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Alaska Experience
Verfasser: Peter Schmidt (3)
Verlag: tredition (254)
VÖ: 9. April 2019
Genre: Gegenwartsliteratur (3270)
Seiten: 216
Themen: Leben (109), Lebensweisheiten (4), Selbstbestimmung (47), Sterben (202), Unabhängigkeit (23)
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Der Roman erzählt die letzten Monate im Leben des Jeff DelMare, eines aus ärmlichen Verhältnissen stammenden italienischen Einwanderers in die Vereinigten Staaten. Als skrupelloser Geschäftsmann hat er eine steile Karriere, Geld und seine beruflichen Erfolge zum Maßstab seines Lebens gemacht. Wie für den Drachentöter im Märchen, gibt es auch für ihn kaum ein Problem, das sich nicht irgendwie lösen lässt.
Bis er eines Tages erkennen muss, dass das Leben oft nach Regeln spielt, die nicht er gesetzt hat. Was er erlebt öffnet ihm die Augen für neue Perspektiven und Dinge des Lebens, die ihm bislang völlig unbekannt waren oder über die er einfach gedankenlos hinweg gegangen ist. Seine Sicht auf das Leben und die Welt beginnt sich grundlegend zu verändern. Zum Vorschein kommen ganz neue Facetten seines Wesens. Wie er es als erfolgreicher Geschäftsmann immer getan hat, beginnt er unter neuen Vorzeichen den Verlauf seines Weges kühl zu kalkulieren und findet eine Lösung, die seiner Natur und seinem bisherigen, selbstbestimmten Lebensweg entspricht.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Peter Schmidt für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Peter Schmidt gibt es auf seiner Autorenseite.
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Prolog


Tage nach seinem Verschwinden tauchte er wieder auf. Mit Ausnahme der Alten, der Bettlägerigen und einiger Fischer, die noch auf Fangzug waren, versammelte sich das ganze Dorf am Strand. Schweigend, mit verschränkten Armen, standen die Männer da, die Frauen jammerten und schlugen sich die Hände vor die Brust. An Großmutters Hand verfolgte der Junge das Geschehen. Sie machte einen gefassten Eindruck. Seit ihrer Eheschließung hatte sie mit Derartigem zu rechnen, und wie alle Fischerfrauen des kalabrischen Dorfes, ihr Schicksal ergeben akzeptiert. Tag für Tag hing die Bedrohung über dem Dorf. Jede Familie konnte es treffen. Jederzeit. Tiefe Gläubigkeit trug sie, wie auch die Gewissheit der Solidarität aller im Dorf. Er sah sich kaum noch ähnlich. Die Falten seiner sonnengegerbten Haut waren gewichen, Gesicht und Lippen bleich und aufgedunsen. Haare und Bart schmutzig und voller Tang. Unmöglich, ihm noch einmal in seine warmen, braunen Augen zu schauen, seine Lider waren geschlossen. Die Männer, die Großvater aus dem Wasser gezogen hatten, wichen stumm zur Seite. „Schau doch, mein kleiner Goffredo, er sieht gar nicht unglücklich aus. Er ist nur den Meerjungfrauen zu nahegekommen. Jetzt gehört er ihnen. Er wird es guthaben, dort, wo er jetzt ist“.

Ein rechter Haken von Mike Tyson hätte Jeff DelMare nicht härter treffen können. Unsicher tasteten seine Hände nach dem Geländer, in Sekundenschnelle bildeten sich Schweißflecken auf seinem Hemd. Mitten auf der Gangway beschlugen die Gläser seiner Sonnenbrille und unter der Schädeldecke wummerte ein Presslufthammer. Ihm war kotzübel. Nicht einmal die Fragen des Immigration Officer konnte er beantworten. Bei der Passkontrolle gaben seine Knie nach, der Beamte packte beherzt zu und führte ihn wie einen altersschwachen Greis zu einem Stuhl, auf den er niedersank, bis der Schwächeanfall vorüber war. Dann ließ man ihn gehen. Nicht einmal den Inhalt der Mappe wollte jemand sehen, die Jeff krampfhaft unter den Arm geklemmt hielt. Ihr Inhalt hatte ihn die letzten Tage und Nächte alle Kraft und den letzten Nerv gekostet, bis er die Beteiligten soweit hatte, zu unterschreiben. Über diesen Supercoup vergaß er alles andere. Auch die Meldung des russischen Fernsehens über die Hitzewelle zuhause.
     Schon lange wartete Eve nicht mehr am Gate auf ihn, was ihm nur recht war. In den ersten Jahren ihrer Ehe empfing sie ihren Mann stets voller Vorfreude, winkte schon von weitem und flog in seine Arme.
     Die neidischen Blicke der mitreisenden Männer taten ihm gut.
     Wenn er auf Reisen war schrieben sie einander regelmäßig oder telefonierten, woran er allerdings schnell die Lust verloren hatte. Die Telefonate und erst recht die Schreiberei gab er auf.
     Er hielt sie zunehmend für sinnentleerte, unnötig zeitraubende Rituale, die ihm rasch auf die Nerven gingen. Als sie sich darüber beklagte, war es schon zu spät.
     Wie besoffen torkelte er auf ein Taxi zu, kaum fähig dem Fahrer die Adresse seines Büros bei Rossley & Finch zu nennen. Bereits zu Studienzeiten, und schon damals für gutes Geld, hatte er sich für diese Wirtschaftsberatung in jeder freien Minute krummgelegt und früh zeichnete sich ab, dass man ihn gerne ins Boot holen würde. Finch köderte ihn mit einem stattlichen Gehalt und der Aussicht, ihn zu seinem Partner zu machen, sobald sich der alte Rossley vom Acker gemacht habe. Nach dem Deal mit einem bulgarischen Konsortium, der nur mit Eselsgeduld, gnadenlosem Verhandeln und unter massivem Alkoholeinsatz zustande gekommen war, nannte er Jeff eine Wildsau in Nadelstreifen. Der fühlte sich geadelt. Nach dem Aus-scheiden des alten Rossley bot Finch ihm dann tatsächlich dessen Büro im 23. Stockwerk des Fox Tower an. Hier oben stört es keinen Menschen, wenn er in den seltenen Zeiten seiner Anwesenheit, schwungvoll dirigierend und jenseits jeder Zimmerlautstärke, eine seiner Lieblingsopern hört und dabei den Wahnsinnsblick über die Stadt, den Washington Park, den Willamette River bis hinüber zum Rose Quarter in sich einsaugt.
     In Momenten wie diesen fragte er sich gelegentlich, warum er seiner Leidenschaft für Musik nicht auch beruflich gefolgt war. Doch immer, wenn er sich dann in seinen Räumlichkeiten umschaute, verwarf er diesen hirnrissigen Gedankengang jedes Mal sofort wieder.
     „Frag mich niemals, was dieses Traumbüro die Firma kostet“, drohte Finch scherzend bei seinem Einzug. Was Jeff seither steter Ansporn ist, sich rund um die Uhr den Arsch aufzureißen, wie er sich auszudrücken pflegt, um Finchs Erwartungen mit unermüdlichem Einsatz zu rechtfertigen. Er habe Jeff goldene Fesseln angelegt, schimpfte Eve, als sie noch zusammen waren. Seit ihrer Trennung ist dieses Büro Jeffs Zuhause. In jeder Hinsicht. Dorthin ließ er sich bringen. Während der Fahrt fehlte nicht viel und er hätte das halbe Taxi vollgekotzt. Beim Aussteigen tanzte die Umgebung. Seine Au-gen fanden nirgendwo Halt. Es war ihm so was von scheißegal, dass er sich beim Bezahlen offenbar sehr zum Vorteil des Fahrers vergriffen hatte. Dafür duldete er auch keine Diskussion, als er vom Chauffeur verlangte, ihm das Gepäck bis an den Aufzug zu bringen. Nach getaner Arbeit bestieg der Cabby pfeifend sein Taxi, wo er im Rück-spiegel verfolgte, wie sich Jeff direkt vor dem Eingang heftig in die Büsche übergeben musste. Zitternd kauerte er am Boden, bis ihn kräftige Arme nach oben zogen. „Geht ́s wieder, Sir, sind Sie O.K.?", hörte er hinter sich den Taxifahrer und war heilfroh, dass der ihn samt Gepäck mit dem Fahrstuhl in den 23. Stock begleitete. Nein, einen Arzt brauche er nicht, es gehe schon wieder besser, log er, als sich oben die Türen des Fahrstuhls öffneten, dankte für die Hilfe und schickte den Fahrer weg. Nicht einmal nach ausgiebigen Saufgelagen und durchverhandelten Nächten mit irgendwelchen hartnäckigen Geschäftspartnern hatte er sich auch nur annähernd so lausig gefühlt und wenn, dann halfen ihm eine Handvoll Tabletten und eine kalte Dusche jedes Mal schnell wieder auf die Beine. Wieso nicht auch jetzt?

     Auf allen Vieren robbte er ins Schlafzimmer, zog sich mit letzter Kraft und kaltem Schweiß auf der Stirn aufs Bett und verwarf so-gleich seine Idee. Weder Tabletten hätte er jetzt bei sich behalten, noch den Weg zur Dusche bewältigt. Einen Sack voll Geld hätte er gegeben, damit diese Schmerzen im Unterbauch wenigstens ein klein wenig nachließen.
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