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Die Stadt zu unseren Füßen
Verfasser: Janina Hoffmann (4)
Verlag: Eigenverlag (17481)
VÖ: 1. August 2020
Genre: Gegenwartsliteratur (3063)
Seiten: 245
Themen: Enkel (49), Entscheidungen (1835), Familiengeheimnisse (436), Großväter (136), Herrenhaus (65), Isolation (63)
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Melanie Goldberg wächst behütet, aber isoliert auf einem Berg in einem prächtigen Herrenhaus auf. Ihr Großvater, ein Milliardär und der reichste Mann des Landes, kontrolliert seine Enkelin wie alles und jeden in seinem Umfeld. Melanie kommt einigen dunklen Familiengeheimnissen auf die Spur, die sie zutiefst schockieren und ängstigen. Eines Tages muss sie zwischen einem Leben im Luxus und einem Leben in Freiheit wählen.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Janina Hoffmann für die Einsendung dieser Leseprobe!
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     Das Umgehen der Schulpflicht machte jedoch in Goldstadt die Runde. Es wurde gemutmaßt, mit Theodora und mir stimme etwas nicht, wir seien vielleicht verhaltensgestört oder schwer erziehbar, da ja David zur Schule ging. Vater fürchtete durch diese Gerüchte um seinen guten Ruf als Arzt. Schließlich lenkte Großvater ein. „Ich könnte euch weit weg auf eine teure Privatschule schicken“, sagte er Theodora und mir, als sie neun Jahre alt und ich gerade sieben geworden war, „aber ich habe euch lieber selbst unter Kontrolle.“ Es war selbstverständlich, dass er darüber entschied, auf welche Schule Theodora und ich gehen würden. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mein Vater sich in diese Überlegungen eingemischt hätte.
     Wir wurden also auf eine öffentliche Schule in Goldstadt geschickt, wohin uns, während unsere Klassenkameraden sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus erreichten, täglich ein Chauffeur in einer teuren Limousine brachte. Großvater bestimmte ganz selbstverständlich, welche Kleidung wir für unseren Schulbesuch anzogen. Am meisten hasste er Jeans, dieses nach seiner Aussage „liederliche Massenprodukt“. Niemand aus unserer Familie durfte Jeans tragen, auch die Angestellten nicht, solange sie sich auf dem Goldberg aufhielten. Meine Geschwister und ich mussten dieselben teuren, aber altmodischen Kleidungsstücke anziehen, die wir auch zu Hause trugen, Theodora und ich größtenteils Kleider oder Röcke mit Blusen. Für die Schule war das viel zu elegant, so dass wir dort unangenehm auffielen und wie David sofort zu Außenseitern wurden, hinter deren Rücken getuschelt wurde. Auch war das, was wir trugen, immer etwas unbequem, was das ausgelassene Spielen in den Pausen mit unseren Mitschülern erschwerte. Falls Großvater beabsichtigte, uns durch unsere Kleidung von den anderen abzusondern, ging sein Plan auf. Meine ganze Schulzeit hindurch fühlte ich mich einsam.
     Direkt nach Schulschluss wurden David, Theodora und ich wieder abgeholt und nach Hause gefahren. Keine freiwillige Nachmittagsveranstaltung in der Schule durften wir besuchen, keine Kindergeburtstage unserer Mitschüler mitfeiern, an keiner Klassenfahrt teilnehmen. „Das Pack aus Goldstadt ist kein Umgang für euch“, war Großvaters unerschütterliche Meinung. „Die wollen außerdem alle sowieso nur herausfinden, wie sie uns am besten ausrauben können.“ Er schottete David, Theodora und mich regelrecht von der Außenwelt ab, und unsere Eltern ließen ihm freie Hand. Hätte Großvater uns erlaubt, Erfahrungen im Umgang mit unseren Mitmenschen zu sammeln, wäre mir später so manche bittere Enttäuschung erspart geblieben. Hätte er uns einfach so sein lassen, wie wir waren, und uns mehr Freiheiten eingeräumt, hätte Theodora sich nicht in eine leichtsinnige, mannstolle junge Frau verwandelt. Und David ... Meinem Bruder sollte Großvater, weil er seinen Enkel nicht akzeptierte, noch das Allerschlimmste antun.
