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Schwere Zeiten
Verfasser: Peter Futterschneider (1)
Verlag: Kelebek (14)
VÖ: 11. Oktober 2019
Genre: Gegenwartsliteratur (2960)
Seiten: 188
Thema: Waagen (1)
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Erklärung der Bewertungssysteme
„Die Fähigkeit der Waagen, Wissenslücken durch Intuition und Allgemeinbildung zu schließen, ist geradezu legendär. Einige sprechen gar vom sechsten Sinn der Waagen.“
Mit diesen Worten eröffnet Waagemuth, Personenwaage im Ruhestand, seine Erinnerungen.
Waagemuths Abenteuer beginnen, als der gut situierte Maurermeister Karl-Heinz Stöhricke eine Waage erwirbt, um für seine Rita abzunehmen. Später landet Waagemuth sogar im Knast, dann auf einem Flohmarkt und schließlich im Häuschen des schüchternen Fräulein Müller. Dabei wird er Zeuge von Ehedramen, Missverständnissen und Gewissenskonflikten. Voller Neugier beobachtet er die Menschen. Stets bewahrt er sich seinen Humor und seinen Sinn für Ironie.
Immer wieder beschäftigen ihn grundsätzliche Fragen. Bis zu welchem Grad darf eine Waage die Gewichtsanzeige beeinflussen? Wie sehr darf eine Waage Anteil nehmen am Leben und Leiden ihrer Menschen? Kann eine Waage aus einer Dynastie von Personenwaagen zur Briefwaage werden? Wäre es gar möglich, als Goldwaage Worte abzuwägen?
Am Ende scheint es beinahe so, als hielte Waagemuth den geneigten Lesern einen Spiegel vor.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Peter Futterschneider für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Peter Futterschneider gibt es auf seiner Autorenseite und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

Prolog


Mein Name ist Waagemuth. Ich bin eine Waage, die auf ein erfülltes Leben zurückblickt – auch wenn viel auf mir herumgetreten wurde. Das Leben ist jedoch mehr als Wiegen, das habe ich erfahren.
     Noch ist es mir möglich, Ihnen zu berichten, noch kann ich mich erinnern. Vor allem: Ich habe den ganzen Tag Zeit, denn ich verbringe meinen wohlverdienten Ruhestand.
     Sie werden sich bestimmt an einigen Stellen meiner Erzählung fragen, woher ich das alles weiß, denn wir Waagen kommen ja nicht viel herum. Eher stehen wir an einem Ort.
     Nun, Menschen sind in der Gegenwart von Waagen im Allgemeinen sehr redselig. Sie neigen durchaus dazu, Selbstgespräche zu führen. Noch wichtiger aber ist, dass wir Waagen über ausgezeichnete Sinne verfügen. Am besten ausgeprägt ist unser Gehör. Auch bei einem Standort im Badezimmer ist es uns möglich, Geräusche im ganzen Haus und im Garten wahrzunehmen. Dazu gesellt sich unsere Fähigkeit, Sinneswahrnehmungen mit Informationen aus Gesprächen und Selbstgesprächen zu verknüpfen, um uns ein Bild vom Großen und Ganzen zu machen. Eine bedeutende Rolle spielt hierbei der ausgezeichnete Unterricht, den junge Waagen erhalten. Über Generationen tradiertes Wissen von den Menschen und ihren Eigenarten werden uns in frühester Jugend vermittelt. Die Fähigkeit der Waagen, Wissenslücken durch Intuition und Allgemeinbildung zu schließen, ist geradezu legendär. Einige sprechen gar vom sechsten Sinn der Waagen.

Das Leben von Dieter, Karl-Heinz, Rita und all den anderen ist ein Teil meines eigenen Lebens geworden. Besonders Fräulein Müller werde ich immer in meinem Gedächtnis bewahren. Sie hat mich tief beindruckt.


Meine Wurzeln


Mein Vater war Personenwaage, meine Mutter ebenso. Mein Werdegang als Personenwaage war also absehbar. Alternativen? Fehlanzeige! Chancengleichheit, egal, aus welchem Elternhaus man stammt? Ein Märchen! Mein Lebenslauf war vorbestimmt.

