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TASCHENBUCH
 
Mona Sander und Enno Moll ermitteln 18 - Friesendiebin
Verfasser: Sina Jorritsma (36)
Verlag: Klarant (701)
VÖ: 1. Dezember 2020
Genre: Kriminalroman (7830)
Seiten: 200 (Taschenbuch-Version), 165 (Kindle-Version)
Themen: Diebe (450), Hotel (772), Inseln (1804), Kommissare (2103), Leichen (2175), Ostfriesland (580)
Reihe: Mona Sander und Enno Moll ermitteln (18)
Erfolge: 1 × Media Control Top 10 E-Book (Max: 9)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Der Schock auf Borkum ist groß, als das Zimmermädchen des Hotel Manninga die Leiche einer Frau entdeckt. Wer ist die Schönheit, die tot in einem derzeit unbewohnten Zimmer der Unterkunft liegt? Die Unbekannte war eine auffällige Erscheinung, und die Inselkommissare Mona Sander und Enno Moll begeben sich auf die Suche nach Zeugen, die sie in den letzten Tagen gesehen haben. Schon bald verdichten sich die Hinweise, dass die Frau als Diebin auf der Ostfriesischen Insel unterwegs war. Hatte sie es auf den Stern von Sumatra abgesehen? Das kostbare Diadem befindet sich im Besitz eines Gastes des Hotel Manninga, der ins Visier der Ermittler gerät. Doch auch Timo Manninga, der Sohn der Hotelbesitzerin, macht sich verdächtig...
Quelle: Klarant
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Rena Larf vom Klarant Verlag für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Sina Jorritsma gibt es bei Facebook.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

