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1984.4
Verfasser: Philip Kerr (30)
Verlag: Rowohlt (1709)
VÖ: 26. Januar 2021
Genre: Dystopie (698)
Seiten: 320 (Gebundene Version), 314 (Kindle-Version)
Original: 1984.4
Themen: 21. Jahrhundert (272), Gesellschaft (485), Kontrolle (80), Liebe (616), Selbstmord (658), Unterdrückung (25)
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Erklärung der Bewertungssysteme
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PROJEKT 10
Zur Erklärung: Bei unserem »Projekt 10« lesen mehrere Mitarbeiter oder Unterstützer unserer Seite gemeinsam die ersten zehn Seiten eines Buchs und entscheiden anschließend, ob sie das Buch anhand dieser zehn Seiten weiterlesen würden. Die hier geäußerten Meinungen sind kein Urteil über das gesamte Buch, und natürlich sollte immer auch bedacht werden, dass es ganz andere Maßstäbe als die ersten Seiten gibt, insbesondere weil es viele Bücher gezielt ganz ruhig angehen und »nach hinten raus« immer besser werden, anstatt gleich voll aufzudrehen.
 
Vermutlich sind tragende Elemente von George Orwells »1984« nahezu jedermann ein Begriff. Ob viele jüngere Leser von heute das Buch aber auch wirklich gelesen haben - sofern sie es nicht in der Schule mussten -, dürfte hingegen eine auf einem ganz anderen Blatt stehen. Ein dezentes Wissen über »1984« ist unserem Empfinden nach gewissermaßen Allgemeingut, ohne das man's selber gelesen hat. Dieser Tage ist nun ein Buch erschienen, das (unter anderem) eine Hommage an Orwells Klassiker darstellt, und genau dieses haben drei unserer Mitarbeiter für unser »Projekt 10« angelesen, was bedeutet, dass sie den Einstieg gemeinsam durchgeschmökert haben, um anschließend zu entscheiden, ob er sich so gut anfühlt, dass man auf dieser Basis das ganze Buch lesen wollen würde.

Das Buch

Philip Kerr, der Autor des Buchs, ist im März 2018 an Blasenkrebs gestorben. Das Manuskript zu »1984.4« entstand schon einige Zeit früher, nun wurde es erstmals veröffentlicht. Und sofern wir nicht ganz blind beim Recherchieren waren, ist es hierzulande sogar schon herausgegeben worden, obwohl die englischsprachige Originalausgabe noch gar nicht auf dem Markt ist. Nur in der Türkei war man offenbar noch ein paar Wochen schneller. »1984.4« erschien hierzulande am 26. Januar im Rowohlt Verlag Rotfuchs. Es ist 320 Seiten stark und kostet sechzehn Euro, für die Digitalausgabe fallen drei Euro weniger an. Josef Vossenkuhl hat ein 8:23 Stunden langes Hörbuch beigesteuert.

In Kerrs Buch geht es ins England - hier »Westhalbinsel 1« (warum HALBinsel!?) genannt - des Jahres 2034. Wohlgemerkt in ein Jahr 2034, das nicht die Folge unseres »normalen« Zeitgeschehens ist, sondern aus einer alternativen Weltgeschichte heraus erwächst. Hier kontrolliert der Staat Leben und Tod, und da es durch die Ausrottung aller größeren Krankheiten zu einem Problem mit einer nicht mehr händelbaren Überbevölkerung gekommen ist, müssen ältere Menschen freiwillig aus dem Leben scheiden, ihren Körper bestenfalls durch den Verbrennungsprozess dem Energiesektor beisteuern, und Jüngeren Platz machen. Der sechzehnjährigen Florence kommt als Teil eines Teams von »Ruhestands-Vollstreckern« die Aufgabe zu, diejenigen alten Herrschaften aus dem Leben zu wedeln, die nicht freiwillig in die ewigen Jagdgründe eingehen möchten. Dann aber tragen sich Dinge zu, die sie an ihrer Rolle zweifeln lassen.

Die ersten (rund) zehn Seiten

Auf den ersten Seiten von »1984.4« ist Florence noch nicht Teil des eigentlichen Senior-Service-Teams, sondern befindet sich mitten in der Ausbildung. Dies bedeutet, dass sie in einer Simulation feststeckt und bei verdächtigen Hologrammen herausfinden soll, ob es sich bei diesen um alte Menschen handelt, die noch legal weiterleben dürfen, oder ob es Personen sind, die schon längst ins Gras hätten beißen müssen. Im letztgenannten Fall gilt es für Florence, den »Übeltätern« mit ihrer Plastikpistole den Garaus zu machen. Ein erster alter Mann stellt keine großen Schwierigkeiten dar, die neueste Software-Erfindung ihrer Lehrmeister - eine Rollstuhlfahrerin, die »Medusa« genannt wird -, bereitet Florence und ihren Kompagnon Tony vor deutlich größere Probleme. Der Aufseher, der die Performance der beiden jungen Rekruten überwacht, treibt die beiden an, möglichst rigoros vorzugehen und lieber zu schnell als zu spät zu schießen. Kurzum: Hier wird Florence jede Form von Mitleid, Mitgefühl, Bedauern oder gar Sympathie für die alten Menschen - die hier als die »Asozialen« bezeichnet werden, da sie sich dem Dienst an der Gesellschaft verweigern - abtrainiert, und der Leser ist mittendrin. Die Hintergründe, warum mit alten Menschen so umgesprungen wird, werden hier noch nicht tiefergehend erörtert.

Fazit

Eine Sache hat uns schon nach dem Lesen des Klappentextes gewisse Bedenken bereitet. Die Hauptfigur des jungen Mädchens ist als Mitarbeiterin der »Ruhestands-Vollstrecker« dafür zuständig, alte Leute umzubringen, und dies tut sie zunächst mit großer Überzeugung und mit einem stattlichen Bodycount. Dass sie im Laufe des Buchs umdenken wird, ist einerseits klar, andererseits ändert es nichts daran, dass man hier einer Person folgt, die dutzendfachen Mord begangen hat und der einzige Anlass, aus dem ihre Opfer daran glauben mussten, deren fortgeschrittenes Alter war. Vor diesem Hintergrund fühlt es sich ein bißchen eklig an, dass man dieser Sechzehnjährigen im Laufe des Romans vermutlich Sympathien entgegenbringen soll. Und ein Buch mit problematischer Hauptfigur neigt schnell dazu, keinen großen Unterhaltungsfaktor zu haben.

Die ersten Seiten des Buchs haben den Verdacht, dass es schwierig werden wird zwischen dem Leser und Florence, tendenziell eher erhärtet ... zumindest hat er nicht dazu beigetragen, die Skepsis abzubauen, denn schließlich ging es hier in erster Linie darum, sie noch kaltblütiger zu machen. Dafür leisten die ersten Seiten einen anderen Beitrag: Sie machen den Leser auf das hier erschaffene System gespannt. Wie kam es dazu? Wer steckt dahinter? Warum haben sich so viele Leute damit abgefunden? Wie alternativlos erschien den Menschen das Ganze? Aller Vorbehalte gegenüber der Protagonistin zum Trotz sind allein das schon Fragen, die motivieren. Und wer weiß: Womöglich läuft es ja hier auch darauf hinaus, dass es gar nicht das Ziel war, eine möglichst mitreißende Geschichte zu schreiben, sondern zwischen den Zeilen Finger in die Wunden zu legen, gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen und dergleichen. Sollte das der Fall sein, dann wäre eine Protagonistin mit (zunächst) abscheulichen Ansichten vielleicht zu verschmerzen.

Schlussendlich werden unsere drei Testleser Lydia Neidhardt, Patrick Wolff und Sara Wojciechowski das komplette Werk lesen. Zugegebenermaßen stand dieser Entschluss im Grunde genommen schon fest, bevor sie die zehn Seiten gelesen haben, denn die gesamte Buchidee klingt so außergewöhnlich, dass der Anreiz einfach groß ist, das Gesamtwerk zu lesen. Wir werden euch jedenfalls in absehbarer Zeit eine Rezension präsentieren können.
– geschrieben am 5. Februar 2021
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