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Das Juliusspital 1 - Ärztin aus Leidenschaft
Verfasser: Claudia Beinert (8) und Nadja Beinert (8)
Verlag: Knaur (1511)
VÖ: 28. April 2020
Genre: Familienepos (391) und Historischer Roman (4436)
Seiten: 576
Themen: 19. Jahrhundert (1329), Apotheker (26), Ärzte (879), Frauen (761), Krankenhaus (542), Professor (333), Würzburg (22)
Reihe: Das Juliusspital (3)
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Erklärung der Bewertungssysteme
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Lesermeinungen (5)     Blogger (4)     Tags (1)
MEINUNGEN UND DISKUSSIONEN UNSERER LESER
Kommentar vom 11. Oktober 2020 um 19:42 Uhr:
» Das Recht auf Gelehrsamkeit

„Sie hätte das Zeug zu einer guten Ärztin, einer wahren Ärztin aus Leidenschaft. Sie will die Medizin nicht um des Ruhmes willen lernen.“

Viviana Winkelmann wuchs im behüteten Umfeld einer angesehenen und wohlhabenden Bankiersfamilie in Würzburg auf. Bereits von Kindheit an wurde die kluge und wissensdurstige Viviana von ihrer unnahbaren Mutter Elisabeth dazu gezwungen, den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Als sie im April des Jahres 1850 von ihrer ersten großen Liebe schwanger wird, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Es werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Skandal von der Familie fernzuhalten. Vivianas Schande soll vertuscht, das uneheliche Kind in einem Kloster zur Welt gebracht und sofort weggegeben werden. Doch die impulsive und eigensinnige Viviana entscheidet sich für einen anderen Weg als jenen, den ihre Familie für sie vorgesehen hat. In der wohlmeinenden und gutherzigen Magda Vogelhuber findet sie eine Unterstützerin und Freundin, die Anstellung in der Apotheke des angsteinflößenden Juliusspitals weckt in der jungen Mutter das Interesse und die Leidenschaft für die Medizin. Vivianas vorrangiges Ziel ist es ab diesem Zeitpunkt, ihren großen Traum zu verwirklichen und Ärztin zu werden.

Claudia & Nadja Beinert erzählen im ersten Band um das Würzburger Juliusspital die Geschichte einer verwöhnten jungen Frau aus gutem Hause, deren Leben durch einen einzigen Fehltritt vollkommen aus den Fugen gerät. Die Ansichten der sogenannten besseren Gesellschaft im Bayern des neunzehnten Jahrhunderts, die eingeschränkten Rechte der Frauen sowie der Kampf um ihre Bildung nehmen viel Raum ein. Großes Augenmerk wird in diesem Krankenhausroman natürlich auch auf den Bereich der Medizin und Wissenschaft/Forschung gelegt. Ausnahme-Mediziner wie der Erforscher der Zelle namens Rudolf Ludwig Karl Virchow, der sympathische Schweizer Professor Rudolf Albert Kölliker, der vielfachbegabte Erforscher der Syphilis Franz von Rinecker sowie Karl Friedrich von Marcus sind wichtige Figuren im Juliusspital. Die Autorinnen verstanden es perfekt, dem Leser die faszinierende Welt der Medizin und die Fortschritte der Forschung nahezubringen. Ich verfolgte ebenso wie die Protagonistin Viviane in atemloser Spannung Vorlesungen der Ärzte, durfte an Erkenntnissen der Gelehrten und Wissenschaftler teilhaben und auf diese Weise Medizingeschichte hautnah erleben. Für mich wurde es keine einzige Sekunde langweilig, die im Vordergrund stehende Geschichte der fiktiven Protagonistin Viviana wurde geschickt mit dem Leben und Wirken historisch belegter Persönlichkeiten verwoben. Die Autorinnen schilderten das Leben in Würzburg im neunzehnten Jahrhundert, welches zunächst aus der Sicht von Vivianes wohlhabender Familie, später aus jener der ledigen jungen Mutter in einem der ärmsten Viertel der Stadt beschrieben wurde. Das Misstrauen und die Angst der Bevölkerung hinsichtlich einer Behandlung im Juliusspital wird durch Magda Vogelhuber veranschaulicht, eine Figur, welche durch ihre geradlinige, nüchterne Art und vor allem ihren Würzburger Dialekt überzeugte.

