Diese Website nutzt Cookies, nähere Infos finden Sie hier. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. 
45.243 REGISTRIERTE BUCHBEWERTER
Wir grüßen unseren neuesten User »DARHAN02«!
  START   NEWS   BÜCHER   AUTOREN   THEMEN   VERLAGE   BLOGGER   CHARTS   BUCH FEHLT SUCHE:  
LESERKANONE
Benutzername:

Passwort:
Passwort?
Account anlegen
Gewinnspiel
 
Werbung:
KINDLE
 
Die Wahrheit glaubt dir erstmal keiner
Verfasser: Peter Schmidt (3)
Verlag: tredition (254)
VÖ: 14. August 2020
Genre: Gegenwartsliteratur (3249)
Seiten: 288 (Gebundene Version), 289 (Kindle-Version)
Themen: Drittes Reich (86), Mut (175), Zweiter Weltkrieg (534)
BLOGGERNOTE DES BUCHS
noch nicht bewertet
1
0%
2
0%
3
0%
4
0%
5
0%
6
0%
BENUTZER-SCHULNOTE
1
0%
2
0%
3
0%
4
0%
5
0%
6
0%
Deine Note: 1 2 3 4 5 6
Ferdinand, der Sohn des österreichischen Konditormeisters Waginger und seiner Frau, wächst im Berlin der dreißiger Jahre auf, überlebt als Soldat durch glückliche Umstände den Weltkrieg, folgt seinen musikalischen Neigungen und beginnt eine Laufbahn als Dirigent.
Als fünfzig Jahre nach Kriegsende die NS-Vergangenheit prominenter Angehöriger der sogenannten Flakhelfergeneration durchleuchtet wird, vertuschen, leugnen oder verharmlosen viele von ihnen belastende Details ihrer Biografie.
Auch Ferdinand Waginger, der inzwischen weltberühmte Maestro, gerät ins Fadenkreuz der „Nazi-Jäger“ bekennt Farbe und legt öffentlich Rechenschaft über sich und sein Leben in jener Zeit ab.
Und dennoch holt ihn seine Vergangenheit ein.
Lesermeinungen (0)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Peter Schmidt für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Peter Schmidt gibt es auf seiner Autorenseite.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Jugend dient dem Führer
     du kennst die Plakate doch auch!“ Natürlich kannte er die, hatte aber trotzdem keine Idee, was er Mutters Argumenten entgegenhalten sollte. Was seine Mitschüler von den Kameradschaftsabenden und Ferien-Zeltlagern berichteten, klang völlig anders. Vielleicht hat Mutter sich da einfach verrannt, dachte er dann, denn ihre grundsätzliche Ablehnung der neuen Zeit war ihm ja nicht unbekannt. Als ob sie lesen konnte was in ihm vorging, holte sie ihn aus seinen Gedanken.
     „Und was sagst du zu dem Foto neulich in der Zeitung, das von dem Großzeltlager der Hitlerjugend irgendwo da unten in Oberbayern? Aidling am Riegsee - jetzt fällts mir wieder ein. Dieses riesige Plakat:
     Wir sind zum Sterben für Deutschland geboren!
     „Glaubst du immer noch, das sei eventuell nicht so ernst gemeint?“, spottete sie. Diese Nazis trauen sich doch mittlerweile ganz unverblümt zu sagen, was sie vorhaben und keiner stellt sich ihnen in den Weg. Es kann doch wohl nicht angehen, dass die Leute das nur für Gerede halten! Ich fürchte, die meisten sind so total verblendet, dass sie das tatsächlich glauben. Ich will nicht, dass mein einziger Sohn für diese verbohrten Ideen verheizt wird. Deine Fähigkeiten liegen ganz woanders, du bist nicht zum Kämpfen geboren. Mit dem, was du kannst, wirst du deinem Land dereinst bei weitem nützlicher sein. Falls das deutsche Volk je wieder zur Vernunft kommen sollte!“
     Ferdinand war jedes Mal total verunsichert, wenn sie so redete und ihm einschärfte, ihre Worte um Gottes willen für sich zu behalten. Möglicherweise hatte sie ja doch recht. Andererseits, warum erwähnte sie denn nicht auch das Positive, das die Nationalsozialisten seit ihrem Machtantritt schon in kurzer Zeit geleistet hatten. Den Aufschwung der Wirtschaft, den Rückgang der Arbeitslosigkeit. Sie sah oft alles wirklich viel zu düster. Mutter liebte ihn doch, wieso wollte sie nicht einsehen, dass er immer weniger Lust dazu hatte, noch länger abseits zu stehen. Stets hatte er sich dem elterlichen Willen gebeugt. Doch dass er einmal nicht zum Abitur zugelassen, oder gar ganz von der Schule fliegen würde, konnten die Eltern doch im Ernst nicht wollen! Er selbst war zu diesem Opfer jedenfalls nicht bereit. Das sagte er auch seinem Vater, als der von den Drohungen des Leiters der Ortsgruppe Schlachtensee berichtete.
     „Dös wird scho irgendwie wern, s´is no nie nix so heiß gessn worn, als wies vom Herd kummn is!“
     „Päpps, ich glaube, du verkennst die Lage!“
     Immer kam Vater mit solchen Sprüchen daher, vor allem, wenn er selbst nicht weiterwusste. Mag ja sein, dass es Lebenslagen gibt, in denen solche Allerweltsfloskeln hilfreich sind. Aber jetzt nicht, da war Ferdinand sich sicher.
     „Ich helf dir gern im Geschäft, Vater, das weißt du. Aber ohne Reifezeugnis von der Schule abzugehen, das könnt ihr nicht von mir verlangen!“
     Hinter Ferdinands Wunsch, nun endlich in die HJ eintreten zu dürfen, steckten allerdings noch ganz andere Triebkräfte. Es wäre ihm peinlich gewesen, dem Vater und schon gar nicht seiner Mutter, die sich jetzt wieder zu ihnen gesetzt hatte, auch nur ein Sterbenswörtchen von der flüchtigen Begegnung zu erzählen, die ihn erst vor kurzem ziemlich durcheinandergebracht hatte. Bei einer Chorveranstaltung hatte er mehrere Solopartien zu singen. Jedes Mal, wenn er dazu nach vorne an den Bühnenrand trat, himmelten ihn drei Augenpaare aus der ersten Reihe unablässig an. Die flotten BDM-Mädels in weißer Bluse, schwarzem Halstuch und blauen Röcken brachten ihn fast aus dem Konzept. Bravo, du da, mit dem Kussmund! rief ihm die hübscheste der drei im Schutz des lebhaften Schlussbeifalls zu. Doch noch ehe er reagieren konnte, waren die drei Schönen kichernd und auf Nimmerwiedersehen in der Menge verschwunden.
     Mal wieder eine günstige Gelegenheit verpasst, haderte er mit sich, doch bei aller Reue machte ihn die Begebenheit auch ganz schön stolz.
     Jochen Kröger war nur wenige Jahre älter, aber mit seinen knapp zwanzig Jahren im Umgang mit Mädchen doch schon recht erfahren. Als frischgebackener Rekrut in Ausbildung, hatte er bei der Truppe zwar noch überhaupt nichts zu melden, aber wenn er zuhause in Uniform auftauchte, flogen ihm die Herzen der Mädels zu und andauernd hatte er eine andere.
     „Schon mal gehört, die inoffizielle Abkürzung für BDM?“, feixte Jochen und weidete sich an Ferdis ratlosem Gesicht. „Bubi Drück Mich“, prustete er los. „Falls du mal andere Versionen hören solltest - das ist noch die harmloseste von allen. Mensch trau dich einfach mal was, kannst dir doch nicht immerzu selber die Palme schütteln.
     Ferdi fühlte sich ertappt und wurde rot.

„Dann verzichtest du eben erstmal auf die Reifeprüfung und wenn sie dich von der Schule werfen, kannst du bei Vater immer noch eine ordentliche Lehre machen, und dann sehen wir weiter“, klinkte sich Frau Waginger wieder ins Gespräch ein. Ihr Mann runzelte die Stirn, wollte ihr im Beisein des Jungen aber nicht in den Rücken fallen. „Kommt Zeit kommt Rat!“, war alles, was er in linkischer Unverbindlichkeit zu sagen wagte, jedoch zur Lösung des Problems herzlich wenig beitrug.
     „Ihr könntet wirklich ein bisschen mehr hinter mir stehen!“, begehrte Ferdi auf, „und endlich damit aufhören, mir ständig Vorschriften zu machen. Bin alt genug, eigene Entscheidungen zu treffen. Außerdem hätte ich, um der HJ beizutreten, schon bisher euere Einwilligung überhaupt nicht gebraucht“, trumpfte er auf.
     Nie zuvor hatte er mit seinen Eltern in diesem Ton geredet, aber jetzt musste es endlich einmal sein, davon war er überzeugt.
     Vorne im Laden klopfte es an die Eingangstür.
     „Mir ham scho lang gschlossn!“ rief Waginger von hinten durch die Wohnung in den Verkaufsraum und schickte vernehmlich ein „Kruzitürken no amol!“ hinterher. „Kommens morgn wieder, ab Achte is offn.“
     Neugierig, wer da zu dieser Stunde noch Einlass begehrte, erhob er sich aber doch und tastete sich in den dunklen Verkaufsraum. Noch immer war nicht erkennbar, wer da vor der Tür stand, da klopfte es erneut an die Schaufensterscheibe. Diesmal kräftiger als bei ersten Mal.
Seite: 1 2 3 4 5
MEINUNG ZUM BUCH ABGEBEN
Benutzername: Passwort:   
 
Leserkanone.de © by LK-Team (2011-2021)  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz