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Die Stadt zu unseren Füßen
Verfasser: Janina Hoffmann (4)
Verlag: Eigenverlag (17470)
VÖ: 1. August 2020
Genre: Gegenwartsliteratur (3060)
Seiten: 245
Themen: Enkel (49), Entscheidungen (1834), Familiengeheimnisse (435), Großväter (136), Herrenhaus (65), Isolation (63)
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Melanie Goldberg wächst behütet, aber isoliert auf einem Berg in einem prächtigen Herrenhaus auf. Ihr Großvater, ein Milliardär und der reichste Mann des Landes, kontrolliert seine Enkelin wie alles und jeden in seinem Umfeld. Melanie kommt einigen dunklen Familiengeheimnissen auf die Spur, die sie zutiefst schockieren und ängstigen. Eines Tages muss sie zwischen einem Leben im Luxus und einem Leben in Freiheit wählen.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Janina Hoffmann für die Einsendung dieser Leseprobe!
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     Ich atmete aus, erleichtert, dass Großvater fort war, um gleich darauf mit den Tränen zu kämpfen. War das Bild wirklich so schlecht? Ich hatte mich für recht talentiert gehalten. Doch durch Großvaters Worte war ich am Boden zerstört und zweifelte an mir selbst. Wie hatte ich nur so dumm sein können zu glauben, ich sei begabt, nur weil ich etwas besser als einige andere zeichnen konnte. Die Lust am Malen war mir vergangen. Mutlos legte ich den Pinsel beiseite und wollte gerade meinen weißen Kittel ausziehen, den ich über meiner Kleidung trug, um sie vor der Farbe zu schützen, als Theodora hereinplatzte. Sie platzte immer bei mir herein. Anklopfen war für sie ein Fremdwort.
     Wenn ich meine Schwester sah, glaubte ich stets für einen Moment, meine Mutter habe sich entschlossen, ihr Zimmer zu verlassen, um mich zu besuchen, so ähnlich sahen sich die beiden. Wie unsere Mutter hatte Theodora dickes, dunkelbraunes, welliges Haar, das ihr jedoch nicht einmal bis zur Mitte ihres Rückens herabreichte. Theodora hasste ihr Haar, fand es widerspenstig, gerade bei feuchtem Wetter, und trug es am liebsten zu einem unordentlichen Zopf zusammengebunden. Sie hatte die auffallend grünen Augen unserer Mutter geerbt und das schöne Gesicht mit den hohen Wangenknochen und den vollen Lippen. Wie sehr ich meine Schwester um ihr Aussehen beneidete. Obwohl auch unser Vater gutaussehend war, fand ich mich selbst nur durchschnittlich. Meine Haare hatten den Hellbraunton des Haars von Vater und Großmutter und waren zu meiner Unzufriedenheit glatt. Die glattesten Haare der Welt. Ich trug sie schulterlang und band sie ebenfalls gern zusammen – weil sie sowieso nicht viel hermachten, wie ich fand. Meine Augen waren wie die von Vater und Großmutter haselnussbraun. Ich hatte ein ebenmäßiges Gesicht, doch fehlte ihm außerordentliche Schönheit. Ich war höchstens Mittelmaß. Damit hatte ich mich längst abgefunden.
     „Hallo Melli, wie geht es dir?“, begrüßte mich meine Schwester.
     Schnell wollte ich die Tränen wegblinzeln, die nach Großvaters Kritik noch in meinen Augen standen, doch es war zu spät.
     „Wieso weinst du denn?“, wollte Theodora wissen. Dann fiel ihr Blick auf mein Bild. „Oh!“, rief sie mit echter Begeisterung. „Das ist toll, Melli. Schenkst du es mir, wenn es fertig ist?“
     „Großvater findet ...“, setzte ich an, doch ich konnte nicht weitersprechen, ohne zu schluchzen. „Großvater findet, es hat keine Struktur.“ Jetzt konnte ich die Tränen, die über meine Wangen liefen, nicht mehr aufhalten. „Ich weiß nicht ... nicht einmal genau, was das heißt - nur, dass es Großvater überhaupt nicht gefällt.“
     Theodora umfasste tröstend meine Schultern, während sie sich weiter mein Bild ansah. „Wenn das so ist, Melli, braucht dein Bild vielleicht gar keine Struktur. Ich finde es jedenfalls perfekt, so wie es ist. Schenkst du es mir?“
     In der Folgezeit versuchte ich mich zwar noch an weiteren Bildern in Ölfarbe, die Theodora jedes Mal in den höchsten Tönen lobte, doch hatte ich nicht mehr dieselbe Freude daran wie vor Großvaters Kritik. Den größten Teil meiner Freizeit verbrachte ich damit, für die Schule zu lernen, denn auch hier stellte Großvater hohe Ansprüche, überprüfte meine Hausaufgaben und sah sich die Korrekturen meiner Lehrer in meinen Arbeiten an, immer mit einem missbilligenden, grimmigen Gesichtsausdruck. Theodora war, was die Schule anging, anscheinend ein Naturtalent, dem gute Noten in den Schoß fielen, ohne viel dafür zu tun, doch ich musste mich anstrengen und konnte trotzdem nicht mit meiner Schwester mithalten. Während mein Bruder David von Anfang an eine öffentliche Schule besuchte, hatte Großvater Theodora aus der Schule ferngehalten und selbst die Rolle ihres Lehrers übernommen, bis ich das Schulalter erreichte. Da nämlich entschied Großvater, Theodora und mich wie früher unseren Vater und dessen Schwester von Privatlehrern zu Hause unterrichten zu lassen. Anscheinend hatte sich in früheren Jahrzehnten nie jemand an dem Umgehen der Schulpflicht durch unsere Familie gestört.
     Wir alle wussten, warum Großvater David so anders behandelte als Theodora und mich und sich weder großartig um die Ausbildung seines Enkels noch um sonst irgendetwas, das David betraf, kümmerte, wenn in unserer Familie auch so gut wie nie darüber gesprochen wurde. Die Einzige, die mit dem Thema, sehr zu Großvaters Unmut, offen umging, war meine Tante Tanja. David war Theodoras und mein Halbbruder. Er hatte einen anderen Vater.
     Großvater hatte weder Kosten noch Mühen gescheut, um geeignete Lehrkräfte zu finden, die seinen hohen Anforderungen genügten. Sie machten im Unterricht, der in einem eigens dafür eingerichteten Schulraum stattfand, in dem schon mein Vater und mein Großvater gelernt hatten, leider einen so leb- und leidenschaftslosen Eindruck, dass es mir schwerfiel, dem, was sie Theodora und mir beibringen wollten, zu folgen. Ich war daher erleichtert, dass sich die Zeiten anscheinend geändert hatten und Großvater wegen des Hausunterrichts nun doch Ärger mit dem zuständigen Amt bekam. In mehreren Schreiben wurden unsere Eltern wiederholt auf die Schulpflicht hingewiesen und ihnen hohe Bußgelder angedroht. Ferner wurde angekündigt, man werde Theodora und mich täglich von der Polizei abholen und in die Schule bringen lassen. Großvater blieb unbeeindruckt, wenn diese Einschreiben eingingen, die er statt unserer Eltern in Empfang nahm. Schließlich war er es gewohnt, dass alle sich seinem Willen beugten statt umgekehrt. „Sollen sie nur kommen“, brummte er verächtlich, bevor er die Briefe in das offene Kaminfeuer warf.
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