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TASCHENBUCH
 
Eine Minute
Verfasser: Elisabeth Ligensa (5)
Verlag: Eigenverlag (14385)
VÖ: 12. Mai 2019
Genre: Gegenwartsliteratur (2717)
Seiten: 236 (Taschenbuch-Version), 238 (Kindle-Version)
Themen: Begegnungen (2349), Beziehungen (1459), Briefe (492), Rettung (418)
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Die erschütternde Geschichte einer späten Liebe und ihres Niedergangs, geschrieben als Brief an den Ex

50 Jahre alt und vor dem Zusammenbruch ihrer Existenz: Für diese Frau ist die Begegnung mit einem charmanten, erfolgreichen und vermögenden Mann die Rettung in letzter Minute. Obwohl er noch verheiratet ist, wollen sie gemeinsam ein neues Leben beginnen. Das Paar baut ein Haus, schafft einen Hund an. Doch hinter dem Glück schwelen Konflikte. Der Mann entpuppt sich als Rechthaber und Geizkragen. Er verletzt den Stolz der Ich-Erzählerin und geht sogar noch weiter, um ihre Seele zu zerstören. Ein Psychodrama bahnt sich an.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Elisabeth Ligensa für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Elisabeth Ligensa gibt es auf ihrer Autorenseite.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Über den Tresen schaut man in weitere Praxisräume. Der Hinterkopf des Tierarztes taucht auf, eine Kühlschranktür klappt auf- und zu. Die Frau radelt jetzt sicher schon mit dem Katzenkorb auf dem Gepäckträger durch die Seitenstraßen, blind für die blühenden Bäume und das sprießende Grün dieser warmen Maitage.
     Dann werde ich aufgerufen und muss mit meiner Patientin zum Verbandswechsel.
     Jetzt liegt mein Hund in ihrer Sofa-Ecke und schaut mich an, ohne sich zu rühren. Sie kann mir nicht sagen, welche Schmerzen sie hat. Brennend wünsche ich mir mein Viech von gestern zurück: rauflustig, rennlustig, jagdlustig und verfressen. Wenn ich mit ihr auf die Straße ging, wedelte ihr ganzer Körper erfreut jeden Nachbarn an, den wir trafen. Jetzt weiß ich kaum, wie ich sie anfassen soll, damit nur nicht die genähte Sehne riss oder das genähte Fleisch. Ich setze mich neben sie und massiere ihre Ohren. Sie seufzt vor Wohlbehagen. Ihre Augen sind rotgerändert. Endlich lässt sie den Kopf sinken, schnauft kräftig aus und schließt die Lider.
     Seit Du weg bist, fahre ich alle zwei Tage zum Tierarzt, manchmal jeden Tag. Vorher zittern meine Knie vor Aufregung. Selbst auf der kurzen Fahrtstrecke könnte es geschehen, dass ich scharf bremsen muss, und der Hund mit der zusammengenähten Sehne darf doch nicht durchgeschaukelt werden. Haben wir es wieder heil nach Hause geschafft, so breite ich ihr das Bett im Schatten aus, lege sie dort ab und lasse sie ihr Futter im Liegen fressen.
     Fast den ganzen Tag sitze ich neben ihr auf der Terrasse des Hauses, das Du und ich zusammen gebaut haben, und schaue auf den breiten Fluss, an dessen Ufer wir dieses Glücksgrundstück zufällig entdeckt hatten. Der Hund rührt sich kaum. Mein weiter Blick auf Himmel, Wasser und Wald wird nur von Ligusterhecken, Kastanienbäumen und Staudenbeeten begrenzt. Ich höre kein Auto, aber den Kuckuck, der im Kirschbaum des Nachbarn sitzt. Ich sehe keine fassadenhohen Werbeplakate, keine schnell vorbeiwischenden Farben und Konturen, sondern verfolge einen einzelnen Fischreiher, wie er vorbeisegelt. Ein Paradies, das sagt jeder, der die paar Kilometer aus dem Stadtzentrum zu uns hinausfährt.
     Mein Auszug ist um vier bis fünf Wochen aufgeschoben. Solange werde ich hier allein leben, mit meinem kranken Hund und ohne Dich. Ob Du in ein Hotel gezogen bist, bei Deiner Freundin nächtigst oder bei Deiner Ehefrau, interessiert mich nicht mehr.
     Die Kisten, die ich für meinen Auszug schon gefüllt hatte, habe ich teilweise wieder ausgepackt, der Rest stapelt sich in meinem Schlafzimmer. Es lohnt sich nicht, die Sachen zurück in den Schrank zu räumen. Nur das Bett ist in der neuen Wohnung geblieben, aber das macht nichts, weil ich ohnehin weiter meine Matratze ins Wohnzimmer schleppe, um neben meinem Hund zu schlafen.
     Außer meiner Lieblingssendung schaue ich abends nicht mal mehr fern, sondern hülle mich in meine Wolldecke und setze mich zur Abwechslung auf die Gartenbank, lausche den klaren, lauten Gesängen von Nachtigallen und Amseln, die von keinerlei Stadtgeräusch übertönt werden.
     Nicht nur mein Hund ist krank – ich bin es auch. Ich bin so dünn geworden, dass jeder erschrickt, der mich lange nicht gesehen hat. Hin und wieder muss ich weinen, weil ich gescheitert bin.
     Der Frühling ist in diesem Jahr viel zu trocken, die Temperaturen fast sommerlich. Schon jetzt im Mai muss der Garten jeden Abend gewässert werden. Das werde ich beibehalten, bis ich ausgezogen bin, denn ich möchte die Blumen, von denen viele gerade erst Knospen bilden, nicht vor meinen Augen verdorren sehen.
     Die kaukasischen Vergissmeinnicht unter den Hortensien pflanzte ich erst letztes Jahr – sie haben riesige, schön gezeichnete Blätter, über denen die winzigen, hellblauen Blüten schweben. Im Gestrüpp unter der Zierkiefer gehen zum ersten Mal die Maiglöckchen auf, und ich bücke mich oft, um daran zu schnuppern. Ein dunkelglitzernder Star hüpft über den Rasen und piekt seinen Schnabel ins Gras. Eine Flotte Kindersegelboote schwappt vorbei, sie sehen aus wie ein Schwarm weißer Schmetterlinge. Das Motorboot des Trainers folgt ihnen.
     Der Postbote taucht hinter der Hecke auf, blinzelt mir zu und reicht die Briefe über das Tor. Wir kennen uns lange genug, um manchmal gar nichts mehr zu sagen, dann winken wir einander nur zu. Von Dir weiß er nur den Namen, der auf den Briefumschlägen steht.
     Mein Hund muss furchtbare Schmerzen haben. Manchmal nehme ich mir ein Kissen und lege mich hinter sie auf ihr Bett, so dass wir beide in gleicher Augenhöhe über Rasen, Uferkante und das Wasser schauen, sie meinen Herzschlag spürt und ich ihren warmen, glatten Rücken. „Kontaktliegen“, heißt das in der Tierpsychologie-Fachsprache.
     Dass Dein Raum da oben leer ist, macht nichts, im Gegenteil. Ich gieße Deine beiden Orchideen, mein Blick streift im Vorbeigehen über geschäftliche Schreiben, die Du nie wegsortierst. Auf dem Dielenboden bilden sich Staubmäuse, aber ich sehe nicht, weshalb ich für Dich noch den Staubsauger hochschleppen soll. Der Haushalt fährt auf Sparflamme, nur die Hecken habe ich geschnitten, die werden sonst zu hoch.
     Wer soll das machen, wenn ich nicht mehr hier bin? Wer wird Unkraut jäten, im Frühjahr den Hortensien die vertrockneten Blütenköpfe abschneiden? Wer wird den Efeu im Zaum halten, den Giersch zurückdrängen, wer düngen, gießen, verstaubte Spinnweben unter dem Dach wegfegen, die Regenabflussrohre reinigen? Du eher nicht, denn Du zertrittst blicklos frisch gepflanzte Stauden und gräbst ohne Rückfrage einen teuren Zwergahorn aus, um ihn dann mit nacktem Wurzelballen bei dreißig Grad in der Sonne vertrocknen zu lassen.
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