Diese Website nutzt Cookies, nähere Infos finden Sie hier. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. 
44.361 REGISTRIERTE BUCHBEWERTER
Wir grüßen unseren neuesten User »EniK«!
  START   NEWS   BÜCHER   AUTOREN   THEMEN   VERLAGE   BLOGGER   CHARTS   BUCH FEHLT SUCHE:  
LESERKANONE
Benutzername:

Passwort:
Passwort?
Account anlegen
Gewinnspiel
 
Werbung:
KINDLE
 
Die Stadt zu unseren Füßen
Verfasser: Janina Hoffmann (4)
Verlag: Eigenverlag (17549)
VÖ: 1. August 2020
Genre: Gegenwartsliteratur (3077)
Seiten: 245
Themen: Enkel (49), Entscheidungen (1841), Familiengeheimnisse (436), Großväter (136), Herrenhaus (66), Isolation (63)
BLOGGERNOTE DES BUCHS
noch nicht bewertet
1
0%
2
0%
3
0%
4
0%
5
0%
6
0%
BENUTZER-SCHULNOTE
1
0%
2
0%
3
0%
4
0%
5
0%
6
0%
Deine Note: 1 2 3 4 5 6
Melanie Goldberg wächst behütet, aber isoliert auf einem Berg in einem prächtigen Herrenhaus auf. Ihr Großvater, ein Milliardär und der reichste Mann des Landes, kontrolliert seine Enkelin wie alles und jeden in seinem Umfeld. Melanie kommt einigen dunklen Familiengeheimnissen auf die Spur, die sie zutiefst schockieren und ängstigen. Eines Tages muss sie zwischen einem Leben im Luxus und einem Leben in Freiheit wählen.
Lesermeinungen (0)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Janina Hoffmann für die Einsendung dieser Leseprobe!
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Die Frage nach der Anzahl der Zimmer ließ mich nicht los. Manchmal stand ich draußen im Garten und zählte die hohen weißen Sprossenfenster, um so zumindest die ungefähre Raumzahl abzuleiten. Immer kam ich auf andere Ergebnisse, und diese wichen nicht unerheblich voneinander ab. Großvater mochte ich nicht nach der Anzahl der Zimmer fragen. Er schätzte nämlich kein unnötiges Geschwätz. Außerdem würde er dann nur wieder von dem abhandengekommenen Küchenjungen erzählen, und davor graute mir.
     Mein Vater, Dr. Tobias Goldberg, ging vollkommen in seiner Tätigkeit als Arzt auf. Ich bekam ihn kaum je zu Gesicht, genauso wie meine Mutter Edith, die sich in erster Linie für sich selbst interessierte und für David, meinen vier Jahre älteren Bruder, zu dem sie als einzigem aus unserer Familie ein enges Verhältnis hatte. Auch meine Großmutter Isolde lebte in ihrer eigenen Welt und konnte mit ihren Enkelkindern nicht viel anfangen. Oft schienen mir die Hausangestellten näher und vertrauter als meine eigene Familie. Einige von ihnen waren mir richtig ans Herz gewachsen, doch Großvater ließ eine zu große Vertrautheit nicht zu, weshalb er wohl, als Theodora und ich noch jünger waren, auch unsere Kindermädchen in regelmäßigen Abständen austauschte.
     „Es werden keine Probleme vor den Angestellten diskutiert“, bläute Großvater meinen Geschwistern und mir von klein auf ein. „Die sind nämlich nur darauf aus, unsere Schwachpunkte auszumachen. Zeigt vor dem Personal auf keinen Fall Schwäche. Darauf warten sie nur. Und seid ihnen gegenüber auch nicht zu freundlich, denn das wird ausgenutzt.“
     Großvater selbst war in seinem Auftreten stets sehr souverän, fast einschüchternd. Als Kind fand ich ihn manchmal sogar furchteinflößend. Er hielt sich trotz seines Alters noch kerzengerade, als hätte er einen Stock verschluckt. Mein Großvater war ein gutaussehender Mann, schlank und hochgewachsen, mit grauem, aber noch dichtem Haar, das er gescheitelt trug. Seine Gesichtszüge waren jedoch hart, und seine eisblauen Augen schienen jeden zu durchdringen und zwingen zu wollen, den Blick früher oder später abzuwenden. Gekleidet war Großvater gewöhnlich in edlen maßgeschneiderten Anzügen. Nur