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TASCHENBUCH
 
La Libertad - Folter und Befreiung
Verfasser: Bernhard Conrad (6)
Verlag: Eigenverlag (17114)
VÖ: 8. Januar 2020
Genre: Gegenwartsliteratur (3019)
Seiten: 364
Themen: Befreiung (114), Folter (125), Putsch (21), Südamerika (52)
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Ein philosophischer Roman um Macht, Gewalt und Folter, Befreiung, Schuld und die Frage: Kann es Vergebung angesichts menschenverachtender Folterqualen überhaupt geben?
Ein junger Mann reist in ein imaginäres Südamerika, gerät unversehens in einen Militärputsch, wird gefoltert und verliert sich selbst in der Sprachlosigkeit des „Fisches“.
Durch Maria wird er zusammen mit Carlos, einem alten Guerillero und Ziehvater Marias, befreit. Mit der endlosen Schwäche des Gefolterten konfrontiert, muss Maria sich selbst finden und verliebt sich dabei in den „Fisch“.
Als sie auf einen der Folterer treffen, beginnt ein unerbittlicher Kampf um Leben und Tod, ein Kampf um die Fragen nach Schuld, Sühne und Freiheit.
Der Roman beschreibt eine Reise, die sich von Äußerlichkeiten in den inneren Raum der Existenz bewegt und dabei nach provokanten Antworten sucht.
Durch die Ereignisse der letzten Jahre, in denen von einigen Staaten die Frage nach der Legalität von Folterungen aufgeworfen wurde und in denen die Welt immer mehr mit Gewalt konfrontiert wird, erhält der Roman eine Aktualität, die über die allgemeinen philosophisch-politischen Fragen hinausreicht.
Lesermeinungen (1)     Leseprobe
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Bernhard Conrad für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Bernhard Conrad gibt es auf seiner Autorenseite.
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     Olinda ist eine schöne kleine Stadt im Schatten Recifes. Viele kleine und große Kirchen zeugen von der vergangenen und gegenwärtigen Macht der katholischen Kirche. Die Sonne scheint gleißend auf die weiß getünchten Fassaden, auf denen junge Künstler sich zu verewigen suchen. Selbst die Befestigungssteine des Strandes unweit der Favela sind mit bizarren Figuren, Tieren und Fratzen, bemalt. Kitsch löst Ernstes ab, Fred Feuerstein und Barney Geröllheimer lachen einen vergnügt an. Hier lässt sich vergessen. Wer könnte auf den Gedanken kommen, dass hier oder anderswo Menschen gequält werden, sterben? Man geht die ruhigen Straßen der Altstadt entlang, genießt diese stille Abgeschiedenheit, in der man vor dem Getöse der Metropolen zu fliehen versucht, wimmelt die paar Kinder ab, die um irgendetwas feilschen wollen, und steht unvermittelt vor einem Meisterwerk der Kunst: Picasso. Picasso? Na ja, eine Imitation - natürlich. Der Aufschrei der Kreatur, Verletztheit, Hoffnungslosigkeit - Guernica. Wer kennt es nicht? Die Imitation ist gut gelungen, vielleicht hier und da nicht ganz originalgetreu, aber gelungen, doch, ja. Aber etwas stört bei der Betrachtung dieses unverhofften Meisterwerkes. Da steht ein Satz, drei Worte nur, Aufschrei der Hoffnung und des Widerstandes: "Tortura nunca mais!"
     Schüsse in unmittelbarer Nähe rissen ihn aus seiner traumartigen Starre. Eine schreiende Menschenmenge kam um die Straßenecke gerannt, gefolgt von einer heftigen Detonation, deren Staubwolken sich auf die große Avenida ergossen. Die Menge versuchte sich über die ganze Breite der Straße zu verteilen, versuchte, in kleinen Hauswinkeln, Türnischen oder Gärten Zuflucht zu suchen. Ein Panzer tauchte auf, gefolgt von Mannschaftswagen, denen schwer bewaffnete Soldaten entsprangen. Schüsse durchschnitten die Luft, Maschinengewehre knatterten ohrenbetäubend vor sich hin. Ein Aufschrei ging durch die Menge, Menschen sanken zu Boden, mal in Sekundenschnelle, mal langsam wie in Zeitlupe. Blut quoll aus allen erdenklichen Körperöffnungen, die da nicht hingehörten. Er wollte mit all dem nichts zu tun haben! Was gingen ihn die politischen Wirren dieses Landes oder irgendeines Landes an, was die Sorgen dieser Menschen? Er wollte nur seine Ruhe haben. Und zurück nach Hause. Er war doch Ausländer, hatte mit dem hier nichts zu tun, war quasi immun. So dachte er in diesem Augenblick. Wie um zu zeigen, dass er hier ein unverwundbarer Fremdkörper sei, stand er auf und ging scheinbar ruhig die Straße entlang, doch instinktiv so nah wie möglich an den Häuserwänden. Einige Menschen liefen an ihm vorbei, Panik im Gesicht. An einer Kreuzung tauchte erneut ein Panzer auf, dahinter Soldaten, zum Teil mit aufgepflanzten Bajonetten. Die Menschen blieben stehen, duckten sich zu einem hilflosen Knäuel. Plötzlich war es unglaublich still um ihn, kein Vogel war zu hören, keine Grille, kein Auto, kein Hupen, nur sein Atem und sein Herz. Er bekam Angst. Hinter sich wusste er einen weiteren Trupp Soldaten, den er zwar nicht gesehen hatte, den er jedoch unversehens spürte. Das Schluchzen eines Kindes durchbrach die Stille und wie ein Gewitter erbrach sich das Geknatter der Gewehre in die Straße, in der es vor Angst brodelte. Er ließ sich zu Boden fallen, presste die Augen zusammen und die Hände auf seine Ohren. Wie lange mochte er so gelegen haben? Minuten? Stunden? Ewigkeiten? Ein Tritt in seine Seite weckte ihn unsanft aus seiner Starre. Als er aufblickte, sah er in die Mündung einer Maschinenpistole. Er hatte unglaubliche Angst. Man bedeutete ihm, aufzustehen. Langsam, als wüsste er, dass jede zu schnelle Bewegung seinen Tod bedeuten würde, erhob er sich aus dem Dreck der Straße. Mechanisch zog er seinen Pass aus der Tasche, sein Passierschein in die Freiheit, so dachte er, seine Garantie fürs Überleben, so dachte er, doch die Papiere wurden ihm aus der Hand geschlagen und landeten genau in dem Dreck, wo er zuvor sowieso schon seine Würde verloren hatte. Da knatterte es neben ihm, und er zuckte im Rhythmus der Salve zusammen. Seine Hose wurde langsam nass. Der Urin lief die Beine hinab, gut sichtbar für die lachenden Soldaten. Vielleicht rettete ihm dies das bisschen Leben, doch vielleicht hätte er sich den Tod lieber wünschen sollen. Ein Offizier trat lachend auf ihn zu, schlug ihm munter auf die Schulter, so wie man es bei guten Freunden macht, nahm ihn dann erst zärtlich doch dann immer fester zudrückend in den Schwitzkasten und schlug ihm schließlich mit den Worten "Oh, Gringo ..." kopfschüttelnd mit der blanken Faust ins Gesicht, dass seine Lippe zersprang und die Nase blutete. Als sie ihn schließlich mit ihren Gewehren vor sich hertrieben, so wie man Tiere auf der Hatz vor sich hertreibt, die Angst riecht, der Blick sich auf die Unmittelbarkeit des nächsten Schrittes verengt, das Gehör der Stille des nahenden Todes auflauert, da erinnerte er sich jener Gedanken des Toten im Garten, seiner Fantasie der Hinrichtung im Fort und letztendlich der Hoffnung des "Tortura nunca mais!", an das er sich jetzt klammerte angesichts der Imagination?
     Gewalt?
     Hoffnung?
     Nach einer unmenschlichen Folter ist der namenlosen Deutsche nicht mehr in der Lage zu sprechen. Im Gefängnis kümmert sich sein Zellengenosse Carlos, ein alter Guerillero, um den Halbtoten. Als beide in ein anderes Gefängnis verlegt werden, überfällt eine kleine Guerillagruppe um Maria, die Ziehtochter Carlos’, den Konvoi des Militärs und befreit die beiden Gefangenen.

(Maria erzählt)

Als Carlos dem nackten Gerippe vorsichtig den Sack vom Kopf nahm, sah ich den jungen Gringo zum ersten Mal. Zum Vorschein kam ein entstelltes Gesicht, jung und doch unendlich alt, die Augen rotblau unterlaufen, keine Augenbrauen, die Lider mit Blutkrusten überzogen, teilweise eitrig, die Stirn in viele Falten gelegt, so, als wollte ein Säugling über den Sinn des Lebens nachdenken, die Wangen eingefallen, nur Haut auf Knochen, die Nase offensichtlich mehrfach gebrochen und unnatürlich gekrümmt, die Lippen schließlich nicht fähig sich zu schließen, aufgedunsen von unvorstellbaren Martern, seibernd wie ein Fieberkranker. Sein Blick war irr, nicht von dieser Welt, er erkannte nichts um sich herum, hatte nur Angst, und diese Angst war der Blick. Dann erkannte er Carlos, seine Augen hellten sich für Sekundenbruchteile auf, schienen Klarheit zeigen zu wollen, verdunkelten sich aber augenblicklich, dafür hob er flehentlich bittend seine Arme zu meinem Vater, so wie ein todkrankes Kind seine Mutter um Aufnahme bittet. Carlos nahm ihn in die Arme. Ich stand daneben, war entsetzt von dem Anblick dieses Zombies, war angeekelt von der Schwäche dieses ... Wesens.
     Carlos drehte sich um, half dem Gringo auf die Beine, die ihn kaum tragen konnten.
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