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Wintertöchter 3 - Die Frauen
Verfasser: Mignon Kleinbek (3)
Verlag: Pinguletta (7)
VÖ: 24. Oktober 2019
Genre: Gegenwartsliteratur (2722)
Seiten: 463
Themen: Frauen (658), Medaillon (41), Schwestern (978), Tagebücher (352)
Reihe: Wintertöchter (3)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Er ist neu. Er ist anders. Er ist spannend. Und doch ist der Roman die konsequente Fortsetzung und ein mehr als würdiger Abschluss der „Forstau“-Saga – der dritte und letzte Teil der „Wintertöchter“ von Mignon Kleinbek. Er erzählt von den starken Frauen, die ihre besondere Gabe über die Jahrhunderte hinweg bewahrt und weitergetragen haben. Blickt mit scheuer Neugier in die Vergangenheit, schildert lebhaft die Ereignisse der Gegenwart und lässt vage Ahnungen über die Zukunft zu. Immer wieder spannend, überraschend, ungewöhnlich und mitreißend.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich beim Pinguletta Verlag für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Mignon Kleinbek gibt es bei Twitter und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     Nach dem Abitur floh die Kleine regelrecht aus dem Elternhaus. Rosas Einliegerwohnung stand leer und sie hatte ein Inserat aufgegeben. Nie würde sie den Tag vergessen, als die junge Frau vor ihr stand. Groß und überschlank, mit taillenlangem, fedrigem weißblondem Haar und diesen wunderbaren grauen Augen, die Zeitung unter den Arm geklemmt. Sie waren sich auf Anhieb sympathisch und es dauerte nicht lange, bis Helena sich ihr anvertraute. Rosa glaubte ihr jedes Wort, obwohl sich alles überaus surreal anhörte. Das verschlossene Mädchen wuchs ihr ans Herz wie eine eigene Tochter. Rosa Tobel war eine gutsituierte, gebildete Frau, die viele Stunden in der Bücherei verbrachte und alles las, was ihr unter die Finger kam. Sie war es gewesen, die in der Stadtbibliothek eine Veröffentlichung über Synästhesie gefunden hatte. Für das Mädchen bedeutete das Buch eine Offenbarung! Es gab tatsächlich einen Namen für dieses Phänomen, das die Hartenaus wie auch Ärzte und Therapeuten in deren Umfeld als unheilbare Krankheit verstanden. Und was das Erstaunlichste, Wunderbarste dabei war, es existierten noch mehr Menschen wie sie! Die meisten Hochsensiblen verbanden mathematische Zahlen, räumliche Erfahrungen oder Musik mit Farben, mit Gerüchen und Gefühlen. Doch sogar unter denen bildete Helena eine einzigartige Ausnahme; was ihr widerfuhr, ging über eine Synästhesie weit hinaus. Ihr auf Hochtouren arbeitendes Gehirn verband Geschmack mit Bildern und Visionen. Sie schmeckte eine Substanz und konnte sehen, was dahinter lag, wie Dinge entstanden waren oder wer sie berührt hatte. Auf eine Art fand sie sich in den Erfahrungen der Synästheten dennoch wieder. Wie sie kämpfte Helena gegen Unverständnis und der – fast arroganten – Haltung der Normalen gegenüber dem Abstrakten, nicht Erklärbaren. Mit einer solchen Belastung zu leben war furchtbar schwierig, wenn man der einzige Mensch weit und breit war, der so empfand. Es machte Rosa noch immer stinksauer, was man der jungen Frau angetan hatte.
     »Das ist doch alles Schnee von gestern, Nanni. Damit bist du längst durch.« Rosa nippte an dem Weinbrand. »Wo liegt dein Problem? Was hat das alles mit diesen Tagebüchern zu tun?«
     Helena beugte sich vor und klopfte mit angespannten Fingerknöcheln auf die Kladde, die zwischen ihnen auf dem ovalen Holztisch lag. »Rösle, du wirst es nicht glauben. Diese beiden, Anna und Barbara, die sind genau wie Jule und ich! Und ich denke, das ist kein Zufall!«
     Der silbergraue Kopf mit der frisch gelegten Dauerwelle ruckte und um ein Haar ließ Rosa das Glas fallen. Perplex starrte sie erst Helena, dann das Buch an. Helena sah förmlich, wie Rosas wacher Geist hinter deren Stirn rotierte, genau wie ihr eigener vor wenigen Stunden, als sie realisierte, dass jemand ihr dieses Päckchen nicht ohne Grund zugeschickt hatte.
     Nach einer langen, stummen Minute ließ sich die alte Dame in den Sessel zurücksinken und fast zufrieden konstatierte sie: »Nanni, mein liebes Mädchen, das wird Erika nicht schmecken. Ich bin gespannt, wie sie dir das erklärt.« Helena konnte nicht anders; ein irres Kichern stieg in ihr hoch. Oder war es unsägliche Erleichterung, dass jemand ihr glaubte? Sie platzte heraus: »Rösle, du bist einfach unbezahlbar!« Das Lachen erstickte für einen Moment das unsägliche Gefühl, ein störendes Sandkorn in einem makellos laufenden Uhrwerk zu sein.
     Die Cognacflasche war fast geleert, als Helena sich verabschiedete. Die beiden Frauen waren bis Mitternacht gesessen. Sie hatte weitere Details erzählt und Rosa gespannt zugehört.
     Helena ließ ihr das Buch da, damit Rosa sich selbst ein Bild machen konnte; die zweite Kladde nahm sie mit nach unten. Sie waren übereingekommen, dass es das Beste war, zuerst Annas Aufschrieb zu Ende zu lesen, bevor sie mit ihren Eltern sprach.
     Helena nahm das Heft mit ins Bett. Sie knipste die Leselampe an, stopfte sich ein paar dicke Kissen in den Rücken und schob die nackten Fußsohlen dicht an die heiße Wärmeflasche. Draußen schüttete es und der Regen pladderte gegen das Fenster.
     Tiefer grub sie sich unter die Decke und schlug den abgegriffenen Pappdeckel auf. Der Geruch von altem Papier stieg ihr die Nase und Annas zierliche Handschrift floss ihr entgegen. * Ohne Mathis erschien mir alles unnütz.
     Mit einem Schlag schien alles aus den Angeln gehoben. Der Orkan war nicht nur über den Julianenhof hinweggefegt, nein, er hatte mein Leben mit sich gerissen und es vernichtet. Ich war vierzehn Jahre alt und im siebten Monat. Ungewollt schwanger von dem Mann meiner Mutter. Mathis, mein Liebster, war tot. Versehentlich in eine blöde Forke gefallen, die seine Brust durchbohrte – wenige Tage nach seinem achtzehnten Geburtstag. Mein fröhlicher Mathis, der versprochen hatte, meinem ungeborenen Bastardkind ein Vater zu sein.
     Durch das niedrige Fenster der Küche musste ich mit ansehen, wie sie seinen Leichnam aus dem Stall trugen, auf das Fuhrwerk hoben und ihn wegbrachten. Am liebsten hätte ich geschrien, mir die Haare gerauft, um mich geschlagen. Doch meine Glieder waren bleiern schwer und ich konnte nur dasitzen und zusehen. Tränenlos. Sprachlos. In mir war eine unsägliche Leere.
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