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Wintertöchter 3 - Die Frauen
Verfasser: Mignon Kleinbek (3)
Verlag: Pinguletta (7)
VÖ: 24. Oktober 2019
Genre: Gegenwartsliteratur (2718)
Seiten: 463
Themen: Frauen (657), Medaillon (41), Schwestern (976), Tagebücher (352)
Reihe: Wintertöchter (3)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Er ist neu. Er ist anders. Er ist spannend. Und doch ist der Roman die konsequente Fortsetzung und ein mehr als würdiger Abschluss der „Forstau“-Saga – der dritte und letzte Teil der „Wintertöchter“ von Mignon Kleinbek. Er erzählt von den starken Frauen, die ihre besondere Gabe über die Jahrhunderte hinweg bewahrt und weitergetragen haben. Blickt mit scheuer Neugier in die Vergangenheit, schildert lebhaft die Ereignisse der Gegenwart und lässt vage Ahnungen über die Zukunft zu. Immer wieder spannend, überraschend, ungewöhnlich und mitreißend.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich beim Pinguletta Verlag für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Mignon Kleinbek gibt es bei Twitter und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

     »Erzähl, Nanni«, forderte sie die jüngere Frau noch einmal auf.
     »Ich weiß überhaupt nicht, wo ich anfangen soll.« Helena setzte sich aufrecht hin und kreuzte die schlanken Beine im Schneidersitz. »Ich habe bis jetzt nur das erste Buch gelesen, das zweite nehme ich mir später vor. Diese Anna hat ihre Erlebnisse aufgeschrieben, von ihrer Geburt an bis etwa vierzehn. Sie muss jetzt ungefähr Mitte sechzig sein und lebt auf einer Alm in Österreich, im Pongau. Ihre Mutter Marie hat sie mutterseelenalleine dort oben zur Welt gebracht. Der Vater ist in derselben Nacht durch einen schlimmen Unfall ums Leben gekommen. Das war während des Zweiten Weltkriegs. Die hatten ein ganz schön hartes Leben da ...« Sie hielt inne und versuchte, die umherfliegenden Gedanken einzusammeln. »Ich mach’s kurz. Ein paar Jahre später hat Marie ein zweites Mal geheiratet, weil sie schwanger wurde. Er hieß Roman und stammte aus einer Zigeunerfamilie.«
     Rosa hob irritiert die Brauen. »Du weißt schon, dass das eine sehr hässliche Bezeichnung ist, Nanni? Ich habe einen guten Freund, der den Roma angehört und ich schätze ihn sehr. Also bitte!«
     Helena quittierte den Einwand mit einem schnellen Seitenblick. »Du hast natürlich recht, Rösle. Entschuldige. Man nennt sie die Fahrenden, oder?«
     Rosa nickte.
     »Er war wohl ein Kind der Fahrenden, wuchs aber in einem Waisenhaus auf. Der Lovara-Clan nahm ihn auf, als er von dort abhaute. Also, dieser Roman hat Marie misshandelt und darauf verlor sie das Baby kurz vor der Geburt. Tja, und wenige Wochen später hat er sich dann die Tochter gegriffen und sie ebenfalls geschwängert. Das Mädchen war völlig verzweifelt, als sie bemerkte, dass sie vom Stiefvater schwanger war, und versuchte, das Kind heimlich abzutreiben. Roman muss ein übler Zeitgenosse gewesen sein; er kam ständig mit Annas Freund und ihrer Familie aneinander. Der junge Mathis, also Annas Freund, ist dann irgendwie durch eine Luke im Stall gestürzt und grausam ums Leben gekommen. Annas Mutter erlitt einen Schlaganfall, als sie ihn fand. Stell dir vor, der Arme ist in eine Mistforke gefallen!« Helena schüttelte sich. »Eine entsetzliche Vorstellung, nicht wahr? Der Aufschrieb des ersten Tagebuchs endet da. Es hat mich mitgenommen, wirklich heftig, das alles zu lesen.«
     Rosa musterte Helena aufmerksam. Die junge Freundin wirkte nervös und schien blass um die Nase. Sie stand auf und trat zu dem Eichenschrank, der behäbig die gesamte Wand einnahm. Aus einem Fach nahm sie eine Cognacflasche und zwei geschliffene Kristallgläser. »Und warum berührt dich das so sehr? Da ist noch mehr, oder?«, hakte sie nach, bevor sie sich wieder setzte.
