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Köhler und Wolter ermitteln 7 - Nordseestar
Verfasser: Sina Jorritsma (34)
Verlag: Klarant (680)
VÖ: 7. August 2020
Genre: Kriminalroman (7595)
Seiten: 127
Themen: Affären (559), Drohbriefe (57), Kommissare (2003), Nordsee (320), Ostfriesland (554), Sänger (394), Verdacht (686)
Reihe: Köhler und Wolter ermitteln (8)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Der ostfriesische Schlagerstar Bubi Brückner soll vor laufenden Kameras an seinem eigenen Blut ersticken. Das kündigt zumindest der anonyme Drohbrief an, der einen Tag vor der großen Norddeicher Schlagersause bei der Presse eingeht. Doch nicht der Schlagerstar wird kurz nach Eingang des Briefes erdrosselt aufgefunden, sondern seine Verlobte Patricia. Sofort fällt der Verdacht auf Marisa Blue, denn die Affäre der jungen Sängerin mit Bubi Brückner ging gerade erst durch die Klatschpresse. Hat Marisa die lästige Konkurrentin in einem impulsiven Moment aus dem Weg geräumt? Der Tag der Schlagersause wird für die Kommissare Torsten Köhler und Gerrit Wolter von der Kripo Norden zu einer echten Herausforderung. Nicht nur jagen sie den Mörder, auch stehen die Drohungen gegen Bubi Brückner weiterhin im Raum. Und der will auf seinen Auftritt auf keinen Fall verzichten ...
Quelle: Klarant
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Rena Larf vom Klarant Verlag für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Sina Jorritsma gibt es bei Facebook.
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Kapitel 1

»Eine Todesdrohung?«
     Kommissar Torsten Köhler blickte auf, als Dortje Brannum ein Blatt Papier auf seinen Schreibtisch legte. Er saß in seinem Büro im Polizeikommissariat Norden, das er sich mit seinem Kollegen Gerrit Wolter teilte. Auch Wolter war anwesend. Der Ostfriese hatte gerade an einem Bericht gearbeitet und blickte nun zu Köhler und der blonden Kriminalreporterin hinüber.
     Dortje nickte eifrig. Sie sagte: »Ja, dieser Drohbrief ist irgendwann während der Nacht in den Hausbriefkasten unserer Redaktion geworfen worden, wurde also nicht mit der Post zugestellt. Er ist bei mir gelandet, weil ich alle Kriminalthemen bearbeite. Und natürlich wollte ich die Sache gleich melden, bevor ich mit einer Exklusivstory beginne!«
     Die junge Journalistin schaute die beiden Ermittler triumphierend an. Es war erst wenige Stunden her, seit Köhler seine Freundin zuletzt gesehen hatte. Sie wohnte inzwischen meist bei ihm, obwohl sie immer noch über eine eigene kleine Wohnung in Norden verfügte. Der Kommissarin schätzte ihre spontane, fröhliche Art und ihre Begeisterungsfähigkeit. In diesem Moment war er ihr vor allem dankbar dafür, dass sie die Information nicht vor der Polizei geheim hielt, wie es viele ihrer Berufskollegen getan hätten. Auch Dortje tat alles, um einen guten Zeitungsartikel abzuliefern. Doch sie wäre niemals auf den Gedanken gekommen, deshalb die Fahndung nach einem gefährlichen Verbrecher zu gefährden.
     »Nimm doch bitte Platz«, sagte Köhler. Dortje ließ sich auf seinen Besucherstuhl nieder und schlug ihre langen Beine übereinander, die in dem gestreiften Minikleid besonders gut zur Geltung kamen. An diesem strahlend schönen Sommertag im Juni war es an der Küste warm genug für diese Kleidung.
     Der Kommissar zog sich gewohnheitsmäßig Einweghandschuhe aus Latex an, bevor er den Brief berührte.
     »Wer hat das Papier bisher berührt, Dortje?«
     »Eike aus der Poststelle und ich, außerdem natürlich der Mörder!«
     »Falls dieser Täter nicht ebenfalls Handschuhe getragen hat«, schränkte Köhler ein. »Außerdem ist noch kein Verbrechen geschehen, wenn ich das richtig sehe.«
     »Ihr müsst den Mord verhindern, deshalb bin ich ja sofort zu euch gekommen«, betonte die Reporterin.
