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Sterbewohl
Verfasser: Olivia Monti (5)
Verlag: Eigenverlag (18482), epubli (1458) und Neopubli (103)
VÖ: 3. November 2020
Genre: Dystopie (673)
Seiten: 220 (Gebundene Version), 218 (Taschenbuch-Version)
Themen: Deutschland (731), Fehmarn (14), Hotel (773), Sterben (193)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Was tust du, wenn dein Staat dich im Rentenalter auffordert, eine Sterbepille zu schlucken, damit du der Allgemeinheit nicht zur Last fällst? Sagst du Nein und erträgst die Repressalien? Fliehst du ins Ausland? Versuchst du die Schweinerei öffentlich anzuprangern? Oder schluckst du das Gift? Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie. Der Staat veranstaltet neuerdings für ältere Menschen Sterbeseminare in Luxushotels. Ihnen soll dort schmackhaft gemacht werden, Sterbewohl, eine tödliche Pille, zu schlucken, um beizeiten die Allgemeinheit zu entlasten. Nadja, Anna, Max und Fred sind über 65 und in hellem Aufruhr. Alle vier haben vom Gesundheitsministerium eine Einladung zum Sterbeseminar ins komfortable Hotel Paradies auf Fehmarn erhalten. Offiziell ist das Einnehmen von Sterbewohl zwar freiwillig. Wie manche munkeln, kehrt aus den Hotels aber niemand mehr zurück.
Lesermeinungen (9)     Leseprobe     Blogger (1)
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Olivia Monti für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Olivia Monti gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Facebook und bei Instagram.
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Da lag also der Brief des Gesundheitsministeriums vor mir auf dem Küchentisch. Er hatte mir noch keinen tiefen Schrecken versetzt; wenn etwas Schlimmes passiert, sind meine Reaktionen manchmal verzögert. Ich merke das Schlimme erst viel später. Und so machte ich mir zunächst einmal eine Tasse Kaffee, um ihn nochmal in aller Ruhe durchzulesen. Ich musste ganz sichergehen, dass ich auch nichts missverstanden hatte.
     Einladung ins Hotel Paradies auf Fehmarn. Paradies ... Am 20. April ... Es wäre dann noch frisch, noch nicht warm genug für Fehmarn, überlegte ich unsinnigerweise, bis mir klar wurde, der 20. April war schon in zwei Wochen! In zwei Wochen wäre ich auf Fehmarn beim Sterbeseminar und, wie so mancher hinter vorgehaltener Hand flüsterte, kam man von dort nicht mehr nach Hause zurück.
     Im zweiten Absatz stand, man hatte in den nächsten Tagen für alle Fälle einen Sachwalter zu benennen und dem örtlichen Gesundheitsamt mitzuteilen. Der musste sich gegebenenfalls um die Auflösung des Haushalts kümmern. Es stand nicht im Brief, dass er eventuell auch die Beerdigung organisieren musste. Das verstand sich aber von selbst. Der Staat wollte den Leuten nicht zu viel Angst einjagen. Es sollte so aussehen, als wäre die Veranstaltung freiwillig, als könnte man sich im Hotel die Vorteile des freiwilligen Todes anhören, ohne ihn wählen zu müssen, als dürfte man jederzeit wieder nach Hause zurückkehren, wenn man das wollte. Aber ich hatte, wie so einige, den starken Verdacht, der Staat gaukelte den Bürgern bloß vor, sie hätten eine Wahl.

Dass dies kein freies Land mehr war, wurde nur wenige Monate nach dem Wahlsieg der BP, die sich harmlos Bürgerpartei nannte, klar. Die BP hatte mit einer Zweidrittelmehrheit gewonnen, in wenigen Monaten Grundgesetz und Wahlrecht geändert und sich so ein Fortregieren ermöglicht in einer Demokratie, die nur noch eine Scheindemokratie war. Das war jetzt zehn Jahre her. Damals hatte es eine Weltwirtschaftskrise gegeben, ausgelöst durch die gigantischen privaten und staatlichen Schuldenberge. Der Euro war zerfallen, ein Brot hatte irgendwann eine Million Euro gekostet, und die BP tat damals so, als könne man mit einfachen Rezepten aus der Krise kommen. Unsere Nachbarländer hatten so viel mit sich selbst zu tun, dass sie kaum merkten, wie wir in einen Staat schlitterten, in dem der Bürger nur noch einen Dreck zählte. Es gab einen Währungsschnitt, die D-Mark wurde wieder eingeführt, der Staat brachte alle möglichen Konjunkturprogramme mit gedrucktem Geld auf den Weg. Es ging langsam besser, und so beklagte niemand den Verlust der Freiheit. Bald konnte man wieder alles kaufen, das Verhältnis zwischen Verdienst und den Preisen von Waren stimmte wieder, und nur darauf schien es anzukommen. Was vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch ein Problem war, und zwar Renten und Pensionen auszuzahlen, wurde allerdings auch im BP-Staat bald wieder zum Problem. In der klassischen Demokratie schien es dafür keine gute Lösung zu geben, die Renten- und Pensionskassen zahlten immer weniger und dann fast nichts mehr. In unserem neuen System gab es eine Lösung: Der Staat drängte einen, das Zeitliche zu segnen.

Im Fernsehen betonten sie, wie schön es war, rechtzeitig Abschied zu nehmen, bevor Demenz und Inkontinenz einsetzten, bevor wir unsere Angehörigen nicht mehr erkannten und ihnen und der Gemeinschaft unsere Hilflosigkeit und unser langsames Dahinsiechen aufbürdeten. Es gab sogar Filme über die Sterbehotels, in denen man die schönsten, weil letzten Tage seines Lebens so intensiv verbrachte wie noch keinen anderen Tag im Leben und sich sogar noch verliebte, um dann gemeinsam in den Tod zu gehen. Und die Bürger wurden in Seminaren, Vorträgen und Coachingveranstaltungen darauf getrimmt, ab einem bestimmten Alter gemeinnützig in den Tod zu gehen.

Solange das mit achtzig der Fall war, hatten nur wenige etwas dagegen. Insbesondere wenn man jung war, dachte man nicht so weit. Und da das frühzeitige Sterben angeblich freiwillig war, ließen sich tatsächlich viele davon überzeugen, dass es in der Tat angenehmer war, schnell zu gehen, solange man noch in Form war, statt jahrelang hilflos dahinzusiechen und selbst für die intimsten Verrichtungen Hilfe zu benötigen. Die Generation, die ihre Eltern jahrelang gepflegt hatte und nicht selbst so enden wollte, ließ sich am leichtesten gewinnen.

Der Staat gab sich ungemein Mühe, es uns schmackhaft zu machen, es hundertfach zu erklären und zu verbrämen. Was dann tatsächlich dazu führte, dass das geregelte Sterben zunächst weithin akzeptiert wurde. Besonders perfide war, dass der Staat sich dabei strikt von den Euthanasieprogrammen des Dritten Reichs abgrenzte. Damals hatte man lebensunwertes Leben vernichten wollen. Man tötete beispielsweise alte Menschen, wenn sie schwer erkrankten, oder verweigerte ihnen zumindest die Behandlung. Unwertes Leben gab es im neuen Staat natürlich nicht. Das frühzeitige Sterben stand allein im Zeichen des Gemeinwohls. Der Staat tat viel für den Bürger und der Bürger gab sich Mühe, etwas zurückzugeben, beispielsweise indem er starb, bevor er die Kassen und so die Allgemeinheit zu sehr belastete.
     Seit sich die Altersgrenze aber immer weiter nach unten verschob, formierte sich Widerstand, wenn auch noch nicht offen.


Kapitel 2


Ich sah noch einmal auf den Brief auf meinem Küchentisch. Schlagartig wurde mir klar, ich hatte höchstens noch vier Wochen zu leben. In zwei Wochen musste ich auf Fehmarn sein und der Sterbeaufenthalt dauerte ebenfalls zwei Wochen. Erst jetzt erschrak ich bis ins Mark. Dass ich verzögert reagierte, geschah vielleicht zu meinem eigenen Schutz. Ein wenig hatte ich mich schon an die Hiobsbotschaft gewöhnen können, bis sie mich vollumfänglich traf.
     Noch vier Wochen zu leben ... und ich war noch gar nicht alt, wollte sogar gerade ein neues Leben anfangen, ein angenehmeres Leben ohne den ständigen Ärger in der Schule.
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