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TASCHENBUCH
 
Du stirbst allein
Verfasser: Simon Geraedts (13)
Verlag: Eigenverlag (17481)
VÖ: 14. September 2020
Genre: Thriller (6646)
Seiten: 309 (Taschenbuch-Version), 230 (Kindle-Version)
Themen: Gefahr (1209), Geheimnisse (4275), Inseln (1721), Ostfriesland (554), Schlüssel (47), Stürme (147)
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Lesermeinungen (1)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Simon Geraedts für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Simon Geraedts gibt es auf seiner Autorenseite, bei Twitter, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Die unbeantwortbare Sinnfrage setzte ihr im Laufe der Jahre immer mehr zu und trieb sie in ihrer Jugend schier in den Wahnsinn. Mit zwölf betrank sie sich zum ersten Mal mit hartem Alkohol, mit dreizehn rauchte sie Gras. An ihrem vierzehnten Geburtstag fing sie an, sich mit einem Teppichmesser in die Unterarme zu ritzen. Monatelang schwänzte sie die Schule und hing mit Schwachköpfen vom Bahnhofsviertel ab, die sie noch weiter herunterzogen.
     Trotz allem kümmerte sich ihr Vater nicht groß um sie. Nach dem Tod seiner Frau war er nur noch ein Schatten seiner selbst. Ohne Maria – die Liebe seines Lebens – erschien ihm die Welt trotz seiner beiden Kinder trostlos und grau. Wenn er abends von der Arbeit nach Hause kam, schob er ein Fertiggericht in die Mikrowelle und ließ sich anschließend im Wohnzimmer auf dem Sofa nieder. Dort sah er sich dann irgendwelche stumpfsinnigen Sendungen an, bis es Zeit war, ins Bett zu gehen. Während Hanna sich bekiffte und in die Unterarme schnitt, zog sich ihr Vater in seine eigene Welt zurück, um der Realität zu entfliehen. So betäubten sie beide den Schmerz auf ihre Weise.
     Jeden Tag rechnete sie damit, ihn tot auf dem Dachboden zu finden – an einem Strick von der Decke baumelnd. Doch er blieb noch siebzehn Jahre lang am Leben, bis er schließlich vor wenigen Wochen mit vierundfünfzig an einem Herzinfarkt starb.
     Laut den Ärzten lag es an der Kombination aus mangelnder Bewegung und cholesterinreichem Essen. Hanna hingegen vermutete, dass sein Herz vorzeitig stehenblieb, weil es seit fast zwei Jahrzehnten gebrochen war.
     Tim kam mit dem Schicksalsschlag deutlich besser zurecht. Natürlich litt auch er unter dem Verlust seiner Mutter, doch im Gegensatz zu Hanna und ihrem Vater lernte er, neuen Mut zu fassen und nach vorn zu schauen. Als es seiner Schwester so richtig dreckig ging, bewahrte er sie vor dem Schlimmsten und überredete sie zu einer Therapie. Ohne ihn wäre sie vermutlich auf härtere Drogen umgestiegen und irgendwann an einer Überdosis verreckt. Vielleicht hätte sie sich auch in der Wanne die Pulsadern aufgeschnitten.
     Seit ihrem sechzehnten Lebensjahr ließ Hanna die Finger von Alkohol und Gras und verletzte sich auch nicht mehr selbst. Sie ging wieder zur Schule, machte das Abitur (mit einem passablen Notenschnitt von 2,2) und studierte anschließend Literaturwissenschaften an der Goethe-Universität. Inzwischen war sie vierundzwanzig und arbeitete seit zwei Jahren als Lektorin in einem kleinen Fantasy-Verlag.
     Dank ihrem Bruder hatte sie eine lebensrettende Kehrtwende hingelegt, auch wenn die Narben an ihren Unterarmen sie für immer an ihre schlimme Jugendzeit erinnern würden. Außerdem litt sie nach wie vor unter Verlust- und Bindungsängsten. Hanna hatte erst zwei richtige Beziehungen geführt, die beide bereits nach wenigen Monaten in die Brüche gegangen waren.
     Es fiel ihr schwer, Vertrauen zu fassen und über ihre Vergangenheit zu reden. Letztlich hatte sie mit dem Tod ihrer Mutter immer noch nicht abgeschlossen und fragte sich bis zum heutigen Tag, warum sie mitten in der Nacht ins Watt gegangen war. An einen Unfall konnte und wollte sie einfach nicht glauben. Hätte sie wirklich ihr Leben riskiert, nur um Fotos vom nächtlichen Hafen zu machen?
     Natürlich zog sie auch die Möglichkeit in Betracht, dass ihre Mutter sich umgebracht hatte. Aber wenn sie so depressiv gewesen wäre, hätte Hanna das doch bestimmt bemerkt. Kinder spürten es, wenn mit ihren Eltern etwas nicht stimmte. Ihre Erinnerungen waren zwar blass und vage, aber ...
     »Schwesterherz? Wo steckst du?«
     Tims Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Hanna wandte sich lächelnd zur Holzleiter, die zum Dachboden hinaufführte. »Bin hier oben!«
     Seit ihr Bruder in Hamburg als Unternehmensberater arbeitete, ließ er sich nur noch selten in der alten Heimat blicken. Wegen des stressigen Jobs hatte er nicht einmal Zeit für eine Freundin. Das nahm er jedoch gern in Kauf, da er seinen Beruf über alles liebte.
     Genau wie seine Freiheit, dachte Hanna amüsiert. Tim war schon in der Schule ein Mädchenschwarm gewesen, heute war er ein regelrechter Aufreißer.
     »Ich hab noch genug Zeit, um die Liebe meines Lebens zu finden und eine Familie zu gründen«, betonte er bei jeder Gelegenheit, als müsste er sich für irgendetwas rechtfertigen. Hanna freute sich, dass er glücklich war und sein Leben genoss. Das gönnte sie ihm von Herzen.
     Sie selbst war in Frankfurt geblieben, hatte sich allerdings schon mit achtzehn eine eigene Wohnung gesucht. Sie wollte weg von ihrem Vater, der jeden Abend wie ein Zombie vor dem Fernseher saß und kaum ein Wort sprach. Seine Lethargie und ewige Trauer waren so ansteckend wie ein Virus.
     Tim kletterte die Leiter zum Dachboden hinauf und sah wie immer blendend aus: glattrasiert, das dunkle Haar ordentlich zum Seitenscheitel gekämmt, graue Stoffhose und hellblaues Hemd. Außerdem war er mit seinen Einsneunzig hochgewachsen und gut in Form. Kein Wunder, dass die Frauen ihm hinterherliefen.
     Er ging lächelnd auf Hanna zu und schloss sie in die Arme. »Hey.«
     »Hey, Großer. Bist ein bisschen spät dran.«
     »Sorry, der Verkehr hat mich aufgehalten.«
     Sie löste sich von ihm und zog eine Braue hoch. »Von welchem Verkehr reden wir hier?«
     »Sehr witzig.« Er streckte ihr die Zunge heraus und brachte sie damit zum Lachen. Tim war ebenso wenig in Trauerstimmung wie sie. Auch er hatte sich in den letzten Jahren zunehmend von ihrem Vater entfremdet, außerdem teilte er insgeheim vermutlich Hannas Auffassung, dass der tödliche Herzinfarkt für ihn nach langen Jahren der Einsamkeit und Trauer eine Erlösung gewesen war.
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