Diese Website nutzt Cookies, nähere Infos finden Sie hier. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. 
42.595 REGISTRIERTE BUCHBEWERTER
Wir grüßen unseren neuesten User »cheyenne64«!
  START   NEWS   BÜCHER   AUTOREN   THEMEN   VERLAGE   BLOGGER   CHARTS   BUCH FEHLT SUCHE:  
LESERKANONE
Benutzername:

Passwort:
Passwort?
Account anlegen
Gewinnspiel
 
Werbung:
KINDLE
 
TASCHENBUCH
 
Wintertöchter 3 - Die Frauen
Verfasser: Mignon Kleinbek (3)
Verlag: Pinguletta (7)
VÖ: 24. Oktober 2019
Genre: Gegenwartsliteratur (2719)
Seiten: 463
Themen: Frauen (657), Medaillon (41), Schwestern (976), Tagebücher (352)
Reihe: Wintertöchter (3)
BLOGGERNOTE DES BUCHS
1,00 (100%)
auf Basis von einem Blogger
1
100%
2
0%
3
0%
4
0%
5
0%
6
0%
BENUTZER-SCHULNOTE
1
0%
2
0%
3
0%
4
0%
5
0%
6
0%
Eine Durchschnittsnote wird erst angezeigt, wenn 10 Stimmen abgegeben wurden.
Deine Note: 1 2 3 4 5 6
Erklärung der Bewertungssysteme
Er ist neu. Er ist anders. Er ist spannend. Und doch ist der Roman die konsequente Fortsetzung und ein mehr als würdiger Abschluss der „Forstau“-Saga – der dritte und letzte Teil der „Wintertöchter“ von Mignon Kleinbek. Er erzählt von den starken Frauen, die ihre besondere Gabe über die Jahrhunderte hinweg bewahrt und weitergetragen haben. Blickt mit scheuer Neugier in die Vergangenheit, schildert lebhaft die Ereignisse der Gegenwart und lässt vage Ahnungen über die Zukunft zu. Immer wieder spannend, überraschend, ungewöhnlich und mitreißend.
Lesermeinungen (0)     Leseprobe     Blogger (2)
LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich beim Pinguletta Verlag für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Mignon Kleinbek gibt es bei Twitter und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

Bis in die Morgenstunden hatte sie das Tagebuch nicht aus der Hand legen können und fieberhaft gelesen. Irgendwann waren ihr die Augen zugefallen und sie war in einen wirren Traum geglitten, in den sich zu den fremden Menschen Erika und Christina gemischt hatten.
     Je länger Helena sich hin und her wälzte, desto wacher wurde sie. Irgendwann gab sie den Gedanken an Schlaf auf und schwang die Beine aus dem Bett. Ich kann ebenso gut aufstehen und meinen Haushalt erledigen. Mit einem energischen Ruck zog sie die Jalousie hoch und lugte nach draußen. Es hatte aufgehört zu schneien. Eine dünne Schneeschicht bedeckte die kleine Wiese hinterm Haus; die Trittsteine, die zwischen den kahlen Rabatten zur Uferböschung hinunterführten, schimmerten feucht. Winter im badischen Flachland war eine Sache für sich. Meistens nur Schneematsch und glatte Straßen.
     Sie schauderte und drehte den Thermostat des Heizkörpers höher. Auf dem Weg ins Bad schaltete sie die Espressomaschine ein. Die heiße Dusche vertrieb die Geister endgültig; sie rubbelte die Haare trocken und schlüpfte in ihren alten Frotteebademantel. Mit der Zahnbürste im Mund füllte sie die Waschmaschine und rieb den beschlagenen Spiegel sauber. Kurz darauf stand sie in der Küche, um sich einen Kaffee herauszulassen. Sie nahm die Milchtüte aus dem Kühlschrank und roch hinein, probierte einen vorsichtigen Schluck. Die schien zum Glück noch brauchbar, Kaffee ohne Milch war eine mittlere Katastrophe.
     Eine Minute später saß Helena wieder auf der Couch, schob Weinflasche, Glas und Teller beiseite, um Platz zu schaffen, und wischte die Krümel von den Polstern. Angelte nach dem Buch, das unter den Tisch gerutscht war, trank genüsslich einen großen Schluck Milchkaffee und klemmte erst den Bademantel, dann die Tasse zwischen ihre Knie. Die nackten Füße unter eine flauschige Decke geschoben, die am Fußende der weißen Ledercouch lag, schlug sie die Kladde an der Stelle auf, über der sie eingenickt war. Anna Hohleitners Handschrift sprang sie an. Einige Worte waren verschwommen, das Papier darunter aufgequollen. So, als ob Tränen darauf getropft wären.

Es gibt keine Entschuldigung für das, was wir getan haben. Ich trug schwer an dem Wissen darum.
     Wir hatten nie gelernt, offen zu sprechen. Eine Sache um der Sache willen auf den Tisch zu legen und sie auszuräumen. Uns unseren Taten zu stellen, sie klar zu benennen, um endlich vergeben zu können. Nein, wir schwiegen. Schwiegen alles tot. Verschlossen die Augen vor der Realität und machten einfach weiter. Ich nahm in Kauf, dass das Geschehene mich von meiner Mutter trennte. Um mich selbst und sie vor der Wahrheit zu schützen. Ich ließ mich einlullen, trotz meiner Bedenken ließ ich mich von ihm einlullen. Und keiner um uns herum sah genauer hin und gebot Einhalt. Wobei, wer sollte auch hinsehen? Es war ja niemand da. Die Alm war weit genug vom Dorf entfernt. Doch auch wenn wir mitten im Dorf gelebt hätten - es wäre nichts, rein gar nichts anders gewesen.
     Wie dumm ich gewesen war. Naiv und zu vertrauensvoll. Blutjung und unerfahren dazu. Geschmeichelt und zu sehr beeindruckt von seinem kraftvollen Auftreten, ließ ich mich von den süßen Worten und dem schönen Äußeren verführen. Im Innern war er hässlich. Böse und verdorben. Genauso, wie er meine Mutter hofiert hatte, gewann er mich. Zog mich in seinen Bann und ließ uns beide fallen, als ihm nicht mehr danach war. Doch ich brauchte viel länger als sie, um es zu erkennen. Als ich realisierte, dass ich schwanger war, war es ohnehin zu spät.

Es war fast Mittag, als Helena das Buch zuklappte und sich die Augen wischte. Sie war nicht nah am Wasser gebaut und doch konnte sie nicht anders, als mit diesem fremden Mädchen zu weinen, das seine bewegende Lebensgeschichte aufgeschrieben hatte. Und dann war da noch die seltsame Sache mit dieser Gabe.
     Etwas in ihr schien an einen Platz gerückt zu sein – wie ein Puzzleteil, das man drehte und wendete, immer wieder an einer bestimmten Stelle einzufügen versuchte und dann doch ganz woanders hinlegte. Und da passte es auf einmal. Ein Frösteln ging sie an, obwohl es im Zimmer mollig warm war. Nachdenklich wog Helena die andere Kladde in der Hand und legte sie dann mit einem Seufzen zur Seite. Annas zweites Buch musste warten. Sie verspürte Hunger, eine unbändige Gier auf warme Croissants, und die Läden schlossen bald. Zuerst einmal musste sie einkaufen gehen. Danach würde sie ihre Mutter anrufen. Sie beide hatten wohl ein Wörtchen miteinander zu reden.

Zehn Minuten nach acht klingelte sie im oberen Stock an Rosas Tür. Die kleine Frau öffnete, die Wangen vom Kochen gerötet und Helena hob schnuppernd die Nase.
     »Du hast mein Lieblingsessen gemacht«, stellte sie erfreut fest, »saure Kartoffelrädle, stimmt’s?« Wie auf Kommando gab ihr Magen ein vernehmliches Knurren von sich und die alte Dame lachte. Wasserblaue Augen funkelten verschmitzt und verschwanden fast in dem Kranz feiner Fältchen. Die Frauen umarmten sich und Helena roch Rosas vertrauten Geruch; diesen unverwechselbaren Duft nach 4711. Rosa trug stets eines der winzigen Fläschchen mit Kölnisch Wasser in der Handtasche bei sich. Sie gehörten ebenso zu ihr wie die umhäkelten Batisttaschentüchlein, von denen sie immer eines zur Hand hatte.
     Gleich darauf saßen sie sich in der altmodisch eingerichteten Küche am Tisch gegenüber und Helena hob erwartungsvoll den Deckel von dem roten Emailletopf. Rosa schöpfte die tiefen Teller voll. Während des Essens sprachen sie nur wenig. Helena genoss den Eintopf, der sie von innen heraus aufwärmte, ihr war den ganzen Tag über kalt gewesen. Sie liebte dieses einfache Gericht. Dicke mehlige Kartoffelscheiben in einer hellen sahnigen Rahmsoße, mit viel frischer Petersilie. Mit einem zufriedenen Laut ließ sie sich in den Stuhl zurückfallen und schob den Teller von sich.
Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8
MEINUNG ZUM BUCH ABGEBEN
Benutzername: Passwort:   
 
Leserkanone.de © by LK-Team (2011-2019)  •  Hinweise für Autoren, Verlage & Co.  •  Leseproben vorstellen  •  Impressum  •  Datenschutz