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Die Stadt zu unseren Füßen
Verfasser: Janina Hoffmann (4)
Verlag: Eigenverlag (17537)
VÖ: 1. August 2020
Genre: Gegenwartsliteratur (3077)
Seiten: 245
Themen: Enkel (49), Entscheidungen (1841), Familiengeheimnisse (436), Großväter (136), Herrenhaus (65), Isolation (63)
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Melanie Goldberg wächst behütet, aber isoliert auf einem Berg in einem prächtigen Herrenhaus auf. Ihr Großvater, ein Milliardär und der reichste Mann des Landes, kontrolliert seine Enkelin wie alles und jeden in seinem Umfeld. Melanie kommt einigen dunklen Familiengeheimnissen auf die Spur, die sie zutiefst schockieren und ängstigen. Eines Tages muss sie zwischen einem Leben im Luxus und einem Leben in Freiheit wählen.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Janina Hoffmann für die Einsendung dieser Leseprobe!
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1. Über der Stadt


Ich habe lange Zeit nicht verstanden, warum mein Vater meine Mutter damals heiratete. Schließlich wusste er überhaupt nichts über sie. Der Grund des Interesses meiner Mutter an meinem Vater hingegen war einfacher nachzuvollziehen, denn er kam aus einer sehr reichen Familie. Ahnte mein Vater zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit schon, was für eine schwierige Frau meine Mutter war, oder ließ er sich von ihrer ruhigen Art blenden? Hatte er vielleicht nur Augen für ihre äußere Schönheit? Hielt er als ehrgeiziger Arzt die zunehmenden Extravaganzen seiner Frau insgeheim für eine psychische Erkrankung? Wie für uns alle blieb meine Mutter, solange sie lebte, auch für meinen Vater ein Rätsel. Sie gab über sich selbst so gut wie nichts preis, vor allem nicht über ihre Vergangenheit, an die sie sich angeblich nicht erinnerte. Wann mag mein Vater wohl begonnen haben zu begreifen, dass er seine Frau unterschätzt hatte? Dass er, entgegen seinen Erwartungen, gar keine Kontrolle über sie hatte, dass sie ihm immer mehr entglitt? Die Erkenntnis muss für ihn, der so sehr den Erfolg gewohnt war, in jedem Fall bitter gewesen sein. Dabei war mein Vater doch so sicher gewesen, meine Mutter werde den goldenen Käfig, in den er sie gesperrt hatte, niemals verlassen. Sie unternahm anfangs auch keine Fluchtversuche – zumindest glaubte mein eitler Vater das -, sondern schien vielmehr froh über ihre Abschottung zu sein. Froh, ganz meinem Vater zu gehören. Ihre Tage verbrachte meine ebenfalls eitle Mutter am liebsten auf ihrem Zimmer, wo sie ihr makelloses Gesicht im Spiegel bewunderte und auf erste Spuren des Alterns überprüfte oder sich von einem Dienstmädchen stundenlang ihr hüftlanges, welliges, dunkelbraunes Haar bürsten und frisieren ließ. Gern hielt sie sich auch in dem Fitnessraum auf, den mein Vater nach ihren Wünschen extra hatte einrichten lassen, und trainierte ihren schlanken Körper stundenlang diszipliniert an diversen Geräten. Das Haus verließ meine Mutter gar nicht, nicht einmal, um in dem riesigen, parkähnlichen Garten, der es umgab, spazierenzugehen. Um frische Luft zu atmen, ging sie lieber auf den Balkon ihres Zimmers. Dort setzte sie im Sommer auch gern ihre Haut der Sonne aus, gewöhnlich nur mit einem Bikini bekleidet, ausgestreckt auf einer Liege, einen kühlen Drink in der Hand. Nie besuchte meine Mutter Goldstadt, die Stadt, an deren Rand wir lebten. Das hielt sie dennoch nicht davon ab, Unmengen an Geld auszugeben. Einkäufe ließ sie von Bediensteten erledigen, denen sie genaue Anweisungen gab, damit alles exakt nach ihren Vorstellungen besorgt wurde. Meine Mutter war aus unerklärlichen Gründen überzeugt davon, dass ihr in der Stadt etwas Schreckliches zustoßen werde. Obwohl sie und ich nicht oft miteinander sprachen, hatte ich sie mehr als einmal davon reden gehört. Allein der Gedanke daran, das Haus zu verlassen, beunruhigte meine Mutter schon. Zumindest behauptete sie das und setzte dabei stets eine bedrückte Miene auf. Wir glaubten ihr ihre Lügen jahrelang.
