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Sünde des Schweigens
Verfasser: Rudolf Georg (1)
Verlag: Gmeiner (345)
VÖ: 11. September 2019
Genre: Kriminalroman (6360)
Seiten: 282
Themen: Anwälte (619), Entscheidungen (1540), Geiseln (71), Mali (6), Schweigen (175), Urlaub (690), Verdacht (577)
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Erklärung der Bewertungssysteme
Im Mittelpunkt des Krimis steht ein junger Rechtsanwalt, der in einen schweren Gewissenskonflikt gestürzt wird. Sein Mandant und dessen Ehefrau gerieten während eines Abenteuerurlaubs in Geiselhaft; er kam zurück, sie starb. Langsam keimt in dem Anwalt ein ungeheuerlicher Verdacht auf, doch wie soll er sich zwischen der ihm von Gesetz auferlegten Schweigepflicht und seinem Gewissen entscheiden. Die Lösung, die er schließlich findet, ist gefährlich, denn sein Gegenspieler ist nicht zimperlich.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Rudolf Georg für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Rudolf Georg gibt es bei Facebook und bei Instagram.
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Eins


Er konnte sich nicht erinnern, je an einer Beerdigung teilgenommen zu haben und trockenen Fußes zurückgekehrt zu sein, auch nicht an einem Spätsommertag wie diesem. Jetzt saß er im Auto und zögerte auszusteigen. Der Regen trommelte auf das Dach, die Tropfen liefen in kleinen Rinnsalen die Windschutzscheibe hinunter. Das schmutzige Grau des Himmels lastete schwer auf den Giebeldächern der Häuser.
     Am Morgen hatte er noch bei Sonnenschein die Wohnung verlassen; es hätte ein schöner Tag werden können, zumindest, was das Wetter anbelangte. Sogar seine Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht war überraschend gut verlaufen; sein Mandant zeigte sich mit dem Erreichten zufrieden. Als er aber den nüchternen Zweckbau des Gerichts verließ, sah er schon von Weitem das Papier, das unter dem Scheibenwischer klemmte. Das wäre nicht passiert, wenn er – wie sonst auch – den Weg von der Kanzlei zum Gericht zu Fuß zurückgelegt hätte. Aber er hatte damit gerechnet, dass es nach dem Termin zu knapp werden würde, um zurückzulaufen, sein Auto zu holen und rechtzeitig zur Beerdigung zu kommen. So hatte er in der Augustenstraße unmittelbar vor dem Gebäude geparkt, wider besseres Wissen, denn seiner Erfahrung nach ließ sich kein Verhandlungstermin innerhalb der Höchstparkdauer bewältigen. Nun hatte er die Quittung bekommen. Noch während er las, was ihm die Ordnungshüter abverlangten, begann es zunächst nur zu tröpfeln. Das anfängliche Nieseln entwickelte sich rasch zu einem ergiebigen Regen. Hastig stellte er seinen Aktenkoffer hinter den Fahrersitz und stieg ein.
     Nicht wegen der Gerichtsverhandlung – auch wenn sein Mandant es wohlwollend zur Kenntnis genommen hatte –, sondern wegen der Beerdigung hatte er sich am Morgen sorgfältig angezogen, dem Anlass angemessen, schwarzer Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte. Die Zeit hatte es nicht erlaubt, noch Schuhe zu putzen, weshalb er das einzige saubere Paar gewählt hatte. Elegante Schnürschuhe mit Ledersohle, ein Fehler, den er – dessen war er sich beim Blick durch die Frontscheibe gewiss – bald bereuen sollte.
     Joja fügte sich in sein Schicksal. Er erreichte die Kleinstadt vor den Toren Stuttgarts auf der Haupteinfallstraße, die auf dieser Strecke dreimal ihren Namen änderte, verlangsamte seine Geschwindigkeit und hielt nach einem Parkplatz Ausschau. In der Nähe der spätmittelalterlichen Stadtkirche gab es keinen, er hatte auch nicht ernsthaft damit gerechnet. Auf beiden Seiten der Straße und in den abzweigenden Querstraßen reihte sich in einem Umkreis, den er zu Fuß noch in wenigen Minuten bewältigen konnte, eine große Limousine an die andere. Vertreten war alles, was gut und vor allem teuer war, vorwiegend aus schwäbischer Produktion, aktuelle Modelle in dunklen Metallic-Farben. Wenige Luxus-Geländewagen ragten aufgrund ihrer Größe aus der nahezu gleichförmigen Ansammlung heraus, einige Sportwagen bildeten den farblichen Kontrast. Kaum eines der Fahrzeuge trug eine Typenbezeichnung; schließlich achtete man in diesen Kreisen auf Understatement. Langsam vorbeifahrend entdeckte Joja endlich in nicht allzu weiter Entfernung vom Friedhof eine Lücke, gerade groß genug für seinen altgedienten Volvo.
     Der Regen hatte nicht nachgelassen. Joja schaute sich im Auto um, doch er fand keinen Grund, das Aussteigen länger hinauszuzögern. Er drehte sich nach hinten und nahm seinen Schirm vom Rücksitz. Durch die regennasse Heckscheibe sah er weitere Trauergäste, deren Gesichter er jedoch nicht erkennen konnte. Die Fahrertür halb geöffnet, spannte er den Schirm umständlich auf, hielt ihn über sich, stieg aus und schloss die Tür hinter sich ab. Dann eilte er den anderen hinterher. Über die Pfützen auf Straßen und Gehweg hüpfte er hinweg und erreichte den Eingang zum Friedhof, bevor ein vorbeifahrendes Auto ihm einen Schwall Wasser hinterherschickte, der ihn zum Glück nicht erreichte. Er folgte – nunmehr gemessenen Schrittes – den anderen durch das eiserne Tor in der Mauer, die den Kirchhof umgab.
     Unter dem tief gehaltenen Schirm nahm er von der im ausgehenden 15. Jahrhundert errichteten Kirche kaum etwas wahr. Zudem verstellte ihm die Menschenansammlung die Sicht auf die großen Steinquader, die den Sockel bildeten, den schlichten blassgelben Putz, der nun von der Nässe dunkel war und von dem sich rechts neben der zweiflügeligen Tür ein schmales Eisenkreuz an der Wand abhob.
     Der Kirchhof empfing ihn mit dem Geruch feuchter Erde und dampfender Menschen. Er reihte sich in die Schar der Trauergäste ein, die sich – ebenso wie er – bemühten, auf dem geschotterten Weg zu bleiben und schlammige Stellen genauso wie Wasseransammlungen zu meiden. Die Anwesenden bestätigten den Eindruck, den er aufgrund der parkenden Fahrzeuge gewonnen hatte: Erschienen war, wer in Stuttgart und Umgebung wichtig war oder sich dafür hielt, außerdem Verwandte und Freunde der Familie der Toten. Seine Hoffnung, noch einen trockenen Platz in der Kirche finden zu können, schwand. Bis zu den Türen drängten sich Frauen und Männer in dunklen, zumeist schwarzen und nun auch feuchten Kleidern und Anzügen. Sämtliche Sitzplätze im Inneren dürften besetzt sein, dachte Joja, er würde die Trauerfeierlichkeiten wohl oder übel im Freien durchstehen müssen. Offenbar hatte die Regie mit einem solchen Andrang gerechnet, denn es waren Lautsprecher aufgestellt worden, um den Gottesdienst nach draußen zu übertragen.
     »Na, klasse!« Leise geflüstert drangen diese Worte an sein Ohr, er nahm einen sarkastischen Unterton wahr. Urheberin war eine Mittfünfzigerin mit trotz ihres Alters immer noch knabenhafter Figur. Sie trug ein maßgeschneidertes schwarzes Kostüm und einen Hut in derselben Farbe, der ihr – dessen war sie sich zweifellos bewusst – bei der Iffezheimer Rennwoche die Bewunderung des übrigen Geldadels eingetragen hätte. Mit ihrer Unterarmtasche zeigte sie dem Mann an ihrer Seite, dass sie sich soeben ihre Pumps aus schwarzem Lackleder ruiniert hatte. Der hagere Mann mit schlohweißem Haar, den Joja trotz des Altersunterschiedes für ihren Ehemann hielt, sah sie mit ausdruckslosem Gesicht an und zuckte unmerklich mit den Schultern; es dürfte kaum ihr einziges Paar Schuhe sein. Joja schob sich unterdessen in der Hoffnung, trockenen Boden unter die Füße zu bekommen, an den übrigen Wartenden vorbei, nicht ohne denjenigen, die er kannte oder zu kennen glaubte, gefasst zuzunicken. Er suchte und fand eine Stelle gleich neben dem Eingang, an der zumindest der Untergrund fester und weniger feucht erschien, denn er spürte bereits, wie die Sohlen seiner Schuhe die Nässe aufsogen.
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