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Trümmermädchen
Verfasser: Lilly Bernstein (1)
Verlag: Ullstein (1276)
VÖ: 2. November 2020
Genre: Historischer Roman (4725)
Seiten: 512
Themen: 1941 (10), Bäckerei (23), Besatzung (33), Diebe (459), Gefangenschaft (526), Judentum (171), Köln (292), Nationalsozialismus (321), Schwarzmarkt (13), Vergewaltigungen (235), Zweiter Weltkrieg (528)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Am Beispiel eines fiktiven Mädchens vor dem Hintergrund ihrer eigenen Familiengeschichte erzählt die Autoren von der jungen Anna während der Jahre 1941 - 1948 in einer Bäckerei in Köln.
Lesermeinungen (8)     Projekt 10     Leserkanonen-Einblick     Blogger (4)     Tags (1)
MEINUNGEN UND DISKUSSIONEN UNSERER LESER
Kommentar vom 1. Februar 2021 um 11:37 Uhr:
» Das Cover des Buches deutet bereits auf einen Roman aus der Zeit des Krieges hin. Und in dem Mädchen erkennt man Anna, die Hauptprotagonistin. Wirklich ein gelungenes und auch auf das Buch bezogenes Cover.


Inhalt:
Köln, 1941. Anna wächst bei ihrer Tante Marie und ihrem Onkel Matthias auf, einem Bäckerehepaar. Das Mädchen liebt die Backstube über alles, besonders den großen Ofen aus Vulkanstein. Doch mit dem Krieg kommt das Unglück: Matthias wird eingezogen und die Bäckerei bei Luftangriffen zerstört. Während Köln in Trümmern liegt und vom kältesten Winter des Jahrhunderts heimgesucht wird, schließt Anna sich in ihrer Not einer Schwarzmarktbande an und steigt zur gewieftesten Kohlediebin der Stadt auf. Als sie am wenigsten damit rechnet, verliebt sie sich – eine verbotene Liebe mit gefährlichen Folgen. Von Kälte, Hunger und Neidern bedroht, halten Anna und ihre Tante verzweifelt an dem Traum fest, die Bäckerei wiederaufzubauen. Und an der Hoffnung, dass die Männer, die sie lieben, irgendwann zu ihnen zurückkehren.


Meine Meinung:
Ein wirklich emotionales Buch, was einen so schnell nicht mehr los lässt. Der Schreibstil ist sehr flüssig, interessant und zeitweise sehr gefühlvoll. Gerade die Zeit nach dem Krieg und das Leiden der beiden Frauen wird sehr intensiv und nachvollziehbar beschrieben, Auch die „glücklichen“ Zeiten während des Krieges kommen sehr gut rüber. Man leidet mit der Familie, allerdings merkt man auch wie glücklich Anna in der Familie ist.
Auch die Nachkriegszeit wird sehr schön detailliert und nachvollziehbar beschrieben. Hier merkt man auch den starken Zusammenhalt zwischen Anna und ihrer Tante und auch den Ehrgeiz trotz aller Widrigkeiten sich wieder ein Leben aufzubauen.
Die Zustände der damaligen Zeit werden wirklich sehr gut erörtert und man merkt wie gut die Autorin hier recherchiert hat. Wirklich sehr realistisch dargestellt und erzählt.

Mein Fazit:
Ganz klare Leseempfehlung. Volle 5 Sterne.«
  12      0        – geschrieben von dartmaus
Kommentar vom 20. Januar 2021 um 21:38 Uhr (Schulnote 1):
» Wir befinden uns im Jahr 1941. Die 11-jährige Anna wächst bei ihrer Tante Marie und ihrem Onkel Matthias auf, der in Köln eine kleine Bäckerei besitzt. Für Anna gibt es nichts schöneres als in der kleinen Backstube auf der warmen Ofenbank zu sitzen und den Geruch von frisch gebackenen Schwarzbrot in der Nase zu haben. Die Bäckerei befindet sich im Haus der Familie Kohn und deren Tochter Ruth ist Annas beste Freundin. Doch eines Tages sind die Kohns plötzlich verschwunden und Anna ist sich sicher, dass da etwas ganz und gar nicht stimmt. Dann bekommt auch noch ihr Onkel seinen Einberufungsbefehl und wird eingezogen. Anna und ihre Tante Marie müssen nun alleine zurecht kommen. Sie versuchen die Bäckerei weiter zu führen, aber dann wird das Haus bei Luftangriffen zum großen Teil zerstört. Ganz Köln liegt in Trümmern, ein eisiger Winter steht vor der Tür und Tante Marie trägt ein Kind von Matthias unter dem Herzen. Die Not ist überall groß, es fehlt an allen Ecken und Kanten, aber Anna verliert nicht den Mut. Damit ihre Familie eine Chance hat zu überleben, schließt Anna sich einer Bande jugendlicher Schmuggler an und setzt alles daran, den Traum, die Bäckerei wieder in Betrieb zu nehmen, Wirklichkeit werden zu lassen.

Das Cover passt perfekt zur Handlung, denn es zeigt Anna vor der Kulisse Kölns. Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, war ich sehr gespannt auf das Buch.
Einmal mit dem Lesen begonnen, bin ich dann auch sehr schnell in die Story eingetaucht.
Der Autorin ist es von der ersten Seite an gelungen, mich völlig mit ihrer Geschichte zu fesseln.
Ich habe die 512 Seiten innerhalb von zwei Tagen regelrecht verschlungen. Der Schreibstil machte es mir aber auch leicht. Er ist nicht nur sehr flüssig und lebendig, sondern Lilly Bernstein versteht es, die Emotionen und Gefühle in Worte zu fassen.
Wir begleiten Anna, die in den Wirren des Krieges gemeinsam mit ihrer Tante Marie täglich ums Überleben kämpfen muss.
Sie versuchen mit der Unterstützung von Joseph, einen polnischem Fremdarbeiter die Bäckerei am Laufen zu halten. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihnen.
Ein Luftangriff zerstört große Teile des Hauses und dann müssen sie auch noch ihre Bäckerei verlassen und stehen auf der Straße.
Anna muss schnell erwachsen werden und nicht nur für sich selbst Verantwortung übernehmen, denn Kälte, Hunger und Krankheiten bedrohen ihre Familie.
Lilly Bernstein ist es gelungen, glaubwürdig und bildhaft die Kriegs- und Nachkriegszeit zu beschreiben.
Das Setting ist so anschaulich dargestellt, dass ich die vom Bombenhagel zerstörte Stadt vor Augen hatte und die Gerüche, die Feuer und Krieg mit sich bringen, in der Nase.
Selbst kleine unscheinbare Details beschreibt sie so lebendig und taktil, dass man den Eindruck hat, durch die Augen von Anna auf die Handlung zu schauen.
Anna entwickelt sich von dem 11-jährigen Kind zu einer mutigen und starken jungen Frau, die keine Gefahr scheut um ihrer Familie das Überleben zu sichern. Doch manchmal handelt sie etwas zu naiv und aus dem Bauch heraus. Dabei begibt sie sich immer wieder in gefährliche Situationen. Ich habe mit ihr gelitten und gebangt und so manche Träne beim Lesen vergossen.
Doch es gibt auch kleine Lichtblicke, die Hoffnung machen. Einer dieser Lichtblicke ist Joseph. Er zaubert Anna ab und zu ein Lächeln ins Gesicht und unterstützt die Familie so gut er kann. Aber auch der kleine Karl gibt ihr Kraft und sorgt dafür, dass sie nicht aufgibt.
Auch Marie ist lange eine tapfere, sehr fürsorgliche Propagonistin. Sie möchte unbedingt dass Versprechen, dass sie Matthias gegeben hat, einhalten. Irgendwann lässt bei Marie jedoch die Kraft nach und sie ist kurz davor aufzugeben.
Die Autorin hat die Propagonisten mit viel Herzblut sehr lebendig beschrieben.
Auch die Nebenfiguren bieten allerlei Facetten, wirken glaubwürdig und fügen sich perfekt in die Geschichte ein. Es gibt sympathische Charaktere, wie zum Beispiel Joseph, Agnes und Hilde. Aber auch sehr unsympathische Charaktere, wie der Bäcker Büll und seine Frau.
Sehr gut gefallen hat mir auch das kleine Geheimnis, dass Onkel Matthias Anna anvertraut und erst ziemlich zum Schluss gelüftet wird.
Man merkt diesem Roman an, dass die Autorin historisch gut recherchiert hat und private Erinnerungen mit eingeflossen sind.
Lilly Bernstein ist es mit "Trümmermädchen" gelungen, mir
einen Einblick in diese harte, erbarmungslose Zeit zu gewähren und die Kriegs- und Nachkriegszeit realitätsnah zu beschreiben.
Ein Buch voller Emotionen und mit der Botschaft, dass es sich lohnt für sein Glück zu kämpfen.
"Trümmermädchen" ist auf jeden Fall ein Buch, dass zu meinen Lesehighlights gehört und dazu beigetragen hat, dass ich in Zukunft öfter mal durch die Genre "Historische Romane" stöbern werde.
Von mir gibt es hochverdiente 5 Sterne ⭐⭐⭐⭐⭐ und eine Leseempfehlung!

Ich bedanke mich bei der Agentur Literaturtest für das Rezensionsexemplar! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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#lillybernstein #Trümmermädchen #literaturtest«
  14      0        – geschrieben von Gila 63
Kommentar vom 20. Januar 2021 um 9:48 Uhr (Schulnote 1):
» Kriege nehmen den Menschen so viel, aber ganz besonders Kinder müssen darunter leiden. Ihnen wird eine unbeschwerte Kindheit genommen und sie müssen vorzeitig erwachsen werden und Verantwortung übernehmen.
So geht es auch Anna, die bei ihrer Tante Marie und ihrem Onkel Matthias aufwächst. Ihr Onkel ist Bäcker und Marie liebt die Backstube über alles. Anna muss miterleben, wie ihre Freundin Ruth mit ihrer Familie verschwindet, wie die Bäckerei zerbombt und ihr Onkel eingezogen wird. Die Not in Köln wird größer, Lebensmittel sind mehr als knapp und im eisigkalten Winter fehlt die Kohle zum Heizen. Anna sieht keinen anderen Ausweg, als auf dem Schwarzmarkt zu handeln und Kohlen zu stehlen. Doch dann verliebt sie sich, aber das darf nicht sein.
Es ist ein eindringlicher, aber auch bedrückender Roman, der mich von Anfang an gepackt hat. Die Schrecken jener Zeit sind einfach furchtbar. Die jüdischen Mitbewohner verschwinden einfach von einem Tag zum anderen. Während man sich um die Freunde sorgt, gibt es aber auch Menschen, denen es Freude macht, dass die verachteten Menschen endlich weg ist. Die Versorgung wird immer schlechter und die Bomben zerstören die Stadt. Man mag sich das Leben unter den Bedingungen gar nicht vorstellen. Aber es sind auch die Bedingungen, in denen Menschen über sich hinauswachsen.
Die Charaktere sind sehr gut und authentisch dargestellt. Anna ist ein starkes Mädchen, das Verantwortung trägt und dem man alles Glück der Welt wünschen würde. Auch ihr Onkel, ihre Tante und der kleine Karl haben mir sehr gut gefallen. Matthias hilft trickreich den „besonderen Menschen“ wo er kann, aber auch er wird eingezogen.
Ein lesenswerter fesselnder Roman über dunkle Zeiten.«
  9      0        – geschrieben von buecherwurm1310
Kommentar vom 26. November 2020 um 12:55 Uhr (Schulnote 1):
» Abruptes Ende einer glücklichen Kindheit

"Das Trümmermädchen“ war für mich eine von den Geschichten, die ich sehr schnell ausgelesen hatte. Es ist in einem einnehmenden, einfachen Sprachstil geschrieben. So flog ich nur so durch die Seiten, weil das Schicksal von Anna und ihrer Tante Marie sehr spannend war.

Es beginnt im Jahr 1941. Anna erlebt in Köln bei Tante Marie und Onkel Matthias, einem glücklichen Bäckerehepaar, eine sorglose Kindheit, obwohl der Krieg in vollem Gange ist. Sie liebt die Bäckerei und ganz besonders den großen Backofen aus Vulkanstein, der auch ihr Zimmer wärmt. Auf einem Schlag findet diese Normalität ein jähes Ende. Das Unglück beginnt damit, dass der Onkel eingezogen wird. Durch die gewaltigen und wiederkehrenden Luftangriffe mit Flächenbombardements auf die Stadt erfolgt bald darauf die schwere Zerstörung der Bäckerei. Sie sind ihrer Lebensgrundlage und ihrer schützenden Behausung beraubt. Dazu kämpfen sie gegen den kältesten Winter des Jahrhunderts, gegen den verzehrenden Hunger und gegen abgrundtief böse Menschen. Es scheint keinen Ausweg aus der Misere zu geben, aber wie Anna und Marie schließlich über sich hinauswachsen und die Unbilden bewältigen, ist mehr als bewundernswert...

