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Comissário Avila 2 - Madeirasturm
Verfasser: Joyce Summer (6)
Verlag: Books on Demand (2222)
VÖ: 18. März 2019
Genre: Kriminalroman (6255)
Seiten: 332 (Gebundene Version), 272 (Kindle Edition)
Themen: Kommissare (1516), Leichen (1651), Madeira (10)
Reihe: Comissário Avila (2)
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Stürmische Zeiten auf Madeira ...

Ein Sturm zieht auf. Im Hafen von Funchal wird die Leiche eines Touristen angespült.
Madeira rüstet sich, um eine Katastrophe und weitere Tote zu verhindern. Leticia Avila hat dagegen andere Pläne. Sie überredet ihren Mann, mit ihr das Wochenende in einem romantischen Hotel in den Bergen zu verbringen.
Aber der scheinbar so idyllische Ort wird bald gestört: Eine Leiche treibt am Morgen im Hotelpool.
Abgeschnitten von der Zivilisation versucht Comissário Avila, dem Sturm und den Machenschaften des Mörders zu trotzen. Wird es ihm gelingen, seine Familie zu beschützen?

Der zweite Fall für Comissário Avila und sein Team.
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LESEPROBE
Das Team von Leserkanone.de bedankt sich bei Joyce Summer für die Einsendung dieser Leseprobe! Mehr zu Joyce Summer gibt es auf ihrer Autorenseite, bei Facebook und bei Instagram.
Bei Amazon ist das Buch an dieser Stelle erhältlich. Bei diesem Link handelt es sich um Werbung, er enthält einen Affiliate-Code.

»Jack, how agrees the devil and thee about thy soul
that thou soldest him on Good Friday last
for a cup of Madeira and a cold capon’s leg?«

William Shakespeare – »Henry IV, Part 1«



Prolog


Leise tauchte das schwarze Paddel in das graue Blau des Atlantiks. Francisco konzentrierte sich auf seine Armhaltung. Das weiß-grüne Rennkajak schoss links an den zwei großen Passagierschiffen vorbei, die am neuen Kreuzfahrtterminal festgemacht hatten. An Bord rührte sich nichts. Irgendwo bellte ein Hund. Eine kleine Unachtsamkeit und sofort neigte sich das kippelige Boot gefährlich zur Seite. Francisco riss die Hüfte herum und schlug mit dem Paddel aufs Wasser.
     Uff, gerade noch einmal gut gegangen. Das Meer ist heute unruhiger als gestern.
     Das passierte ihm sonst nie. Es musste an dem gestrigen Abend liegen. Heute Morgen beim Aufwachen hatte er schon bemerkt: Er hatte mit seinem Freund Ernesto eindeutig zu viel Coral getrunken. In seinem Kopf hallten bei jeder Bewegung dumpfe Schläge wider. Dennoch wollte er sich nicht seine morgendliche Trainingsrunde im Hafenbecken von Funchal verderben lassen und war hinunter an den Hafen zum Centro treino mar, einem der örtlichen Kajakklubs, gefahren. Erneut widmete er sich seinen Armen. Er musste das Paddel höher führen und an der Hüfte wieder aus dem Wasser nehmen. Das Kajak schoss über die Wellen, als er die Schlagzahl erhöhte. Rechts neben ihm tauchte eines der grau-weißen Marineschiffe auf. Francisco hielt auf die Kathedrale Sé zu. Der gemauerte Turm mit seinem spitzen silbernen Dach diente ihm als Landmarke für den Kurs. Er machte eine leichte Linkskurve, um näher an die Marina mit ihrer berühmten Mauer zu gelangen. Dort hatten Segler aus aller Welt über Jahrzehnte ihre bunten Botschaften auf dem Stein hinterlassen. Er liebte es, nach dem Training noch einen kleinen Abstecher dorthin zu machen, um zu sehen, ob er wieder etwas Neues entdeckte.
     Jetzt war er ziemlich nah am Ufer und musste aufpassen, dass ihn die Wellen nicht auf die Wellenbrecher schoben, die, wie die ausgefallenen Zähne eines Riesen, scheinbar ohne Planung vor der Mauer am Ufer verteilt lagen. Oben auf dem mit einem eleganten grünen Metallzaun gesäumten runden Platz, der am Ende des Piers gebaut worden war, sammelten sich die ersten morgendlichen Angler. Einer winkte ihm zu.
     »Bom Dia, Advogado! So früh schon unterwegs? Passen Sie bloß auf, ein Sturm zieht auf. Wir werden uns in den nächsten Tagen auf etwas gefasst machen müssen«, rief der Mann.