Mit Viviana Winkelmann präsentieren Claudia & Nadja Beinert eine sehr sympathische, offene und ehrliche weibliche Hauptfigur, deren einziges Vergehen es ist, sich in einen nicht standesgemäßen jungen Mann zu verlieben. Die Wandlung vom unbedarften jungen Mädchen aus besserem Hause zu einer mit beiden Beinen im Leben stehenden Frau, die für das Leben ihres Kindes sowie die Verwirklichung ihrer Träume kämpft, ist hervorragend dargestellt. All die Ängste, Hoffnungen und Träume, auch die Sehnsucht nach Versöhnung mit der Familie, haben mich während dieser knapp sechshundert Seiten zählenden Lektüre tief bewegt. Mit dem freundlichen jungen Steinmetz Paul, dem selbstsicheren Studenten der Kinderheilkunde Hubertus von Hardenberg und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Doktor Richard Staupitz betreten interessante männliche Darsteller den Schauplatz der Handlung. Vivianas Vater Johann Gottlieb Winkelmann und ihr Bruder Valentin spielen jeweils wichtige Rollen im Leben der jungen Frau. Während der Vater Vivianas wichtige Bezugsperson darstellt, setzt ihr kaltherziger und hasserfüllter älterer Bruder alles daran, Vivianas Hoffnungen und Träume zu zerstören. Neben weiteren kleinen Nebenfiguren erhielten die beiden Frauenrechtlerinnen Roswitha Höpfer und Ursula Schleich ebenfalls Gastauftritte im Buch. Die persönlichen Hintergründe der Protagonistin, gut gehütete Familiengeheimnisse und Vivianas verbotene Aktivität im Kampf um die Frauenrechte sorgten darüber hinaus für Spannung und einige Turbulenzen im Buch.

Fazit: „Ärztin aus Leidenschaft“ hat mich voll und ganz begeistert! Hervorragend recherchierte historische Fakten, in einnehmendem Schreibstil gekonnt mit einer ausgefeilten Geschichte verwoben, und liebevoll gezeichnete authentische Charaktere bescherten mir allergrößten Lesegenuss. Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen und ich kann es jedem Leser empfehlen, der sich für diese Epoche interessiert, tief ins Würzburg des neunzehnten Jahrhunderts eintauchen und Medizingeschichte hautnah erleben möchte.

Völlig begeisterte fünf Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung!«
  23      0        – geschrieben von LEXI
Kommentar vom 27. August 2020 um 22:42 Uhr:
» Ärztin aus Leidenschaft ist der erste Band der Juliusspital Diloge der Autorinnen Claudia und Nadja Beinert. Viviana, Tochter aus gutem Haus wird ungewollt schwanger und von ihrer Familie verstoßen. Sie muss sich nun alleine durchs Leben schlagen und entdeckt dabei ihren Wunsch Medizin zu studieren. Die Autorinnen lassen Viviana von einer naiven jungen Frau zu einer starken Persönlichkeit reifen, die ihre Leben meistert. Der Schreibstil ist angenehm, wobei mir allerdings die recht langen Erläuterungen zu medizinischen Bereichen das Lesen etwas verleideten. Da wäre mir ein strafferer Werdegang der Geschichte lieber gewesen. Wer solche Passagen mag wird vom Buch begeistern sein, ich mag da lieber mehr Handlung rund um die Protagonisten. Die Entwicklung der Geschichte und ihr Ende haben mit gut gefallen und ich kann das Buch als Lektüre, trotz der Längen empfehlen.«
  10      0        – geschrieben von manu63
Kommentar vom 3. Juli 2020 um 15:15 Uhr (Schulnote 1):
» Würzburg, 1850: Die Bankierstochter Viviana Winkelmann soll einen Sohn aus gutem Hause heiraten, aber ihre Liebe gehört jemand anderem. Dann ist sie von dem Steinmetz Paul schwanger. Ihre Eltern wollen die Angelegenheit möglichst lautlos erledigen. Viviana soll in einem Kloster entbinden und das Kind zur Adoption freigegeben werden. Aber Viviana will mit ihrer großen Liebe eine gemeinsame Zukunft haben und flieht, worauf sie von den Eltern verstoßen wird. Nun lebt sie im Armenviertel der Stadt und muss als Helferin in der Apotheke des Würzburger Juliusspitals arbeiten. Hier entdeckt dabei ihr Interesse für die Medizin.
Ich habe in letzter Zeit einige Bücher gelesen, in denen Frauen den Weg als Ärztin gewählt haben und damit auf Widerstand gestoßen sind. Doch dieser Roman spielt in einer anderen Zeit. Frauen hatten schon einmal die Möglichkeit zu studieren, doch dann wurde es ihnen wieder verboten.
Claudia und Nadja Beinert haben einen tollen Schreibstil und ihre Bücher sind immer sehr gut recherchiert. Mich hat diese Geschichte jedenfalls gefesselt.
Viviana ist anfangs eine etwas naive junge Frau. Durch ihre uneheliche Schwangerschaft wird sie ihr privilegiertes Leben los und muss sich nun durchschlagen. Aber sie wächst an den Umständen, mit denen sie nun zurechtkommen muss. Sie versucht alles, um ihren Traum doch noch wahrwerden zu lassen, dabei werden ihr von einer Seite Schwierigkeiten bereitet, mit denen sie wohl nicht gerechnet hätte. Aber die junge Frau entwickelt sich zu einer Kämpferin. Ihr Vorbild ist Dorothea Erxleben, erste promovierte deutsche Ärztin.
Ein packender und gut recherchierter historischer Roman, der mich gut unterhalten hat. Ich bin schon auf den nächsten Band gespannt.«
  14      0        – geschrieben von buecherwurm1310
Kommentar vom 19. Mai 2020 um 14:24 Uhr (Schulnote 1):
» Handlung:
Würzburg im 19. Jahrhundert
Die Bankierstochter Viviana Winkelmann steht vor einer schwierigen Aufgabe. Nicht nur muss sie ihren Eltern gestehen, dass sie sich unstandesgemäß verliebt hat, sondern sie auch noch von diesem Mann schwanger ist. Viviana ist klar, dass ihre Eltern absolut nicht begeistert sein werden, gelten doch solche Liebschaften, aber auch eine ledige Mutter als absolutes Tabu-Thema in der Gesellschaft.
Viviana weigert sich, das Kind wegzugeben und infolge dessen ist, muss sie aus dem elterlichen Statdpalais ausziehen und sich plötzlich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Sie findet eine Anstellung als Gehilfin in der Apotheke des Würzburger Juliusspital, welches umgangssprachlich als „Wartesaal des Todes“ bezeichnet wird. Und während ihrer Zeit dort lernt Viviana nicht nur allerhand über verschiedenste Pflanzen, sondern entdeckt auch ihr Interesse für die Medizin. Noch immer ist es verboten, dass Frauen ein Studium der Medizin aufnehmen, doch Viviana findet Wege, um sich zu informieren und heimlich Vorlesungen zu belauschen. Doch nicht nur im Juliusspital hat Viviana Feinde, auch der Bruder hat sie nicht vergessen...

Meinung:
Das Cover wird von vielen erdfarbenen Tönen beherrscht, es besticht durch verschiedene kleine Details. Natürlich ist die goldene Schrift ein absoluter Hingucker, sie gibt viel Eleganz und könnte für die reiche Familie stehen, aus der Viviana stammt. Am linken unteren Ende befindet sich ein Gebäude, bei dem ich mir noch unsicher bin, was es darstellen könnte. Einerseits wirkt es edel aufgrund der Torbögen, aber auch der feinen Bepflanzung. Andererseits hat es für mich auch ein wenig die Ausstrahlung, die ich mit dem Juliusspital in Verbindung bringe. Auch hierzu würde der gepflegte Garten passen, anhand von einigen Szenen konnte man sich von der Umgebung ein genaueres Bild machen.
An der unteren rechten Ecke wendet sich eine junge Dame leicht dem Leser zu. Sie entstammt eindeutig einer gesellschaftlich gehobeneren Schicht, nicht nur ihr Kleid und der feine Schmuck, sondern auch die Frisur und die Haltung weisen darauf hin. Ihr Bild habe ich genutzt um mir Viviana vorzustellen.
Insgesamt finde ich die Aufteilung der verschiedenen kleinen Details sehr passend, das Cover wird perfekt ausgefüllt und erscheint dabei nicht zu überladen. Die Farben harmonieren ganz wunderbar miteinander und es ergibt sich ein Gesamtbild, welches zurückhaltend und sehr ansprechend ist. Mir gefällt es!

Ich habe von Nadja und Claudia Beinert bereits einige Bücher gelesen und mir hat ein jedes ganz hervorragend gefallen. Sowohl die Reihe rund um den Naumburger Dom, als auch den Roman über das Leben von Lenchen Demuth und Karl Marx waren ganz hervorragend recherchiert und sind mir in sehr guter Erinnerung geblieben. Ab und an schaue ich immer auf der Facebookseite der Schwestern vorbei, stets mit der Hoffnung auf neue Informationen zu einem kommenden Roman. Und als ich dann das neue Buch in der Verlagsvorschau gesehen habe und die Inhaltsangabe gelesen habe, ist es direkt auf meine Wunschliste gewandert. Es klingt einfach unheimlich spannend und interessant und ich war mir sicher, dass auch dieses wieder ein Lesevergnügen verspricht.

Schon bei dem Personenverzeichnis zeichnet sich die besondere Note der Schwestern ab. Zu jedem Protagonisten gibt es nicht nur eine Erklärung, wer er ist, sondern auch eine rätselhafte Anmerkung, die direkt Spannung erzeugt und die verschiedenen Charaktere geheimnisvoller macht. Man merkt allein an diesem kleinen Detail, wie viel Herzblut in dem Roman steckt und das sich über die Personen viele Gedanken gemacht wurden.
Auf jeden Fall erhält man so direkt einen ersten Einblick auf die Charaktere, man erkennt familiäre, aber auch berufliche Zusammenhänge und kann bereits erste Vermutungen anstellen. Sei es um Geheimnisse, Krankheiten oder auch mögliche Liebesbeziehungen vonseiten Vivianas...
Gerade bei den Professoren hat mir das Personenverzeichnis sehr geholfen. Manche Namen habe ich anfangs ein wenig durcheinandergebracht und so konnte ich mir auf einen Blick wieder ins Gedächtnis rufen, wer wer ist und welche Rolle er am Juliusspital einnimmt.

Unterteilt wird der Roman in drei Teile, die alle eine Überschrift haben, die erst durch die fortschreitende Handlung Sinn macht. Zudem werden so die Entscheidungen von Viviana in den Mittelpunkt gestellt und mit dem Beginn eines neuen Teils beginnt auch ein neuer Lebensabschnitt von der jungen Frau.
Neue Kapitel haben am Anfang immer die Information, in welchem Monat, sowie in welchem Jahr die folgende Handlung stattfindet. Das war sehr sinnvoll und ich habe es für gut empfunden, immerhin vergehen gut fünfeinhalb Jahre und öfter werden Zeitrsprünge eingesetzt, um das Buch nicht ins Unendliche zu strecken. Zudem wird so auch das Risiko verringert, dass Längen entstehen und man sich so leicht langweilen könnte.
Es gibt einen Erzähler, der mit einer gewissen Distanz die Ereignisse wiedergibt. Dabei nimmt er keine Position ein und überlässt es vollkommen dem Leser, wie man die einzelnen Protagonisten einschätzt, ob man sie sympathisch oder unsympathisch findet. Zudem gibt er nicht nur Einblicke in Vivianas Leben, sondern auch in das vieler anderer Protagonisten. So gibt es auch immer wieder Informationen in die Gedanken und Erlebnisse anderer Personen, u.a. der Familie Winkelmann, aber auch die Ärzte des Juliusspital kommen so zu Wort. Als Folge dessen entsteht ein breitgefächertes Bild der Gesellschaft, zudem kann man so die Charaktere noch besser kennenlernen und einschätzen. Mir ist es auch einfacher gefallen, Handlungen und Aussagen zu bewerten und so die Charaktere als sympathisch oder als unangenehm zu werten.

