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Der Zopf meiner Großmutter
Verfasser: Alina Bronsky (7)
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (665)
VÖ: 9. Mai 2019
Genre: Gegenwartsliteratur (3511)
Seiten: 224 (Gebundene Version), 210 (Kindle Edition)
Themen: Geliebte (195), Großmütter (357), Großväter (166), Patchworkfamilie (34)
Erfolge: 12 × Spiegel Hardcover Top 20 (Max: 9)
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Erklärung der Bewertungssysteme
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Lesermeinungen (4)     Blogger (3)     Tags (1)
MEINUNGEN UND DISKUSSIONEN UNSERER LESER
Kommentar vom 20. Juli 2019 um 23:02 Uhr (Schulnote 2):
» Der Zopf meiner Großmutter, Roman von Alina Bronsky, 224 Seiten, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.
Ein Roman über eine Frau, die versucht, in einer Gesellschaft Fuß zu fassen, die ihr entgleitet.
Eine russische Familie, bestehend aus den Großeltern und dem kleinen Maxim, wandern als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland aus. Im Flüchtlingsheim, das den schönen Namen „Zur Sonne“ trägt, wird die Großmutter zur gnadenlos bösen Tyrannin. Vor ihren bitterbösen Sprüchen ist niemand sicher. Nur gut, dass die meisten Bewohner sie nicht verstehen, denn Deutsch lernt sie nicht. Den kerngesunden Max hält sie für einen geistig beschränkten und auch noch totkranken Idioten, der ständig umsorgt werden muss. Sie kocht und püriert, salzlos, zuckerlos und lauwarm. Dabei schikaniert sie ihn mit dem Duft und dem Anblick der leckeren Speisen die sie sich selber gönnt. Sogar seine Geburtstagstorte darf er nur mit den Augen verschlingen. Sie will ihn stets vor amerikanischen Päderasten, Zigeunern und der chinesischen Organmafia bewahren. Die Schimpftiraden der Großmutter treffen jeden. Sexismus, Antisemitismus, Homophobie. Die Türken kriegen ihr Fett ab, die Schwulen, die Juden sowieso. Als Schrumpfkopf, Dumpfbacke, Idiot, Asiatische Fresse, alter Sack, Krüppel und formloser Rotz werden Großvater und Max ständig tituliert. Doch Mäxchen fühlt sich abgehärtet gegen jede Peinlichkeit. Denn er und auch sein Opa wissen, dass es Margo tief in ihrem Inneren nicht so Böse meint. Als der Großvater sich in Nina, eine jüngere Russin verliebt, könnte das Ganze in ein Eifersuchtsdrama abgleiten. Doch wieder überrascht Oma alle.
224 Seiten aufgeteilt in kurze Kapitel die mit einer, den Inhalt des Kapitels, zusammenfassenden Überschrift versehen sind. Humorvolle zum Teil bitterböse Dialoge machen das Buch lebendig. Alina Bronsky beschreibt ihre Charaktere sehr gut, mir haben Sätze wie folgender sehr gefallen: „Das Klavier war alt. Die vergilbten Tasten erinnerten mich an die Zähne meiner Großmutter.“ Der Erzählstil in der Ich-Form, aus der Sicht des anfangs 6jährigen Maxim, ist gut gewählt, denn dadurch merkt man, dass Mäxchen keinesfalls so dumm ist, wie seine Oma behauptet. Obwohl Maxim der Erzähler ist, ist aber Margo, die Großmutter die eigentliche Protagonistin. Sie, die ehemalige Tänzerin, ist plötzlich abhängig von einem Kind. Das stellt sie vor ein Problem. Sie selbst ist nicht in der Lage, sich zu integrieren, deshalb beschneidet sie den Enkel, um ihre Einsamkeit zu überdecken, vermute ich. Immer wieder musste ich bei der Lektüre lachen. Sätze wie: „Alle dicken türkischen Mädchen sind schon dort, in rosa Tutus.“ Oder: „Hätte er dem Schwein nicht die Zigarette aus dem Maul reißen und sie ihm in den Hintern stopfen können?“ fand ich im Zusammenhang durchaus lustig.
Meine Lieblingsfigur natürlich der Erzähler Maxim, ein kluger und aufgeweckter Junge, der zum Glück durch die Behandlung seiner skurrilen Großmutter keinen größeren Schaden bekommen hat. Auch Tschingis, der Großvater, der schon lange zu sprechen aufgehört hat war mir sympathisch. Einzig Vera, die Tochter von Nina fand ich gemein und gehässig.
Die dominante Großmutter lässt die anderen Figuren im Buch blass erscheinen. Einige Seiten mehr und etwas mehr Informationen hätten dem Buch gut getan. Für den Preis, hat das Buch für meinen Geschmack zu wenig Umfang, denn es ist viel zu schnell gelesen. Mir hat das Buch gefallen und mir einen lustigen Lesenachmittag beschert. Deshalb möchte ich es gerne weiterempfehlen und vergebe Note 2«
  13      0        – geschrieben von Ele95
Kommentar vom 21. Juni 2019 um 17:15 Uhr (Schulnote 3):
» Zum Inhalt:
Eine Frau, die versucht, in einer Gesellschaft Fuß zu fassen, die ihr entgleitet. Ein Mann, der alles kontrollieren kann außer seinen Gefühle. Ein Junge, der durch den Wahnsinn der Erwachsenen navigiert und zwischen den Welten vermittelt.
Meine Meinung:
Was ich von dem Buch halten soll, weiß ich auch beim Schreiben dieser Rezension noch nicht, aber eins weiß ich schon. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, irgendwie ausgefeilt und gut lesbar. Die Geschichte an sich hat mich nicht wirklich erreicht, plätscherte so vor sich hin und hat mich nicht mitgenommen. Die Protagonisten haben mir nichts gesagt und blieben mir irgendwie fremd und unwirklich. Ein Buch, das ich wahrscheinlich schnell wieder vergessen haben werde.
Fazit:
Schöner Schreibstil, aber nicht meine Geschichte«
  9      1        – geschrieben von brauneye29
Kommentar vom 2. Juni 2019 um 21:02 Uhr:
» Ich mochte das Buch kaum aus der Hand legen - bis zum Ende sind mir die Figuren sehr ans Herz gewachsen. Der Roman bietet kurzweilige Unterhaltung mit Tiefgang - auch etwas Humor ist im Buch zu finden, was dem Buch noch einen gewissen "Touch" verleiht.
Zum Schluss überschlagt sich alles etwas - die Geschichte wird mir eine Spur zu rasant - hier hätten einige zusätzliche Seiten zur genaueren Ausführung nicht geschadet - daher gibt es hierfür einen Stern Abzug.
Im Großen und Ganzen gibt es aber von meiner Seite eine Leseempfehlung für diese doch recht innovative Geschichte.«
  5      0        – geschrieben von book_lover
Kommentar vom 30. Mai 2019 um 12:50 Uhr (Schulnote 3):
» EINE UNVOLLENDETE GESCHICHTE
Das Buch mit seinen knapp über 200 Seiten war sehr schnell gelesen. Alina Bronsky schrieb eine Geschichte, die zwischen Komödie und Tragödie schwankt, eine Geschichte, die das Leben schreibt, allerdings oft mit starker Übertreibung und bitterbösem Humor.
Aus der Sicht des heranwachsenden Max wird das diffizile Beziehungsgeflecht zwischen drei Erwachsenen erzählt.

Als russische Kontingentflüchtlinge wohnen die Großeltern und Max im Wohnheim, im ehemaligen Hotel „Zur Sonne“. Griesgrämig und mit üblen Schimpfworten bedenkt Margo ihren Mann Tschingis und den kleinen, zu Beginn 6jährigen Jungen. Mäxchen ist wahlweise u.a. ein „Idiot“, ein „Schrumpfkopf“, der kleine „Krüppel“ und der Großvater die „asiatische Fresse“. Max bekommt von ihr, weil er angeblich schwächlich, kränklich und unterentwickelt ist, stets pürierte, ungesalzene Pampe vorgesetzt. Sie kontrolliert alles und jeden, desinfiziert, läßt ständig Hände waschen, entwickelt angeblich aus Fürsorge für den Enkel hypochondrische Züge. Was hinter der Fassade dieser verschrobenen, schrägen Person vorgeht, läßt sich schwer ausmachen. Auf alle Fälle liebt Max trotz allem seine Großmutter und erträgt ihre Marotten genau wie der Großvater mit einer stoischen Ruhe.

Der Großmutter fehlt die Liebenswürdigkeit. Sie ist ein anstrengender, total überdrehter Charakter, die irgendwie in ihrem eigenen Kosmos lebt. Dass der Enkel ihre „Torturen“ übersteht, statt dessen noch eine gewisse charakterliche Stärke entwickelt, grenzt an Wunder. Er ist so helle, dass er weit vor seiner Großmutter mitbekommt, dass sich zwischen dem Großvater und der um einige Jahre jüngeren Nachbarin zärtliche Gefühle entwickelten. Sie bemerkt es erst als der Miniatur - Tschingis ihr aus dem Kinderwagen entgegenblickt. Ihre Reaktion auf die veränderten Familiensituationen ist mehr als überraschend und für mich nicht nachvollziehbar gewesen.
Die Geschichte strotzt vor skurillen Momenten, die ich oft als überspitzt empfand, auch weil zu wenig Hintergrundinfos vermittelt werden. Ich bin ganz gut im zwischen den Zeilen lesen und mir muss auch nicht jedes Detail erklärt werden; doch es wurde mir leider hier zu viel weggelassen, was zum besseren Verständnis vielleicht notwendig gewesen wäre. Die vielen Andeutungen waren mir zu vage, viele meiner Fragen blieben leider unbeantwortet.

Die Lektüre hat mich erreicht, weil die Geschichte in einem lebhaften, mitreißenden Schreibstil verfaßt wurde. Leider konnte sie mich nicht vollständig überzeugen, da durch die robuste, dominante Großmutter die anderen Personen zu Rand- bzw. Nebenfiguren degradiert wurden. Die Sichtweise des Großvaters hätte mich interessiert. Zum Ende der Geschichte mit dem langsamen Loslösen von Max aus der Patchworkfamilie kommt etwas Licht ins Dunkel. Für das Verhalten der Großmutter wagte ich, als dann der Zopf fiel (ein Bild mit hohem Symbolcharakter !), zarte Erklärungsversuche.

„Der Zopf meiner Großmutter“ scheint mir nicht zu Ende erzählt. Es ist eine unvollendete, fragmentarische Geschichte. Ich schwanke zwischen Bewunderung und Enttäuschung.

Trotzdem möchte ich meine Empfehlung aussprechen und bewerte mit drei von fünf Sternen!«
  13      1        – geschrieben von hennie
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