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Die Wahrheit glaubt dir erstmal keiner
Verfasser: Peter Schmidt (3)
Verlag: tredition (311)
VÖ: 14. August 2020
Genre: Gegenwartsliteratur (3518)
Seiten: 288 (Gebundene Version), 289 (Kindle-Version)
Themen: Drittes Reich (97), Mut (197), Zweiter Weltkrieg (592)
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Ferdinand, der Sohn des österreichischen Konditormeisters Waginger und seiner Frau, wächst im Berlin der dreißiger Jahre auf, überlebt als Soldat durch glückliche Umstände den Weltkrieg, folgt seinen musikalischen Neigungen und beginnt eine Laufbahn als Dirigent.
Als fünfzig Jahre nach Kriegsende die NS-Vergangenheit prominenter Angehöriger der sogenannten Flakhelfergeneration durchleuchtet wird, vertuschen, leugnen oder verharmlosen viele von ihnen belastende Details ihrer Biografie.
Auch Ferdinand Waginger, der inzwischen weltberühmte Maestro, gerät ins Fadenkreuz der „Nazi-Jäger“ bekennt Farbe und legt öffentlich Rechenschaft über sich und sein Leben in jener Zeit ab.
Und dennoch holt ihn seine Vergangenheit ein.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Peter Schmidt für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Peter Schmidt gibt es auf seiner Autorenseite.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     „Sie wissen schon, weshalb ich hier bin?“ schnarrte er. Natürlich hatte Meister Waginger diese Zeitung überflogen, die er zwar verabscheute, die nicht zur Kenntnis zu nehmen er sich aber als Geschäftsmann in diesen Zeiten nicht leisten konnte. Vorsichtshalber deponierte er das tägliche Exemplar gut sichtbar im Laden.
     „Wahrscheinlich wieder wegn dem Ferdi“, seufzte Waginger.
     „Stimmt genau! Ihre verstockte und unverständliche Weigerung, ihn zur HJ anzumelden, kann nun, erst recht nach der neuesten Gesetzeslage, nicht länger toleriert werden. Wir hatten, weiß Gott, genug Geduld, aber jetzt ist Schluss. Ohne Beitritt zur Hitlerjugend wird er die Schule verlassen müssen und die Zulassung zum Abitur kann er vergessen. Sagen Sie ihm das. Sie machen sich als Eltern strafbar, wenn Sie die Aufnahme Ihres Sohnes weiterhin hintertreiben. Längst überfällig, dieses neue Gesetz! Zwingen Sie mich also nicht, demnächst nicht nur zum Vergnügen, sondern in dienstlicher Angelegenheit in Ihrem Geschäft erscheinen zu müssen. Mein Arm reicht weit, aber auch ich habe Anweisungen und wie jeder aufrechte Volksgenosse meine Pflicht zu erfüllen“, schlug die Hacken zusammen, drehte sich zur Tür und verließ mit zackigem Deutschem Gruß das Ladengeschäft.
     „An guaten Doag no und ergebenste Grüße an die Frau Gemahlin“, stammelte Waginger, aber der Ortsgruppenleiter war schon außer Hörweite.
     Nach dem Abendessen erschien Herrn Waginger der Zeitpunkt günstig, Ferdinand vom Besuch des Ortsgruppenleiters zu berichten. Frau Waginger war damit beschäftigt, das jüngste Familienmitglied zu Bett zu bringen, und so waren Vater und Sohn ungestört. Lange Jahre hatte das Ehepaar Waginger nicht mehr mit einem weiteren Kind gerechnet. Umso liebevoller wurde Trinchen, wie alle sie nannten, in der Familie willkommen geheißen. Sie war jetzt in einem Alter, in dem die Erwachsenen schon sehr auf ihre Worte achten mussten, da die Kleine wahllos alles nachplapperte, was sie aufschnappte.