Der Roman besteht aus drei Teilen, die jeweils eine Zeitspanne von einigen Monaten beschreiben, Teil I von Juli 41 bis Mai 42, Teil II von Oktober 46 bis März 1947, Teil III von Mai 1947 bis Januar 1948. Der zweite Teil nimmt den meisten Raum ein.
Zu Beginn ist Anna 11 Jahre alt. Um zu überleben, muss sie recht schnell erwachsen werden. Alles, was zum Leben benötigt wird, ist knapp. Sie kämpft für den Traum, die zerstörte Bäckerei wieder aufzubauen, obwohl das aussichtlos und unerreichbar scheint. Welche Kraft Anna immer wieder aus sich heraus mobilisiert! Was sie dabei auf sich nimmt, wird sehr eindringlich geschildert. Da habe ich so manches Tränchen verdrückt!
Das vieles sich zum Ende hin glücklich fügt und es noch Überraschungen gibt, ist der schriftstellerischen Freiheit der Autorin und ihrer Fantasie geschuldet. Ich finde, dass hat sie toll gemacht. Eine wunderbare, emotionale Geschichte!

Es ist eine authentische Darstellung der Lebensumstände während des 2. Weltkrieges in einer der größten Städte Deutschlands. Mich fesselte das berührende, bewegende Schicksal des jungen Mädchens und der jungen Frau. Die Autorin beschönigte nichts, im Gegenteil, es war so viel, was sowohl Anna als auch Marie an schlimmen Dingen angetan wurde. Die äußeren Umstände allein waren eigentlich schon schrecklich genug.

Ich empfehle das Buch allen, um klar zu machen, dass Krieg nie wieder sein darf. Für „Trümmermädchen“ von mir die Höchstbewertung!«
  14      0        – geschrieben von hennie
Kommentar vom 25. November 2020 um 16:45 Uhr (Schulnote 2):
» Handlung
Köln 1941
Anna verlebt bisher eine glückliche Kindheit, sie wohnt bei ihrer Tante Marie und ihrem Onkel Matthias, die zusammen eine Bäckerei betreiben. Sie verbringt dort unglaublich gerne ihre Zeit, liebt den stets mollig warmen Ofen und den Duft von frisch gebackenen Broten und Naschereien.
Doch die friedliche Zeit hat keine Zukunft, der Krieg zeigt auch in Köln seine Folgen. Matthias wird eingezogen, anfangs kann Marie die Bäckerei noch weiter bewirtschaften. Doch dann wird diese bei Luftangriffen zerstört und damit auch ein Großteil des Heims von Marie und Anna. Zudem ist der Winter unfassbar kalt, Kohlen werden ebenso wie Lebensmittel knapp.
Schlagartig wird Anna erwachsen, macht eigene Pläne und trägt dazu bei, dass sie und ihre Tante überleben. Dafür müssen sie stets Abstriche machen und täglich kämpfen. Für ihr Überleben, für den Wiederaufbau der Bäckerei und für die Liebe.

Meinung
Das Cover gehört ehrlich gesagt nicht zu meinen Lieblingsbildern. Ich mag den Hintergrund ganz gerne, man sieht den Kölner Dom, sowie einige andere Gebäude leicht durch den Nebel schimmern. Allerdings hätte ich es angenehmer gefunden, wenn das Mädchen dem Betrachter komplett abgewandt gewesen wäre, man ihr Gesicht nicht sieht. Das stört mich ja allgemein immer und auch hier finde ich es nicht so schön. Außerdem empfinde ich es als etwas merkwürdig, dass der Titel so strahlend mit weißen / hellen Wolken hinterlegt wurde. Finde ich anhand der Thematik nicht ganz so passend, zudem verliert der Titel dadurch seine Strahlkraft. Es gibt also ganz nette Ansätze, aber insgesamt kann mich das Cover nicht unbedingt überzeugen.

Bereits in der Verlagsvorschau ist mir allerdings die sehr interessant klingende Handlung des Buches aufgefallen und diese konnte mich eindeutig mehr fesseln. Und genau aus diesem Grund wanderte der Titel auf meine Wunschliste und ich habe sehnsüchtig den Tag herbeigesehnt, an dem er bei Vorablesen erscheint. Den es stand für mich außer frage, dass ich dafür Punkte einlösen werde, den ich dachte mir, dass mir die Geschichte durchaus gefallen könnte. Also bin ich extra bis kurz nach Mitternacht munter geblieben, habe mir ein Buch gesichert und mich sehr gefreut, als dieses endlich bei mir angekommen ist. Und dafür möchte ich mich noch einmal bei Vorablesen und dem Ullstein Verlag ganz herzlich bedanken!

Es findet eine Unterteilung in drei Teile statt, wobei der letzte bedeutend kürzer ist als die anderen beiden und dadurch auch als eine Art längerer und ausführlicher Epilog dienen könnte. Am Beginn eines neuen Teil wird stets die Handlungszeit des Folgenden genannt, was ich als sehr hilfreich empfand. So hatte man immer ungefähr im Blick, in welchem Monat man sich in der Geschichte befinden könnte und kann besser verfolgen, wie alt vor allem Anna mittlerweile ist. Zudem lässt sich so die Kriegshandlung auch ungefähr einschätzen und ich fand es sehr passend, dass die Jahreszahlen genannt wurden. Vielleicht wäre es hierbei noch ganz nett gewesen, wenn diese, oder zumindest der Monat, auch vor neuen Kapiteln angegeben worden wären, um ein noch besseres Zeitgefühl zu erhalten. Allerdings bin ich so zufrieden, wie es von der Autorin gehandhabt wurde!

Ich muss ja ehrlich sagen, dass mich die Handlung wirklich von der ersten Sekunde an gefesselt hat. Anstatt mal kurz reinzulesen, um einen ersten Eindruck zu erhaschen, habe ich direkt gut 120 Seiten, den ersten Teil des Buches, in einem Rutsch gelesen. Und genau das hat sich auch durch die restliche Geschichte so weitergezogen. Sie hatte einen ganz besonderen Reiz auf mich und mir ist es unglaublich schwer gefallen, das Buch aus der Hand zu legen. Ich wollte einfach immer weiterlesen und habe den Roman schlussendlich innerhalb von drei Tagen durch gehabt. Und das ist bei knapp 500 Seiten nicht so selbstverständlich und sagt einiges über die Qualität des Romans aus.

Und wie so häufig hat auch diesmal die Sprache viel dazu beigetragen, dass ich so flüssig und ohne Probleme durch die Geschichte gekommen bin. Von der ersten Seite an hatte ich das Gefühl, mit den Protagonisten in einem Raum zu stehen und sie bei ihren Erlebnissen zu begleiten. An keiner Stelle kam Distanz zu ihnen auf und dann ist es natürlich noch reizvoller, weiteres von ihnen zu erfahren.
Im Grunde gibt es eine recht einfache und leicht lesbare, sowie verständliche Sprache. Nur selten kommen Fachbegriffe vor und sie gibt mit eindringlichen Worten ein nachvollziehbares Bild des Zweiten Weltkriegs, von den Erlebnissen der Bevölkerung, sowie von den Personen. Anhand dessen konnte ich mir viele Szenen bildreich und lebendig vorstellen und konnte einen besseren Draht zu den Protagonisten aufbauen und habe mich mit ihnen mehr mit gefreut und mitgefiebert.
Anfangs hat es mich ein wenig verwundert, irgendwann fand ich es richtig gut: es gibt häufig zwei Erzählperspektiven. Für diese dient ein allwissender Erzähler, bei dem man häufig merkt, dass er vorläufig einige Geheimnisse für sich behält und sich erst nach und nach dem Leser öffnet. Nicht nur Anna kommt zu Wort, bei ihrer Figur sieht man, wie schnell sie erwachsen werden musste und welche Auswirkungen der Krieg und seine Schrecken auf ein Kind / eine Jugendliche hat. Sondern auch von ihrer Tante werden regelmäßig Erlebnisse berichtet. Man bekommt dadurch den Blick einer erwachsenen Person auf die Situation und lernt davon, welche Probleme und Sorgen diese herumgetrieben hat. Aufgrund dieser Zweiteilung der Erzählperspektive entsteht ein abwechslungsreiches und vielseitiges Bild, welches noch einen noch ernsteren und deutlicheren Blick auf die Ereignisse und den Krieg gibt. Mir hat dies gut gefallen und man konnte noch mehr mit den Protagonisten mitfiebern.

Es ist immer ein Hauch von Spannung vorhanden, wenngleich dieser sich teilweise auf einem recht niedrigen Niveau befindet. Schließlich fragt man sich, was mit Maries Ehemann geschieht, mit der Bäckerei oder auch mit Marie und Anna selbst. Und dazu gibt es immer wieder Szenen, die überraschend daherkommen und der Geschichte ganz plötzlich eine neue Wendung geben, wodurch auch die Spannungskurve profitiert.
Es wechseln sich also aufregendere Kapitel mit ruhigeren ab, man kommt auch als Leser ein wenig mehr zum durchatmen und es gibt nicht zu viel Drama. Dabei wirkt die Handlung stets authentisch und nie zu übertrieben, was sich positiv auf meinen Lesefluss ausgewirkt hat. Ich bin mit der Spannung zufrieden, zumal sie bis zum Ende anhält und nicht einfach mitten in der Handlung abbricht. Es hat zu dem Roman, der Handlung gepasst und ich wurde von den Geschehnissen oft überrascht.