     Helena nahm ihr die Flasche ab und schenkte beide Gläser großzügig ein. Sie legte die Handfläche um den Cognacschwenker und ließ die bernsteinfarbene Flüssigkeit kreisen. Gedankenverloren starrte sie in den wirbelnden Weinbrand. »Ja, da ist noch mehr. Anneli, also Anna,« sie verstummte und begann noch einmal von vorn. »Marie hat eine Kusine, mit der sie zusammen aufgewachsen ist. Sie stehen wie Schwestern zueinander. Maries Tochter Anna nennt sie Dede. Das ist wohl so eine Art Tante. Wirklich heißt sie Barbara Sittler und ist Hebamme. Die Barbara lebt im Dorf, in Forstau, hatte ich das schon erwähnt? Ach, ich weiß nicht, ist ja auch egal. Und Barbara, also die Dede«, wieder kam Helena ins Stocken. Sie nippte an dem Weinbrand, ließ ihn über die empfindliche Zunge gleiten, er kühlte und wärmte sie zugleich. Sie schluckte und stellte das Glas hart auf der Tischplatte ab.
     »Verflucht, ich weiß nicht, wie ich’s ausdrücken soll. Es ist kompliziert!« Helenas Gesicht war käsebleich und die feinen Sommersprossen auf ihrer Nase stachen bräunlich hervor. »Ich muss andersherum beginnen.« Sie rieb sich über den Mund. »Rösle, du weißt, dass ich eigenartig reagiere, wenn ich etwas zu mir nehme, das ich nicht kenne. Oder dass ich manche Sachen überhaupt nicht esse, und vermeide, versehentlich die Finger in den Mund zu stecken, weil ich damit Bilder produziere, die mich dann durcheinanderbringen. Früher, als ich klein war, bekam ich Krämpfe, oft auch Fieber und mir wurde speiübel. Ich bin halt anders als andere Leute. Komisch eben.«
     Rosa setzte sich auf und griff nach ihrem Arm. »Lass den Quatsch, Nanni! Das ist Blödsinn! Wir haben hundertmal darüber gesprochen, Mädchen. Du hast eine ganz besondere und sehr spezielle Begabung, für die du dankbar sein solltest. Ohne sie wärst du heute nicht stellvertretende Leiterin im Institut.«
     »Wenn Mutter das nur auch so sehen könnte«, flüsterte Helena und wischte sich über die Augen.
     Rosa zog ein Tüchlein aus dem Ärmel und drückte es ihr in die Hand. Sie nickte bedächtig und runzelte die Stirn. »Da gebe ich dir vollkommen recht, Nanni. Dann hätten deine Eltern dich gleich in die richtigen Hände gegeben und nicht jahrelang von einem Quacksalber zum anderen geschleift. Und die Aufenthalte in der Psychiatrie wären dir ebenfalls erspart geblieben! Wären deine Eltern einfache Leute gewesen, hätten sie vielleicht anders reagiert. Womöglich genauer hingesehen.« Das war tatsächlich ein, wenn nicht gar der Punkt, den sie Erika Hartenau anlastete. Rosa kannte Helena seit deren Studentenzeit und es hatte unzählige Gespräche gekostet, der jungen Frau das Selbstvertrauen wiederzugeben.
     Erika Hartenau hatte nie akzeptiert, dass ihrer Tochter eine einzigartige Begabung zuteilgeworden war. Sie fand es krank und beschämend. Die Hartenaus waren durchaus stolz auf ihre hübschen Töchter, doch viel zu sehr damit beschäftigt gewesen, sich in Heidelberg eine hoffnungsvolle Zukunft aufzubauen. Die ungleichen Zwillinge hatten stets Kinderfrauen gehabt, die völlig überfordert mit dem kleinen Mädchen waren, das aus unerfindlichen Gründen plötzlich am Boden lag, zuckte und sich erbrach. Niemand verstand, was mit der Kleinen vorging, wenn sie etwas in den Mund gesteckt hatte, steif wurde und in Krämpfe fiel. Man dachte zuerst an Epilepsie und zerrte das Kind durch Arztpraxen und Krankenhäuser, von einem Sanatorium in das nächste. Anscheinend hatte sie Visionen und das war nicht vorstellbar. Ihren Schilderungen dessen, was sie sah, glaubte man nicht und tat sie als wahnhaft ab. Das Mädchen wurde mit Psychopharmaka ruhiggestellt und brachte Wochen und Monate unter dem Einfluss der Medikamente zu. Erstaunlicherweise nahm Helenas Geist keinen Schaden, zudem war sie hochintelligent. Ihre schulischen Leistungen blieben immer hervorragend – ganz im Gegensatz zu denen ihrer, offensichtlich völlig gesunden, Zwillingsschwester. Doch Helenas Seele war tief verletzt, als Rosa sie kennenlernte.
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