     „Ja“, sagte Ferdinand, „genau wegen dieses neuen Gesetzes hat mich Wuttke heute ins Rektorat bestellt. Wenn ich nicht der HJ beitrete, könne ich auch nicht zum Abitur zugelassen werden. Vielleicht müsste ich sogar die Schule verlassen. Er würde es nicht verhindern können.“
     Hätte er von sich aus entscheiden können, so wäre Ferdinand der Hitlerjugend schon längst beigetreten. Doch seine Eltern, besonders seine Mutter, waren von Beginn an dagegen gewesen. Vater Waginger, aus einem katholisch geprägten Wiener Elternhaus stammend, war 1918 als junger Mann kriegsversehrt heimgekehrt und wollte seinem einzigen Sohn ein ähnliches Schicksal ersparen. Seit Hitlers Konkordat mit der katholischen Kirche, waren seine Vorbehalte gegen den Landsmann Hitler zwar kleiner geworden, aber als die Nationalsozialisten die Synagogen ansteckten, konnte auch er das nicht gutheißen. Zumal er die Bestimmungen der Nürnberger Rassengesetze nicht teilte und das nicht nur, weil er zahlreiche jüdische Kundschaft hatte.
     Mutter Waginger stammte aus einer sozialdemokratischen Familie und war in der Distanz zur Ideologie der Nationalsozialisten mit ihrem Mann zwar grundsätzlich einig, vertrat dies jedoch kompromissloser als er. Nicht erst, als am 10. Mai 1933 Bücher von für verfemt erklärten Schriftstellern im ganzen Reich öffentlich verbrannt worden waren, schwante ihr, dass das erst der Anfang sein würde. Ihre kompromisslose Haltung zeigte sich auch, als die Nazis 1934 die Elternbeiräte in den Schulen abschafften, um der Partei stärkeren Einfluss zu ermöglichen.
     Direktor Wuttkes Vorgänger, ein strammer Nazi der ersten Stunde, der kurz darauf die Schulleitung abgab, um Parteikarriere zu machen, hatte zu einer, als Konzertabend verbrämten Veranstaltung alle Elternvertreter in die Schule geladen, um den Anwesenden mitzuteilen, nicht länger gebraucht zu werden. Als Einzige traute sich Frau Waginger, das nicht unwidersprochen zu akzeptieren, verließ unter Protest die Veranstaltung, und war fortan noch entschiedener gegen die Nazis und ihre Pläne als zuvor. Lediglich aus Geschäftsräson, und auf inständiges Bitten ihres Mannes, hielt sie ihre politische Einstellung außerhalb der Familie so gut es ging zurück. Hinter verschlossenen Türen aber machte sie ihrem Zorn häufig Luft, was zunehmend vor allem mit Ferdinand zu Konflikten führte.
     „Alle meine Schulkameraden sind dabei, nur ich nicht, weil ihr mich nicht lasst“, war Ferdinand immer wieder trotzig den mütterlichen Argumenten entgegengetreten.
     „Halt dich da raus,“ mahnte sie ihn dann. „Auch wenn´s dir schwerfällt. Das ist nichts für dich! Da werden aus unseren Jungs künftige Soldaten gemacht. Mit Speck fängt man Mäuse! Segelfliegen und Motorradfahren, Tauchen oder Funken lernt man da, ich weiß. Aber auch Gräben schaufeln, Schießen und Fallschirmspringen. Wenn die Halunken damit die Jugend erst einmal eingefangen haben, lassen sich aus den Jungen schneller brauchbare Soldaten machen. Später sollen sie ihr Leben für Deutschland und den Führer geben!
     Bei diesem Thema konnte sie sich so richtig in Rage reden. „Und genauso machen sie es mit den Mädchen beim BDM. Weißt du, was die dort lernen? Na, sag schon“, forderte sie ihn heraus.
     Aber außer Tanzen, Singen, Handarbeiten und Kochen fiel Ferdi nichts ein.
     „Stimmt ja alles“, bestätigte Frau Waginger. „Aber hauptsächlich sollen sie einmal brave Hausfrauen und Mütter werden, die dem Führer möglichst viele Kinder gebären, damit er immer genügend Soldaten zur Verfügung hat für seine verrückten Eroberungspläne.
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