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nie wieder zurück
Verfasser: Maria Braig (9)
Verlag: Querverlag (10)
VÖ: 2. September 2019
Genre: Gesellschaftsroman (261)
Seiten: 224 (Taschenbuch-Version), 185 (Kindle-Version)
Themen: Deutschland (637), Entscheidungen (1521), Flucht (1489), Frauen (628), Freiheit (410), Saudi-Arabien (14), Zwangsheirat (83)
Voting: Dieses Buch für die Abstimmung zum Buch des Monats September 2019 nominieren
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Als Fadia, die Tochter marokkanischer Einwanderer, erfährt, dass ihr Vater sie zwangsverheiraten will, läuft sie von zu Hause weg. Wenige Kilometer weiter strandet Damaris aus Saudi-Arabien auf der Flucht in Deutschland. Als ihr Mann, von dem sie unterwegs getrennt wurde, sie ausfindig macht, möchte sie nicht zu ihm zurück, denn in den vielen Monaten nach der Trennung hat sie ihre Selbstständigkeit entdeckt und sich mit Jane aus Uganda angefreundet. Als Jane ihr dann gesteht, dass sie sich in sie verliebt hat, stellt das Damaris vor Entscheidungen, die ihr bisheriges Weltbild ins Wanken bringen.
Fadia und Damaris treffen in einem Frauenhaus zusammen. Als sie dort eines Tages von den Männern der Familien entdeckt und mit Gewalt weggeholt werden sollen, kommt Hilfe aus einer völlig unerwarteten Ecke.
"nie wieder zurück" stellt das Konstrukt fester "Kulturkreise" infrage und zeigt, wie Frauen sich ihr Recht auf Entfaltung und ein selbständiges Leben nehmen.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Maria Braig für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Maria Braig gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Twitter, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

Fadias Eltern waren vor vielen Jahren aus Marokko nach Deutschland gekommen. Sie selbst war hier geboren, sie war in Bremen zu Hause, in dieser Stadt, die zufällig in Deutschland lag, also war sie geradeso deutsch wie ihre beste Freundin Alisa, mit der sie schon seit dem Kindergarten unzertrennlich war. Auch Alisas Eltern stammten ursprünglich nicht aus der Region, aber sie kamen nicht aus Marokko, sondern aus Bayern, was für die beiden Mädchen keinen Unterschied machte. Beides war weit weg und beide fuhren sie fast jedes Jahr in den Sommerferien dorthin, um die Großeltern zu besuchen.
     Dann war da noch Jil, die Dritte im Bunde. Erst im Gymnasium war sie zu ihnen gestoßen. Jils Eltern waren nicht weit weg in einem Dorf im Emsland geboren und aufgewachsen. Fadia hatte den Namen des Dorfes längst vergessen.
     „Immerhin haben sie es bis nach Bremen geschafft“, sagte Jil einmal zu den beiden Freundinnen. „Gott sei Dank. Sonst müsste ich jetzt auf dem Land versauern und hätte euch nie kennengelernt.“
     Jil beneidete Fadia und Alisa um ihre Reisen nach Marokko und Bayern. Bayern war nicht weit von Österreich, der Schweiz und Italien, und das war für Jil bereits die weite Welt. Von Marokko in Afrika ganz zu schweigen. Sie selbst verbrachte mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder jedes Jahr die Sommerferien an der Nordsee. Das war nicht weit zu fahren, und die Eltern zog es nicht ins Unbekannte. Jil schon.
     Fadia sah keinen Unterschied zwischen sich und den beiden anderen Mädchen. Als sie klein waren, hatten sie sowieso keinen Gedanken daran verschwendet, aber auch später waren sie einfach Freundinnen und lebten gemeinsam in der Stadt, in der sie geboren waren und die sie als ihre Heimat empfanden. Alle drei fühlten sich in Jeans und Sweatshirt am wohlsten und gemeinsam machten sie sich über die Mädchen in der Klasse lustig, die einen Großteil ihrer Zeit vor dem Schminktisch und in Nagelstudios verbrachten. Meist waren sie zu dritt bei einer von ihnen zu Hause, gingen ins Kino oder saßen im Sommer im Eiscafé, „um Jungen zu beobachten“, oder sie zogen mit „den paar halbwegs Normalen in der Klasse“, wie Alisa sich ausdrückte, wenn sie die mode- und schminkbewussten Mitschülerinnen ausschließen wollte, durch die Stadt.
     In der Klasse gab es auch ein paar andere, deren Eltern, wie die von Fadia, nicht aus Deutschland stammten, aber niemand kümmerte sich wirklich darum. Es waren schließlich die Eltern, die anderswo aufgewachsen waren, nicht sie. Nur hin und wieder, wenn es aus irgendwelchen Gründen Streit gab, warf man sich gegenseitig „Kanake“ und „Kartoffel“ an den Kopf, aber schon kurze Zeit später, wenn der Streit beigelegt war, war auch das wieder vergessen.
     Je mehr Fadia über dem Aufsatz grübelte, umso mehr Begebenheiten und Äußerungen fielen ihr ein, die ihr zu diesem Thema begegnet waren. Es hatte sie nie wirklich interessiert, geschweige denn beeindruckt, aber nun tauchten diese Dinge langsam, aber unaufhaltsam aus ihrem Unterbewusstsein auf. Anscheinend hatte sie eben doch alles irgendwo abgespeichert, anscheinend war es eben doch auf eine bestimmte Art und Weise wichtig für sie gewesen.
     Je älter sie wurde, desto häufiger wurde sie, wenn es irgendwo in der Welt einen islamistischen Terroranschlag gab, darauf angesprochen. „Was hältst du davon? Wie stehst du dazu?“ Zunächst hatte sie gedacht, es hinge mit dem Älterwerden zusammen, und es als eine Art Kompliment aufgefasst, dass die Erwachsenen sie nach ihrer Meinung zu politischen Geschehnissen befragten. Dann hatte sie irgendwann bemerkt, dass immer nur sie gefragt wurde, nie Alisa oder Jil, und sie hatte sich erst gewundert und im Lauf der Zeit darüber geärgert.
     Was interessierten sie denn diese Terroranschläge? Jedenfalls nicht mehr als ihre Freundinnen auch. Was ging es sie an, wenn irgendein Ausländer austickte und seine Ex-Frau angriff? Was hatte sie damit zu tun, wenn nordafrikanische Männer Frauen und Mädchen begrapschten? Nie hatte sie jemand gefragt, was sie davon hielt, dass der alte Stövermann, der allein in einem kleinen Haus in der Nachbarschaft wohnte, sobald ein junges Mädchen auftauchte, versuchte, sich an sie ranzumachen, sie dumm anquatschte, in sein Haus einlud und versuchte sie zu betatschen. Er war halt der alte Stövermann, die Mädchen wurden vor ihm gewarnt, sie sollten ihm am besten aus dem Weg gehen und sich fernhalten. Das war’s. Man hatte sie auch nie gefragt, was sie davon hielt, dass vor einiger Zeit ein Arbeitsloser in der Agentur für Arbeit Amok gelaufen war und mit einem Messer die für ihn zuständige Sachbearbeiterin verletzt hatte. Diese Leute waren Deutsche ohne irgendwelche ausländischen Wurzeln, das wurde Fadia jetzt klar. Sie verhielten sich zwar falsch, aber das kam eben immer mal vor. Sobald jedoch diejenigen, die sich falsch verhielten, Ausländer waren oder ausländische Eltern hatten, so wie sie selbst, dann war das plötzlich etwas, das zu den Ausländern gehörte. Kein Einzelfall, sondern typisch. Und dann war sie selbst plötzlich nicht mehr einfach Fadia, die schon immer hier lebte, wie Alisa und Jil auch, sondern dann war sie eine Ausländerin, eine potenzielle Terroristin oder zumindest auf irgendeine undurchsichtige Art mitverantwortlich für das, was „ihre“ Leute getan hatten.
     „Das ist eben ihre Kultur“, hatte sie in letzter Zeit immer öfter aufgeschnappt. „Das ist eben eure Kultur“, hatte sie selbst zu hören bekommen, aber lange Zeit nicht weiter beachtet. Abgehakt unter „dumme Sprüche“ und neben „Kanake“ in den Papierkorb geworfen. Aber, so bemerkte sie nun, auch was im Papierkorb lag, war nicht weg. Es war genauso wie auf ihrem Laptop. Von der Oberfläche verschwunden, vergessen, vorbei – aber doch noch greifbar. Und jetzt kam alles plötzlich von ganz allein nach oben.
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