     Dass er sich hinsichtlich der Schulpflicht seiner Enkeltöchter nicht gegen das Amt durchgesetzt hatte, hatte den Stolz meines Großvaters doch etwas getroffen. „Die Oberschicht in einer Klasse mit dem Stadtpöbel!“, pflegte er zu schimpfen. „Wie tief ist dieses Land gesunken!“
     Ganz wollte sich Großvater Theodoras und meinen Privatunterricht dennoch nicht nehmen lassen. Er selbst war an so manchem Nachmittag unser Lehrer und überprüfte streng unsere Kenntnisse der Namen, Geburts- und Sterbedaten unserer Vorfahren. Und es waren viele Vorfahren, die auch noch meistens mehrere ungewöhnliche Vornamen hatten. Ich brachte sie, sehr zu Großvaters Verdruss, allzu häufig durcheinander, während Theodora mit ihrem fotografischen Gedächtnis brillierte. Immer wieder berichtete Großvater in seinem speziellen Geschichtsunterricht davon, wie die braven Bürger des heutigen Goldstadt den Goldberg, oft unter Einsatz ihres Lebens, für unsere Vorfahren von frühmorgens bis spätabends ausgehöhlt hatten, bis das letzte Körnchen Gold abgebaut war. Er schilderte das harte Leben der Bergarbeiter so bildhaft, als wäre er selbst dabei gewesen. Der Geschichtsunterricht fand in dem Schulraum im dritten Stock unseres Hauses statt. Theodora und ich saßen an alten Schulpulten, von denen es acht gab, und lauschten Großvaters Erzählungen. Dass der Unterricht zu Ende war, merkten wir stets daran, dass Großvater an eines der hohen Sprossenfenster trat und, die Hände auf dem Rücken, schweigend hinaussah. Das war das Zeichen für Theodora und mich, unsere Plätze zu verlassen und uns links und rechts neben Großvater zu stellen. Dann wandte sich Großvater mit einer Frage an eine von uns beiden. Die Frage war immer dieselbe, und es war abwechselnd an Theodora und mir, sie korrekt zu beantworten.
     „Melanie“, forderte mich Großvater streng auf, „was siehst du da draußen?“
     Mein Blick schweifte jedes Mal hinweg über den riesigen Garten mit dem weißen Pavillon, hinweg über die Garagen und die breite Einfahrt, hinweg über die hohe graue Steinmauer, die das Grundstück umgab, hinweg über das Pförtnerhäuschen, an dem jeder, der den Goldberg zu Fuß besuchte und verließ, direkt vorbei musste, hinweg über die Schranke daneben, die der Pförtner öffnete, um Fahrzeuge passieren zu lassen, hinweg über die Straße, die sich von der Bergspitze fast einmal um den Berg herum bis nach unten in die Stadt schlängelte, hinweg über die winzigen Häuser von Goldstadt. Auf Großvaters Frage gab es nur eine richtige Antwort. Sie lautete nicht: „Ich sehe unseren Garten“, oder „Ich sehe den Himmel.“ Hatte ich anfangs so eine Antwort gegeben, hatte es von Großvater zur Strafe eine schallende Ohrfeige gesetzt. Mittlerweile war ich etwas älter und wusste längst, was Großvater auf seine Frage hören wollte.

     „Ich sehe die Stadt zu unseren Füßen“, antwortete ich, sicher, dass es genau das war, was er hören wollte.
     Großvater nickte zufrieden. „So ist es, Melanie. Genauso ist es.“
     Das war eine der letzten seiner Unterrichtsstunden, bevor Großvater entschied, dass er uns vorerst genug über die Geschichte unserer Familie beigebracht hatte. Ich blickte vorsichtig zu ihm und sah den feierlichen Glanz in seinen Augen, während er weiter aus dem Fenster sah. Ich war damals elf Jahre alt. Wie hätte ich auch nur im Entferntesten ahnen sollen, dass mein Großvater größenwahnsinnig war?
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