Ich hatte absolut keine Probleme, um in den Roman zu starten und mich auf die Handlung einzulassen. Es herrscht eine meist eine einfache und gut verständliche und lesbare Schreibweise vor, aufgrund der ich das Buch mit Freude in die Hand genommen habe. Anspruch erhält der Roman vor allem durch allerhand Beschreibung von medizinischen Forschungsergebnissen, aber auch durch diverse Untersuchungsmethoden, die Viviana lernt. Mit dem zuletzt genannten hatte ich keine Verständnisprobleme, diese fand ich einfach und anschaulich beschrieben. Ich konnte mir darunter etwas vorstellen und habe auch den Sinn hinter den Worten verstanden.
Obwohl die Autorinnen versucht haben, Sachverhalte und Motivationen, sowie die Ergebnisse der Forschungen leicht und einfach niederzuschreiben musste ich manche Sätze mehrmals lesen, um alles einigermaßen nachvollziehen zu können. Vielleicht stand mir hier auch meine Schwäche in der Biologie im Wege, mit diesen Szenen habe ich mich etwas schwerer getan. Trotzdem haben sie meinem Lesefluss keinen Abbruch getan und zum Glück traten die Abschnitte wohldosiert auf.

Lange Zeit hat mir der Roman gut gefallen. Er war interessant, es ist anhand von vielen Textstellen eine hervorragende Recherche erkennbar und ich hatte Freude am lesen. Mir fehlte aber ein Highlight, eine Wendung, die unerwartet kommt und welche noch mehr Schwung in die Handlung hereinbringt. Ich wusste selbst nicht richtig, was genau mir fehlt, um das Buch unvergesslich zu machen. Ich musste viele Seiten darauf warten, ungefähr 160 Seiten vor dem Ende ist der Knoten geplatzt. Von diesem Moment an habe ich das Buch nicht mehr aus der Hand gelegt und wollte unbedingt wissen, wie alles endet, wie es Viviana weiterhin ergehen wird und was mit den anderen Protagonisten passiert. Nicht nur hatte Viviana plötzlich einen Plan, wie sie ihr Ziel erreichen möchte, sondern es wird jetzt auch deutlich, dass man sich in einer Person stark getäuscht hat und diese mochte ich tatsächlich richtig gerne. Ich war gefesselt von der Spannung und habe diese Seiten richtig genossen.

Wie gerade erwähnt, es gibt eine wunderbare Recherche vonseiten der Autorinnen. Es ist aus verschiedenen Szenen herauszulesen, wie viel Mühe sie sich gegeben haben und wie viel Arbeit hinter dem Roman steckt. Ich stelle es mir nicht nur schwierig vor, sich in die Medizin, in die Forschungen der jeweiligen Ärzte einzulesen und die Sachverhalte zu verstehen. Diese dann mit eigenen Worten verständlich und klar auszudrücken ist sicherlich nicht einfach. Den Schwestern ist das gut gelungen und ich bin mehr als beeindruckt, wie viel Mehrwert die einzelnen Aussagen haben.
Und es ist ihnen ebenso gelungen, den Ärzten, die tatsächlich gelebt haben, viel Charakter und Glaubwürdigkeit zu verleihen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass sie genauso waren und ihre Wesen perfekt getroffen wurden. Ich fand es lediglich etwas fragwürdig, dass sich die Professoren teilweise so viel mit Viviana, der Gehilfin der Apotheke, beschäftigt haben und sie auch kannten. Bei einem oder zwei hätte ich mir das gefallen lassen und klar ist Viviana durch ihren Wunsch Ärztin zu werden in den Mittelpunkt gerutscht. Doch ich finde es etwas unglaubwürdig, dass sich die Ärzte so sehr mit ihrem Wesen beschäftigt haben. Ich hätte eher gedacht, dass Viviana dafür ein zu kleiner Faktor des ganzen Juliusspitals ist.