„Waagemuth, deine Wurzeln kannst du nicht verleugnen“, erklärte mein Vater, als ich ihn zum ersten Mal fragte, was ich später werden sollte.
     Mehr sagte er nicht dazu. Vorschläge oder wenigstens ein paar klitzekleine Tipps hatte er nicht parat. Als ich meine Mutter daraufhin fragend anblickte, zitterte sie nur kurz mit dem Zeiger. Das tat sie immer, wenn sie mir zu verstehen geben wollte, dass ich meinen Vater besser nicht mit weiteren Fragen nerven sollte.
     „Deine Wurzeln kannst du nicht verleugnen“, sagte er mir zum x-ten Mal, als ich ihm die Neuigkeit von meinem Cousin erzählte, der in die Akademie für Briefwaagen aufgenommen worden war und dort kurz vor seinem Abschluss stand.
     „Papa, es gibt nicht nur Personenwaagen in unserer Familie, wusstest du das?“ Damit hatte ich die Konversation begonnen. Er wusste es, doch es beindruckte ihn nicht.
     „Sein Vater ist doch auch Briefwaage, Junge.“ Mit diesem Kommentar versuchte meine Mutter, die Situation zu entspannen.
     „Ja, in der Registratur des Finanzamtes“, warf mein Vater verächtlich ein.
     Ich hatte damals noch keinen blassen Schimmer von Behörden, geschweige denn Finanzämtern, und fragte lieber nicht weiter. An jenem Tag merkte ich mir einfach, dass ich besser keinen Job im Finanzamt annehmen sollte. Vielleicht gab es dort ja sowieso keine Jobs für Personenwaagen, überlegte ich mir.
     Das Zeigerzittern meiner Mutter nahm mir den Mut, meinen Vater weiterhin über Berufsaussichten zu befragen. Dieses mütterliche Zittern bestimmte meine Erziehung. Die feinen Nuancen vermittelten mir den Unterschied zwischen falsch und richtig, Gut und Böse, Schwarz und Weiß.
     Die Menschen haben kein Gespür für diese Art der Anzeige, sie schauen nur auf die Skala mit den Zahlen von Null bis Hundertdreißig. Was sich dahinter verbirgt, wissen sie nicht. Junge Waagen lernen früh, dass die Zahlen viel mehr vermitteln als die Wiedergabe des Gewichtes.
     Nein, leider stimmt das so nicht mehr ganz. Die Dinge haben sich in der postmodernen Informationsgesellschaft geändert. Mit einem digitalen Display ist eine Waage nicht in der Lage, so fein zu kommunizieren wie unsere Eltern es noch vermochten. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass die jungen Waagen heutzutage häufig so orientierungslos sind und sich die Eltern mit der Erziehung so schwertun.
     Rückblickend bin ich meiner Mutter für das Zeigerzittern dankbar, auch wenn ich es immer dann gehasst habe, wenn ich die Dinge auf sich beruhen lassen sollte.


Zukunftsträume


Ich bin in Halle 3 groß geworden. Halle 3 ist sozusagen die Wiege der Waagenheit. Hier entstehen noch heute circa 87 % aller Waagen, nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt. Der amerikanische Markt wurde von unserem Gründervater allerdings seit jeher ausgeklammert. Bis ins hohe Alter war er Waageproduzent mit Hingabe. Zwar huldigte auch er dem Profitdenken, doch während andere Firmeninhaber eine rücksichtslose Geschäftspolitik betrieben, dachte er an seine Waagen. Keinem von uns wollte er zumuten, auf dem amerikanischen Markt mit seinen überdurchschnittlich schweren Fastfood-Konsumenten ein Leben unter andauernder Höchstbelastung zu führen. Seine Entscheidung sollte sich später als weise herausstellen. Im Gegensatz zu anderen Firmen litt seine Firma nicht unter den Schutzzöllen des unzurechnungsfähigsten US-Präsidenten aller Zeiten, der seine Amtsvorgänger an Skrupellosigkeit und Ignoranz bei Weitem übertraf.
     Halle 3 war mein Universum, ja, in meinen Augen war sie unermesslich groß. Hier lebten Hunderttausende von Waagefamilien. Die Halle hatte mehrere Etagen, jede mit einer Raumhöhe von über zwanzig Metern. Wir Waagefamilien bewohnten Regale. Fast alles war automatisiert. Das Surren und Summen der Elektro- und Hydraulikmotoren der kleinen Roboter, die Bauteile hin und her transportierten, mischte sich mit dem Geplapper der Waagen. Ruhig war es in der Halle nie.
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