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Finsternis im Herzen
Verfasser: Julia Neumann (1)
Verlag: Piper (1574)
VÖ: 4. Dezember 2018
Genre: Thriller (5644)
Seiten: 236
Themen: Betrug (126), Düsseldorf (83), Kindersoldaten (1), Kommissare (1450), Kongo (22), Korruption (136), Lügen (788), Mord (4760), Mordkommission (132), Verrat (851)
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"Finsternis im Herzen" ist ein spannender, politischer Thriller über zwei afrikanischen Geschwisterkinder, die von einem Düsseldorfer Industriellenpärchen adoptiert wurden. An seinem dritten Tag in Deutschland wird der Junge im Garten seiner neuen Eltern ermordet aufgefunden. Für die Kommissare deutet alles darauf hin, dass das Motiv zu dem Mord in der Vergangenheit der Kinder als Gefangene einer kongolesischen Bürgerkriegsmiliz zu suchen ist. Um mehr über das Leben der Kinder zu erfahren, muss sich die Ermittlerin Eva Langenberg auf den charmanten Entwicklungshelfer Tomke Krieger verlassen, der die Kinder nach Deutschland begleitet hat. Die beiden kommen sich schnell näher. Was Eva direkt bereut - denn der Entwicklungshelfer avanciert bald zum Hauptverdächtigen in dem Fall...
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MEINUNGEN UND DISKUSSIONEN UNSERER LESER
Kommentar vom 9. Dezember 2018 um 19:16 Uhr:
» Die blutige Spur des Coltan

„Finsternis im Herzen“ erschienen 2018 im PIPER Verlag, gehört zu den interessantesten Büchern, die ich in diesem Jahr gelesen habe.
Es ist der erste Thriller von Julia Neumann. Ein wahrhaft gelungenes Debut. Die Autorin nutzt gekonnt das Thriller-Genre, um verschiedene Botschaften zu kommunizieren. So greift sie unter anderem Themen wie Bürgerkrieg im Kongo, Korruption, Profitgier oder Betrug auf.
Zum Inhalt möchte ich nicht viel verraten und deshalb aus dem Verlagstext zum Buch zitieren: „Der afrikanische Adoptivsohn eines Düsseldorfer Industriellenpärchens wird ermordet. Die einzige Zeugin, seine Schwester Rahima, schweigt. Die beiden Kinder wohnen erst seit wenigen Tagen in Düsseldorf und befanden sich bis vor drei Tagen in der Gefangenschaft kongolesischer Rebellen.“

Erst seit kurzem arbeitet die 36jährige Eva Langenberg bei der Mordkommission und der Leser begleitet sie bei ihrem ersten Fall. Schon die Suche nach einem Mordmotiv erweist sich genauso schwierig, wie die Suche nach dem Täter.
Es muss einen Zusammenhang mit dem Herkunftsland der Kinder, dem Kongo, geben. Der Adoptivvater ist Manager in einem Technologiekonzern, der im Kongo investieren wollte. Seine Frau arbeitet häufig als Ärztin in einem kongolesischen Flüchtlingscamp, das ihre Eltern über eine Stiftung finanzieren. Immer tiefer dringen Eva und ihre Kollegen in die Materie ein und verfolgen jede sich bietende Spur. Doch einige führen nirgendwo hin. Deshalb versucht Eva über den attraktiven Entwicklungshelfer Tomke, der an der Adoption maßgeblich mitgewirkt hat, mehr zu erfahren. Doch dabei überschreitet sie Grenzen, die ihr beruflich und privat zum Verhängnis werden.

Der Kongo ist das zweitgrößte Land Afrikas und verfügt im Osten, woher die beiden Adoptivkinder stammen, über riesige Coltan-Vorkommen. Die Bodenschätze sind ein Fluch: Gold, Diamanten, Kobalt, Coltan und andere Erze ziehen Milizen an. Die Banden beuten die Menschen aus. Mit ihren Einnahmen kaufen sie Waffen, um weitere Gebiete zu erobern. Auch Rahima und ihr Bruder haben in einer Mine der Rebellen gearbeitet. Haben sie etwas gesehen, was sie in Gefahr bringt?
Plötzlich ist der unmenschliche Bürgerkrieg im Kongo gar nicht mehr so fern. Wirtschaftliches Engagement in dieser Krisenregion ist in Deutschland gegenwärtig. Bundesbehörden begleiten die Aktivitäten. Mobiltelefone nutzt nahezu jeder. Die Geräte sollen handlich klein sein und trotzdem möglichst viel leisten. Dafür brauchen die Hersteller Stoffe wie Kobalt und Coltan. Die Mineralien sind das Doping der Mobiltelefone.

Die Nähe von Profit und Verbrechen ist nicht neu und spielt in diesem spannenden Thriller eine herausragende Rolle. Der Erzählstil ist flüssig und packend. Perspektivwechsel bringen Abwechslung und vielfältige Informationen über die Akteure und ihre Ziele. Querbezüge erhalten die Spannung aufrecht und gewähren neue Einblicke in den Gesamtzusammenhang. Dabei wird den Erlebnissen der Geschwister in ihrer Heimat in kursiv gedruckten Abschnitten besondere Bedeutung gegeben.
Für mich ist es ein super spannendes Buch, das auch sehr viel Tiefgang hat, weil es Fragen des menschlichen Zusammenlebens aufgreift und berührende Schicksale von Menschen im Kongo zeigt, die in Europa immer wieder verdrängt werden. So hat auch der Entwicklungshelfer Tomke zu einer Lüge greifen müssen, um Spenden für notleidende Vertriebene auftzutreiben. „An hungernde Afrikaner hatte man sich in Europa schon gewöhnt ….Aber für Tiere waren die Deutschen schließlich bereit, in ihre Taschen zu greifen.“

Mir hat dieser Thriller außerordentlich gut gefallen, weil es Julia Neumann gelingt, eine spannende Geschichte mit Intrigen, Machtspielen sowie politischen und militärischen Konflikten der Krisenregion Kivu im Kongo zu kombinieren, ohne den Leser zu belehren. Es ist Unterhaltung auf hohem Niveau. Die Protagonisten sind authentische differenzierte Persönlichkeiten, deren Handlungen für mich als Leser nachvollziehbar waren.
Das in sich schlüssige und realitätsnahe Finale lässt mich nachdenklich zurück. Wer sich für Afrika, den Kongo und globale Probleme, verpackt in einen spannenden Thriller, interessiert, dem ist dieses Buch zu empfehlen. Gern vergebe ich 5 Sterne und hoffe auf weitere Bücher dieser talentierten Autorin.

Das Rezensionsexemplar wurde mir dankenswerter Weise von NetGalley zur Verfügung gestellt und hat meine Meinung in keiner Weise beeinflusst.«
  19      0        – geschrieben von eiger
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