     Auch mein Großvater war Goldstadt gegenüber nicht gerade positiv eingestellt. Das lag größtenteils daran, dass er unsere Familie und insbesondere sich selbst für etwas Besseres hielt. Mein Großvater, Dr. Theodor Goldberg, war der reichste Mann des Landes. Die Ursache für seinen Wohlstand waren die Goldminen, die vor einigen Jahrhunderten in dem Berg gefunden wurden, der den Vorfahren meines Großvaters gehörte. Inzwischen war alles Gold abgebaut worden und die Minenschächte längst verschlossen. Doch hatte der Bodenschatz der Stadt ihren Namen gegeben. Auch der Berg, auf dem unser Haus stand, und unsere Familie waren danach benannt.
     Die Vorfahren meines Großvaters hatten auf dem Goldberg ein riesiges, palastähnliches Herrenhaus aus grauem Stein errichtet, das in Goldstadt nur als „das Schloss“ bekannt war. Über die Jahrhunderte waren immer wieder Teile abgerissen, noch prunkvoller neu erbaut und je nach Geschmack des jeweiligen Besitzers mit Türmen und Erkern verziert worden, um noch mehr die Überlegenheit gegenüber den Einwohnern von Goldstadt zu demonstrieren, von denen nicht wenige für den Abbau des Goldes in den einsturzgefährdeten Bergstollen ums Leben gekommen waren. Mein Großvater wahrte stets seinen gleichgültigen Gesichtsausdruck, wenn er von den Zeiten des Goldabbaus und dessen Opfern erzählte. „Es wurde niemand dazu gezwungen“, lautete seine Sicht der Dinge. Je älter ich wurde, desto mehr zweifelte ich an seinen Worten.
     Schon von außen machte unser Haus einen unübersichtlichen, labyrinthartigen Eindruck. Es war, je nach Gebäudeteil, zwischen zwei und vier Stockwerken hoch, die Türme teilweise sogar noch höher. Wir bewohnten nur einen relativ kleinen Teil des Hauses, der mir als Kind immer noch riesig vorkam. Die restlichen Gebäudeteile blieben, obwohl sie – soweit mir bekannt war - komplett auf das Feinste eingerichtet waren, ungenutzt. Dennoch scheute mein Großvater keine Kosten und ließ das gesamte Haus in regelmäßigen Abständen von oben bis unten durch Angestellte reinigen. Ich fragte mich als Kind oft, wie viele Zimmer unser Haus wohl hatte, ob Großvater die genaue Anzahl kannte und ob er schon in jedem Zimmer gewesen war. Mir war es nicht erlaubt, die unbenutzten Gebäudeflügel aufzusuchen. Um mich und meine Geschwister abzuschrecken, berichtete Großvater gern von dem neugierigen Küchenjungen, der unerlaubterweise durch die verlassenen Gebäudeteile gestreift sei und sich verlaufen habe. „Die Suche nach ihm blieb erfolglos. Keiner hat ihn je wiedergesehen“, endete jedes Mal Großvaters Geschichte. Mir war angst und bange, während meine zwei Jahre ältere Schwester Theodora gekonnt ein Lachen unterdrückte und losprustete, sobald Großvater das Zimmer verlassen hatte. „Was für ein Blödsinn“, war ihr einziger Kommentar, als sie sich wieder etwas beruhigt hatte. Ich jedoch wusste schon damals, dass einiges in unserem Haus tatsächlich nicht mit rechten Dingen zuging.
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