bei seiner Forschungsarbeit trug er einen weißen Kittel. Unterstrichen wurde Großvaters Erscheinungsbild durch seine drei schwarzen Deutschen Doggen, Uranus, Jupiter und Merkur, die ihm nur selten von der Seite wichen. Wahrscheinlich wollte Großvater anhand der ungewöhnlichen Namensgebung klarmachen, dass sich das ganze Universum nur um ihn drehte. Ich hatte große Mühe, die Tiere auseinanderzuhalten, weil sie sich zum Verwechseln ähnlich sahen, doch Großvater kannte jeden Hund und seine Eigenheiten genau. Er hatte seine Begleiter sehr gut abgerichtet, und sie folgten ihm und seinen Anweisungen auf das Wort. Allerdings zweifelte ich nicht daran, dass die Doggen auf Großvaters Kommando auch angreifen und töten würden.
     Hin und wieder wandte ich mich also, um die Anzahl der Zimmer zu erfahren, an jemandem vom Dienstpersonal. Die Zimmermädchen machten doch überall sauber. Sie mussten daher wissen, wie viele Räume es in unserem Haus gab. Aber wenn ich sie darauf ansprach, gaben sie mir nur ausweichende Antworten wie: „Oh, es werden über hundert sein“, oder „Vielleicht ein paar Hundert?“ Manchmal kicherten sie dann auch verlegen. Daraus schloss ich, dass sie nicht viel mehr Kenntnisse hatten als ich. Irgendwann gab ich daher meine Bemühungen auf und fand mich damit ab, dass diese Frage unbeantwortet bleiben würde. Ich sollte die Antwort darauf tatsächlich niemals erhalten.
     Die Einrichtung des Hauses – zumindest soweit ich sie kannte – war teilweise Jahrhunderte alt und luxuriös. Hätten mich meine Klassenkameraden besuchen dürfen, was nicht der Fall war, wären sie sicher überwältigt gewesen und hätten geglaubt, sich tatsächlich in einem Schloss zu befinden. Die Treppen sowie die Böden in den meisten Zimmern bestanden aus echtem Marmor, auf dem dicke Teppiche lagen. Die hohen Wände waren mit edlem Holz oder dezent gemusterten Stofftapeten in den verschiedensten Farben verkleidet und mit Gemälden dekoriert, die unsere recht ernst blickenden Vorfahren in diversem Alter, unser Haus in unterschiedlichen Epochen und im Wechsel der Jahreszeiten sowie immer wieder den Goldberg, die Quelle unseres Reichtums, zeigten. An den mit weißem Stuck verzierten Zimmerdecken hingen Kronleuchter. Sämtliche Möbel und Zimmertüren waren aus den teuersten Hölzern gefertigt.
     Dafür war fast der gesamte technische Fortschritt am Haus unbemerkt vorbeigegangen. In den 1980er Jahren meiner Kindheit gab es im gesamten Haus nur einen einzigen kleinen Fernseher mit flimmerndem Bild in einem der Salons. Großvater allein bestimmte, wer von uns Kindern welche Sendung zu welcher Zeit sehen durfte. Meistens empfahl er uns allerdings, statt unsere Zeit mit Fernsehen zu vergeuden, für die Schule zu lernen oder zum sinnvollen Zeitvertreib eines der zahlreichen Bücher zu lesen, die die große Bibliothek beherbergte. Wäre es nach Großvater gegangen, wäre der Fernseher vermutlich auf dem Müll gelandet. Einzig die Vorliebe meiner Großmutter für alte Heimatfilme hielt ihn wohl davon ab, dieses Vorhaben wahrzumachen.
     Meine Großmutter war eine kleine zierliche Frau mit einem herzförmigen Gesicht und großen, haselnussfarbenen Augen. Ihr hellbraunes Haar, das sie kurz trug, hatte immer noch seine Naturfarbe und war nur von wenig Weiß durchzogen. Stets ging von meiner Großmutter, die kaum sprach, eine Traurigkeit aus, wenn ich sie auch niemals weinen sah. Allerdings sah ich sie auch nie lachen.
Seite: 1 2 3 4 5
MEINUNG ZUM BUCH ABGEBEN
Benutzername: Passwort:   
 
Leserkanone.de © by LK-Team (2011-2020)  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz