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TASCHENBUCH
 
Gottes Zorn
Verfasser: Simon Geraedts (10)
Verlag: Eigenverlag (15102)
VÖ: 20. Januar 2020
Genre: Thriller (6129)
Seiten: 303 (Taschenbuch-Version), 259 (Kindle-Version)
Themen: Außenseiter (193), Blutrausch (9), Erniedrigung (14), Frankfurt (234), Kommissare (1691), Leichen (1816), Massaker (55), Rache (1766), Serienmörder (841)
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Simon Geraedts für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Simon Geraedts gibt es auf seiner Autorenseite, bei Twitter, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Meine Kehle fühlte sich so eng an wie ein verstopfter Schnorchel. »Also, weswegen ich eigentlich mit Ihnen sprechen wollte ...«
     Wieder klingelte das Telefon. Kreuzmann stöhnte gequält und schlug mit der Faust auf den Schreibtisch. »Kann man hier nicht mal für eine Minute seine Ruhe haben?« Er riss den Hörer ans Ohr. »Was ist?«
     Er hörte kurz zu und verdrehte die Augen. »In Ordnung, stellen Sie die Pissnelke durch.« Mein Chef hielt die Sprechmuschel zu und nickte zu den Ausdrucken in meiner Hand. »Bis heute Abend erledigen, danke!«
     Er setzte ein Lächeln auf und klang plötzlich wie ausgewechselt: »Herr Schneider, wie geht es Ihnen? Aber natürlich, Ihre Mail habe ich vorhin bekommen, besten Dank.« Er lachte gekünstelt. »Gar kein Problem, die Lieferadresse habe ich schon geändert. Die Rechnung schicke ich wie immer an ...«
     Frustriert wandte ich mich vom Schreibtisch ab und schlurfte mit hängenden Schultern zur Tür.


2.


Auf dem Flur traten mir wie einem gehänselten Schuljungen Tränen in die Augen. Bevor ich losheulte, flüchtete ich mich auf die Herrentoilette, legte den Papierstoß auf die Fensterbank und spritzte mir am Waschbecken kaltes Wasser ins Gesicht. Anschließend betrachtete ich mein tropfendes Spiegelbild. Ein blasser Kerl mittleren Alters starrte mich aus geröteten Augen an. Schlaffe Mundwinkel, dicke Tränensäcke, leicht vorstehendes Kinn und kurzes dunkles Haar. Ein unauffälliger und sichtlich deprimierter Durchschnittstyp, der ganz genau wusste, dass er in diesem Leben nichts mehr reißen würde.
     Mein Haar, das sich in den letzten fünf Jahren merklich gelichtet hatte, stand struppig vom Kopf ab. So gut es ging, strich ich es mit den Händen glatt.
     Warum war ich bloß so ein jämmerlicher Versager? War es wirklich so schwierig, diesem Sklaventreiber eine Gehaltserhöhung abzuringen? Die auswendig gelernten Sätze hatte ich jetzt alle wieder parat, als wären sie nie weg gewesen. Spaßeshalber versuchte ich mich an einer kleinen Variation: »Seit fünf Jahren reiße ich mir in diesem Drecksladen den Arsch auf«, presste ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. »Finden Sie nicht auch, dass es allmählich Zeit für eine Gehaltserhöhung ist, Sie undankbarer Wichser? Außerdem würde ich gern mal eine spannendere Aufgabe erledigen, als Artikelnummern ins System einzupflegen. Wie wär’s, wenn Sie mir ein bisschen mehr Verantwortung ...«
     Hinter mir rauschte eine Klospülung. Erschrocken wandte ich mich vom Spiegel ab und sah Ziegler aus einer Toilettenkabine treten.
     »Alter, was murmelst du denn da? Hast du den Spiegel gefragt, wer der Schönste im ganzen Land ist?« Er lachte gehässig. »Du bist es nicht, das ist mal todsicher.«
     Meine Wangen wurden glühend heiß. »Nein, ich hab nur ...«
     »Sorry, Mann, hab keine Zeit zum Plaudern«, fiel er mir ins Wort. »Wollte gerade abhauen.«
     »Du machst schon Feierabend?« Ich warf einen erstaunten Blick auf meine Armbanduhr. »Es ist noch nicht mal zwölf.«
     »Ich gehe heute Abend mit ein paar Kumpels ins Stadion. Die Eintracht gegen Köln. Der Chef hat mir Karten für den VIP-Bereich geschenkt und den Rest des Tages freigegeben, damit ich stressfrei hinkomme.« Er nickte zu dem Papierstoß auf der Fensterbank. »Du hast vor dem Wochenende anscheinend noch eine Menge Papierkram zu erledigen. Darf ich mal sehen?« Er schnappte sich die Blätter und ließ sie aus der Hand rutschen. »Hoppla, mein Fehler.«
     Mit einem Rascheln fielen die Ausdrucke auf den Boden, Ziegler trampelte darüber hinweg und hinterließ auf den Papieren schmutzige Schuhabdrücke. »Also, man sieht sich, Mayer!«, rief er und machte sich lachend aus dem Staub. Stocksauer starrte ich ihm nach und biss mir so fest in die Faust, dass blutige Spuren zurückblieben.
     Warum ließ ich mir das jedes Mal gefallen? Warum kratzte ich diesem Scheißkerl nicht die verdammten Augen aus und zwang ihn, sie zu fressen?


3.


Der Praktikant saß immer noch in meinem kleinen, fensterlosen Büro und heftete Akten ab. Der Junge war fünfzehn, hatte ein blasses, pickliges Gesicht und fettiges blondes Haar. Seit rund vier Stunden widmete er sich dieser eintönigen Fleißarbeit mit einer bewundernswerten Ausdauer. »Bin fast fertig, Herr Mayer.«
     »Alles klar, Christian.« Die Polsterfedern quietschten, als ich auf meinen durchgesessenen Bürostuhl sank. »Leg mir die Ordner nachher auf den Schreibtisch, damit ich sie nochmal durchsehen kann.«
     Er nickte und widmete sich wieder seiner Beschäftigungstherapie. Dem Jugendlichen war anzumerken, dass ihm das Abheften der Akten zuwider war, als hätte ihn ein gemeiner Lehrer dazu verdonnert, hundertmal denselben Satz an eine Tafel zu schreiben. Aber er war viel zu schüchtern, um sich auch nur mit einer Silbe zu beschweren. Außerdem wusste er, dass das Schülerpraktikum übernächste Woche endet. Der Junge durchwanderte das Tal der tödlichen Langeweile nur für kurze Zeit, während ich voraussichtlich bis zur Rente an diesen Ort gefesselt bleiben würde. Was sollte ich auch anderes tun, als den ganzen Tag Artikelnummern in ein Warenwirtschaftssystem einzupflegen? Mit Anfang Vierzig noch Literaturwissenschaft studieren und eine akademische Laufbahn einschlagen, wie ich es mir immer erträumt hatte? Sehr amüsant.
     Vor einigen Jahren hatte ich mich solchen Hirngespinsten noch hingegeben. Eines Tages werde ich es euch zeigen, ihr Arschlöcher, und dann spucke ich aus schwindelerregender Höhe auf eure dummen, kleinen Köpfe.
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