Jede einzelne Szene findet in Würzburg statt, eine Gegend, die ich nicht wirklich kenne. Daher war ich darauf gespannt, wie die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten und Ecken dargestellt wird. Gerade auf einigen Spaziergängen von Viviana lernt man einige markante Orte kennen und ich konnte mir ganz gut ein Bild von der Stadt machen. Einige angesprochenen Gebäude oder Wege habe ich gegoogelt, um zu wissen, wie es tatsächlich aussieht.
Im Mittelpunkt steht das Juliusspital, ich glaube, dort finden die meisten Szenen statt. Ich konnte es mir gut vorstellen und war überrascht, dass ich es nie so negativ wahrgenommen habe, wie ein Großteil der Bevölkerung. Schon nach wenigen Seiten tauchte der Vermerk auf, dass das Spital auch als „Wartesaal des Todes“ bezeichnet wird und dementsprechend hatte ich gedacht, dass sich diese negative Energie auch auf den Leser überträgt. Doch meist wirkte das Spital auf mich eher freundlich und hoffnungsvoll ( im Sinne, dass Patienten behandelt und geheilt werden können). Nur selten, speziell in den Räumen, wo Leichen seziert werden, kam auch bei mir eine negative Stimmung auf, die Szenen waren eher kühl und hinterließen bei mir ein ungutes Gefühl.
Außerdem spielen einige Szenen im Stadtpalais der Familie Winkelmann. Auch bei diesem Gebäude fand ich es interessant, wie unterschiedlich ich es wahrgenommen habe. Gerade am Anfang wirkte es gemütlich und einladend und die einzelnen Räume strahlten nicht nur viel Eleganz, sondern auch Wärme aus. Diese Mischung hat mir richtig gut gefallen, so wirkte das riesige Gebäude mit mehreren Etagen gemütlich und heimelig. Je mehr die Handlung fortschreitet, desto mehr verliert das Gebäude seinen Charme und die Wärme. Es wirkt irgendwann nicht mehr belebt und ich konnte verstehen, wenn sich auch die Protagonisten dort nicht mehr so wohlgefühlt haben oder Viviana ihr einstiges Zuhause mit anderen Augen betrachtet.

Mir haben die Charaktere in ihrer Art richtig gut gefallen. Sie waren lebendig und authentisch, ihre Handlungen glaubwürdig und ich konnte mir bei vielen vorstellen, dass sie in ihrem Wesen tatsächlich so gelebt haben könnten. Und das gilt sowohl für die realen, als auch für die fiktiven Protagonisten! Nicht jeder ist der sympathische oder unangenehme Mensch, für den man ihn anfangs hält und viele zeigen verschiedene Seiten ihrer Person. So täuscht man sich leicht in einigen Charakteren und es wird aufgezeigt, dass man sich nicht auf seinen ersten Eindruck verlassen soll, sondern die Menschen erst kennen muss, um sie einzuschätzen und um mögliche Sympathien zu verteilen.
Viviana steht eindeutig im Mittelpunkt, man begleitet sie über fünf Jahre hinweg und kann eine Entwicklung von einer wohlbehüteten, etwas naiven Mädchen aus gutem Hause bis hin zu einer selbstbewussten und willensstarken jungen Mutter, die für ihr Einkommen arbeitet, betrachten. Anfangs war sie mir etwas zu blauäugig und es war mir klar, dass sie ab und an auf die Nase fallen wird. Doch mit ihrer Wandlung wird mir Viviana immer sympathischer und ich mochte ihr Wesen immer mehr. Ich finde ihre Entwicklung sehr gelungen, lediglich habe ich etwas damit gehapert, dass sie, die noch nie in ihrem Leben gearbeitet hat und stets ein Leben voller Luxus hatte, sich plötzlich und ohne Probleme mit einfachen Dingen und einer Arbeit abfindet. Es gab nie eine Stelle, wo sie Probleme damit hatte oder sich beschwert hat.