Die Stimmung und die historischen Ereignisse fasse ich in einem Abschnitt zusammen, sie gehören bei dem Buch definitiv zusammen und ergänzen sich. Denn die historischen Ereignisse werden vor allem anhand der Lebensweise und den Nöten und Sorgen der Protagonisten eingebunden. Nur selten tauchen Fakten auf, nur anhand von den Worten der Autorin entsteht ein lebendiges Bild der Handlungszeit. Und diese Szenen sorgen für viel Stimmung, die häufig trauriger, manchmal aber auch freudiger Natur ist und anhand derer man gut mit den Protagonisten mitleiden kann. Dadurch baut man eine besondere Bindung zu den Figuren auf und sie wirken irgendwann einfach nur noch lebendig und greifbar, am Ende des Romans waren sie wie gute Bekannte für mich.
Gleichzeitig möchte ich hier meinen einzigen Kritikpunkt ansprechen. Im Grunde bin ich damit zufrieden, wie das Bild von den Ereignissen im Zweiten Weltkrieg gezeichnet wurde. Allerdings wird auf dem Klappentext von einer Schwarzmarktbande gesprochen und auch Anna scheint sich da einen vollkommen anderen Ruf zu erarbeiten, als es im Roman lange Zeit der Fall ist. Hier wird ein wenig zu viel versprochen, der Schwarzmarkt ist ein Thema im Buch, aber kein so großes, wie ursprünglich angenommen wird. Das ist vielleicht ein wenig falsch formuliert.

Es herrscht eine Einheit des Settings vor, jede Szene spielt in Köln. Dabei werden verschiedene Stadtteile, Gegenden und Häuser beschrieben und mit fortschreitender Handlung sieht man auch, wie der Krieg das Stadtbild verändert und welche Folgen für die Bevölkerung damit einhergehen. Auch dadurch wird wieder ein Bild der historischen Situation vermittelt und zeigt schonungslos die Realität. Die Realität von zerbombten Häusern und von Menschen ohne Unterkunft.
Besonders stimmungsvoll kam dabei immer die Bäckerei von Maria und ihrem Mann daher. Sie hatte eine besondere Aura und wirkte oft, trotz des Krieges, der Beengtheit und der Kälte irgendwie heimelig. An ihr erkennt man bessere Zeiten und ich mochte diese irgendwie sehr.

Ich finde, dass sich die Anzahl der Protagonisten ziemlich in Grenzen hält. Oft dreht sich die Handlung stets um dieselben Personen, die dafür eine starke Zeichnung erhalten haben und sehr authentisch auftreten. Nur sehr selten treten Figuren auf, die eine untergeordnete Rolle spielen und trotzdem wurden auch sie mit einigen Charaktermerkmalen ausgestattet, die einen hohen Wiedererkennungswert bieten. Ich bin mit der Darstellung absolut zufrieden, die Protagonisten haben Ecken und Kanten erhalten und treten nicht zu stereotyp auf. Bei manchen hatte ich die Hoffnung, dass sie doch einen guten Kern in sich tragen, wurde teils überrascht und es gibt interessante Entwicklungen zu sehen.

Fazit
Ich habe mich sehr auf den Roman gefreut und am Ende kann ich glücklicherweise sagen, dass meine Spannung nicht umsonst war. Es handelt sich um eine berührende und mitreißende Geschichte, die den Leser auch nach dem Beenden des Buches nicht so leicht loslässt. Ich hatte unglaublich schöne, interessante, erschütternde und teils auch traurige Lesestunden, eine interessante und überzeugende Mischung.
Und obwohl ich viel positives gesagt habe, fehlt mir doch noch ein Punkt, der das Buch herausragend und zu einem Fünf-Sterne-Buch werden lässt. Ich kann nicht genau sagen, was mir fehlt, um den Roman zu einem Highlight werden zu lassen. Deshalb werde in meiner Bewertung einen halben Stern abziehen und spreche trotzdem eine eindeutige Leseempfehlung aus. Es ist ein einzigartiges Buch, das definitiv überzeugen kann!«
  17      0        – geschrieben von MarySophie
 
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