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Schwere Zeiten
Verfasser: Peter Futterschneider (1)
Verlag: Kelebek (14)
VÖ: 11. Oktober 2019
Genre: Gegenwartsliteratur (2956)
Seiten: 188
Thema: Waagen (1)
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Erklärung der Bewertungssysteme
„Die Fähigkeit der Waagen, Wissenslücken durch Intuition und Allgemeinbildung zu schließen, ist geradezu legendär. Einige sprechen gar vom sechsten Sinn der Waagen.“
Mit diesen Worten eröffnet Waagemuth, Personenwaage im Ruhestand, seine Erinnerungen.
Waagemuths Abenteuer beginnen, als der gut situierte Maurermeister Karl-Heinz Stöhricke eine Waage erwirbt, um für seine Rita abzunehmen. Später landet Waagemuth sogar im Knast, dann auf einem Flohmarkt und schließlich im Häuschen des schüchternen Fräulein Müller. Dabei wird er Zeuge von Ehedramen, Missverständnissen und Gewissenskonflikten. Voller Neugier beobachtet er die Menschen. Stets bewahrt er sich seinen Humor und seinen Sinn für Ironie.
Immer wieder beschäftigen ihn grundsätzliche Fragen. Bis zu welchem Grad darf eine Waage die Gewichtsanzeige beeinflussen? Wie sehr darf eine Waage Anteil nehmen am Leben und Leiden ihrer Menschen? Kann eine Waage aus einer Dynastie von Personenwaagen zur Briefwaage werden? Wäre es gar möglich, als Goldwaage Worte abzuwägen?
Am Ende scheint es beinahe so, als hielte Waagemuth den geneigten Lesern einen Spiegel vor.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Peter Futterschneider für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Peter Futterschneider gibt es auf seiner Autorenseite und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Die Fahrt auf dem Laufband entpuppte sich als ein Wechselbad der Gefühle. Aus dumpfer Trauer stieg ich in Sekundenschnelle auf den Gipfel der Freude empor, denn ich erkannte bald schon den Übergang zu Halle 19.
     „In Halle 19 werden die Briefwaagen montiert“, wusste mein Vater immer zu berichten.
     Das Laufband bewegte sich weiter auf Halle 19 zu. Doch kurz davor bog es mit mir nach links ab, um einen Augenblick später im Auslieferungslager für Personenwaagen anzuhalten. Halle 17!
     Vom Gipfel der Freude stürzte ich hinab in das Tal der Tränen. „Seine Wurzeln kann man nicht verleugnen. Wie sehr du doch recht hattest, Vater“, schluchzte ich.
     Als kindliche und später jugendliche Analogwaage waren meine Innereien, besonders die empfindliche Feder, von einem kleinen Gehäuse geschützt. Diesem Gehäuse mit seinem wertvollen Inhalt stand die Welt offen – das hoffte ich bis zum Schluss. Doch meinem Herzen und meiner Waagen-Seele wurde an diesem Tag ein weiteres Gehäuse übergestülpt und fest mit dem dazu passenden Boden verschraubt. Es war das Gehäuse einer Personenwaage, nicht das feine Edelstahlgehäuse einer filigranen Briefwaage. Vater, du kannst zufrieden sein, dachte ich, denn in diesem Augenblick wurde mir jede Chance genommen, meine Wurzeln auch nur ansatzweise zu verleugnen. Ich würde auf immer eine Personenwaage sein.
     In Wirklichkeit war es noch fürchterlicher als in meinen schlimmsten Träumen. Die Fläche, die in meinem weiteren Leben unzählige Male von Menschen betreten werden sollte, wurde mit einem flauschigen Stück Teppich beklebt! Die Menschen liebten wohl dieses angenehm weiche Gefühl an den Füßen. Ich allerdings schüttelte mich bei dem Gedanken an die Schuppen und Hornhautpartikel, die es sich in meinem Teppich bequem machen würden. Jeder Mensch würde Krümel von sich auf mir verewigen.
     Ich hatte schon schlimme Dinge gehört. Mich gruselte vor Filz- oder Korkbelägen. Bei Korkbelägen hörte sogar für meinen Vater der Spaß auf. Einmal hatte er einen Großonkel als schwarze Waage der Familie bezeichnet, nur wegen dessen Korkbauch.
     Wie lächerlich mir dieses Getue meines Vaters nun vorkam. Ich war wütend und suchte einen Schuldigen. Also gab ich ihm die Schuld. Hätte er nicht so über den Großonkel gelästert, hätte ich nicht als Strafe diesen Teppich verpflanzt bekommen. Ich wurde sozusagen in Sippenhaft genommen. Der Teppich auf meinem Bauch übertraf meine schlimmsten Befürchtungen. Mein einziger Trost war, dass meine Eltern mich mit meinem weinroten Flokati nicht sehen konnten.
     Schlimmer konnte es nicht mehr kommen, das stand für mich fest. Regungslos nahm ich zur Kenntnis, wie ich vom Laufband genommen und in einen Karton gepackt wurde. Jemand verschloss mein Gefängnis. Es sollte eine Zeit monatelanger Dunkelheit folgen.
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