     »Worum geht es denn überhaupt?«
     Diese Frage kam von Wolter. Der ostfriesische Kommissar war meist sehr ruhig, fast einsilbig. Seine zurückhaltende Art wurde von unwissenden Menschen oft für geistige Schlichtheit gehalten. Dabei war er einer der intelligentesten Menschen, die Köhler kannte. Wenn er sich jetzt in das Zwiegespräch zwischen dem Kommissar und der Reporterin einmischte, war er anscheinend sehr stark an dem Thema interessiert. Andernfalls hätte Wolter nämlich gar nichts gesagt.
     »Ach, ein gewisser Bubi Brückner soll angeblich getötet werden«, begann Köhler.
     Dortje fiel ihm ins Wort: »Das klingt so, als ob du Bubi Brückner nicht kennen würdest, Torsten!«
     Der dunkelhaarige Kommissar runzelte die Stirn.
     »Sollte ich das tun?«
     »Bubi ist ein Schlagerstar!«, erklärte die Reporterin. Offenbar machte Köhler ein verständnisloses Gesicht, denn sie schaute ihn irritiert an.
     »Er ist seit vielen Jahren ein Star«, betonte Wolter. Daraufhin wandte Dortje sich dem ruhigen Ostfriesen zu.
     »Meine Zeitung hat ihn damals entdeckt! Wenn das Friesenblatt dem kleinen Jungen aus Norddeich nicht seinen ersten Auftritt ermöglicht hätte ...«
     »Und zwar vor über dreißig Jahren. So lange erfreut uns Bubi schon mit seinen Melodien.«
     Die Reporterin nickte lächelnd und sagte: »Ganz genau, Gerrit. Ahoi, mein Herz wird immer ein Hit bleiben. Das Lied habe ich schon als Kind geliebt.« Sie begann nun zu singen: »Ahoi, mein Herz, mich ruft die See ...«
     Wolter stimmte ein: »Das Fernweh ruft, Abschied tut weh ...«
     Köhler konnte nicht glauben, was er von seiner Freundin und seinem Kollegen zu hören bekam. Er unterbrach die beiden: »Vielen Dank für euer Ständchen, aber – wollt ihr mich eigentlich auf den Arm nehmen?«
     »Diese Todesdrohung ist meiner Meinung nach ernst gemeint«, erwiderte Dortje stirnrunzelnd. »Nur, weil du Bubis größten Hit nicht kennst, ist dieser Mann trotzdem kein Unbekannter. Ich wette, dass die Norddeicher Schlagersause allein schon wegen seinem Auftritt ein voller Erfolg wird. Für Bubi ist es ja ein Heimspiel. So ein Open-Air-Konzert ist natürlich eine hervorragende Gelegenheit für ein Attentat. Womöglich hat Bubi auch durchgeknallte Fans, so wie John Lennon.«
     »Ich weiß, wer John Lennon war«, gab Köhler zurück, dem dieser Wortwechsel auf den Wecker ging. Er interessierte sich nicht für Schlagermusik, warum sollte das ein Problem sein? Über diesen Bubi Brückner konnte der Kommissar sich später immer noch informieren. Nun schaute er sich zunächst den Drohbrief genauer an, der beim Friesenblatt eingeworfen worden war. Die Buchstaben hatte der Verfasser aus einem farbigen Prospekt ausgeschnitten, wobei ihm Groß- und Kleinschreibung offenbar egal gewesen waren:
     »dAs GRoSSmaUL BuBI BrÜckNER wiRD an SEinem eigENEN blUT erstiCKen. HALTen Sie die KAMera drAUF, wenn er KREpIERT.«
     »An dieser Botschaft kann man nichts missverstehen«, meinte Köhler. Er las die Sätze vor, damit sich auch sein Kollege ein Urteil bilden konnte.
     Wolter nickte und sagte: »Der Täter will sicherstellen, dass die Presse bei dem Mordanschlag auf jeden Fall vor Ort ist. So könnte man diesen Brief verstehen. Und damit garantiert Zeitungsleute bei dem Schlagerabend erscheinen, hat der Kerl vorsichtshalber diesen Brief geschrieben.«
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