Kapitel 1


Kommissarin Mona Sander kam sich vor wie eine Touristin, als sie an diesem sonnigen Septembermorgen durch das Zentrum von Borkum schlenderte. Gewohnheitsmäßig hatte sie ihr Fahrrad hinter der Polizeiwache an der Strandstraße abgestellt. Sie hätte das Gebäude beinahe betreten, als sie sich an ihre abzubummelnden Überstunden erinnerte.
     Die rotblonde Kriminalistin hatte den ganzen Montag frei. Und sie wollte die Zeit nutzen, um ein Geburtstagsgeschenk für ihren Kollegen Enno Moll zu beschaffen. Das Vorhaben war leider nicht einfach: Mona wusste überhaupt nicht, was für ein Präsent dem hünenhaften Ostfriesen gefallen würde.
     Sie schob die Hände in die Taschen ihres Anoraks und passierte langsam die gut besuchte »letzte Kneipe vor England«, um in die Franz-Habich-Straße einzubiegen. Dort gab es reichlich Souvenir¬läden, in denen sich die Besucher der Hochseeinsel Mitbringsel aller Art besorgten. Doch Mona würde für den gebürtigen Borkumer Enno ganz gewiss keinen Kunststoff-Seehund und auch keine Flasche mit Sanddorn-Likör kaufen. Es musste schon etwas Originelleres sein – ein Geschenk, das zu dem Oberkommissar mit dem scharfen Verstand und dem großen Herzen passte.
     Soeben war eine Kleinbahn in den Inselbahnhof eingefahren, und aus den bunten Waggons stiegen die mit der Fähre eingetroffenen Urlauber. Es war ein gewohntes Bild, nicht nur im Hochsommer. Die Kommissarin ertappte sich dabei, dass sie stehen blieb und die Menschen beobachtete. Am Inselbahnhof gab es immer etwas zu sehen, nicht nur für eine aufmerksame Kriminalbeamtin. Unwillkürlich drückte sie sich davor, eines der Geschäfte zu betreten. Dieser Nordsee-Schnickschnack dort ging ihr auf die Nerven, obwohl sie die Insel liebte. Auf keinen Fall wollte sie zu einem Verlegenheitspräsent greifen, nur um nicht mit leeren Händen dazustehen. Im Vorjahr war die Kommissarin vor Verlegenheit fast im Boden versunken, weil sie Ennos Wiegenfest schlicht und einfach vergessen hatte. Mona fing gerade an, schlechte Laune zu bekommen, als ihr Smartphone klingelte. Ihr Vorgesetzter war am Apparat.
     »Ich bin mir im Klaren darüber, dass Sie heute eigentlich dienstfrei haben, Frau Sander«, sagte Oltbeck auf seine umständliche Art. »Leider hat es einen Vorfall gegeben, der ...«
     Die Kriminalistin unterbrach ihn. Geduld war eindeutig nicht ihre starke Seite.
     »Wo befindet sich der Tatort?«
     »Im Hotel Manninga, in der Westerstraße. Herr Moll ist bereits vor Ort. Sie kennen ja unsere knappe Personaldecke, und daher ...«
     »Ich mache mich gleich auf die Socken, Herr Oltbeck. Wir erstatten Ihnen dann später Bericht.«
     Mit diesen Worten würgte Mona ihren Chef ab und steckte das Mobiltelefon wieder ein. Sie beschleunigte ihre Schritte, bog in den Alten Damenpfad ein und erreichte wenig später die langgezogene Westerstraße. Natürlich kannte die Ermittlerin das Hotel Manninga. Es gehörte zu den preiswerteren Unterkünften der Insel. Das Haus verfügte nur über zehn Gästezimmer, die selten alle ausgebucht waren. In der schmalen Villa schien die Zeit stehengeblieben zu sein. Viele Hotels und Pensionen verfügten heutzutage über TV und WLAN in allen Räumen, während die jetzigen Besitzer der Villa sich immer noch im Ruhm von Keno Manninga sonnten, der beim Schwimmen für Deutschland eine Goldmedaille erkämpft hatte.
     Doch das war vor hundert Jahren gewesen, zur Kaiserzeit.
     Mona näherte sich nun dem Hotel. Das schmale Backsteingebäude verfügte über einen kleinen Vorgarten, in dem Heckenrosen blühten. Am Eisenzaun lehnten die Dienstfahrräder von zwei uniformierten Kollegen. Den zivilen Opel Vectra, mit dem sich Mona und Enno normalerweise fortbewegten, erblickte sie nicht. Vermutlich war ihr Kollege zu Fuß gekommen, denn die Polizeistation befand sich nicht allzu weit entfernt von der Westerstraße.
     Mona betrat das Haus. Es roch dort nach Sandelholz und Sonnencreme. Der Fußabtreter war sandig, weil viele Touristen sich nach einem Strandbesuch nicht die Schuhe reinigten. Über der Rezeptionstheke hing ein riesiges Ölgemälde, das Keno Manninga in Siegerpose bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm zeigte.
     »Und das Zimmer war hundertprozentig abgeschlossen?«
     Diese Frage wurde von Polizeimeisterin Grietje Smit gestellt. Obwohl Mona ihre uniformierte Kollegin nicht sehen konnte, war ihre helle Stimme nicht zu überhören. Sie drang aus dem oberen Stockwerk, also stieg Mona die Treppe hoch.
     Auf dem Korridor standen Grietje, ihr Kollege Hinderk Ekhoff und Enno. Bei ihnen war eine blasse Frau, die, ihrer Montur nach zu urteilen, vermutlich eine Rezeptionistin war.
     »Haben wir deinen Schönheitsschlaf gestört?«, spottete Grietje, als sie Mona erblickte. Die Kommissarin hatte sich an die unverschämte Art der sommersprossigen Polizeimeisterin gewöhnt. Sie sah meist darüber hinweg, weil die junge Kollegin eine sehr gute Beamtin war. Und wenn es der Kriminalistin zu bunt wurde, gab sie Grietje ohnehin Kontra.
     »Ich müsste heute eigentlich gar nicht arbeiten«, stellte Mona trocken klar.
     In diesem Moment meldete sich Enno zu Wort: »Ich habe Oltbeck gesagt, dass ich auch erstmal allein ermitteln kann. Aber er wollte, dass wir den Fall gleich zu zweit angehen. Die Ausgangslage scheint nämlich recht verzwickt zu sein.«
     »Die Leiche liegt nämlich in einem zugeschlossenen Raum, wenn das Zimmermädchen sich nicht geirrt hat!«, platzte Grietje heraus. Sie deutete auf eine blasse junge Frau, die am Ende des Flurs stand. Hinderk Ekhoff nahm gerade ihre Aussage auf. Mona ging zu der Zeugin hinüber und zeigte ihren Dienstausweis.
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