***


Francisco fuhr näher heran, um zu erkennen, wer ihn grüßte. Da passierte es. Etwas stieß gegen sein Steuerblatt. Das Kajak drehte sich seitwärts zur Welle, eine weitere Welle erwischte ihn auf der Längsseite. Sofort neigte sich das Boot um beinahe 90 Grad. Er versuchte noch, mit dem Paddel zu stützen. Die nächste Welle besiegelte sein Schicksal. Mit einem lauten Platsch landete er im Atlantik. Sofort griff er nach dem Kajak, damit es kein trauriges Ende auf den Wellenbrechern fand. Vom Pier konnte er die Angler hören, die ihm zuriefen, ob er Hilfe benötige.
     »Obrigado, nein danke! Als Kajakfahrer darf ich keine Angst davor haben, nass zu werden! Ist doch Wassersport«, rief er hinüber.
     Wenn er nachher in die Kanzlei kam, würden ihn sicher seine Mitarbeiter schon feixend empfangen. Das war der Nachteil an Madeira. Es war einfach zu klein. Jeder kannte jeden und sein Kentern heute Morgen würde sich bei Bica und Galao schnell verbreiten. Er legte sich auf den Rücken. Das Paddel hielt er in der rechten, den Bug des Bootes in der linken Hand. Sein Körper schob sich beim Schwimmen unter das Boot. Etwas Großes, Weiches strich an seinen Beinen längs. Sein Herz setzte einen Schlag aus. Ein Hai? So nah am Ufer? Normalerweise verirrten sie sich nicht in den Hafen. Mit der immer größeren Anzahl von Kreuzfahrtschiffen waren die grauen Jäger seit einigen Jahren im Hafen von Funchal nicht mehr anzutreffen. Dann wohl eher ein neugieriger Delfin, der sich seinen Bootsunfall aus der Nähe ansehen wollte. Hatte der Tümmler ihn vielleicht aus Übermut angestoßen und er war deswegen gekentert? Das wäre das erste Mal, dass ihm das passierte. Er drehte sich zur Wasseroberfläche, um zu sehen, wer da mit ihm auf Tuchfühlung ging.
     Das war kein Delfin. Sein Kajak war nicht mit einem neugierigen Meeresbewohner kollidiert. Ein Mann schaute ihn jetzt aus trüben grauen Augen an. Die Haut schimmerte weißlich durch das von den ersten Sonnenstrahlen hellblau erleuchtete Wasser. Francisco ließ das Kajak los und schwamm mit zwei schnellen Zügen näher heran, um genauer sehen zu können. Das rechte Bein des Mannes stand unterhalb des Knies in einem fast Neunzig-Grad-Winkel ab. An den Armen konnte Francisco mehrere große Wunden ausmachen, soweit er es im Wasser sehen konnte. Dort, wo einmal der linke Fuß gewesen war, war nur noch ein zerfranster Stumpf. Der Mann musste mehrfach gegen die Brecher geschleudert worden sein. Wahrscheinlich hatte sich dabei der Fuß verhakt und war abgerissen. Aber das spielte keine Rolle mehr.


Funchal, Polizeipräsidium, 11.02.2014 – 08:11


Ernesto Vasconcellos lief die grauen Stufen zum Comando Regional da Madeira hoch. Das Polizeipräsidium lag an einer der größeren Straßen von Funchal in der Innenstadt. Gegenüber in dem kleinen schmalen Park hatten sich bereits die ersten Rentner versammelt, um eine Partie Schach zu spielen.
     Als er in sein schmuckloses Büro kam, welches er sich mit Aspirante Baroso und zwei Sargentos teilte, empfing ihn der junge Polizeianwärter schon aufgeregt.
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