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Charlottenburg - Die jungen Ärztinnen
Verfasser: Lena Wildenstein (1)
Verlag: Droemer (525)
VÖ: 28. Oktober 2020
Genre: Historischer Roman (4539)
Seiten: 448 (Taschenbuch-Version), 443 (Kindle-Version)
Themen: Ärzte (900), Berlin (1111), Emanzipation (48), Frauen (781), Studenten (1024), Universität (214), Weimarer Republik (54)
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Lesermeinungen (1)     Blogger (1)
MEINUNGEN UND DISKUSSIONEN UNSERER LESER
Kommentar vom 28. November 2020 um 16:43 Uhr (Schulnote 2):
» Handlung
Berlin 1907
Clara hat ihre Heimat Sylt aus einem Grund verlassen: sie möchte in Berlin Medizin studieren und Frauenärztin werden. Doch erst einmal stößt die junge Frau auf allerhand missgünstige Kommentare, sowohl vonseiten der Professoren, als auch von den Kommilitonen. Sie akzeptieren entweder nur schwerlich, manchmal auch absolut gar nicht eine Frau in ihren Reihen und nehmen Claras Wunsch nicht ernst. In Vicky und Ida findet die Sylterin jedoch schnell Verbündete, sie studieren ebenfalls Medizin und müssen sich gegen die Männer an der Universität wehren. Und egal, was die Kommilitonen versuchen, um die Damen zu vertreiben, die drei Freundinnen bleiben standhaft und verlieren ihr Ziel nie aus den Augen!

Meinung
Einerseits erscheint das Cover vielleicht ein klein wenig düster, gleichzeitig wirkt es aber durch die goldenen Akzente stilvoll und mysteriös und dadurch wiederum ansprechend. Im Hintergrund gibt es einige Gebäude, die in grauer Farbe abgedruckt wurden und teilweise wie Universitäten aussehen. Der Himmel wurde in blau-grünlichen Nuancen gehalten, vielleicht gibt er ein Zeichen auf das Kommende, vor allem auf den Ersten Weltkrieg? Herausstechen tun nicht nur die goldenen Details, die edel erscheinen und die ich sehr mag, sondern auch die Dame, die zielstrebig auftritt. Sie ist der Mode der 1910er entsprechend gekleidet und hält einen Arztkoffer in der Hand, was aufgrund des Untertitels sehr passend erscheint. Insgesamt ein etwas dunkles, aber auch irgendwie gelungenes Cover, das definitiv auffällt!

Erstmals gesehen hatte ich den Roman in der Verlagsvorschau. Und wie so viele andere Bücher ist auch dieser direkt auf meine Wunschliste gewandert und ich war sehr gespannt darauf. Ich mag es ja immer von starken Frauen zu lesen, die ihren Zielen nachgehen und sich nicht um Konventionen scheren. Dies in Verbindung mit einem Studium, in diesem Fall der Medizin, verspricht viel Spannung und eine gute Geschichte. Daher war ich sehr dankbar, das Buch vom Droemer Knaur Verlag als Rezensionsexemplar zu erhalten, vielen lieben Dank dafür!

Ich hatte absolut keine Probleme bei dem Start in die Handlung. Mir hat die Schreibweise richtig gut gefallen, es gibt eingängige Personenzeichnungen, die jeweils einzigartig sind und direkt einen guten Blick auf den jeweiligen Charakter gibt. Es sind wunderbare Schilderungen von Situationen vorhanden und als ich einmal mit dem Lesen begonnen hatte, wollte ich nicht unbedingt damit aufhören. Die Seiten haben sich unglaublich flüssig und ansprechend lesen lassen, sodass ich für die 444 Textseiten lediglich drei Tage gebraucht habe, dann war das Lesevergnügen vorbei und ich war mit den Ereignissen und der Auflösung manches Geheimnisses sehr zufrieden.

Ich finde die Schreibweise meist sehr leicht und einfach, sie beherbergt nur selten Fachbegriffe und eine höhere Sprache, sondern lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Sie vermittelt von den Personen, den Handlungsorten aber auch allgemein von den Situationen ein gutes Bild und trägt den Leser sehr angenehm durch die Handlung.
Häufig gibt es ein paar Stellen, in denen der Berliner Dialekt genutzt wurde, was stets sehr authentisch und nicht in zu großem Maße vorkam. Dieses Detail ist natürlich sehr passend für den Handlungsort und ist auch oft dem Milieu entsprechend angewandt. Auch dadurch zeigt sich ein solides und umfangreiches Bild der Bevölkerung und man lernt die Gesellschaft um 1910 kennen. Und auch für Leser, die des Berliner Dialekts nicht mächtig sind, war es immer gut verständlich, was gerade gesprochen wird und ich konnte der Handlung ohne Probleme folgen.

Die Geschichte startet im Jahr 1910 und erstreckt sich bis nach den Ersten Weltkrieg. Damit werden auf den Seiten allerhand Jahre besprochen, teilweise wird einige Zeit übersprungen, andere Zeiten werden wiederum genauer beschrieben. Und weil es leider nur selten eine Erwähnung gibt, in welchem Jahr man sich in der Handlung gerade befindet, hängt man in diesem Fakt doch sehr in der Schwebe. Und ich hatte dadurch mein zeitliches Gefühl verloren, konnte nur selten genau benennen, in welchem Jahr die folgende Handlung gerade stattfindet und wie weit diese seit dem Beginn der Geschichte fortgeschritten ist. Mir hätte es wirklich sehr geholfen, wenn vor den Kapiteln die Jahreszahl abgedruckt worden wäre. Dann wäre ich zeitlich nicht so verloren gewesen und man hätte noch genauer schauen können, wie sich die Charaktere in einem Jahr weiterentwickeln und was sie alles schaffen.

