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Sünde des Schweigens
Verfasser: Rudolf Georg (1)
Verlag: Gmeiner (345)
VÖ: 11. September 2019
Genre: Kriminalroman (6360)
Seiten: 282
Themen: Anwälte (619), Entscheidungen (1540), Geiseln (71), Mali (6), Schweigen (175), Urlaub (690), Verdacht (577)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Im Mittelpunkt des Krimis steht ein junger Rechtsanwalt, der in einen schweren Gewissenskonflikt gestürzt wird. Sein Mandant und dessen Ehefrau gerieten während eines Abenteuerurlaubs in Geiselhaft; er kam zurück, sie starb. Langsam keimt in dem Anwalt ein ungeheuerlicher Verdacht auf, doch wie soll er sich zwischen der ihm von Gesetz auferlegten Schweigepflicht und seinem Gewissen entscheiden. Die Lösung, die er schließlich findet, ist gefährlich, denn sein Gegenspieler ist nicht zimperlich.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Rudolf Georg für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Rudolf Georg gibt es bei Facebook und bei Instagram.
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     Der Pfarrer erhob sich und ordnete mit diskreter Gestik den Ausmarsch. Mit der einsetzenden Streichmusik knüpfte die Stimmung an den Beginn des Trauergottesdienstes an. Sechs kräftig gebaute Männer, deren Gesichter so grau waren wie ihre Anzüge, stellten Blumen und Kränze zur Seite und trugen den Sarg hinaus. Ihnen folgte zunächst der Pfarrer, dann die Familie, allen voran der Alte mit seinem Enkel. Joja erschrak: Alfred Brendle, der eben noch in gerader Haltung auf der ersten Kirchenbank gesessen hatte, dessen vitale Erscheinung sonst sein Alter Lügen strafte, starrte ausdruckslos vor sich auf den Boden. Mit einem Mal schien sein Lebenswille gebrochen; er schlurfte, gebeugt wie unter einer schweren Last, gestützt auf seinen Enkel, hinter dem Leichnam seiner Tochter her. Er nahm seine Umwelt kaum noch wahr, weder die Umstehenden noch den Regen, der ihn beim Verlassen der Kirche empfing.
     Mit einem Abstand, als wolle er Distanz schaffen, folgte der Witwer Sohn und Schwiegervater. Bei seinem Anblick fielen Joja manche Begriffe ein, nicht aber Worte wie »gramgebeugt« oder dergleichen. Die entbehrungsreichen Wochen der Geiselhaft, die der eigenen Befreiung nachfolgende Ungewissheit über das Schicksal seiner Frau, die spätere Gewissheit ihres Todes und alles, was danach folgte, schienen zumindest körperlich bei Schönfelder keine Spuren hinterlassen zu haben. Er wirkte – im Gegenteil – energiegeladen und versuchte mit mäßigem Erfolg, dies zu kaschieren. Joja hatte zwar Jura studiert und nicht Psychologie, aber nach seinem Empfinden schienen die Ereignisse Schönfelder weit weniger mitgenommen zu haben, als er erwartet hatte.
     Es bildete sich ein kleiner, aber merklicher Zwischenraum, bevor Guido Brendle, seine Frau und seine Kinder die familiäre Abordnung beschlossen; hinter ihnen folgten weitere Verwandte, Freunde und Bekannte, zu denen auch Joja und Angelika zählten. Unter anderen Umständen hätte sich Joja über ihre Nähe gefreut, die durch die begrenzte Spannweite des Regenschirms erzwungen wurde. Aber auch jetzt, als er sich solche Gedanken wegen des Anlasses ihres Hierseins verbieten wollte, empfand er die unumgängliche Tuchfühlung als gar nicht unangenehm.
     Wie ein schwarzer Lindwurm, dicht gedrängt unter aufgespannten Schirmen, folgte die Trauergemeinde dem Sarg und der Familie. Der Regen hatte ein wenig nachgelassen. Dicht an dicht war es nicht mehr möglich, Pfützen und schlammigen Stellen auf dem Weg zwischen den Gräbern auszuweichen. Joja spürte, wie die Nässe bereits seine Hosenbeine hochzog, und hoffte, dass die Veranstaltung bald zu Ende sein möge. Doch zunächst galt es, die Beileidsbekundungen zu absolvieren. Obwohl er von Berufs wegen mit Sprache umzugehen, zu überzeugen, mitunter auch zu überreden wusste, graute ihm davor, denn in solchen Situationen wurden seine Worte mehr zu einem verlegenen Stammeln. Er sah zu Angelika und erinnerte sich an ihre Fähigkeit, durch ihre Mimik, einen verständnisvollen wissenden Blick und ein ermutigendes Lächeln, verbunden mit einer Kopfbewegung, zu der nur sie imstande war, viele Worte zu ersetzen. Er nahm an, dass ihr diese besondere Kommunikation nicht nur bei gesellschaftlichen, sondern auch bei solch traurigen Anlässen gelang, und beneidete sie bereits jetzt darum.
     Langsam näherten sie sich dem offenen Grab, in das der Sarg hinabgelassen wurde. Der Geruch nach feuchter Erde, die ausgehoben worden war und nun unter einer Abdeckung darauf wartete, die Öffnung wieder zu schließen, war deutlich wahrzunehmen. Sie sahen zu, wie diejenigen, die vor ihnen in der Schlange standen, eine der bereitgelegten Blumen auf den Sarg warfen, in einem stillen Gebet verharrten und anschließend der Familie ihr Beileid ausdrückten. Als sie an der Reihe waren, taten sie es ihnen gleich. Bei Guido Brendle und seiner Familie konnte Joja noch etwas von herzlicher Anteilnahme murmeln. Bei dem Alten und dessen Enkel fehlten ihm schon die Worte. Stumm drückte er ihnen die Hand und hatte das Gefühl, als drücke der Alte die seine fester und länger als nötig, ganz so, als könne er Kraft daraus saugen. Aber auch er sagte nichts. Angelika meisterte die Situation so, wie Joja es erwartet hatte.
     Sie traten zur Seite, und ihnen fiel auf, dass etwas nicht stimmte, dass etwas fehlte, genauer: nicht etwas, sondern jemand. Ein wenig abseits entdeckten sie Schönfelder und Lang. Beide schienen in ein Gespräch vertieft, das – soweit der Ausdruck ihrer Gesichter diese Schlussfolgerung erlaubte – nichts mit dem traurigen Anlass ihres Zusammentreffens zu tun hatte. Joja und Angelika teilten einander ihre Missbilligung durch ein kaum merkliches Kopfschütteln mit. Da bemerkte auch der Alte, dass sich sein Schwiegersohn abgesondert hatte. Sein eben noch ausdrucksloser, nach innen gewandter Blick schien die beiden Männer auf einmal zu durchbohren. Plötzlich lachte einer von ihnen kurz auf, weder Angelika noch Joja konnten hinterher sagen, ob es Schönfelder oder Lang gewesen war. Trauer und Verzweiflung des Alten entluden sich in einem Zornesausbruch und in den laut und heftig hervorgestoßenen Worten: »Erst bringt er meine Tochter um! Und jetzt ... jetzt steht er auch noch lachend an ihrem offenen Grab!«
     Der folgende Schwall von Verwünschungen wurde rasch undeutlich. Die Stimme des Alten klang plötzlich verwaschen wie die eines Betrunkenen und versagte schließlich. Sein Gesicht, das eben noch leuchtend rot erschienen war, hatte die Farbe reifer Auberginen angenommen. Dann sackte er in sich zusammen. Guido sprang seinem Vater zur Seite und fing ihn auf; er sah Joja direkt in die Augen. Wortlos gab Joja Angelika den Schirm und eilte hinzu; mit einem kurzen Seitenblick hatte er sich ihres Einverständnisses vergewissert und aus dem Augenwinkel gesehen, dass Schönfelder und Lang keinerlei Anstalten machten zu helfen. Während sich Angelika und Guidos Frau um den Enkel des Alten kümmerten, der fassungslos auf seinen Großvater starrte, bugsierten die beiden Männer Alfred Brendle halb stützend, halb tragend zu einer Bank, die etwas abseits stand. Sie lockerten die um den Hals geschlungene Krawatte und die übrige beengende Kleidung. In die bis dahin vor Bestürzung erstarrte Menschentraube kam Bewegung. Aus ihr löste sich ein Mann mittleren Alters, von dem Joja wusste, dass es sich um den Hausarzt handelte. Er eilte rasch vom Friedhof und – wie Joja annahm – zu seinem Fahrzeug; von dort kam er mit einem Koffer zu ihnen. Joja machte ihm Platz, schlug den Kragen seines Jacketts hoch und wartete, ob er noch helfen könne, um Gelassenheit bemüht angesichts der Situation und des Regens, der ihn in der Zwischenzeit völlig durchweicht hatte. Mittlerweile umringte die Familie die Bank mit dem Alten und dem Arzt. Und Joja trat noch einen Schritt zur Seite.
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