker wurde der Brandgeruch. In der verstaubten Glaskuppel über ihnen waren mehrere Scheiben zerbrochen, das Tageslicht fiel in einzelnen Bahnen herab.
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