Diese Website nutzt technisch notwendige Cookies, nähere Infos finden Sie hier
45.568 REGISTRIERTE BUCHBEWERTER
Wir grüßen unseren neuesten User »Test-LR«!
  START   NEWS   BÜCHER   AUTOREN   THEMEN   VERLAGE   BLOGGER   CHARTS   BUCH FEHLT SUCHE:  
LESERKANONE
Benutzername:

Passwort:
Passwort?
Account anlegen
Gewinnspiel
 
Werbung:
KINDLE
 
Die Wahrheit glaubt dir erstmal keiner
Verfasser: Peter Schmidt (3)
Verlag: tredition (266)
VÖ: 14. August 2020
Genre: Gegenwartsliteratur (3309)
Seiten: 288 (Gebundene Version), 289 (Kindle-Version)
Themen: Drittes Reich (89), Mut (181), Zweiter Weltkrieg (551)
BLOGGERNOTE DES BUCHS
noch nicht bewertet
1
0%
2
0%
3
0%
4
0%
5
0%
6
0%
BENUTZER-SCHULNOTE
1
0%
2
0%
3
0%
4
0%
5
0%
6
0%
Deine Note: 1 2 3 4 5 6
Ferdinand, der Sohn des österreichischen Konditormeisters Waginger und seiner Frau, wächst im Berlin der dreißiger Jahre auf, überlebt als Soldat durch glückliche Umstände den Weltkrieg, folgt seinen musikalischen Neigungen und beginnt eine Laufbahn als Dirigent.
Als fünfzig Jahre nach Kriegsende die NS-Vergangenheit prominenter Angehöriger der sogenannten Flakhelfergeneration durchleuchtet wird, vertuschen, leugnen oder verharmlosen viele von ihnen belastende Details ihrer Biografie.
Auch Ferdinand Waginger, der inzwischen weltberühmte Maestro, gerät ins Fadenkreuz der „Nazi-Jäger“ bekennt Farbe und legt öffentlich Rechenschaft über sich und sein Leben in jener Zeit ab.
Und dennoch holt ihn seine Vergangenheit ein.
Lesermeinungen (0)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Peter Schmidt für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Peter Schmidt gibt es auf seiner Autorenseite.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

Eine waagrechte Wolkenschicht aus Zigarrenrauch teilte das Rektoratszimmer in eine obere und eine untere Hälfte. Nur, als er zur Begrüßung Haltung einnahm und sich reckte, konnte er den massiven Schädel des Oberstudiendirektors oberhalb der Qualmschicht erkennen. Sogleich tränten seine Augen und er musste husten.
     Das Turmzimmer, mit seiner tabakgebeizten, deckenhohen Holztäfelung, wirkte auf Ferdinand jedes Mal beklemmend, obwohl er diesen Ort weit besser kannte, als viele seiner Mitschüler. Nur ein einziges Mal, er war noch Sextaner, musste er in diesem Raum, als Strafe für eine Mutprobe eine gepfefferte Standpauke samt Ohrfeige über sich ergehen lassen. Es hatte sich so lustig und so täuschend ähnlich angehört, als er am Morgen dem Pedell statt „Heil Hitler!“ „Dreiliter!“ zugerufen hatte.

Von diesem Vorfall abgesehen waren später ausschließlich Lob und Auszeichnungen für herausragende sportliche Leistungen Anlässe, zu denen er zu erscheinen hatte.
     Der flinke Blondschopf aus der Unterprima war ein guter Leichtathlet, im Hürdenlauf immer Schulbester und darum sehr gefragt bei Wettkämpfen. Dem Schulchor war er eine wertvolle Stütze, übertraf seine Mitsänger nicht nur an Körpergröße, sondern auch mit seiner schönen Stimme.
     Man war stolz auf den einzigen Sohn des Bäcker- und Konditormeisters Alois Waginger.

Schulleiter Wuttke erwiderte den Gruß mit fahrig ausgestrecktem rechtem Arm und wedelte unter Zuhilfenahme einer Zeitung energisch Rauchschwaden beiseite, um sein Gegenüber besser sehen zu können.
     „Lies selbst, Waginger“, hustete jetzt auch er, warf die Zeitung vor sich auf den Tisch und klopfte mit dem Zeigefinger auf die rot unterstrichene Schlagzeile der Ausgabe vom 25. März 1939.
     Obwohl Ferdinand, mit Ausnahme seiner jüdischen Mitschüler, als einziger nicht der HJ angehörte, hatte ihm das bisher nur selten zum Nachteil gereicht. Studienrat Bröker, den alle nur Brö nannten, pflegte mit ihm außerhalb des Unterrichts sogar ein fast freundschaftliches Verhältnis. Der junge, engagierte Deutsch- und Musiklehrer verstand es, die musischen Talente seines begabten Schülers zu fördern, inszenierte Sketche und kleine Theaterstücke, mit denen sie gemeinsam auf Festen auftraten, oder durch die Gemeindehäuser tingelten. Bisweilen konnte Brö auch vor der Klasse nicht von seiner Leidenschaft lassen und dröhnte, als spräche der Führer an sein Volk, Ferdinand solle ihm bloß nicht seine Eltern in die Schule schicken. Er sähe sich sonst gezwungen ihnen zu erzählen, was für ein Faulpelz ihr Sohn sei.
     Dann blitzte jedes Mal Ferdinands schauspielerisches Talent auf, wenn er sich zum Vergnügen seiner Mitschüler mal reichlich geknickt gab, oder mit geschickten Worten konterte. Auch sein Klassenlehrer Schröder, der nicht nur wegen der wunderlichen Art sich zu kleiden, sondern auch seines Verhaltens wegen von Kollegen wie Schülern liebevoll ‚Frontgeist‘ genannt wurde, war Ferdinand stets wohl gesonnen.
     „Begreifst Du, was das bedeutet?“ polterte Wuttke, legte seine Zigarre für einen Moment auf den Rand des Aschenbechers, schaute Ferdinand mit hochgezogenen Augenbrauen erwartungsvoll an und hielt ihm die aktuelle Ausgabe des Völkischen Beobachters vors Gesicht:
     2. Jugenddienstverordnung zum HJ-Gesetz erlassen
     „Bis jetzt konnte ich gegenüber der Parteileitung immer begründen, weshalb ich bei dir ständig ein Auge zugedrückt habe“, fuhr er im Flüsterton fort, denn er wusste, dass die Wände seines Rektorats Ohren hatten. „Ab jetzt wird das nicht mehr so ohne weiteres möglich sein“, tuschelte er, um urplötzlich und ausschließlich an die Adresse seines linientreuen Vorzimmerdrachens gerichtet, loszubrüllen „Mit mir nicht, das sage ich Ihnen, Waginger, mit mir nicht!“ Seine Entschlossenheit bekräftigend sauste seine Faust wie ein Dampfhammer auf die Tischplatte, was den vor sich hin kokelnden Zigarrenstumpen vollends zum Absturz in den Aschenbecher brachte. Dabei zwinkerte er Ferdinand verschwörerisch zu, fingerte den stinkenden Brandrest aus der Asche und dämpfte seine Stimme erneut.
     „Jedenfalls eines muss dir klar sein, wir werden dich unmöglich zur Reifeprüfung zulassen können, wenn du weiterhin der Hitlerjugend fernbleibst. Ab sofort können deine Eltern sogar gezwungen werden, dich dort anzumelden. Besprecht das zuhause.“
     Unter der Tür brüllte er noch einmal theatralisch: „Und jetzt raus!“, schubste Ferdinand aus dem Zimmer und knallte die Tür hinter ihm zu.
     „Wars schlimm?“ heuchelte Frau Bolz Mitleid, als Ferdinand den gebrochenen Helden mimte und mit hängenden Schultern stumm durchs Sekretariat schlich.
     „Köstlich, einfach köstlich Ihre Pralinen, Waginger! Meine Trude sagt immer: wie gut, dass der Führer Österreich heimgeholt hat ins Reich, sonst wären uns diese Köstlichkeiten nicht vergönnt gewesen! „Nicht auszudenken! Da muss ich ihr ausnahmsweise zustimmen.“
     Mit der gebotenen Demut, verbrämt mit angeborenem österreichischem Schmäh, nötigte Herr Waginger den hochverehrten Herrn Ortsgruppenleiter, doch auch einmal die Fondant-Pralinen zu probieren, seine neueste Kreation nach geheimer Rezeptur der Urgroßmutter mütterlicherseits.
     Der ließ sich nicht zweimal bitten und als er seine genießerisch geschlossenen Augen wieder aufschlug, überreichte ihm Waginger noch eine Kostprobe seiner teuersten Schokolade.
     „Für`d gnä Frau Gemahlin mit die bestn Empfehlungen vom Haus wo die Frau Ortsgruppenleiter sölbstredend ollaweil hochwillkommen is.“
     Sich die letzten Spuren des Fondants von den Fingern leckend, wechselte der Parteimann unvermittelt den Ton und wurde amtlich.
Seite: 1 2 3 4 5
MEINUNG ZUM BUCH ABGEBEN
Benutzername: Passwort:   
 
Leserkanone.de © by LK-Team (2011-2021)  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz