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Ingas Verbrechen
Verfasser: Janina Hoffmann (2)
Verlag: Eigenverlag (13830)
VÖ: 16. November 2018
Genre: Horror (1176) und Mystery-Roman (333)
Seiten: 264
Themen: Achtziger Jahre (84), Brüder (779), Flucht (1507), Gefangenschaft (390), Schwestern (947), Verbrechen (183)
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Mitte der 1980er Jahre. Der zweiundzwanzigjährige Wolf wird seit Langem mit seiner Schwester Inga in einem mysteriösen Haus gefangen gehalten. Eines Tages gelingt ihm die Flucht, doch Inga muss er zurücklassen. Wolf setzt alles daran, seine Schwester zu befreien. Damit fängt für beide der schlimmste Alptraum erst an. Oder hat Inga es gar nicht verdient, frei zu sein?
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Janina Hoffmann für die Einsendung dieser Leseprobe!
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     „Lass uns doch lieber über schöne Erinnerungen reden“, versuche ich jedes Mal, das Gespräch in andere Bahnen zu lenken.
     „Okay, fang an.“
     „Weißt du noch, wie es Weihnachten immer war?“
     Der Gedanke daran ist, wie alle schönen Erinnerungen in Gefangenschaft, wunderbar und schmerzlich zugleich.
     „Ich weiß noch genau, wie unser letztes Weihnachtsfest war, bevor ... bevor wir hierherkamen“, erinnert sich Inga. „Mama stand den ganzen Nachmittag in der Küche. Gänsebraten sollte es geben. Mit Klößen, weil Britta die immer so gern aß.“
     Meine ältere Schwester studierte und lebte damals in Hamburg. Nur selten kam sie nach Hause.
     „Zu viel zu tun“, entschuldigte sie sich, wenn meine Eltern sie ab und zu anriefen. Von selbst meldete sie sich nie.
     „Wir haben mit Papa den Weihnachtsbaum geschmückt“, erzählt Inga weiter. „Richtig schön bunt mit viel Lametta. Papa ist zwischendurch immer wieder vor die Haustür gegangen, um zu sehen, wo Britta bleibt, denn es wurde schon langsam dunkel. Eigentlich hatten wir vor dem Essen noch in die Kirche gehen wollen, um uns anzusehen, wie einige Kinder die Weihnachtsgeschichte nachspielen, doch stattdessen blieben wir alle zu Hause und warteten in der Küche auf Britta. Inzwischen war es längst dunkel geworden, die Geschenke lagen unter dem Weihnachtsbaum, der Küchentisch war festlich gedeckt, der Gänsebraten drohte zu verkohlen, und die Klöße waren bereits matschig. Und wer war nicht da? Britta. Mama und Papa wollten unbedingt mit dem Essen und der Bescherung warten, bis sie nach Hause kam. Dann klingelte das Telefon.
     ‚Das wird die Deern sein‘, rief Mama. ‚Bestimmt kommt ihr Zug nicht aus Hamburg weg, bei dem ganzen Schnee.‘“ Inga ahmt den breiten norddeutschen Akzent unserer Eltern perfekt nach. „Mama ist dann schnell in den Flur, um den Hörer abzunehmen. ‚Na Bridda, hat dein Zug wohl Verspätung?‘, hörten wir sie fragen. ‚Ach so. Na dann ... viel Spaß und schöne Weihnachten, Deern.‘ Als Mama wieder in die Küche kam, war sie blass.
     ‚Was ist los, Renate?, fragte Papa. ‚Hat die Deern den Zug verpasst?‘
     ‚Sie will gar keinen Zug nehmen, Egon. Ist ihr zu voll an Weihnachten. Sie feiert lieber mit ein paar Freunden und hat ganz vergessen, uns Bescheid zu sagen.‘“
     Ich sehe die enttäuschten Gesichter meiner Eltern wieder genau vor mir. Weshalb will Inga unbedingt über dieses Weihnachtsfest sprechen? Es gab so viele andere.
     Während ich nach tröstenden Worten für meine Eltern suchte, platzte es aus Inga heraus. „Das ist doch wieder typisch Britta! Die egoistische Kuh versaut uns das ganze Fest! ‚Vergessen, Bescheid zu sagen‘, dass ich nicht lache! Britta vergisst nichts. Wir sind ihr einfach scheißegal! Mir ist die Lust auf Weihnachten vergangen!“ Mit diesen Worten verließ Inga die Küche und knallte die Tür hinter sich zu. Meine Mutter ging ihr nach, um sie zu beruhigen. Danach aßen wir vier schweigend das verkochte Essen. Nach Feiern war niemandem mehr zumute.
     Das zweite Thema, das Inga immer wieder anschneidet, ist die Frage nach dem Grund, weshalb wir hier sind. Ich höre ihr dann zu, ohne viel dazu zu sagen.
     „Wir werden hier zu Beobachtungszwecken festgehalten“, ist Ingas überzeugte Meinung. „Es geht nicht um Geld oder Rache, oder glaubst du, die Idioten an meiner Schule würden so etwas fertigbringen? Jemand will herausfinden, was eine jahrelange Isolation mit Menschen macht.“
     Inga meint zu wissen, dass wir von Außerirdischen entführt wurden. Schon als Kind hat sie immer wieder nächtliche Entführungen in ein Raumschiff geschildert und mit erstaunlicher Genauigkeit von ihren Begegnungen mit diesen Wesen berichtet.
     „So‘n Tüdelkram“, pflegte unser Vater dann zu sagen. „Das kommt bloß vom ganzen Fernsehen.“
     Ingas stärkstes Argument für ihre Theorie ist das Haus, in dem wir gefangen sind. „Du musst doch zugeben, dass das kein normales Haus ist, Wolf. Es ist nicht von dieser Welt“, hat sie schon oft gesagt.
     Inga hat Recht, das Haus ist seltsam, und doch hat hier allem Anschein nach vor uns eine Familie gelebt.
     Ungewöhnlich sind zunächst die absolut bruchsicheren Fenster, die sich nicht öffnen lassen. Die Glasscheiben befinden sich nicht einmal in einem Rahmen, sondern sind direkt im Mauerwerk verankert. Ich habe so etwas noch nie zuvor gesehen. In den ersten Tagen unserer Gefangenschaft habe ich mit aller Kraft mit einem Küchenstuhl auf jedes einzelne Fenster eingeschlagen. Die metallenen Stuhlbeine waren schließlich schief und krumm und die Stuhllehne verbogen, doch die Fenster hatten nicht einmal einen Kratzer.
     Dann sind da die schallisolierten Außenwände. Sie scheinen sehr dick zu sein und halten selbst beim stärksten Gewitter das Donnerkrachen von uns fern. Gleichzeitig müssen die Wände über so etwas wie Poren verfügen, denn die Luft ist fast im ganzen Haus immer frisch. Obwohl das Haus nicht geheizt wird, wird es im Winter nie kalt, während es im Sommer in allen Räumen, außer im Gäste-WC, angenehm kühl ist. Ich habe mir die Wände im ganzen Haus immer wieder genau angesehen, doch ich kann ihr Geheimnis nicht entschlüsseln.
     Wir wissen nicht, ob wir in einer Stadt oder am Ende der Welt gefangen gehalten werden. Dass wir an Silvester das Leuchten von Feuerwerkskörpern sehen, ist unser einziger Hinweis, dass es in unserer Nähe Menschen gibt. Der Blick aus den Fenstern verrät nichts über unsere Umgebung, denn um das ganze Haus herum stehen sehr hohe, dichte Zypressen. Sie sehen alle gleich aus. Genau gleich.
     Die vordere Hauswand trennt nur eine schmale, seit Jahren ungemähte Rasenfläche von dieser dunkelgrünen Armee und der schwarzen massiven Pforte, von der aus von Unkraut und Moos überwucherte Betonplatten zur Haustür führen. Es ist schwer zu sagen, aus welchem Material die Pforte besteht. Ich vermute, dass es Metall ist. Die Pforte ist in etwa so hoch wie eine Tür, doch die schwarze Wand darüber ragt hinauf bis zu den Zypressenspitzen. Ich habe noch nie so eine Gartenpforte gesehen. Sie gleicht dem Eingang einer Festung. Eine Garage scheint es nicht zu geben, jedenfalls ist sie oder eine Auffahrt nicht in unserem Blickfeld. Das Sonnenlicht erreicht den nach Norden ausgerichteten Vorgarten nie.
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