Und auch die Stimmung hat mir etwas gefehlt. Ich finde, dass die Handlung und die Ereignisse oft etwas zu nüchtern beschrieben wurden und dadurch konnte ich einfach keine Bindung zu den Protagonisten aufbauen. Egal ob diese gerade freudige Momente erlebt haben oder trauern, es kam bei mir nicht an. Dabei war eigentlich Potenzial dafür da, einige Momente hätten durchaus sehr emotional daherkommen können, was aber leider nicht so genutzt wurde.

Was ich dagegen ganz hervorragend empfand war die Spannung im Buch. Diese ist allein durch manche versteckte Hinweise und Geheimnisse vorhanden, die der Erzähler oder die Protagonisten von Zeit zu Zeit erwähnen. Dadurch bleibt die Spannung auf einem wirklich guten Niveau und lässt bei mir auch am Ende der Handlung nicht nach. Stets habe ich mich natürlich nicht nur gefragt, was die Personen derzeit nicht offen sagen wollen und welche Geheimnisse sie hüten, sondern auch anhand des Krieges fragt man sich, wie diese daraus herauskommen und ob ihn alle überhaupt überleben. Dieser Aspekt ist wirklich sehr gelungen und hat bei mich unter anderem auch dazu beigetragen, dass ich so flott mit dem Buch fertig war und es nur selten aus der Hand legen wollte.

Und auch das Setting konnte ich mir häufig gut und bildhaft vorstellen, es wurde mit einfachen und eingängigen Worten beschrieben, die meist einen guten Eindruck des Gebäudes oder des Stadtteils gegeben haben. Dabei finde ich, dass die Handlungsorte meist von den Personen profitieren, sie bringen erst so richtig Leben in die Orte und machen diese durch ihr Auftreten und ihr Handeln lebendig. Dabei fand ich oft, dass die Wohnorte der Damen eine besondere Wärme ausgestrahlt haben und sie viel freundlicher daherkamen als zum Beispiel viele Räumlichkeiten der Universitäten, woraus man gut Schlüsse ziehen kann.

Historische Details wurden vor allem anhand der Lebensweise der Protagonisten, das Studium der Frauen und den Kriegsverlauf eingebunden. Fakten tauchten nur selten auf und machten das Buch daher für mich zu einer recht leichten Lektüre. Ich bin auch zufrieden damit, in welchem Umfang man sich ein Bild von dem Leben zwischen 1910 und 1920 machen konnte und wie die Lebensweisen dargestellt wurden. Man erhält Einblicke in verschiedene gesellschaftliche Schichten und dadurch entsteht ein breites Bild der Bevölkerung.

Die Protagonisten. Hier bin ich etwas zwiegespalten. Den es stehen drei Damen im Vordergrund, wobei eine von ihnen, Ida, sehr schwach und steif daherkommt. Die anderen beiden hatten wunderbar lebendige und spannende Wesen erhalten, sie haben viele Gesichter und Züge ihrer Person gezeigt und waren einfach authentisch. Und Ida tanzt da für meinen Eindruck aus der Reihe. Sie wirkt nie so lebendig, hat nicht so ein einnehmendes und sympathisches Wesen und bleibt neben Vicki und Clara immer blass. Mit ihrem Charakter konnte ich mich durchweg nicht anfreunden und ich hatte auch den Eindruck, dass sie immer etwas hinten angestellt war und auf ihrer Figur nicht so sehr der Fokus lag. Finde ich etwas schade, immerhin taucht Ida oft in der Handlung auf und sie zieht halt im Vergleich mit Vicki und Clara deutlich den Kürzeren.
Mit den restlichen Protagonisten bin ich hingegen recht zufrieden. Sie wurden mit abwechslungsreichen Wesen ausgestattet, hatten unterschiedliche Ansichten auf Geschehnisse, politische Entwicklungen und auch auf die Rechte der Frauen. Es tauchen Menschen aus verschiedenen Milieus auf und viele besaßen Besonderheiten, die sie einzigartig machen. Insgesamt tritt also eine bunte Mischung und Vielfalt auf, die unterhaltsam ist und zeigt, wie sich die Bevölkerung bis heute entwickelt hat und was für Geschlechterbilder damals noch geherrscht haben.

Fazit
Ich bin der Meinung, mit diesem Buch hat die Autorin ein sehr solides und spannendes Werk geschaffen. Es gibt meiner Meinung nach kleine Punkte, die nicht ganz so rund waren, seien es die fehlenden Zeitangaben, die nicht vorhandene Stimmung oder die etwas steife und ernste Darstellung von Ida. Doch ansonsten habe ich nichts zu beanstanden, ich hatte wunderbare und sehr unterhaltsame Lesestunden mit dem Roman und konnte mich beim Lesen komplett fallen lassen. Es gibt viele Aspekte, die mir gut gefallen haben und die am Ende stark überwiegen. Dazu zählt nicht nur die Spannung auf einem tollen Niveau, sondern auch die bildhafte Schreibweise und die gute Darstellung des Settings. Ich bin sehr froh, das Buch gelesen zu haben und finde es gerade für Leser, die gerne mehr von starken Frauen lesen wollen sehr empfehlenswert!«
  23      0        – geschrieben von MarySophie
 
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