Fazit:
Ich finde es ja immer ein bisschen schade, dass es nicht mehr Romane der Schwestern gibt. Und nach jedem gelesenen Buch von ihnen komme ich wieder zu der Überzeugung, dass es genau richtig ist, dass sie sich so viel Zeit nehmen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viel Zeit es dauert, um sich nicht nur von den verschiedenen Professoren ein Bild zu machen, sondern auch von den medizinischen Zusammenhängen. All dies nicht nur zu verstehen, sondern auch für den Leser verständlich und mit eigenen Worten zu wiederholen. Darin sind die Beiden wahre Meister und ich freue mich bereits jetzt auf den zweiten Teil, aber auch auf ganz viele folgende Werke.
Ich habe absolut keinen Punkt zum meckern oder den ich hier nochmals negativ aufzählen möchte. Daher gibt es von mir die volle Bewertung und eine große Leseempfehlung!«
  23      0        – geschrieben von MarySophie
 
Kommentar vom 17. Mai 2020 um 20:13 Uhr (Schulnote 1):
» Was macht in meinen Augen ein Buch zu einem guten historischen Roman? Sind es viele Jahreszahlen oder die detaillierten Beschreibungen von Schlachten und Gemetzel? Oder ist es die Erotik, welche jeden Liebesakt genauestens schildert? Nein, es ist eine Mischung aus Unterhaltung und nachprüfbaren historischen Fakten. Und genau so ist das Buch Das Juliusspital Ärztin aus Leidenschaft aufgebaut.

Die Handlung spielt in der fränkischen Stadt Würzburg und beginnt im April des Jahres 1950. Die Bankierstochter Vivian wird ungewollt schwanger und von ihren Eltern und dem Bruder verstoßen. Damals galt es noch als „Todsünde“, wenn man als ledige Mutter lebte. Das Fatale an der Sache war aber, dass eine Abreibung mit Gefängnis bestraft wurde. Als normal galt in „höheren Kreisen“, dass die gefallenen Mädchen bis zur Niederkunft in einem Kloster lebten. Dort wurden die Baby geboren und den Müttern direkt nach der Geburt abgenommen. Nein, sehen durften sie sie nicht. Sobald sich Adoptiveltern fanden, wurden die Kleinen abgegeben und niemand wusste, wo oder wie sie künftig lebten. Für die jungen Frauen ein schwerer Schnitt und mitunter verantwortlich für Suizid und Depression.

Vivian lehnt sich gegen die gesellschaftlichen Zwänge auf und behält ihre kleine Tochter. Und nicht nur das. Sie hegt den innigen Wunsch, dass sie als Ärztin tätig ist. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Frauen hatten damals für Haus, Mann und Kinder da zu sein. Sie galten als einfältig und ihnen war die Tür zur Universität verschlossen. Wird der Wunsch Vivians erhört und was meint ihre Familie dazu? Viele Wendungen gibt es in dem Roman und er zeigt mal wieder deutlich, in welch freier Zeit wir leben.

Am Schluss des Buches berichten die Autorinnen von ihren Recherchen und warum sie sich ausgerechnet das Juliusspital als Ort der Handlung aussuchten. Dort gab es tatsächlich Vorlesungen von berühmten Professoren, die heute noch für ihre Entdeckungen gerühmt werden. Die umfangreiche Recherche der beiden Schwestern Beinert hat mich sehr beeindruckt. Und auch die Handlung ist lesenswert. Es ist eine gute Mischung aus Fakten und Fiktion und niemals von Schmalz triefend oder schnulzig. Ein wirklich tolles Buch und ein Highlight meines Lesejahres 2020. Einzig die ungelösten Fragen, die am Schluss noch übrig waren, störten mich ein wenig.«
  18      0        – geschrieben von lielo99
 
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